Beginning a new life (Twilight FF)

Cover zu dieser schönen Geschichte… das hat eine Freundin gemacht, die soll an dieser Stelle mal lieb gegrüßt sein *gracie knuddel* … Danke Maus für deine Arbeit! Sie ist genial.
Hier seht ihr das Cover  =>  http://666kb.com/i/b9fqv9fb0udhorhg5.jpg

 
 
 
 
 
PrologIch war neu in der Stadt, na toll. Meine Mutter hatte neu geheiratet und nur weil ich sie so liebte verdammte ich mich an den grässlichsten Ort der Welt zu ziehen: Forks. Hier regnete es dauernd und das konnte ich nicht ausstehen. Ich mochte den Regen nicht, ebensowenig wie die Kälte. Und doch war ich hier.
Charlie – mein Dad – freute sich darüber. Ich glaube das tat er wirklich. Es war erstmal vorübergehend, damit hielt ich mich bei der Stange. Diese Stadt war klein, langweilig und verregnet. Das wusste ich schon von früher, damals als ich noch in jedem Sommer zwei Wochen hier verbracht hatte. Das war Jahre her. Und heute war mein erster Schultag in Forks. Wie ich den überleben würde, fragte ich mich schon bevor ich überhaupt in Phoenix losgeflogen war. Meine Mitschüler würden mich alle anstarren und mir würde irgendetwas unheimlich ungeschicktes passieren – garantiert! Das passierte mir immer. So war ich nun einmal: ungeschickte, kleine Bella.

 
~*~ Kapitel 1: Der erste Tag – Hilfe! ~*~„Bella!“ schallte es durch das Haus und ich verzog unwillig den Mund. Es war Zeit aufzustehen und Charlie versuchte mich daran zu erinnern. Schnell polterte ich einmal quer durch mein Zimmer, damit er beruhigt war. Ich war schon lange wach, ich hatte überhaupt nicht schlafen können. Die vielen Geräusche die hier um das Haus herrschten, es machte mich krank. Hoffentlich gewöhnte ich mich irgendwann daran.
Ich warf einen Blick auf meine Klamotten, nichts auffälliges dabei… gut, so sollte es auch sein. In Phoenix war ich nie besonders aufgefallen und ich hoffte, dass das hier auch so laufen würde. Aber ich war sicher eine Attraktion, schließlich gab es hier insgesamt nur etwas über 300 Schüler. Ein Bruchteil dessen was es in Phoenix gegeben hatte! Seufzend griff ich mir ein Oberteil und packte meine Tasche. Ich war bereit in die Höhle des Löwen zu gehen.

Nach einem kurzen Frühstück stieg ich in meinen Transporter, Charlie hatte ihn mir gekauft. Ein Willkommensgeschenk. Alt, aber scheinbar zuverlässig… das würde mir reichen. Der Weg zur Schule war mir noch nicht vertraut, doch verfehlen konnte ich sie gar nicht. Ich war früh dran, ich hatte um Nichts in der Welt einen großen, hektischen Auftritt hinlegen wollen! Noch war der Parkplatz leer und so stellte ich meinen Transporter ab und ging hastig auf das Gebäude zu, dass laut der Beschreibung meines Vaters, das Verwaltungsgebäude sein sollte. Die nötigen Formalitäten waren schnell geklärt und die Sekretärin war sehr nett, etwas zu überfürsorglich, aber nett. Langsam kamen die restlichen Schüler, ich stand an meinen Transporter gelehnt und hörte Musik – Muse. Wenigstens fiel mein altes Auto hier nicht so sehr auf, alle schienen ähnliche Fahrzeuge zu haben. Um nicht zu spät zum Unterricht zu kommen – bitte nicht gleich am ersten Tag! – lief ich los. Mathe. Nicht gerade mein Lieblingsfach. Ich meldete mich bei dem Lehrer und er wies mir einen Platz zu. Neben mir saß ein Mädchen, sie musterte mich kurz und lächelte dann zaghaft. Als ich zurücklächelte, vorsichtig, da hielt sie mir ihre Hand hin.

„Mein Name ist Jessica. Du bist Isabella Swan, richtig?“ Und ich dachte schon alles wäre gut als der Lehrer mir die peinliche Vorstellungsnummer erspart hatte… doch sie kannte meinen Namen. Hier sprach sich wohl alles schnell rum.
„Hm… nur Bella.“ Erwiderte ich.
„Oh, okay.“ Bevor sie noch mehr sagen konnte, ermahnte Mr Varner uns alle zur Ruhe und begann den Unterricht. Es war nicht leicht, aber ich hatte das Thema in Phoenix schon gehabt und so schaffte ich es einigermaßen zu folgen. Nach dem Klingeln blieb Jessica an meiner Seite.
„Wenn du willst helfe ich dir deinen Raum zu finden. Zeig mal her, was hast du denn als Nächstes?“ Fragte sie und schielte nach meinem Stundenplan.
„Spanisch. Na das ist einfach. Du musst nur den Gang runter und dann die letzte Tür links.“
„Danke.“ Murmelte ich und lief los. Ich spürte einige Blicke auf mir ruhen und das war mir unangenehm.
„Warte mal, Bella.“ Rief Jessica, ich drehte mich um. „Wollen wir zusammen Mittag essen?“
Ich nickte unbestimmt, immerhin würde ich dann nicht alleine sitzen müssen.
„Gut, warte einfach an deinem Spanischraum, ich hole dich ab.“ Sagte sie lächelnd und ich war ihr irgendwie dankbar.

Sie war tatsächlich da als ich den Raum verließ.
„Wie war Spanisch?“ Fragte sie mich lächelnd und ich seufzte.
„Naja, Spanisch ist endlich mal etwas das ich kann. Im Süden ist Spanisch die zweite Sprache neben Englisch, also…“ Mehr brauchte ich wohl nicht zu sagen. Sie verstand schon. Der Weg zur Cafeteria war nicht weit und zwei Minuten später traten wir durch die Tür. Zielstrebig ging Jessica zu einem Tisch rüber, dort saßen wohl ein paar ihrer Freunde, die sich mir der Reihe nach vorstellten. Etwas überfordert versuchte ich nur sie anzulächeln, damit man mich nicht für unhöflich hielt. Einer der Jungs an dem Tisch quatschte mich unaufhörlich zu und ich war froh, dass er nur selten eine Antwort erwartete… sein Name war Mike Newton. Als ich ihn so musterte, erinnerte er mich an einen Golden Retriever, sein Gesicht und die blonden Haare, dazu dieser treudoofe Blick. Ja es war unverkennbar! Genauso unverkennbar wie die Tatsache, das Jessica auf ihn stand. Immer wenn sie sich unbeobachtet fühlte, sah sie zu ihm, musterte ihn und lächelte dann. Sie war in ihn verliebt, aber er merkte das offenbar nicht.

„Was hast du als Nächstes, Bella? Vielleicht können wir dir ja helfen oder du hast mit einem von uns.“ Meldete sich nun Angela zu Wort. Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren, sie war sehr dünn und hatte ein sympathisches Lächeln. Ich nickte nur und holte meinen Stundenplan hervor, denn ich wusste nicht was als Nächstes anstand.
„Oh du hast Musik.“ Ihre Bemerkung klang als wäre das etwas Schlechtes. Die Anderen sahen mich auch erstaunt an.
„Was? Was ist? Was ist an Musik so schlecht? Ihr seht ja aus als würde ich auf einen Friedhof gehen…“ Was war nur los? Ich wollte das wissen. Vielleicht war es ja nur ein blöder Lehrer oder so… aber ich wollte wissen was los war. Jessica räusperte sich vernehmlich und alle blickten sie erwartungsvoll an.
„Es ist nur… keiner ist in Musik, Bella. Außer ein paar Freaks. Glaub mir, die meisten die dort drin sitzen, mit denen willst du sicher nichts zu tun haben. Da haben wir ein paar Bob Marley Fans, das sind die immer kiffenden und du siehst nicht aus als wolltest du mit ihnen abhängen. Und dann sind da zwei von den fünf Cullens drin. Alice und Edward.“ Sie zeigte heimlich auf einen anderen Tisch, einen abseits der Anderen, an dem fünf Schüler saßen. Drei Jungs und zwei Mädchen. Unterschiedlich wie Tag und Nacht und doch so gleich. Das eine Mädchen war blond, schlank und sah aus wie ein Model. Die Andere war dunkelhaarig, zart wie eine Elfe und sah irgendwie zerbrechlich aus. Doch beide waren unglaublich hübsch, sehr blass und wurden je von einem Kerl angehimmelt. Der neben der Blonden war riesig, ein Bär und hatte dunkle, kurze Locken. Ihm Gegenüber saß ein etwas kleinerer, hagerer Junge mit blonden Haaren. Seine Augen klebten an dem Gesicht der kleinen Elfe und ich lächelte unwillkürlich, denn man sah dass er sie liebte. Neben den Vieren saß ein anderer Junge, teilnahmslos und aus dem Fenster starrend, sein Gesicht war schön und er hatte lange, verstrubbelte, bronzefarbene Haare.
„Es ist schon fast ein Wunder, dass Jasper seine Alice alleine in einem Fach lässt.“ Meinte Jessica und erklärte mir nun welcher der Cullens auf welchen Namen hörte. Ich lauschte interessiert. Soso, ich würde also mit der kleinen Elfe und dem teilnahmslosen Jungen zusammen in Musik sitzen. Irgendetwas an ihnen faszinierte mich. Vielleicht war es die Tatsache, dass sie Aussenseiter waren? So wie ich bisher immer einer gewesen war, in Phoenix.
„Aber wir wünschen dir natürlich trotzdem viel Spaß. Und ansonsten kannst du ja vielleicht noch den Kurs wechseln.“ Gab nun auch Mike seinen Senf dazu. Dann erklärten sie mir den Weg zum Musikraum und als es klingelte, stand ich vor einem Raum und war noch ein wenig unsicher. Natürlich würde ich reingehen, aber es kostete mich schon Überwindung – so wie alles heute!

~ *~ Kapitel 2: Begegnung und Einladung. ~*~

„Hallo!“ Schallte es auf einmal neben meinem Ohr und ich schreckte zusammen. Mit klopfendem Herzen drehte ich den Kopf und sah in zwei große rehbraune Augen, die mich fröhlich ansahen. Es war die kleine Elfe – Alice hieß sie hatte man mir gesagt. Hinter ihr erspähte ich ihren Bruder, Edward, der noch immer teilnahmslos aussah und schräg hinter ihr an der Wand lehnte. Er seufzte, woraufhin sich die kleine Elfe umwandte und ihn ansprach:
„Och geh doch, Edward! Wenn du nicht höflich und nett sein kannst, dann geh rein und setz dich und lass mich in Frieden.“ Ich war überrascht, dass sie so mit ihrem Bruder sprach. Der jedoch zuckte nur mit den Achseln und ging an uns vorbei. Verblüfft sah ich ihm hinterher.
„Ignorier ihn! Das mache ich auch öfter mal. Mein Name ist Alice. Und du bist Bella, ja?“ Sie klang überdreht, aber freundlich. Ich versuchte es mit einem zaghaften Lächeln.
„Ja, ich bin Bella. Hey.“ Mehr bekam ich nicht raus. Doch für sie schien es genug zu ein.
„Ich glaube wir zwei werden uns super verstehen!“ rief sie aus und hängte sich bei mir ein, zog mich hinter sich her und ließ sich an einem Tisch nieder, neben dem Tisch, an dem ihr Bruder Edward saß.
Ihre helle Stimme redete so schnell auf mich ein, dass ich nicht alles verstand. Ihre Augen funkelten so lebensfroh und freundlich, ich war von ihr begeistert.
„Hat man dir gesagt, dass wir hier alle irgendetwas am Schulfest machen müssen?“ Mein Gesichtsasudruck sagte wohl alles, denn sie brach in Kichern aus und kriegte sich nicht mehr ein.
„Keine Sorge, das wird schon. Es werden ja nicht alle aus diesem Kurs auf die Bühne müssen. Es kommt eben drauf an was du kannst.“ Ihre Stimme sollte beruhigend klingen, doch mich beruhigte nichts. Der Gedanke möglicherweise auf der Bühne stehen zu müssen war gleichermaßen beängstigend und schön. Doch wieso das so war, das war eine andere Geschichte und keine kurze!

„Schau da kommt unsere Lehrerin, Ms Plumfeather.“ Zwitscherte mir die kleine Elfe Alice ins Ohr und ich sah auf. Die Lehrerin war schon etwas älter, hatte graue lange Haare, die zu einem Dutt gesteckt waren und sah überaus freundlich aus. Auf Anhieb mochte ich sie und ahnte, dass die Stunden nicht sonderlich unangenehm werden würden.
„Oh ich sehe wir haben eine neue Schülerin. Guten Tag, würden sie sich bitte vorstellen?“ Ich schluckte, nunja, was sein muss, das muss eben sein. Ein Räuspern und ich schob leise meinen Stuhl zurück um mich aufzustellen.
„Ich bin Bella Swan, gerade aus Phoenix hergezogen, zu meinem Vater und erst seit zwei Tagen in der Stadt.“ Mehr gab es einfach nicht zu sagen. Oder doch?
„Spielen sie ein Instrument? Oder singen sie?“ Erkundigte sich die Ms Plumfeather bei mir.
„Ähm, ja…“ Erwiderte ich errötend, denn es war lange her, dass ich das letzte Mal vorgespielt hatte. „Ich spiele Gitarre. Was das Singen angeht, so denke ich reicht es nur für meine Dusche…“ setzte ich murmelnd hinzu. Meine Mitschüler lachten, ebenso wie Ms Plumfeather. Alle kicherten über meinen Witz, alle außer einem: Edward. Er sah mich nur mit einem abschätzenden Blick an, dann wurde er erneut teilnahmslos und der Unterricht begann.

Nach dem Musikunterreicht begleitete mich Alice durch die Gänge. Sie redeten unaufhörlich und ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen. Sie war aufgeweckt, lebensfroh und strahlte die ganze Zeit – mit anderen Worten: Ein kleiner Sonnenschein. Ihr Bruder Edward war beim Klingeln sofort verschwunden, als hätte er nur darauf gewartet. Irgendwie war er seltsam. Vor meinem Spind blieben wir stehen, damit ich meine Sportsachen mitnehmen konnte, denn das stand nun auf dem Plan und bei Alice auch.
„Das ist toll dass du bei mir im Kurs bist, das wird Spaß machen.“ Begeisterte sie sich. Mein Gesicht verzog sich aber zu einer Grimasse.
„Freu dich nicht zu früh, Alice. Ich bin furchtbar unsportlich.“ Sie lachte nur und zog mich ungeduldig hinter sich her, so wie sie es scheinbar immer tat.
Es kam wie es kommen musste: Ballsport in Sport… *würg* Man wollte meine Mitschüler wohl umbringen! Da sich Alice hartnäckig an meiner Seite hielt, was ich als äußerst angenehm empfand, blieben mir die Anderen etwas fern. Es war wohl wirklich so, dass man die Cullens mied. Unverständlich. Alice war doch so unglaublich nett und fröhlich – richtig ansteckend. Ich ertappte mich dabei, wie ich mehrmals breit grinste und mit ihr lachte. Trotz der Tatsache dass wir Basketball spielten und ich mindestens drei Leuten den Ball an den Kopf warf. Meine Ungeschicklichkeit war peinlich… aber Alice störte es nicht.

„Du Bella?“ Erklang auf einmal ihre Stimme, nachdem unser Lehrer verkündet hatte dass Schluss war. Ich sah auf, fragend.
„Hast du Lust vielleicht morgen zu mir zu kommen? DVD schauen oder so? Dann kann ich dir auch meinen Jasper mal vorstellen. Und Rose und Emmett, die Beiden sind echt klasse.“ Ihr fiel mein Zögern wohl nicht auf… nicht dass ich nicht liebend gern den Rest der Cullens kennenlernen wollte, ich war schließlich neugierig, aber mir war der Gedanke an Edward irgendwie unangenehm. So teilnahmslos wie er wirkte und dann sollte ich mit ihm in einem Haus sein, vielleicht sogar neben ihm auf der Couch sitzen? Alice hüpfte aufgeregt auf und ab, lachte und plapperte mich schon mit irgendwas anderem zu, sodass ich nur nicken konnte. So eine Chance kam vielleicht nicht so schnell wieder…

Der nächste Tag verlief fast genauso wie mein erster Tag an der Schule, mit einem Unterschied: Edward war nicht da. Alice fing mich nach der Mittagspause, die ich bei Jessica, Mike und den anderen verbracht hatte, ab und wir schlenderten zu Musik. Ich verkniff mir die Frage nach dem Grund für Edwards Abwesenheit und plauderte so ungezwungen wie möglich, dabei machte mich das nervös. Was war bloß mit mit los? Ich kannte diesen Jungen doch gar nicht, na gut seinen Namen, aber das war doch auch alles. Und dass er nicht da war machte mich nervös – bescheuert. ‚Du bist einfach nur bescheuert, Bella Swan.‘
„Hm weißt du unser Haus ist schwer zu finden… vielleicht sollten wir dich gleich mitnehmen nach der Schule?“ Überlegte Alice laut. Mein Kopf flog zu ihr rum.
„A… aber mein Auto.“ Mehr brauchte ich nicht zu sagen, sie hüpfte schon wieder auf und ab.
„Ah, dann fahren wir dir hinterher nach Hause, du stellst dein Auto ab und dann nehmen wir dich mit.“ Jubelte sie, dass mir das Angst machte, konnte oder wollte sie nicht sehen. Vom Rest ihrer Familie kannte ich doch niemanden!
„Ich werde dir die Anderen gleich auf dem Parkplatz vorstellen. Sie werden dir gefallen.“ Sagte sie voller Überzeugung und zog mich nach Schulschluss hinter sich her. Wie konntes es auch anders sein?! Ich lächelte, denn Alice war einfach zauberhaft. Man musste sie einfach lieben. Zumindest sah ich das so…

Kurz bevor wir an dem silbernen Volvo ankamen, bei dem der Rest ihrer Familie stand, atmete ich noch einmal tief ein und bereitete mich auf das Unvermeidliche vor: Dass ich ihnen nicht das Wasser reichen konnte.
„Leute! Das ist Bella. Sie ist toll. Eine ganz liebe und meine beste Freundin!“ Plätscherte es aus dem Mund der kleinen Elfe und mir stockte der Atem. ‚Hatte sie gerade beste Freundin gesagt?‘ Wow. Das war aber schnell gegangen.
Die Jungs lächelten mich vorsichtig an. Jasper etwas zurückhaltender als der große Bär Emmett.
„Hallo Bella.“ Sagte der einfach nur und hielt mir eine seiner großen Pranken hin, die ich scheu ergriff. Ebenso vorsichtig wie die Beiden mich angegrinst hatten, versuchte ich es mit einem Lächeln und es klappte. Nun gab mir auch Jasper seine schmale Hand und ich musterte ihn kurz. Er passte perfekt zu Alice und schien eher ruhig, aber unheimlich sympathisch zu sein. Rose dagegen musterte mich mit schmalen Augen. Ihre Schönheit zeigte mir wieviele Makel ich hatte! Neid, den zu verspüren normal wäre, gelang mir nicht. Sie war einfach nur schön und es schien so zu gehören. Mehr nicht.
Alice hüpfte neben mir immer noch auf und ab, obwohl Jasper einen Arm um ihre Taille gelegt hatte. Wie sie das schaffte war mir ein großes Rätsel.
„Nun du willst also zu uns kommen, ja? Nachdem dein Auto abgestellt wurde… wir sollten auch was essen, was meint ihr?“ Schlug Emmett vor. Die Anderen stimmten begeistert zu und diskutierten dann lautstark, was es zu essen geben sollte. Hibbelig stand ich neben ihnen und musterte aus Mangel an Alternativen das Auto. Nach kurzem Überlegen fiel mir sogar das Modell ein – ein Highlight für mich! – ein Volvo C30. Ein schönes Auto, nicht zu groß, aber die Stärke eines Volvos. So etwas ließ sich gewiss traumhaft fahren… Während ich darüber nachdachte, hörte ich auf einmal ein triumphierendes „HA!“ und wandte erstaunt den Kopf.

Emmett tanzte um Jasper und Rose herum und Alice stand kichernd daneben. Das sah einfach göttlich aus! Zum Schreien komisch.
„Es gibt Pizza… Pizza… Pizza.“ Sang er dabei und es klang grausig. Singen war also nicht sein Talent, dachte ich schmunzelnd und stimmte in Alice Lachen mit ein. Jasper hielt es auch nicht mehr lange aus und kicherte mit. Nur Rose zog eine Schnute – was bei ihr natürlich auch wunderschön war. Doch als Emmett vor ihr auf die Knie ging und ihre Hand nahm, da lächelte sie kurz und dann war alles wieder okay. ‚Oh man‘ dachte ich ‚Die sind ja alle so perfekt. Sie gehören zusammen und das ist einfach… wow‘
„Wollen wir dann? Ich sitz bei Bella!“ Rief Alice und zog mich schon hinter sich her zu meinem Transporter. Dieser Wirbelwind!

 
 
 
 
~*~ Kapitel 3: Kennenlernen der Familie… Ich mag sie. ~*~Eine halbe Stunde später saß ich auf dem Rücksitz des silbernen Volvos und bewunderte die Fahrkünste von Jasper. Gerade waren wir von der Straße auf einen schmalen Waldweg eingebogen, der mich überraschte.
Wäre Jasper nicht wie selbstverständlich darauf abgebogen, hätte ich den Weg gar nicht gesehen. Mitten durch den Wald ging es, überall war es grün. Doch dann teilte sich auf einmal das Dickicht und gab den Blick auf eine große Lichtung frei. Inmitten der freien Fläche erhob sich ein riesiges, modernes Haus. Die halbe Fassade war verglast und sehr beeindruckend.
Ich bekam kaum mit, wie mein Mund vor Staunen offen stehenblieb, doch ein Kichern brachte mich zurück in die Realität.
„Uh Bella hat Maulstarre.“ Meinte Emmett und Alice boxte ihm scherzhaft auf den Arm. Alle sahen mich erwartungsvoll an, so als erwarteten sie mein Urteil. Verlegen schloss ich meinen Mund endlich wieder und sah mit großen Augen an dem Haus hoch.
„Das ist der Hammer.“ Mehr brachte ich nicht raus, zumindest nicht im Moment. Die Cullens mussten wahnsinnig reich sein, nicht dass man das ihren Klamotten und den Autos nicht auch schon ansah, aber das Haus war die Krönung, eine regelrechte Villa. Mitten im Wald.
‚Das würde mir auch gefallen hier zu leben‘ dachte ich und folgte den Anderen zur Haustür.
Innen war es noch viel schöner: hell und freundlich eingerichtet und so viel Platz, dass man sicher wunderbar Partys schmeißen könnte. Ich war überwältigt, es war klassisch und modern zugleich, dazu hell und überall konnte man in die Natur des Waldes sehen. In einer Ecke war eine Musiknische eingebaut, mittendrin prangte ein großer schwarzer Flügel.
(Der gehörte sicher Edward!) Während ich zögerlich den Wohnraum durchschritt – dabei folgte ich nur Alice und Jasper – traten zwei weitere Menschen in den Raum, sie kamen offenbar aus der Küche, Arm in Arm.
„Hallo, du musst Bella sein.“ Sagte die Frau und ihre Stimme klang herzensgut und sehr einladend. Ihr Mann, denn das waren scheinbar Mr und Mrs Cullen, nickte mir ebenso freundlich zu und lächelte mich breit an.
Sie standen ihren Adoptivkindern in Nichts nach, ihre Erscheinung war genauso schön und imposant. Ich kam mir so klein und unbedeutend neben ihnen vor.
„Ja Esme, dieses kleine, scheue Mädchen ist Alice neue Freundin. Bella.“ Grinste Emmett und schnitt mir eine Grimasse.
„Nana, Emmett… so behandelt man doch keinen Gast.“ Schalt ihn seine Mutter leise. Ihr Blick begegnete meinem wieder. „Können wir dir etwas zu essen oder zu trinken anbieten?“ Bevor ich irgendwie antworten konnte, kam mir Emmett zuvor:
„Wir werden gleich Pizza bestellen und den ganzen Tag DVD’s gucken. Wir kümmern uns schon um sie.“ Esme lächelte. Ihr Mann schien noch etwas sagen zu wollen:
„Aber seid nicht allzu laut, Edward hat wirklich ein wenig Ruhe nötig.“ Seine Stimme klang noch schöner und freundlicher als die seiner Frau. Was war das nur für eine perfekte Familie, so voller Harmonie. Ich beneidete sie ein wenig um diese Idylle.
Alle murmelten zustimmend auf die Ermahnung des Vaters, dann gingen die Eltern – sie sagten sie wären auf dem Weg nach Washington, zu einem Ärztekongress. So blieb ich also inmitten dieses Traumhauses stehen, doch Alice zog mich schon wieder hinter sich her.
„Komm Bella, ich zeige dir unser Haus.“ Gesagt, getan, sie zog mich schon die Treppen hoch.
„Alice, spar dir mein Zimmer aus! Solange ich in der Küche stehe und nicht dabei bin…“ Rief Rose uns nach. Kichernd zerrte mich Alice weiter.
Das ganze Haus war in hellen und warmen Farben gehalten, sodass man sich einfach wohlfühlen musste. Ihr eigenes Zimmer war riesengroß, nun gut, sie bewohnte es zusammen mit Jasper, aber es war einfach ein Traum.
An den Wänden schimmerte ein pastellenes Lila und ansonsten Creme, ein klarer und schöner Kontrast, der sehr gut zu Alice passte. Die Beiden hatten neben ihrem Zimmer ein eigenes kleines Bad.
„Jedes Zimmer von uns, also Schlafzimmer, hat ein eigenes Bad. Bei so vielen Leuten würde es sonst zu viel Streit geben…“ Lachte sie. Ich verdrehte die Augen, das konnte ich mir vorstellen. Dann zog sie mich an einer geschlossenen Tür vorbei.
„Dahinter liegt Rose und Emmetts Zimmer. Ich halte mich lieber an ihre Anweisung, denn ihre Rache könnte schrecklich sein.“ Noch war ich unsicher, ob es ein Scherz war, aber als Alice anfing zu kichern, fiel ich mit ein. Vor einer anderen Tür hielt Alice dann an.
„Komm lass uns höflich sein.“ Meinte sie und ich verstand kein Wort. ‚Was meint sie damit?‘ Schon hörte ich ihr zaghaftes, leises Klopfen. Ich hatte gar keine Erwiderung gehört, aber Alice machte trotzdem die Tür auf, ich blieb wo ich war, denn mir hatte ein kurzer Blick in den Raum genügt.
Es war Edwards Zimmer.
„Nun Bruderherz, ich wollte fragen ob du auch was zu essen möchtest und vielleicht auch DVD mitgucken möchtest? Bella ist da.“ Den Blick hatte ich vom Zimmer abgewandt, ich kam mir wie ein Eindringling in seine Privatsphäre vor… Er hatte mitten im Zimmer gestanden, in Jogginghose und einem leichten T-Shirt, sein Gesicht extrem blass und scheinbar vom Fieber verschwitzt. In seinen Augen war kurz etwas aufgeblitzt als er mich angesehen hatte, doch das war ganz schnell wieder verschwunden, sodass ich mir nicht ganz sicher war es wirklich gesehen zu haben.
„Ich denke nicht dass ich etwas essen kann, Alice.“ Seine Stimme klang heiser und rauh, ganz so als würde ihn das Sprechen nicht nur anstrengen, sondern ihm auch wehtun.
„Aber wenn du schon stehst, würde dir doch sicher ein wenig Ablenkung guttun?“ Fragte sie in der Hoffnung er wolle mit uns DVD schauen. Er nickte nur schwach.
„Ich komme gleich runter.“ Ein Lächeln versuchte er auch, doch es war mehr eine Grimasse. Zufrieden drehte Alice sich um und zog mich dann wieder die Treppe runter. Die Anderen hatten schon die Sofas verschoben, Gummibärchen, Chips und Cola auf den Sofatisch gestellt und warteten auf uns. Erwartungsvoll sahen sie uns an. Alice trippelte zu ihrem Jasper rüber und setzte sich auf seinen Schoß.
„Edward kommt auch gleich noch. Habt ihr schon bestellt?“ Emmett nickte.
„Ich hoffe du magst Pilze, Salami und Schinken, Bella?“
„Ja das geht schon, keine Sorge. Danke.“ Ich setzte mich zu ihnen und lauschte ihrer Diskussion über Filme, mal sehen was sie schauen wollten. Emmett und erstaunlicherweise auch Rose waren für einen Actionfilm, Jasper für Science Fiction und Alice für eine Komödie.
Na das war ja lustig, ob sich das vereinbaren ließ?!

„Komm schon, Bella, wofür bist du?“ Erkundigte sich nun Jasper bei mir. Genau in dem Moment kam Edward die Treppe runter, sodass ich erst einmal von einer Antwort entbunden wurde.
Alle Köpfe flogen herum, Edward taumelte leicht beim Laufen. Er war wohl so richtig krank.
„Uh, unser Bruder bequemt sich auch mal aus dem Bett. Für was bist du?“ Emmett, es wunderte mich nicht, dass er so gerne andere ärgerte.
„Wie wärs mit Action?“ Gab Edward mit heiserer Stimme zurück. Er sah ganz und gar nicht gut aus und mir war wohler als er endlich auf einem Sofa saß, denn da hörte er auf zu wanken.
„Bäh Edward geh weg! Ich steck mich doch immer sofort mit allem an.“ Meinte Rose und stand hastig auf. Emmett tat es ihr gleich, denn er wollte nicht von ihr getrennt sein.
„Also für fünf ist das Sofa hier aber ein bisschen zu klein.“ Widersprach nun Alice, die versuchte die anderen Beiden vom Sofa wegzuhalten. „Irgendwer muss schon bei Edward sitzen. Vier kriegen wir vielleicht noch drauf.“ Jasper hielt seine Arme demonstrativ um Alice geschlungen, Emmett und Rose versuchten sich auf das Sofa zu quetschen.
„Himmel… was macht ihr einen Aufstand. Dann setz ich mich halt rüber, ich hab ein ganz passables Immunsystem.“ Raunte ich und saß schwupp di wupp neben Edward. Der sah mich etwas verwirrt an, sagte aber nichts.
„Ich hab da eine Idee.“ Verkündete Rose. „Wie wäre es mit einem Actionfilm und danach einer Komödie. Falls wir danach noch was sehen wollen, können wir ja immer noch weiterdiskutieren.“ Diesem Vorschlag stimmten nun alle murmelnd zu, denn so war es wenigtens gerecht. Zwei Filme zu schauen war das Minimum.
Schnell hatten wir uns für Triple X entschieden und hinterher sollte es die Rotkäppchen-Verschwörung sein. Ich kannte beide Filme schon, aber ich mochte sie, also hatte ich nichts dagegen einzuwenden. Es waren gerade einmal 15 Minuten des Filmes vergangen, da klingelte es an der Tür. Emmett und Jasper holten die Pizzen, während Rose und Alice Teller und Besteck hinstellten.
Die Pizzen schmeckten super, keine Ahnung woher die waren, aber es waren die besten Pizzen, die ich je gegessen hatte. Dadurch verpasste ich ein paar wirklich gute Actionszenen bei Triple X, aber egal, ich kannte den Film ja schon. Rose und Emmett fieberten richtig mit, sie schienen beide sehr auf Action zu stehen, während Jasper und Alice schon bald nur mit sich selbst beschäftigt waren und rumknutschten. Wenn ich daran dachte wer neben mir saß, wurde ich etwas nervös.
Bei Edward war ich mir immer noch nicht sicher, wie ich einschätzen sollte. Er sprach kaum, sah meist teilnahmslos aus und schien so gar keine Lust zu haben, irgendwie mit mir klarzukommen.
Endlich kam die Stelle auf die ich gewartet hatte, wieso auch immer ich die so super fand… er, Vin Diesel, betrat sein zugewiesenes Zimmer bei den Bösen. Und fand ein paar halbnackte Frauen vor, die für ihn tanzten.
Ich stand drauf und sah mich fast selbst sowas machen für den Mann, den ich liebte. Allerdings… ich war zu schüchtern für sowas. Aus dem Augenwinkel sah ich wie Edward zusammenzuckte und dann zur Seite sah. So als wäre ihm etwas peinlich.
Versteh einer diesen Kerl!

Ich konzentrierte mich auf den Film, das Einzige was ich machen konnte ohne mir blöd vorzukommen. Rose und Emmett waren ja nicht ansprechbar, ebenso wie Jasper und Alice – die Beiden allerdings aus anderen Gründen.
Kurz flammte Neid in mir auf, schließlich hätte ich auch gern jemanden, der mir so viel bedeutet, aber dann dachte ich an Alice freundliche Art und der Neid verschwand. Sie hatte jemanden wie Jasper verdient.
Als es zum finalen Kampf kam, jubelten Rose und Emmett und brachten mich damit zum Lachen. Emmett sah aus, als wollte er mitkämpfen und wäre mittendrin… Rose sah ihn warmherzig an. Auch die Beiden waren einfach toll zusammen. Ich unterdrückte den wiederaufkeimenden Neid.
Was war bloß mit mir los?
Dann kam die letzte Szene: Vin Diesel und die Frau an seiner Seite. Hübsches Paar irgendwie… Neugierig sah ich aus den Augenwinkeln zu Edward, der nun wieder den Kopf vom Fernseher wegdrehte. Da war doch irgendetwas sehr merkwürdig. Und ich würde schon noch herausfinden was!

Der zweite Film brachte uns alle zum Lachen, nunja… fast alle. Edward schmunzelte mehr. (AN: Ich hoffe ihr kennt die Rotkäppchen-Verschwörung! Wenn nicht… schaut ihn euch an, der ist super lustig 😉 Ehrlich.)
Offenbar tat ihm das Lachen weh, was mich absolut zur Weißglut treiben würde. Es gab doch nichts Schöneres als lachen zu können! Kommentare und Witze wurden dazwischengeworfen und als ich lachend Emmett mit dem Holzfäller verglich, bogen sich vor allem Jasper und Alice vor Lachen.
Mein Witz war gelungen und als Emmett aufsprang um den Holzfäller zu spielen – mit imaginärer Axt! – waren wir nicht mehr zu halten. Es war zum Schreien komisch und ich kicherte ununterbrochen.

Gedankenverloren sah ich auf meine Uhr und erschrak.
„Oh man, es ist ja schon echt spät!“ Rief ich aus und alle sahen erst mich und dann die Uhr an. Jasper und Emmett grinsten nun.
„Was grinst ihr so?“ Fragte ich misstrauisch.
„Du nennst das spät?“ Gaben sie einstimmig zurück und ich nickte nur.
Es war immerhin 22 Uhr abends und mein Dad machte sich sicher Sorgen. Alice schien mich eher zu verstehen.
„Willst du mal zu Hause anrufen?“ Dankbar sah ich sie an. Wortlos gab sie mir das Telefon und ich rief Charlie an.
„Bella?“ Hörte ich ihn fragen bevor ich irgendetwas gesagt hatte – Ups.
„Ja, Dad, ich bins. Ich bin nach der Schule zu einer Freundin und hab vergessen dir einen Zettel hinzulegen, es tut mir so Leid, ich habe die Zeit vergessen.“ Ich sprach so schnell es ging ohne mich zu verhaspeln, damit Charlie mir nicht dazwischenquatschen konnte.
Danke, es hatte funktioniert. Er räusperte sich.
„Ah nun… naja ich denke, es ist einfach gut dass du schon Freunde gefunden hast. Aber denk bitte das nächste Mal daran mir einen Zettel hinzulegen, damit ich weiß wo du bist. Und es wäre mir lieb wenn du jetzt nach Hause kommen könntest.“
„Ja Dad. Mach ich. Bis dann.“
„Bis gleich, Bella.“ Dann legte er auf. Tief durchatmen, ich hatte es überlebt. Dann sah ich zu Alice, die mich vorsichtig anlächelte.
„Ähm… naja er ist nicht sehr sauer, aber naja, ich sollte trotzdem nach Hause“ Sie nickte und zog Jasper von der Couch hoch. Bettelnd sah sie ihn an.
„Fährst du uns?“ Jasper grinste seine Freundin an und zog sie schon hinter sich her, mir überließ er es ihm zu folgen. Schnell winkte ich den Anderen zu und lief ihm hinterher zum Auto. Diesmal fuhren wir in einem schwarzen Mercedes. Wow, noch so ein tolles glänzendes Fahrzeug – doch etwas auffälliger als der schlichte Volvo.
Fünfzehn Minuten später war ich zu Hause und ging schnell zu Bett.
Nur einschlafen war nicht allzu leicht. In Gedanken ging ich alles noch einmal durch. Kaum war ich hier angekommen, hatte ich mindestens eine Freundin gewonnen: Alice. Sie war wundervoll, herzlich und ein bisschen abgedreht.
Ihre Familie schien genauso lieb zu sein wie sie es war… nur Edward war mir merkwürdig erschienen. Er sprach wenig, verhielt sich möglichst teilnahmslos und war irgendwie seltsam.
Mit diesem Gedanken glitt ich ins Reich der Träume ab.

 
 

~*~ Kapitel 4: Ausgefragt! Und wieso sind die so besitzergreifend?! ~*~

Mein Wecker klingelte – elendes Foltergerät! Ich hatte doch kaum geschlafen und es sollte schon wieder Zeit sein zur Schule zu gehen? Das Leben war ungerecht.
Im Schnelldurchlauf hüpfte ich unter die Dusche und schlang mein Frühstück runter. Charlie war schon weg, so war es oft, denn er ging früh zur Arbeit. Polizist eben… und das aus vollem Herzen.
Mein Rucksack war zum Glück schnell gepackt und dann saß ich in meinem Transporter. Dieses alte Wrack! Aber es war meiner und ich liebte ihn schon jetzt, denn er war alt und zuverlässig, das war doch schon eine ganze Menge wert. Mit lautem Gebrüll, ganz anders als das leise Schnurren des Motors eines Cullen-Autos, erwachte der Transporter zum Leben und brachte mich sicher zur Schule. Parkplätze waren noch genug vorhanden, denn ich war recht früh da. Mich störte das nicht, denn so konnte ich noch gemütlich etwas Musik hören.
(Wen es interessiert, ich hörte Rihanna mit „Take a bow“)
Aus dem Augenwinkel sah ich etwas, das schnell auf mich zuschoss und zog den Kopf ein. Auf der Motorhaube landete ein Radiergummi. Wo war denn der hergekommen? Ich sah mich um und erblickte mir gegenüber einen lachenden Mike. Jessica, Angela und ein Junge, an dessen Namen ich mich nicht erinnern konnte, standen neben ihm. Die Ohrhörer hatte ich schnell weggezogen und sah sie fragend an. Mike lachte.
„Na du kriegst aber auch gar nichts mit, was Bella?“ Ich zuckte hilflos mit den Schultern.
„Du bist gestern mit den Cullens unterwegs gewesen.“ Stellte Jessica fest, es klang wie eine Anklage. Was hatten die alle bloß gegen die Cullens?
„Ach das ist doch vollkommen egal, Jess. Lass sie doch rumhängen mit wem sie will.“ Erklärte nun Angela und ich war dankbar. Meinen MP3-Player legte ich nun in meinen Rucksack und ging die paar Schritte zu den Anderen.
„Alice hat mich eingeladen, da konnte ich doch schlecht nein sagen. Und sie sind wirklich nett.“ Hörte ich meine Stimme angriffslustig. – Moment? Angriffslustig, ich? Wow.
Angela nickte verständnisvoll, sie war scheinbar auch so ein Engel wie Alice. Jessica sah mich immer noch beleidigt an. Mike und der andere Kerl schwiegen dazu.
„Komm wir gehen zu Mathe.“ Schlug Mike vor und wir folgten ihm. Es war zwar noch etwas Zeit, aber naja. Jessica schien sich doch langsam zu beruhigen, denn zehn Minuten später – im Mathematiksaal – wollte sie wissen wie es bei den Cullens aussah.
„Naja, ihr Haus ist im Wald. Es ist riesig, ein wahrer Palast. Hätte ich mir ja eigentlich denken können, aber egal. Ähm… es ist superhell und modern eingerichtet. Wirklich traumhaft.“ Meine Worte klangen schwärmerisch, naja, bei dem Haus auch nicht verwunderlich oder? Jessica seufzte.
„Ich wusste dass er ein einziger Traum ist.“ ‚Ähm von wem spricht sie? Jasper? Oder Emmett?‘ Meine Gedanken versuchten ihr zu folgen, doch da gab sie mir schon die Antwort.
„Edward.“ Seufzte sie und ich machte große Augen.
‚Oha, also steht sie auf Edward? Ich dachte sie wollte Mike.‘ Sie errötete leicht und sah mich dann vertrauensvoll an.
„Du hast nichts gehört, okay? Edward will keines der Mädchen hier. Ganz offensichtlich, obwohl so gut wie jedes Mädchen es bei ihm versucht hat. Mein Interesse an ihm ist zwar schon vorbei, aber naja, begehrenswert ist er doch trotzdem, was meinst du?“ Ihr fragender Blick traf mich und ich atmete tief durch um Zeit zu gewinnen.
„Ähm wahrscheinlich hast du Recht.“ Antwortete ich vorsichtig, das schien ihr zu genügen.
Die Stunde ging danach schnell vorbei, wir nahmen ein Thema durch, das ich in Phoenix schon gelernt hatte und so machte es mir sogar ein wenig Spaß.
Spanisch verging langsamer, obwohl ich schon ganz gut war, aber hier hatte ich niemanden mit dem ich reden konnte neben mir sitzen.
Wider erwarten stand nach dem Klingeln tatsächlich Jessica vor meinem Spanischraum. Zusammen mit Angela und Mike. Lächelnd folgte ich ihnen zur Cafeteria und legte meinen Rucksack an einem Tisch ab. Dort saßen ein paar Leute und warteten schon auf uns. Wir zogen los um uns etwas zu essen zu holen. Ich stand gerade in der Schlange für die Lasagne, da sprang mich von hinten ein kleiner Wirbelwind an.
„Bella!“ schrie sie mir ins Ohr und ich verdrehte lachend die Augen. So klein aber so eine laute Stimme! Dann erst konnte ich mich umdrehen und wurde gleich wieder umarmt.
„Hallo Alice… langsam, sonst bringst du mich noch um.“ Grinste ich und sie ließ endlich von mir ab. Schräg hinter ihr stand Jasper und lächelte mich an. Ich nickte ihm zu.
„Bella magst du dich zu uns setzen?“ Fragte Alice und deutete unbestimmt hinter sich auf einen Tisch, an dem Rose und Emmett saßen. Bevor ich zu Wort kommen konnte, vernahm ich Mikes Stimme.
„Sie sitzt schon bei uns. Vielleicht seid ihr das nächste Mal einfach früher da?“ Ich erschrak. Das klang aber wirklich beleidigend. Was ging hier nur vor?
Alice sah stirnrunzelnd zu Mike, griff dann nach Jaspers Hand und sah den Golden Retriever herablassend an.
„Nun, ausnahmsweise lasse ich dir mal deinen Willen, Newton. Aber glaub nicht dass ich dir das Feld kampflos überlasse.“ Ihr Stimmungswechsel traf mich wie ein Schlag. Mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. An mich gewandt fügte sie hinzu:
„Wir sehen uns gleich in Musik, Bella. Dir wünsche ich einen guten Appetit.“ Da klang ihre Stimme schon weicher und sie lächelte mir noch kurz zu.
Vollkommen verwirrt ging ich mit meinem Essen zum Tisch zurück. Die Anderen taten als wäre nichts gewesen und plauderten, ich saß schweigend daneben.
„Wisst ihr schon was für ein Motto für unseren Ball ansteht?“ Eine typische Jessica-Frage. Die Anderen schüttelten den Kopf und Angela meinte:
„Du weißt, dass das Motto erst am Schulfest bekannt gegeben wird. Das ist schließlich zwei Wochen vor dem Ball.“
„Ja, das wird der Wahnsinn. Nur die Lehrer wissen vorher schon welches Motto es sein wird. Damit sie die Turnhalle schmücken können. Nicht einmal die von der Schülerzeitung werden vorher informiert.“
„Nun schmoll nicht deswegen, Eric!“ Ah, so hieß der Typ also, jetzt wusste ich es wieder. Mike lachte und schlug seinem Freund auf die Schulter. Dann lachten sie alle.
Oh man… und das alles wegen einem Ball! Ich konnte nicht tanzen. Ausserdem würde ich lächerlich wirken bei so einer Veranstaltung. Ein Ballkleid anziehen, sich einen Tanzpartner suchen und dann auch noch hier tanzen müssen – nein danke, das würde mich umbringen.
„Also ich hoffe es wird ein Motto bei dem wir Frauen so richtig glamourös auftreten können.“ Meldete sich nun wieder Jessica zu Wort. ‚Ja natürlich, was auch sonst?!‘ dachte ich mir.
Sie würde das Thema sicher nicht ruhen lassen in dieser Mittagspause, also aß ich schnell zu Ende und verabschiedete mich mit der Ausrede, ich müsste noch etwas an Hausaufgaben erledigen. 

 

~*~ Kapitel 5: Überraschung mal zwei… ~*~

Seufzend beschloss ich es schon einmal am Musiksaal zu versuchen, immerhin hatte ich ja auch meinen MP3-Player zum Zeitvertreib dabei. Die Tür war zwar geschlossen, aber einen Versuch war es wert – oder? Meine Hand ging an die Klinke, die sofort nachgab und so trat ich vorsichtig ein.
Musik scholl mir entgegen, wunderbare leise Klaviertöne. Ich blieb verdutzt stehen und sah auf den Rücken des Pianisten. Auch ohne ein zweites Mal nachzusehen, wusste ich dass es Edward war. Diese bronzefarbenen Haare, die wild in alle Richtungen abstanden… dieser schmale, aber muskulöse Rücken… oh nein, ich sollte besser gehen. ‚Geh Bella, hau ab bevor er dich bemerkt.‘ Rief ich mir selbst zu. Doch da war es schon zu spät.
Das Spiel brach ab und er drehte langsam den Kopf. Teilnahmslos sah er mich an. Mehr nicht. Er sah mich einfach nun unverwandt an. Die Röte schoss mir ins Gesicht.
„Äh… ich… also… es tut mir Leid. Ich… ich wollte nicht… ich wollte dich nicht stören.“ Brachte ich dann irgendwann hervor. Na toll, da musste ich also auch noch Stottern. Ich wollte mich gerade umdrehen und wieder verschwinden…
Sein Blick wurde etwas wacher, so als würde er endlich in der Realität ankommen. Dann hörte ich seine leise Stimme.
„Ist schon gut. Ich darf nicht erwarten in der Schule allein zu sein.“ Noch immer war diese Stimme rauh und so richtig gut sah er auch noch nicht aus. Irgendwie immer noch unglaublich blass. Was machte er denn hier? Er war doch krank.
„Willst du dich nicht setzen? Und vielleicht die Tür schließen? Es zieht ein wenig.“ Wortlos nickte ich und zog die Tür zu. Noch immer spürte ich diese Hitze in meinem Gesicht. Verdammt! Musste ich denn immer so reagieren? Ich schob den Stuhl zurück, auf dem ich in der letzten Stunde schon gesessen hatte und ließ mich darauf fallen. Mein Rucksack glitt automatisch neben mir zu Boden.
Einige Sekunden, die mir wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, vergingen und wir schwiegen Beide. Endlose Stille, oh man war mir das peinlich.
„Wieso bist du denn nicht beim Essen?“ Durchschnitt dann wieder seine Stimme die Stille.
„Ähm ich war schon fertig… da dachte ich, ich genieße noch einmal die Ruhe.“ Erwiderte ich ganz leise. Gedankenverloren nickte er und sah zum Fenster raus.
Ich fühlte mich unbehaglich, nicht wegen Edward – zumindest glaubte ich das – sondern wegen der Situation.
Wieder trat Schweigen ein und ich seufzte. Unhörbar, doch Edwards Kopf schnellte zu mir rum.
„Was hast du?“ Fragte er. Verlegen drehte ich meine Hände umeinander und suchte nach passenden Worten. ‚Wahrheit oder irgendwas unwichtiges sagen? Mach schon Bella. Denk dir was aus… lass ihn nicht zu lang warten.‘ Doch bevor ich in die Verlegenheit kam, noch einmal stottern zu müssen, schwang die Tür auf und Alice tänzelte herein.
„Ah hier bist du Bella! Oh ich könnte diesen Mike einfach nur umbringen… Wieso hast du denn nichts dazu gesagt? Ist er dir lieber als ich? Oder darf er einfach so für dich sprechen?“ Ihre helle Stimme klang wutverzerrt und ihr Gesicht sah auch so aus. Ich hätte nicht gedacht, dass die kleine Elfe so wütend werden konnte und so traurig gleichermaßen, denn sie sah nun hilflos zu mir und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Sie hatte Angst dass ich sie als Freundin nicht wollte? Oha… so ein Schwachsinn.
„Alice, nein… Bitte. Denk doch nicht sowas. Ihr habt aber so schnell eure Worte ausgetauscht, dass ich zu nichts kam. Ich bin so eine Situation einfach nicht gewöhnt. Und Mike hat es sicher nur gut gemeint.“ Jetzt erst nahm Alice wahr, dass Edward und ich hier alleine rumsaßen und sie sah forschend von ihm zu mir und wieder zurück. In ihre Augen schlich sich ein Ausdruck, von dem ich nicht sicher war ob er mir gefiel. ‚Was denkt Alice da?‘
„Ich glaub sie ist geflüchtet, Alice. Ich war nur zufällig hier.“ Hörte ich nun die rauhe Stimme von Edward. Damit schien sich der kleine Wirbelwind wohl endlich zufrieden zu geben und sie setzte sich zu uns.
„Und über was habt ihr geredet?“ Fragte sie in die nun entstandene Stille.
„Eigentlich über nichts. Ich hatte ein bisschen gespielt.“ Erwiderte Edward und ich war froh nicht selbst etwas sagen zu müssen.
„Uh, und Bella was sagst du? Er spielt super, nicht? Er ist ein Naturtalent mein Bruder.“ Strahlend übers ganze Gesicht hängte sie sich an ihn und er schaute etwas verlegen aus dem Fenster. Sie waren süß so zusammen… ich hatte mir immer Geschwister gewünscht, mit denen ich dann so harmonisch umgehen konnte. Doch ich hatte nie einen Bruder oder eine Schwester bekommen. Der Zug war wohl abgefahren… obwohl, wenn Renee und Phil? Nein, nicht dran denken. So dringend wollte ich nun doch kein Brüderchen oder Schwesterchen. Zumal nicht mit einem solchen Altersunterschied.
Oh, ähm Alice erwartete ja immer noch eine Antwort. Ich sollte mal langsam antworten.
„Ja, er ist gut. Das hörte sich echt professionell an.“  Nun sah Edward noch verlegener aus und drehte den Kopf schon wieder zum Fenster. Mich brachte das zum Schmunzeln, aber nur innerlich, denn ich wollte nicht dass er dachte ich mache mich über ihn lustig. Niemals hätte ich gedacht, dass ein so gutaussehender Mann wie er so schüchtern war! Beeindruckend.
Alice plapperte schon wieder unaufhörlich und ich bemühte mich, meine Gedanken auf sie zu konzentrieren…
„…und dann werden wir zusammen losziehen und Spaß haben. Du kannst auch bei uns übernachten, das wär doch toll! Was meinst du, Bella?“ Leider hatte ich nur die Hälfte mitbekommen und starrte sie fragend an.
„Man du bist ja genauso eine Träumerin wie Edward! Ich hab gefragt, ob du am Wochenende mit uns nach Seattle fahren möchtest. Dort könnten wir etwas shoppen und feiern und dann könntest du bei uns übernachten und wir machen am Sonntag auch noch was zusammen. Unsere Eltern sind bis Montag weg. Aber sie haben es erlaubt, also falls dein Dad fragt.“ Sie redete wie ein Wasserfall und ich grinste. Eigentlich war das eine schöne Idee. Mir könnte Abwechslung nicht schaden.
„Mir gefällt der Vorschlag. Ich werde Charlie heute Abend fragen. Wenn er es erlaubt, bin ich mit dabei.“ Meine kleine Elfe jubelte und fiel mir um den Hals. Aufgeregt hüpfte sie auf und ab, plapperte unaufhörlich von den Plänen für das Wochenende.
„Edward, ich hoffe bis dahin bist du wieder vollkommen gesund. Ohne dich wird’s nur halb so lustig!“ Er murmelte etwas Unbestimmtes vor sich hin und sah aus dem Fenster. Alice erklärte mir in welche Läden wir unbedingt gehen mussten, was es dort für super Klamotten gab und wo wir am leckersten Essen gehen konnten.
Sie schien Seattle wirklich gut zu kennen, scheinbar fuhren sie öfter dorthin. Als sie aber anfing Clubs aufzuzählen in denen wir tanzen gehen konnten war ich etwas verwirrt. Wir waren doch erst 17 Jahre alt, zu jung für die meisten Diskotheken.
Der Rest des Tages war in meiner späteren Erinnerung nur noch verschwommen. Musik, Sport… das alles war irgendwie nebensächlich gewesen. Dauernd hatte ich über den kleinen Streit zwischen Mike und Alice, die Situation zwischen mir und Edward und den Vorschlag von Alice fürs Wochenende nachdenken müssen.

Der Motor des Transporters verstummte. Ich war zu Hause angekommen. Ausnahmsweise stand sogar schon Charlies Streifenwagen vor der Tür und ich betrat neugierig das Haus.
„Charlie?“ Rief ich ins Haus hinein.
„Ich komme sofort zu dir.“ Schallte es von oben herunter. Meinen Rucksack ließ ich in der Küche zu Boden fallen und öffnete den Kühlschrank. Auf der Suche nach etwas was ich heute zum Abendessen machen könnte, kam auf einmal Charlie in die Küche.
„Hallo Bella.“ Sprach er mich an und ich ließ die Kühlschranktür zufallen. „Für mich brauchst du heute nicht mitkochen. Ich muss runter nach Mason. Nachtschicht schieben, sie haben um Hilfe gebeten, weil bei ihnen gerade eine schlimme Grippewelle grassiert.“ Automatisch nickte ich und Charlie wandte sich schon um…
„Dad? Ich muss dich noch was fragen.“ Begann ich leise. Charlie wandte sich mir wieder zu und wartete. „Ähm… meine Freundin aus der Schule, Alice Cullen, sie hat gefragt ob ich das Wochenende bei ihr verbringen kann. Wir wollen Samstag nach Seattle fahren und dann abends bei ihr übernachten. Ist das okay für dich?“ Er verzog das Gesicht, nachdenken hieß das. Charlie ließ mir viele Freiheiten, aber nachdem was nach dem DVD gucken passiert war, dachte er vielleicht nicht dass Alice einen guten Einfluss auf mich hatte.
„Sind die Eltern da?“ Ich seufzte, mit sowas hatte ich gerechnet.
„Nein, sie sind auf einem Ärztekongress. Aber Alice hat mir versichert dass sie Bescheid wissen und es erlauben. Du kannst sie sogar anrufen. Hier ist Dr Cullens Handynummer.“
Den Zettel, den mir Alice noch nach Sport zugesteckt hatte, überreichte ich nun Charlie. Er sah stirnrunzelnd darauf und nickte.
„Ich rufe von Mason aus mal an und wenn sie das bestätigen, dann darfst du gehen. Aber keine Partys und kein Alkohol!“ Ermahnte er mich und ich nickte lächelnd. So zufriedengestellt machte er sich nun auf den Weg. Ich blieb allein zurück.
Wieder machte ich den Kühlschrank auf, griff nach den Fleischbällchen und setzte Wasser für Nudeln auf. Schlichtes Essen, schlichte Bella. Das Telefon klingelte.
„Swan?“ Es war seltsam hier ans Telefon zu gehen, es konnte doch sowieso nur für Charlie sein und der war selten da. Oder es war Mom, bei dem Gedanken hatte ich ein Lächeln im Gesicht.
„Hi Bella. Hier ist Alice. Und was hat dein Dad gesagt?“ Woher hatte sie denn meine Nummer? Soweit ich weiß hatte sie mich nicht danach gefragt.
„Oh hallo. Ähm naja, er will noch deinen Dad anrufen, aber im Prinzip hat er ja gesagt.“
„Das ist super, ich freu mich so! Es wird der Wahnsinn, ich schwöre es dir. Shoppen mit Rose und mir ist das Beste was einer Frau passieren kann. Wir müssen dir unbedingt was Nettes für die Schule besorgen, glaub mir das wird sensationell.“ ‚So viele Superlative und starke Worte… Alice hat definitiv zu viel Energie.‘ Ich lächelte unbewusst, denn vielleicht würde mir das wirklich gut tun.
Mein Outfit etwas zu verändern könnte nicht schaden. Ich trug immer noch die allzu schlichten und langweiligen Sachen, die ich auch als kleines Mädchen getragen hatte – Jeans, Longsleeves, T-Shirts, Hemden. Ab und zu weiblicher auszusehen, so wie Alice oder Rose (nur ohne die mörderischen High Heels bitte!), würde mir bestimmt einen Kick fürs Selbstvertrauen geben.
„Ja, also es klingt spannend. Ich denke aber ihr müsst etwas langsamer machen… ich bin nicht so der Shoppingfan.“ Gab ich zu. Alice glockenhelles Lachen hallte durch den Hörer.
„Keine Sorge, wir passen schon auf dich auf! Und es gibt ja eine Pause, Mittags gehen wir mit den Jungs essen. Das wird so schön, ich freu mich total drauf.“ Sie steckte einfach an!
„Ich mich doch auch, Alice. Forks ist ja nett und so, aber doch sehr klein. Ein bisschen Abwechslung schadet da sicher nicht.“ Das Wasser auf dem Herd kochte und ich schüttete die Nudeln in den Topf.
„Uh ich habe eine Idee… willst du nicht schon Freitag zu uns kommen? Dann können Rose und ich dir ein passendes Outfit fürs Shoppen zusammenstellen. Wir kochen alle zusammen und können dann Samstag früh los. Was hälst du davon?“
„Oh Alice, das klingt ein bisschen übertrieben. Meinst du echt ihr müsst mich fürs Shoppen aufstylen? Also echt.“
„Was denn? Das macht doch Spaß.“ Beschwerte sich meine kleine Elfe und ich grinste.
„Na gut, wenn du möchtest. Schließlich wollt ihr mich ja nicht foltern oder so.“ Zumindest dachte ich das zu dem Zeitpunkt noch! 

 

 
 
 
 
 
~*~ Kapitel 6: Bitte halt die Cullens davon ab mich umzubringen! ~*~Der Freitag brach genauso unbarmherzig an wie alle anderen Tage: Mit einem lauten Weckerklingeln. Oh man, wie ich das hasste. Aber es half ja alles nichts, ich musste zur Schule. Ausserdem war heute Freitag und ich würde das Wochenende mit Alice und Rose verbringen.
Naja und auch mit Jasper, Emmett und Edward. Ich war gespannt und ein wenig nervös, diese Familie schien so perfekt, da passte ich nicht so ganz rein. Oder etwa doch?
Schnell sprang ich unter die Dusche, putzte mir die Zähne und machte mich dann an eine Schüssel voll Cornflakes. Charlie war noch immer in Mason, er hatte angerufen. Das Haus gehörte zeitweise mir allein und das hatte ihm nicht gefallen.
Er war froh, dass ich von heute an bis Sonntagabend bei den Cullens sein würde. So musste er sich nicht sorgen, dass ich zu viel allein war. Bis dahin war er sicher zurück.
Ein Hupen ließ mich aus meinen Träumen fahren. Verwirrt warf ich einen Blick aus dem Fenster und erstarrte. Da stand ein schwarzer Mercedes, der eindeutig den Cullens gehörte, in der Einfahrt!
Die Fenster waren heruntergelassen, denn es war ein warmer Tag. (Nicht sonnig, aber immerhin warm) Immerhin hatten wir Anfang Mai. Auf der Fahrerseite sah mir Jasper lächelnd entgegen, dahinter erahnte ich Alice Wuschelkopf. Als sie mich sah, rief sie mir grinsend zu:
„Pack deine Sachen ein. Alles was du brauchst, nimm mit! Hier ist genug Platz. Und dann geht’s ab zur Schule!“ Jasper grinste nun auch, denn Alice quietschte mal wieder. Dieser Wirbelwind, unfassbar. Ich nickte, sauste nach oben in mein Zimmer und warf alles was noch nicht in meiner Tasche war, in die Reisetasche. Klein, aber es passte alles rein was ich brauchte.
Nur fünf Minuten später stand ich wieder unten, verschloss die Tür und stieg ins Auto. Der Wahnsinn – die Cullens waren einfach der Wahnsinn. Alle miteinander.
Wir fuhren mit heruntergelassenen Scheiben auf den Schulparkplatz, laut Musik hörend… wir erregten Aufmerksamkeit. Wer hätte das gedacht?! *pure ironie* Laut dröhnte Lagwagon mit „E Dagger“ aus dem Radio und Jasper parkte gekonnt ein. (AN: Das Lied könnt ihr euch hier anhören: http://www.youtube.com/watch?v=Rv5DsTlHGeE ) Er musste nicht einmal korrigieren, es schien als wäre es das Einfachste auf der Welt. Ich konnte nur staunen.
Beim Aussteigen war mir immer noch peinlich bewusst, wieviele Menschen uns anstarrten. Oh, ich musste mich korrigieren… die MICH anstarrten. Von den Cullens schien so etwas nichts Neues zu sein, aber dass ich zu ihnen gehörte, war dann wohl doch etwas Neues. ( Ja ich weiß ich war noch nicht lange in Forks, aber anders wusste ich es nicht auszudrücken!)
In so einem Moment, in dem ich mehr als erwartet Fokus aller Aufmerksamkeit war, wünschte ich mir Gedanken lesen zu können. Was die wohl alle von mir dachten?!

Jasper und Alice ignorierten das Ganze, sie schienen mit der Situation vertraut zu sein. Hilflos wie ich war, schlich ich einfach hinter ihnen her und versuchte die Blicke zu vergessen.
„Das wird so super. Ich freu mich total drauf, Bella. Jetzt muss nur noch dieser Schultag rumgehen.“ Kicherte Alice und Jasper grinste mich vielsagend an. Vermutlich kannte er Alice Art einfach so gut, dass er wusste was diese wenigen Worte alles beinhalteten. Mich machte sein Blick ein klein wenig nervös.
‚Bella, reiß dich zusammen. Bisher sind doch alle nur nett und tun nichts Böses… beruhige dich.‘ Ich war so in Gedanken versunken, dass ich als ich um die Ecke bog voll in jemanden reinrannte. Mein Gleichgewichtssinn war noch nie der Beste gewesen und so kippte meine Welt.
Bevor ich Bekanntschaft mit dem Boden machen konnte, umfingen mich zwei starke Arme und hielten mich. Hinter mir hörte ich es kichern – eindeutig Jasper und Alice!
Langsam hob ich den Blick und … zwei grüne Augen sahen mich besorgt an. Doch dann runzelte Edward die Stirn. Waren das Stimmungsschwankungen?
„Ist alles okay mit dir?“ Fragte er sanft. Noch mehr verwirren konnte er mich jetzt aber echt nicht, oder?! Stumm nickte ich und er zog mich hoch.
Erst jetzt bemerkte ich, dass ausser meinen beiden Chauffeuren noch zahlreiche andere Leute um uns rumstanden und kicherten.
„Na Bella, hast wohl geträumt, was?“ Kam nun die Stimme von Mike durch die Menge und er grinste hämisch. Scheinbar gefiel es ihm das mir so etwas passierte wenn ich mit den Cullens unterwegs war.
„Ähm Bella?“ Rief mich nun Alice. „Wir sehen uns später, ja?“ Jasper und sie ergriffen die Flucht – so erschien es mir zumindest – und ließen mich mitten im Gang stehen. Edward hatte sich auch schon wieder verkrümelt und Mike nahm sich meiner mit Freuden an. Ich hatte meinen Golden Retriever wieder.
Er quatschte drauflos und erzählte mir irgendwas von einem Strandausflug, den er organisieren wollte. Grillen, Baden und Surfen oder so… also glaube ich. Mir Mühe gebend ihm zuzuhören, schritt ich mit ihm zu unserem Mathesaal. Dort warteten schon Eric und Jessica auf uns.
„Hey Bella, ich hab gehört Cullen hat dir ein Bein gestellt?“ lachte Eric und als er mein entsetztes Gesicht sah waren auch die anderen nicht mehr zu halten.
„Das war ein Scherz. Wir haben schon alle mitbekommen, dass du nur gestolpert bist. Sowas würde ein Cullen ja nicht machen.“ Fügte Mike dann herablassend hinzu. Eine Stimme voller Sarkasmus. Wie ich ihn dafür hasste! Was zur Hölle war denn zwischen ihm und den Cullens vorgefallen?
„Seid nicht so. Am ersten Tag dachte ich ihr wäret super nett und nun muss ich hören wie ihr dauernd auf den Cullens rumhackt, was soll denn das? Sie sind doch total nett, zumindest ich kann wirklich nicht klagen und seid bitte so höflich in meiner Gegenwart nicht über sie herzuziehen!“ Wies ich sie zurecht und der Gesichtsausdruck den Mike und Eric nun bekamen gefiel mir, sie sahen verlegen aus und schauten sogar zu Boden.
Ich war zufrieden mit der Wirkung meiner Worte, bis sich jemand hinter mir räusperte. Dieses Rauhe! ‚Oh oh…‘ Dachte ich beklommen und drehte mich langsam um.
Vor mir stand Edward, eine Augenbraue hochgezogen und sah mich stirnrunzelnd an. Na super, wieder die Hitze! Mein Gesicht wurde regelrecht tomatenrot und ich sah entsetzt zu ihm.
Er grinste schief und irgendwie vorsichtig als er mir seine Hand hinhielt.
„Du hast das fallen lassen. Vorhin. Ich dachte mir du brauchst es vielleicht noch.“ Seine leise Stimme war noch immer etwas rauh von der Erkältung, aber sie klang wunderbar. Ich nahm meinen kleinen Beutel von ihm entgegen (Da war entgegen seiner Annahme nichts Lebenswichtiges drinne, sondern nur ein paar der Edelsteine, die meine Mutter mir geschenkt hatte. Sie sollten mir Glück und Gesundheit bringen.), dann drehte er sich wortlos um und ging aus dem Klassenraum.
Jessica und die meisten anderen Mädchen starrten ihm fast schon sabbernd hinterher. Nun gut, Edward Cullen war also der heimliche Mädchenschwarm dieser Schule. *seufz*  Hätte man sich ja denken könne. Schließlich sah er schon ziemlich gut aus.
Seufzend steckte ich den kleinen Lederbeutel mit meinen Steinen in meine Jackentasche und setzte mich auf meinen Platz, die anderen Schüler ignorierte ich.

Ich sehnte das Ende des Schultages regelrecht herbei, doch wie immer wenn man so etwas tat, verging die Zeit unheimlich langsam. Mike wich nicht von meiner Seite und somit blieb auch Jessica mir keine Minute des Tages erspart.
Alice kam nicht einmal in der Mittagspause in meine Nähe, sie hatte sich zusammen mit Jasper nur schnell etwas zu essen geholt und war dann verschwunden – nach draussen, trotz des andauernden Nieselregens der irgendwann eingesetzt hatte.
Mir war flau im Magen… es machte mich fast krank, nicht zu wissen wieso sich alle so um mich stritten. Ich war doch nichts Besonderes. Einfach nur ein Mädchen… Alice war mir jedoch die Sympathischere, denn sie zerrte nicht an mir. Gedankenverloren bemerkte ich nicht einmal wie endlich das Klingeln das Ende des Schultages einläutete.
Erst als alle anderen Schüler laut schwatzend ihre Taschen einpackten, schreckte ich auf.
„Bella, willst du am Sonntag mit uns an den Strand fahren?“ Schon wieder Mike. Mein mir auf Schritt und Tritt folgender Golden Retriever! Zögernd, ich wusste noch nicht wie ich es ihm beibringen sollte, sah ich zu ihm auf. Doch man kam mir zuvor.
„Oh Mike, es tut mir ja Leid, aber Bella wird leider nicht kommen können. Sie ist nicht in der Stadt.“ Mein Staunen hätte nicht größer sein können, in der Tür stand Rose und lächelte mich an.
„Bella, bist du fertig? Mein Auto steht draussen. Die anderen sind schonmal vorgefahren, bei ihnen ist die letzte Stunde ausgefallen.“ Ich nickte mechanisch und folgte ihr zum Parkplatz, natürlich nicht ohne mich noch einmal mit einem entschuldigenden Lächeln von Mike zu verabschieden.
Moment mal – hatte Rose nicht gesagt IHR Auto? War das nicht dieser hinreißende rote Sportwagen? Die Cullens wollten mich wirklich um den Verstand bringen, oder?!
„Ich hoffe ich habe Mike nicht vor den Kopf gestoßen, das war doch Mike, oder?“ Fragte Rose mich beiläufig als wir aus dem Gebäude traten. Bevor ich antworten konnte, musste ich anfangen zu lachen, denn mir bot sich ein toller Anblick! Auch Rose kicherte.
Auf dem Parkplatz stand neben Roses hübschem Sportwagen Emmett, umringt von ganz vielen Mädchen aus allen Altersstufen und erklärte gerade stotternd, dass er sie leider nicht mitnehmen könne, weil das gar nicht sein Auto war.
„Meinst du ich soll ihn erlösen oder noch etwas leiden lassen?“ Erkundigte sich Rose lachend bei mir. Ihr Lachen klang so hell und herzlich, man musste einfach lächeln.
„Erlöse ihn… oder er stottert bis zum Ende des Tages weiter.“ Es war einfach zu komisch! Emmett, der große und starke Bär von einem Kerl und dann stotterte er im Angesicht von vielen Mädchen, die um ihn rumstanden. Irgendwie war das süß.
Mit entschlossenen Schritten und einem ebenso entschlossenen Gesischtsausdruck, marschierte Rose auf Emmett zu. Der sah sehr erleichtert aus als er seine Freundin erblickte. Schon von Weitem rief sie ihm zu:
„Oh da bist du ja mein Schatz. Wartest an meinem Auto auf mich, nein wie süß!“ Ich musste mir das Lachen verkneifen, denn nun wurde Emmett auch noch rot.
Doch es half: die meisten Mädchen wandten sich ab und gingen weiter. Rose drehte sich zu mir um und winkte nach mir. Kichernd schlenderte ich zu den Beiden rüber.
„Danke.“ Murmelte Emmett gerade als ich dazutrat und ich grinste. Rose kicherte und strich ihm zärtlich über die Locken.
„Du sahst so hilflos aus, mein Schatz.“ Es war mir ziemlich peinlich in dieses Auto zu steigen, weil es einfach so ganz anders als alles war, was ich gewohnt war, doch noch länger daneben stehen und angegafft zu werden war noch unangenehmer, also einsteigen und schnell weg hier!

Mir war ein wenig unbehaglich und es war beeindruckend, dass scheinbar die ganze Familie Cullen auf schnelle Autos stand und auch darauf die Geschwindigkeit voll auszukosten!
Rose fuhr nicht minder schnell als Jasper und ich krallte mich genauso fest. Nicht dass ich wirklich Angst hatte, aber ein wenig gewöhnungsbedürftig war es doch.
Als das Haus der Cullens in Sicht kam, atmete ich kaum hörbar auf und als Rose anhielt noch einmal. ‚Gnade bitte Gott, ich will noch nicht so früh sterben! Bitte halt die Cullens davon ab mich umzubringen.‘ Flehte ich gen Himmel und folgte Rose und Emmett ins Haus. Alice fiel mir schon um den Hals, da stand ich noch nicht einmal ganz im Wohnzimmer.
„Da bist du ja endlich, Bella. Ich freu mich so. Das wird so toll!“ Sie quietschte und Jasper stand am anderen Ende des Zimmers und lachte über seine Freundin (und wahrscheinlich meinen Gesichtsausdruck wegen dem Quietschen!). Nun waren also alle versammelt, ähm ausser Edward, der nirgends zu sehen war.
„Willst du was essen, Bella? Oder dürfen Rose und ich gleich nach Sachen für dich suchen?“
„Also Hunger habe ich keinen…“ Begann ich, doch es war für Alice schon Antwort genug. Sie hüpfte auf und ab und flötete zu Rose:
„Ich dachte an was Blaues oder Grünes… das würde ihr sicher super stehen. Was denkst du? Hast du was passendes im Schrank? Denn ich habe glaube ich so ein tolles T-Shirt in blau, das wär sicher der Wahnsinn bei ihr…“ Rose lachte nur über die Hibbeligkeit ihrer ‚Schwester‘ und zog mich einfach mit sich die Treppen hoch. Alice folgte uns und die Jungs lachten lauthals.
Ich meinte sogar Emmett sagen zu hören:
„Arme Bella, das ganze Programm. Da wird sie jetzt durchmüssen.“

 
 
 
 

~*~ Kapitel 7: Es kann sich nur um Stunden handeln… ~*~

„Heute darfst du mein Zimmer sehen.“ Verkündete Rose mir lächelnd und zog mich auf die Tür zu, hinter die ich noch nicht geblickt hatte.
Womit hatte ich diese Familie eigentlich verdient? Sie waren so nett zu mir. Gespannt lunste ich hinter die Tür und war sprachlos. Für einen Moment.
Dann fing ich an zu lachen, schallend und nicht mehr zu halten!
Rose sah mich verständnislos und ein wenig beleidigt an, Alice hüpfte hinter mir auf und ab und rief:
„Wieso lacht Bella so? Wieso? Wieso? Wieso?“ Doch für eine ganze Weile brachte keine von Beiden ein Wort aus mir raus. Neugierig geworden kamen nun auch alle anderen Cullens hervor.
Jasper und Emmett stürmten die Treppen hoch und Edward schaute aus seiner Zimmertür hervor. Alle sahen mich erwartungsvoll an. Mühsam brachte ich ein paar Worte heraus…
„Das ist…. so cool…. Emmett in dem… haha… Zimmer….süß!“ Das letzte Wort gab den Ausschlag und alle ausser Emmett fingen ebenfalls an zu lachen. Die Wände des Zimmers waren in Creme gestrichen, alle bis auf eine: zartrosa. Doch alle Dekoartikel waren rosa und pink, ebenso wie die Bettwäsche. Ich konnte mir Emmett inmitten von all dem Rosa kaum vorstellen, doch es hatte einen gewissen Reiz.
Wir lachten eine ganze Weile woraufhin Emmett schmollend verschwand und etwas von „Blöde Familie“ murmelte.
Langsam beruhigten wir uns alle und Alice sah mich mit großen Augen an.
„Da wirst du bei Emmett wohl Wiedergutmachung leisten müssen. Er wird nicht gerne vom Spaß ausgeschlossen.“ Grinste sie und ich zwinkerte ihr zu.
„Ich werde schon was finden. Es war doch nicht böse gemeint.“ Rose beruhigte mich schnell.
„Das weiß er. Er wird das ganz schnell wieder vergessen.“ Dann führte sie mich in ihr Zimmer, das noch viel größer war als das von Alice und Jasper. „Komm, jetzt machen wir uns den wohlverdienten Mädchentag.“ Alice trippelte hinter uns her und warf noch einen kurzen Blick über die Schulter zu ihrem Jasper.
„Versuch du mal Emmett zu finden und ihn abzulenken, bitte.“ Ob Jasper antwortete merkte ich schon gar nicht mehr, denn Rose hatte ihren begehbaren Kleiderschrank geöffnet und ich kam mir vor als wäre ich schon beim Shoppen in einem Laden!
Es war einfach ein riesiger Raum, überall waren Regale, Kleiderstangen und Klamotten in allen Farben. Dazu unwahrscheinlich viele Schuhe! Ich war sprachlos.
Rose lächelte stolz, denn für sie waren Kleider unheimlich wichtig – soviel hatte ich von ihr schon erfahren. Und Alice schien es ähnlich zu sehen.
Die Beiden stöberten schon durch die Kleiderstangen von Rose, da stand ich noch sprachlos mitten im Eingang und staunte über die schiere Unendlichkeit des Raumes und all der Farben seines Inhaltes.
Blondie und Wirbelwind tuschelten aufgeregt und lächelnd miteinander, was ich geflissentlich ignorierte, bis Alice auf ein knallrotes Kleid und mörderisch hohe High Heels zeigte.
„Alice, nein. Sowas werde ich nicht anziehen! Auf solchen Absätzen könnte ich nicht einmal einen Meter laufen ohne umzufallen. Bitte.“ Setzte ich dann hinzu, was Alice endlich gnädiger zu stimmen schien.
Rose grinste nur und ich ahnte dass ich gar nicht wissen wollte, was ihr gerade durch den Kopf ging.
„Nun komm endlich her, Bella, damit wir sehen können welche Farbe dir am meisten schmeichelt.“ Kicherte Alice und zog mich kurzerhand vollends zu ihnen rein in den Kleiderschrank. Rose hatte gerade ein pinkes Oberteil in der Hand, bei dem mir jetzt schon die Hitze in die Wangen schoss. Grinsend nahmen die Beiden das wahr und Rose hielt es mir hin, auffordernd.
Das war doch nicht ihr Ernst… ich sollte das anziehen?! ‚Ich bring sie um wenn ich mit sowas rausgehen soll‘ dachte ich entsetzt.
„Zieh es mal nur für uns an… es muss ja sonst keiner sehen. Aber das würde dir echt gut stehen. Du haste ne gute Figur Bella, du kannst es dir leisten sowas zu tragen.“ Kam es von Rose und ihre Worte ließen mich erröten. Ich hatte sie nie für so nett gehalten – also sodass sie anderen mit dem Selbstvertrauen auf die Beine helfen würde.
Allein dadurch ließ ich mich überreden dieses weit ausgeschnittene Top anzuziehen, zumindest redete ich mir das später ein.
Erstaunlicherweise war es mir nicht peinlich vor den beiden Cullenfrauen mein schlichtes schwarzes Longsleeve auszuziehen, obwohl ich mich meist beim Sportunterricht in der Kabine etwas genierte.
Vielleicht lag es daran dass Rose auch irgendwelche Klamotten anprobierte, die Alice ihr reichte. Scheinbar war sie sich auch noch unsicher was sie morgen tragen sollte.
„Uh Bella… heiß!“ sagte Rose und grinste breit als ich das Top anhatte. Alice schüttelte jedoch den Kopf.
„Naja, schon, aber es ist ganz und gar nicht ihre Farbe… das hätte uns gleich klar sein sollen.“ Dann fing der ganze Wahnsinn erst an!

Es kam mir wie Stunden vor, in denen ich Oberteile, Röcke und Kleider anprobierte. Am Ende auch Hosen, denn ein passendes Oberteil hatten sie für mich gefunden. Während Alice sich noch darum kümmerte, dass ich die passende Jeans dazu hatte, ging Rose auf Streifzug nach farblich passenden Accessoires.
Dabei verschwand sie auch mal kurz aus ihrem Zimmer und ging in Alice Zimmer auf die Jagd. Was machten die Beiden nur für einen Aufstand wegen eines Shoppingausfluges?! Ich konnte es kaum glauben, aber lustig war es allemal.
Endlich waren sie mit dem Outfit das ich anhatte zufrieden. Mir gefiel es auch, mit so etwas „Normalem“ hatte ich kaum gerechnet. (Das Outfit könnt ihr euch hier anschauen: http://www.polyvore.com/bella_beim_shopping/set?id=7176289   Ebenso wie die Outfits von Rose und Alice, einfach über mein Profil in die Kollektion zu „Beginning a new life“ gehen.)
Doch fast kam ich mir blass vor neben Rose. Ihr hatte Alice ein wunderschönes weißes Kleid rausgesucht, um die Taille schlang sich ein braunes Lederband. Dazu sollte sie eine braune Lederjacke und Schuhe mit Keilabsatz tragen.
Zugegeben, ich war froh, dass man mir flache Schuhe gab und eine Jeans, aber zu Rose passten die glamouröseren Sachen sehr gut. Alice zeigte mir dann auch was sie anziehen wollte: Schlicht eine dunkle Jeans und ein türkisenes Top. Das war gut, wenn sie auch so schlicht gestylt war würde ich auch dazupassen.
„Na komm, wir toben uns im Bad aus! Eine Maske fürs Gesicht und eine Bodylotion mit Bräunungseffekt für die Farbe.“ Lachte Rose und zog mich gemeinsam mit Alice in ihr Badezimmer.
Im ersten Augenblick kam ich mir blöd vor, nackt in Roses Badezimmer zu stehen und mich einzucremen. Aber da es für die beiden Anderen so natürlich zu sein schien, fühlte ich mich schnell in die so überraschend und schnell gekommene Freundschaft ein. Sie waren wundervoll.
Wir lachten viel, lästerten ein wenig über Schauspieler oder Bands, die momentan aktuell waren und redeten über mögliche Zukunftspläne.
„Hauptsache Emmett ist immer bei mir.“ Als sie das sagte, errötete Rose ein wenig. „Gemeinmsames College, eine Wohnung zusammen und unbedingt heiraten! Oh und verreisen will ich noch so viel.“ Alice verdrehte die Augen. Auf meinen fragenden Blick hin, erklärte sie mir auch warum:
„Rose wird all das bekommen, was sie sich da wünscht. Emmett wird niemals von ihrer Seite weichen, nicht mal wenn er woanders studieren wollte. Zusammenziehen hat für ihn keinen Schrecken mehr – wie auch! – und das Geld zum verreisen haben wir ja nun auch. Du siehst, sie wird also alles kriegen was sie sich wünscht.“ Rose grinste nun auch breit und gab sich ganz ihren Träumen hin.
Mein Gesicht war eher nachdenklich. Für die Cullens war das Leben so einfach! Ich konnte mir nicht einmal den Luxus leisten, direkt von einem College zu träumen, denn bei mir ging es vor allem darum, ob ich mir das College überhaupt leisten konnte!
„Bella?“ Eine Hand wedelte vor meinen Augen herum, ich hatte vergessen weiter zuzuhören wurde mir schlagartig bewusst. Wie peinlich. Ich murmelte eine Entschuldigung und sah auf.
„Was willst du machen nach der High School?“ Fragte Alice erneut. Ich zuckte nichtssagend mit den Achseln, denn ich hatte wirklich noch keine Vorstellung. Lesen war mein liebstes Hobby, vielleicht Literaturwissenschaft?
„Und was willst du machen Alice?“ Beeilte ich mich zu fragen, sodass ihr nicht die Zeit blieb bei mir nachzuhaken.
„Sie wird Stylistin!“ Kicherte Rose. „Oder Modedesignerin. Das wäre perfekt. Und sie ist so kreativ.“ Täuschte ich mich oder schmeichelten diese Worte Alice wirklich? Sie winkte zwar ab, aber es schien ihr wirklich eine angenehme Vorstellung zu sein.
„Und was wollen eure Jungs machen?“ Fragte ich dann noch, das Thema war wirklich interessant. Nur hatte ich mit meiner Formulierung einen Cullenmann ausgeschlossen: Edward. Dabei würde mich bei ihm auch interessieren was er später so vorhatte.
Es sprudelte nur so aus Alice und Rose raus.
„Emmett will was in Richtung Physiotherapie oder so machen… und in ein Uni-Sportteam.“
„Jasper wird Jura und Philosophie studieren. Das passt so super zu ihm.“ Ich grinste, die Beiden lobten ihre Freunde so sehr, es war ihnen die ganze Zeit anzusehen, wie sehr sie die Beiden liebten. Bei Jasper wunderte mich die Antwort nicht, es war irgendwie sehr gut vorstellbar, dass er sich für Philosophie interessierte.
Und Emmett? Naja. Vielleicht war er ein wenig wie Rose, er würde schon etwas finden, hauptsache er war bei ihr.
„Ach Edward haben wir vergessen.“ Warf Rose ein und Alice übernahm den Rest. „Der geht nach New York. Ganz klar. Das Juilliard hat ihm schon einen Platz zugesichert.“ Ich hatte es kaum für möglich gehalten, aber ihre Brust schien noch mehr anzuschwellen vor Stolz. Edward und Alice schienen sich sehr nahe zu stehen.

Nach über zwei Stunden im Bad, waren Alice und Rose endlich zufrieden. Ich durfte mir meine Schlafklamotten anziehen – meine Tasche hatte Jasper kurz nachdem wir in den Kleiderschrank verschwunden waren in Roses Zimmer gestellt – denn es war langsam ein wenig spät. Und da wir morgen früh losfahren wollten, nach Seattle war es ja auch noch ein wenig Weg, würden wir bald zu Bett gehen.
Ich zog also meine Schlafshorts, mein T-Shirt und meinen bequemen dazu passenden Pulli raus und zog die Sachen an. Dann hörte ich es auf einmal hinter mir lachen. Mit fragend hochgezogenen Brauen sah ich die Mädels an und verstand auch sofort.
Mein Lachen erscholl zusammen mit dem der Beiden und ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr. Alice und Rose hatten doch glatt genau das Gleiche an wie ich! Nur in anderen Farben. Wir waren perfekt passend angezogen.
„Du magst also Aeropostale auch, ja?!“ Fragte mich Alice und zeigte kichernd auf mein T-Shirt. Ich zuckte nur mit den Schultern und stellte eine Gegenfrage.
„Wo kann ich denn eigentlich schlafen? Ich will euch alle ja nicht stören.“ Gab ich zu und dachte an die Pärchen. Ich wollte sie nicht trennen, wo sie doch sonst so unzertrennlich waren.
„Sei nicht böse, ja? Wir haben sogar zwei Alternativen für dich zur Auswahl.“ Begann Alice und Rose hielt sich vornehm zurück. Oha, und was sollte nun kommen?
„Du kannst natürlich wenn du möchtest auf einer Matratze in meinem und Jaspers Zimmer schlafen… aber wir hätten auch noch ein Plätzchen in einem Bett für dich.“ Ihr Lächeln war unbeschreiblich, warmherzig und es erreichte ihre Augen.
Diese schönen dunkelbraunen Augen, die fast schwarz waren.
„Na wenn ich die Wahl habe nehme ich doch gerne das Bett.“ Gestand ich und fragte mich wieso die Mädchen dann darauf bestanden dass ich mir schonmal die Zähne putzte bevor sie mir mein Bett zeigten.
Rose sah auf die Uhr und nickte Alice zu, während ich meine Zähne schrubbte und versuchte hinter den Sinn ihrer Aktionen zu kommen. Doch mir fiel nichts ein, was das Verhalten erklären konnte. Obwohl ich ein ungutes Gefühl hatte bei der ganzen Sache.
„Dürfen wir dich nun zu deinem Bett geleiten?“ Fragten sie wie aus einem Mund und langsam fühlte ich mich unwohl – reichlich unwohl.
In einer Reihe gingen wir auf den Flur raus und sie plapperten auf einmal so schnell auf mich ein, dass ich nicht mehr darauf achtete wohin wir gingen.
Ich merkte auch nicht, dass Jasper und Emmett in einer Ecke standen und uns beobachteten. Dann ging alles ganz schnell…
Ich wurde in ein Zimmer gestoßen, die Tür hatten sie ganz schnell auf und wieder zugemacht und ich hörte wie sie hinter mir abschlossen. Ungläubig starrte ich in das Zimmer. Dafür würden sie büßen müssen!

 

 
 
 

~*~ Kapitel 8: Auf und ab, auf und ab oder: 2 Blickwinkel ~*~

Mir war nicht bewusst gewesen durch welche Tür sie mich gestoßen hatten, bis ich aufsah. Allein war ich jedenfalls nicht. Doch das musste ein Scherz sein. Das würden sie mir doch wohl nie antun, oder?!
Meine Überzeugung geriet ins Wanken als ich an die grinsenden Gesichter von Alice und Rose dachte. Oh doch sie würden…. auch wenn es nur ein Spaß war, gelungen war er jedenfalls nicht besonders.
Ohweia, ich schien auch nicht die einzige Person zu sein, die so dachte.
„Haben die gerade abgeschlossen?“ fragte mich diese engelsgleiche Stimme. Mehr als Nicken konnte ich nicht, ich war zur Salzsäule erstarrt. Ein Seufzen.
„Ich wusste doch dass ich den Schlüssel vermisst habe…“ War das jetzt sein Ernst? Kein Ausraster? Keine Schimpfworte? Nur so ein resignierender Gedanke? Wie konnte er nur?
Sobald ich meine Starre abgelegt hatte, drehte ich mich zur Tür um und wütete los:
„Macht sofort wieder auf! Was soll denn das?“ Schrie ich und stand direkt hinter der Tür. Ich konnte die Anderen kichern hören. „Das ist Freiheitsberaubung. Ich kenn mich da aus. Alice du bist sowas von tot!“ Das Kichern wurde nur lauter und ich sah rot, buchstäblich.
„Eine gute Nacht wünschen wir euch!“ Hörte ich Emmetts belustigte Stimme und dann Schritte, die sich entfernten.
Sie machten das wirklich? Oh man, womit hatte ich das verdient. Nun verstummte ich. Wenn sie weg waren hatte ich wohl eh keine Chance dass sie mich hier gleich wieder rausließen.
„Ah, Ruhe. Endlich.“ Wollte Edward dass ich ihm den Kopf abriss? Fand er das Ganze etwa kein bisschen beknackt? Oder hatte er vielleicht sogar davon gewusst?
Ganz langsam drehte ich mich zu ihm um und sah ihm wütend ins Gesicht. Doch er stand wieder ganz teilnahmslos da, die Hände in den Hosentaschen und sah mir einfach nur entgegen.
Sofort verrauchte meine Wut.
‚Okay gehen wir mal objektiv an das Ganze ran‘ sagte ich mir selbst ‚Was ist gerade los? Du hast dich bettfertig gemacht, deine Schlafsachen angezogen und dann haben sie dich in Edwards Zimmer geschoben und die Tür abgeschloss- moment? Ich war bettfertig! Hilfe! Nein, ich stand hier nur in einer kurzen Schlafshorts vor Edward Cullen! Bitte Herr, befiehl dem Boden mich zu verschlucken…‘ betete ich.
Na wunderbar, die Hitze schoss mir nun auch noch ins Gesicht – denn mir war die Situation nun mehr als peinlich.
„Ähm, alles in Ordnung?“ Unterbrach er nun etwas verwirrt die Stille. Vielsagend sah ich an mir runter und sein Blick musste meinem gefolgt sein, denn kurz danach räusperte er sich.
„Ich hab schon Frauen in Unterwäsche gesehen, also ist das halb so schlimm.“ Antwortete er und ich ärgerte mich über seinen amüsierten Ton.
„Ach, das ist es gar nicht was mich stört.“ Konterte ich. „Ich finde es nur immer ungerecht wenn es keine Gleichberechtigung gibt.“ Während ich das sagte kam ich auf ihn zu und zog leicht – nur demonstrativ um zu unterstreichen was ich meinte – an seinem Hemd und seiner Hose.
Oha, ich entdeckte also meine große Klappe in den letzten Tagen! Wow.
Nun war er es der rot anlief und erschreckt wirkte. Sein Körper erstarrte und er war sehr verkrampft.
Während ich einen Schritt zurücktrat, erschrocken von seiner Reaktion auf meine so lockeren Worte, bemerkte ich dass seine Augen starr zu Boden blickten. Die Lippen waren fest aufeinandergepresst, sie waren nur noch Striche und ich versuchte herauszufinden, was genau an meinen Worten ihn so erschreckt hatte.
„Das war nur ein Scherz…“ murmelte ich und trat hastig noch ein paar Schritte zurück. Ich hörte wie er scharf einatmete und sich hoffentlich etwas entspannte.
Mittlerweile fühlte ich mich mehr als unwohl, ich hatte ihn nicht so verunsichern wollen… denn das war es doch oder? Verunsicherung?
„Ich glaube die schließen heute nicht mehr auf.“ Sein Ton klang angespannt, erzwungen gelassen und ein wenig resignierend. Wieder nickte ich nur. Es gab dazu nichts anderes zu sagen.
„Ich kann auf dem Sofa schlafen.“ Setzte er dann hinzu. Ich sah mich im Zimmer um und erfasste dabei die Tragweite seiner Worte. Er wollte auf sein Bett verzichten, damit ich in diesem schlafen konnte.
Den Blick ließ ich schweifen und erkannte, dass sein Bett riesig war. Es musste weit über die normalen Doppelbettmaße hinausgehen.
„Ähm, das ist doch nicht nötig.“ Fing ich an und er stand noch immer erstarrt am selben Fleck wie vorher. „Schleißlich ist das hier dein Zimmer. Du sollst nicht verzichten. Ich kann auch auf der Couch schlafen, das macht mir nichts aus.“ Und bevor ich es verhindern konnte, rutschte mir noch etwas über die Lippen:
„Obwohl in dem Bett sogar 4 Leute bequem nebeneinander schlafen könnten.“
Ups, vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen? Er wirkte nervös, verunsichert und unbehaglich. Ich sah wie er die Hände zu Fäusten ballte, nur kurz, und sie danach wieder in die Hosentaschen steckte. Wieder wurde er rot! Wie konnte dieser Kerl nur so schüchtern und unsicher sein?!
Er hatte doch gar keinen Grund dazu! Ein Aussehen wie ein Model, Talent wie ein junger Beethoven und Geld wie Heu – wieso war er so unsicher?
Leise räusperte ich mich und trat ganz offen auf das Sofa zu, dass ein Stück hinter ihm stand.
Ich wollte ihm zeigen, dass ich ganz lieb sein konnte, unkompliziert. Dass es keinen Grund für ihn gab sich unwohl zu fühlen.
„Du meinst also wir könnten zusammen im Bett schlafen?“ Kam es auf einmal fast flüsternd von ihm. Beinahe hätte ich es überhört. Und woher nahm er jetzt auf einmal die Gelassenheit diese Frage zu stellen? Ohne ein Zittern in der Stimme?
Überrascht drehte ich mich um. Sein Blick war irgendwie mehr im Hier und Jetzt als zuvor.
„Also Platz genug wäre da ja an sich schon.“ Erwiderte ich ernst und sah an ihm vorbei zu dem übergroßen Bett. Er nickte.
„Naja, fühl dich wie zu Hause… du warst ja ohnehin schon in allen Räumen hier. Ich will noch etwas lesen. Du kannst ruhig das Licht ausmachen, ich lese dort hinten am Schreibtisch.“ Kaum hatte er das ausgesprochen, ging er auch schon zu dem antiken Schreibtisch und schaltete eine kleine Lampe an, nahm ein Buch zur Hand und setzte sich. Mich beachtete er dann gar nicht mehr.
Mir wurde bewusst, dass ich wirklich etwas müde war und beschloss seinem Angebot nachzukommen. Ich schaltete das große Deckenlicht aus, streifte meinen Pulli über den Kopf und legte mich in dem entstandenen Halbdunkel unter eine der beiden Decken, die auf dem Bett lagen.
Etwas hibbelig kuschelte und wickelte ich mich fest ein und schloss die Augen. ‚Bitte Schlaf komm bald!‘ dachte ich und atmete tief ein. Der Geruch, der an Laken, Kissen und Decke haftete, war wunderbar. Ich sog ihn tief ein und entspannte mich etwas. Keine fünf Minuten später war ich eingeschlafen.

Edwards Sicht der Vorkomnisse:

Gerade hatte ich über das Fazit meines Aufsatzes nachgedacht, wie immer in meinem Zimmer auf und ab gehend, und auf einmal ging die Tür auf und wieder zu. Ich war nicht mehr allein.
Bella stand in meinem Zimmer, total verwirrt und ein wenig zerzaust. Sie trug Shorts und einen Pulli, offensichtlich ihre Schlafklamotten.
„Haben die gerade abgeschlossen?“ Fragte ich sie als sie endlich aufsah. Ich bekam ein Nicken, mehr nicht. Daraufhin entwich mir ein Seufzen, Resignation. Ich kannte meine Geschwister – sie hatten Spaß an der Aktion.
„Ich wusste doch dass ich den Schlüssel vermisst habe…“ Jetzt sah sie auf einmal wütend aus. Hätte ich vielleicht ein wenig mehr Ärger zeigen sollen? Dachte sie mir gefiel es, dass meine Geschwister eine Fremde in mein Zimmer sperrten?
Ausgerechnet in mein Zimmer, mein Heiligtum. Hier lagen überall meine Noten, meine Bücher, meine gesamte Musiksammlung! Nur mein Klavier stand leider ein Stockwerk tiefer, es hatte keinen Platz in dem Zimmer gefunden.
„Macht sofort wieder auf! Was soll denn das?“ Tobte sie nun an der Tür, Kichern als Antwort. „Das ist Freiheitsberaubung. Ich kenn mich da aus. Alice du bist sowas von tot!“ Ich erkannte das laute Gekicher von Emmett, das leise von Alice und Jasper und das Glucksen von Rose. Die würden sich nicht rühren, das war mir klar.
„Eine gute Nacht wünschen wir euch!“ Emmett hatte ein Talent dafür Bella zur Weißglut zu treiben, denn ihr Gesicht nahm einen noch dunkleren Farbton an. Sie sah förmlich rot!
In meinen Ohren klingelte es schon, ich mochte Ruhe und leise Töne, doch sie schrie und hämmerte gegen die Tür. Endlich verstummte sie. Vielleicht hatte sie eingesehen, dass es heute kein Entkommen mehr geben würde.
„Ah, Ruhe. Endlich.“ Oh, das war wohl nicht gut gewesen dass ich das gesagt hatte. Wutschnaubend drehte sie sich zu mir um und funkelte mich von unten herauf an. Mir fiel auf, dass sie doch ein ganzes Stück kleiner war als ich.
Irgendetwas schien sie dann aber zu beruhigen, denn sie sah nun weniger wütend, sondern mehr verärgert aus. Ein wenig nachdenklich vielleicht. Während ich sie noch weiter schweigend musterte, lief sie auf einmal rot an… dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben sie unauffällig zu mustern!
„Ähm, alles in Ordnung?“ Als Antwort auf meine Frage sah sie an sich runter, ich folgte dem Blick – Reflex.
Ihre kurzen Shorts zeigten viel von ihren Beinen und sie konnte sich das leisten. Wirklich. Allerdings hatte ich meinem ersten Eindruck nachgebend gedacht, dass sie im Gegensatz zu Alice und Rose doch lieber etwas mehr verhüllte als sie presigab. Nunja, so konnte man sich täuschen.
„Ich hab schon Frauen in Unterwäsche gesehen, also ist das halb so schlimm.“ Hoffentlich nahm ich ihr damit ein wenig von der Scham. Und es stimmte, was kümmerte es mich, dass sie halbnackt rumlief?
„Ach, das ist es gar nicht was mich stört.“ Hatte ich gerade richtig gehört? Was störte sie denn dann? „Ich finde es nur immer ungerecht wenn es keine Gleichberechtigung gibt.“ Langsam, fast lasziv bewegte sie sich auf mich zu und verband ihre Worte mit einer eindeutigen Geste: sie zog kurz an meinem Hemd und meiner Hose. Ich wurde stocksteif! Was dachte sie sich dabei? Es zeugte nicht gerade von Anstand einem fast Fremden so nah zu kommen. Scheinbar war auch sie nur ein Hormongesteuerter Teenager, wie alle anderen in der Schule.
Manchmal hatte ich auch meine Geschwister im Verdacht zu sehr ihren Hormonen ausgeliefert zu sein, doch meistens bekamen sie die Kurve. Bei ihnen war der Umgang untereinander mit solchen Themen einfach natürlich.  
„Das war nur ein Scherz…“ Erklang dann ihre Stimme und es war wie eine Entschuldigung. Hatte sie gemerkt wie sehr mich dieses Verhalten abstieß?
Dankbar bemerkte ich wie sie von mir abrückte, mir mehr Freiraum ließ und sofort atmete ich tief ein – ich vertrug es nicht wenn mir ein fremder Mensch zu nah kam.
„Ich glaube die schließen heute nicht mehr auf.“ Wieder bekam ich nur ein Nicken. Ihre Stimme gebrauchte sie gar nicht mal so oft, fiel mir auf, was ich als angenehm empfand.
Im Gegensatz zu Altersgenossen schien sie nur dann was zu sagen wenn sie es für nötig hielt.
„Ich kann auf dem Sofa schlafen.“ Kam es deshalb nun etwas weicher über meine Lippen.
„Ähm, das ist doch nicht nötig.“ Erklärte sie mir. „Schleißlich ist das hier dein Zimmer. Du sollst nicht verzichten. Ich kann auch auf der Couch schlafen, das macht mir nichts aus.“ Ich dachte schon das wäre alles gewesen, da ertönte ihre Stimme noch einmal, ein wenig hysterisch im Unterton:
„Obwohl in dem Bett sogar 4 Leute bequem nebeneinander schlafen könnten.“ Jetzt war es um mich geschehen. Ertappt. Mein Bett war riesig, ja, aber 4 Leute würden darin niemals zusammen Platz finden, nunja, ausser ich lag nicht darin. Ich würde es nicht aushalten und alle rauswerfen.
Wahrscheinlich hatten ihr die Anderen davon erzählt und sie machte sich jetzt über mich lustig! Na vielen Dank, sowas nennt sich Geschwister. Von wegen sie wären mir gegenüber immer loyal und würden meine Geheimnisse bewahren.
Sie zog sich noch weiter zurück, den Kopf gesenkt machte sie einen Schritt auf mein Sofa zu. Vielleicht wusste sie doch nichts? Oder sie lachte zumindest nicht, denn sie schien mir wirklich entgegenkommen zu wollen. Sie bemühte sich nett zu sein. Es war ein klassisches Rückzugmanöver.
Keine große Klappe mehr, keine angriffslustigen Worte. Es besänftigte mich, ganz klar.
„Du meinst also wir könnten zusammen im Bett schlafen?“ flüsterte ich und hoffte fast sie hätte es überhört. Wie peinlich! Ich flüsterte in meinem eigenen Zimmer, bei mir zu Hause! Nur weil ein Mädchen aus meinem Jahrgang bei mir war.
„Also Platz genug wäre da ja an sich schon.“ War ihre schlichte und ernsthafte Antwort. Sie wirkte ehrlich, nicht so als wollte sie sich über mich lustigmachen.
Gewiss hatte ich meinen Geschwistern doch unrecht getan. Zustimmend nickte ich.
„Naja, fühl dich wie zu Hause… du warst ja ohnehin schon in allen Räumen hier. Ich will noch etwas lesen. Du kannst ruhig das Licht ausmachen, ich lese dort hinten am Schreibtisch.“ Ein Schritt und ich war am Schreibtisch, ein Handgriff und die Tischlampe war an, dann die andere Hand zum Buch geführt. Reglos saß ich an meinem Schreibtisch und las, nach außen hin so entspannt wie immer, innerlich war ich zu aufgewühlt um mich auf die Zeilen zu konzentrieren.
Undeutlich nahm ich wahr, wie sie das Licht ausmachte und sich in mein Bett legte, dann war alles still. Nach ein paar Minuten vernahm ich auch ihre ganz regelmäßigen Atemzüge… sie war eingeschlafen.
Ich ließ das Buch sinken und beobachtete sie. Oh, sie lag auf meiner bevorzugten Seite! Dort wo sonst immer ich lag… ein ungewohnter Anblick jemanden dort liegen zu sehen.
Man sah kaum mehr als ihr Gesicht und ihre Haare, so sehr hatte sie sich in die Decke gekuschelt.
Gedankenverloren starrte ich sie an. Mir fielen die sanft geschwungenen Lippen auf, die fast geraden Augenbrauen, die dunklen Locken, die sich um ihren Kopf schlangen. Ihre Haut war hell, fast so blass wie meine… ‚Ob sie wohl auch so viel Zeit drinnen verbringt?‘ fragte ich mich und legte seufzend mein Buch weg. Von den fünf Seiten die ich umgeblättert hatte, hatte ich eh nichts behalten. Dabei war es ein wirklich gutes Buch.
Schnell blickte ich auf die Uhr und schüttelte den Kopf. Wir würden früh losfahren nach Seattle, ich sollte mich auch schlafen legen.
Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass sie wirklich schlief, zog ich meine Jeans und mein Hemd aus. In Schlafhose (AN: ja eine lange Hose! *kicher* Dieser Edward ist echt sehr unsicher…. ^^) und T-Shirt legte ich mich dann auf die andere Seite meines Bettes. Es dauerte lange bis ich einschlief, Bellas warmer Körper unweit von meinem verwirrte mich.

 

 
 
 
 
 

-*- Kapitel 9: In Seattle Part I -*-

„Bella! Hallo, Erde an Bella.“ Ich seufzte. Schon wieder waren meine Gedanken abgedriftet, ich sah Alice entschuldigend an.
„Du bist ja wirklich noch schlimmer als Edward.“ Kicherte Emmett und bekam gleich zweimal Knurren. Eines von mir und eines von Edward. Die anderen fingen an zu lachen.
„Ihr seid zu gut!“ Bemerkte Alice und sah mich an. „Wir sind gleich da, Bella. Ich wollte dich nur vorbereiten dass du gleich den besten Tag deines Lebens beginnen wirst. Mit Rose und mir zu shoppen wird deine Welt verändern.“ Ihre Worte klangen ein wenig großspurig, aber herzlich.
Jasper und Emmett lachten schon wieder, Edward schmunzelte nur leicht.
„Ihr zwei werdet sie umbringen. Bella, wenn du irgendwann eine Möglichkeit siehst… renn um dein Leben!“ Lachte Emmett hinter seinem Lenkrad und Jasper stimmte mit ein. Rose und Alice sahen ihre Freunde nur beleidigt an. Ich kicherte.
„Macht euch nichts draus, Mädels. Es wird mir schon gefallen… und wenns mir zu viel wird dann sag ichs einfach, okay? Schlimmer als euer Scherz von gestern Abend kann es ja nicht sein.“ Nun sahen die Beiden verlegen auf ihre Füße. Mein Wutanfall heute morgen hatte sie davon überzeugt, dass es nicht die beste Idee gewesen war mich zu Edward zu sperren.
Erst hinterher hatte ich darüber nachgedacht wie meine Worte wohl bei Edward angekommen waren… ich dachte nun einmal nicht weiter als bis zur nächsten Minute. Lästig.
Er hatte gar nichts gesagt, kein Wort. Auch nicht während der über drei Stunden langen Fahrt. Er hatte stillschweigend dagesessen und geschwiegen, seine Geschwister schien das nicht zu wundern oder gar zu stören. Vielleicht war das auch einfach seine Art.
Endlich hatten wir einen Parkplatz gefunden, okay so schwer war es nicht gewesen, denn Emmett war schnurstracks in ein Parkhaus gefahren. Es gehörte zu einer riesigen Mall und ich staunte nicht schlecht als wir daran vorbeigefahren waren.
„Komm schon, Bella, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Krähte Alice als wir aus dem Auto stiegen. Prompt hatte sie sich an meinen Arm gehängt und zerrte mich aus dem Auto. Rose kam kichernd hinterher.
„Alice?“ fragte Jasper leise und sofort drehte sie sich um.
„Entschuldige, Schatz.“ Rief sie und rannte zu ihm. Schnell gab sie ihm einen Kuss, Rose tat das Gleiche mit Emmett und dann zogen sie mich mit. Mehr als ein kurzes „Bye“ bekam ich nicht mehr raus, um mich von den Jungs zu verabschieden.

Drei Stunden später war ich mit den Nerven schon völlig am Ende. Rose und Alice zogen mich von Laden zu Laden, steckten mich in die Umkleidekabine und gaben mir stapelweise Kleidung: Röcke, Kleider, T-Shirts, Jeans, Tops, Jacken, einfach alles was man anziehen konnte. Ich ertappte mich immer wieder bei der Frage, wie die Beiden es schafften auch selbst noch Klamotten anzuprobieren. Es war einfach der ultimative Wahnsinn!
„Bella, hier, das musst du auch noch anprobieren. Es sieht so hübsch aus!“ Rief Rose gerade von draussen vor meiner Kabine und hielt mir ein Kleid hin. Ich beäugte es äußerst misstrauisch und sie lachte.
„Nein, es ist kein Minikleid mehr, ich schwöre es dir. Zu kurz ist wohl einfach noch nicht dein Ding… dabei hast du echt ne tolle Figur.“ Das hatte sie heute ungefähr schon zehntausendmal gesagt, glaube ich.
Alice stand in der Kabine neben mir und streckte hin und wieder den Kopf raus – immer dann wenn ich ein neues Teil anhatte.
Seufzend nahm ich Rose das Kleid ab und zog es an. Ich war übberascht, denn es gefiel mir. Es war ein weißes Kleid, über und über mit bunten Blumen bedruckt und ging mir bis zu den Knien. Genau die richtige Länge und sehr fröhlich. Meistens trug ich gedeckte Farben, aber dieses Kleid mit den gelben, orangenen, roten und rosa Blumen war wirklich traumhaft schön.
Ich drehte mich vor dem Spiegel in der Kabine und trat dann mit einem Lächeln raus zu den Mädchen.
„Oh Bella!“ rief Rose aus und Alice quietschte nur. Es schien ihnen an mir auch zu gefallen. Als ich mir aber meine neuen Freundinnen genauer ansah, verschlug es mir schier die Sprache.
Rose trug ein dunkelrotes Kleid, das ihr auch bis knapp übers Knie ging, am Ausschnitt gab es eine silberne Blumenstickerei. Alice trug ein weißes Kleid, das kürzer war als meines und das von Rose. Sie sah traumhaft aus, denn es betonte ihre schlanke, elfenhafte Gestalt. Wir sahen uns irritiert an, dann fingen wir an zu lachen.
„Ihr seht wunderschön aus.“ Brachte ich heraus und starrte sie unverhohlen an. Beide grinsten mich an und murmelten ein „Dankeschön“.
„Rose, hilf mir mal eine kurzärmelige Jacke für Bellas Kleid zu finden. Damit sie heut Abend nicht friert.“ Bat Alice ihre Schwester und bevor ich etwas erwidern konnte, waren beide schon unterwegs.
Eine halbe Stunde später verließen wir den Laden und ich hatte eine dritte Tüte an meinem Arm. Wie das hatte passieren können war mir schleierhaft. Immer noch bedankte ich mich mit hochrotem Kopf bei ihnen.
„Bella, jetzt ist endlich mal gut!“ Kicherte Alice. „Wir haben genug Geld und wir wollen dir was Gutes tun. Du sahst in diesen Sachen einfach wunderschön aus, du musstest die einfach haben.“ Rose nickte zustimmend. Ich gab mich geschlagen, mit einem resignierten Seufzen.
„Wohin gehen wir jetzt?“ fragte ich schicksalsergeben. Die Mädchen sahen sich an, grinsten beide breit und hakten sich links und rechts von mir ein.
„Jetzt, lassen wir uns zum Essen einladen.“ Kicherten sie und führten mich in einen anderen Teil der Mall zu einem Restaurant. Es sah nicht sonderlich schick aus, was mich freute, denn ich hasste die Atmosphäre in diesen Schicki-Micki-Restaurants.
Ohne sich groß umzusehen, betraten Rose und Alice den Laden und ließen sich von einem Kellner an einen Tisch geleiten, ich ging einfach nur hinterher.
An dem Tisch saßen schon unsere drei männlichen Begleiter und lächelten uns entgegen, oder besser gesagt, Emmett und Jasper lächelten, Edward sah nachdenklich aus und starrte in die Ferne.
„Oh Bella lebt ja noch!“ Rief Emmet laut aus und grinste als Rose ihm auf die Schulter schlug. Alice sah ihren großen Bruder mit einer Grimasse an und zeigte auf die Tüten in ihrer und meiner Hand.
„Ein bisschen hat es ihr sicher gefallen… immerhin geht sie mit tollen Klamotten hier weg.“
„Bestimmt hat es ihr gefallen.“ Stimmte Jasper mit einem Seitenblick auf mich zu, gab ihr einen Kuss und zog ihr den Stuhl zurecht. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Emmett für seine Freundin dasselbe tat.
Ein Seufzen, von mir, recht leise. Ich war die einzige von uns dreien ohne einen Gentleman an meiner Seite.
Das Essen war hervorragend, wir plauderten, scherzten und kicherten. Es war einfach angenehm mit den Cullens zusammenzusein. Die Chemie stimmte zwischen uns allen und ich erfreute mich an der Harmonie, die unter ihnen herrschte.
In Phoenix war ich oft für mich allein geblieben, weil ich Menschen meines Alters immer als kindisch empfunden hatte… mit den Cullens war es anders. Sie waren so anders. Erwachsener und doch ab und zu hatten sie kindische Momente. Aber man spürte, dass sie jetzt auch schon auf eigenen Beinen stehen könnten.
„Also…“ fing Jasper an, als wir alle mit unserem Dessert fertig waren „Was habt ihr Mädels noch vor?“ Er sah in die Runde und es war Rose die für uns antwortete.
„Accessoires… Schuhe und Taschen und Schmuck.“ Erklärte sie ruhig. „Wir haben Bella ein paar schöne Outfits besorgt, uns natürlich auch, und dazu brauchen wir noch das passende Drumherum. Was habt ihr noch vor?“
„Und was habt ihr bisher gemacht?“ Fragte ich neugierig dazu. Es war Emmett der laut anfing zu lachen.
„Wir haben das Gleiche gemacht wir ihr. Shoppen. Ein paar Klamotten, nichts Besonderes und sicher anders als ihr… unsere Sachen sind schon im Auto. Wir könnten eure Tüten ja auch runterbringen wenn ihr wollt.“ Schlug er vor und ich registrierte erleichtert, dass Alice nickte.
„Den Nachmittag verbringen wir gemütlicher. Wir wollten mal in den Musikladen. Für meine Gitarrenleidenschaft und Edwards Klavierleidenschaft…“ Lachte Jasper. Unaufällig sah ich zu Edward, der bei dem Wort Klavier merklich aufgewacht war. In seine Augen kehrte Leben ein und er hatte sogar die Andeutung eines Lächelns auf dem Gesicht. Er war mir ein einziges Rätsel.
„Na dann macht euch mal auf eure Accessoires suchen, wir nehmen eure Tüten.“ Rose und Alice übergaben ihren Freunden ihre Tüten, Emmett nahm meine auch noch dazu und wir trennten uns erneut.
Doch diesmal bekam ich mit wo und wann der neue Treffpunkt war:
„Um sieben treffen wir uns am Auto wieder. Dann können wir uns ja überlegen wo wir am Liebsten hinwollen nachher.“ Meinte Jasper und gab Alice einen liebevollen Kuss auf die Wange. Die natürlichste Reaktion darauf wäre Neid gewesen, doch ich spürte ihn nicht.

-*- Kapitel 10: In Seattle Part II -*-

Beladen mit unendlich vielen kleinen Tüten bahnten wir uns dann um kurz vor sieben den Weg in die Tiefgarage der Mall. Fassungslos schüttelte ich den Kopf als ich auf all die Tüten in Rose, Alice und meinen Händen sah. Wie konnte man bloß so viele Accessoires finden? Vor allem wenn man wie ich so wenig Klamotten hatte?!
Aber Alice und Rose hatten bei vielen Kleinigkeiten darauf bestanden dass sie mitkamen und etwas davon gemurmelt, dass sie perfekt zu diesem oder jenem passten.
Jasper lachte laut als er uns erblickte, woraufhin sich Emmett und Edward rasch umdrehten und grinsten. Nunja, Edward lächelte etwas zurückhaltend. Mehr nicht. ‚Aber immerhin eine Reaktion‘ dachte ich und fragte mich wieso es mir überhaupt wichtig erschien darauf zu achten.
„Ihr scheint erfolgreich gewesen zu sein.“ Bemerkte Emmett und umarmte seine Rose liebevoll und nahm ihr die Tüten ab. Ich trat zu ihm an den Kofferraum und legte meine Sachen rein, da fiel mein Blick auf eine Gitarre.
„Wow. Die ist ja super.“ Brachte ich hervor und Emmett kicherte laut.
„Jasper, Bella himmelt deine neue Frau an!“ Alice und Jasper kamen neugierig näher. Ich sah Emmett mit hochgezogenen Augenbrauen an und verteidigte meine Reaktion.
„Das ist eine Custom Fender Telecaster. Wenn ich mich nicht irre aus den 80ern. Die muss ein Vermögen wert sein!“ Hauchte ich und sah Jasper bittend an. (AN: Das ist die Gitarre: http://666kb.com/i/b924fzgj6fvfampo6.jpg ) Er nickte. Langsam streckte ich die Hand aus und strich liebevoll über das Holz.
Es war glatt unter meinen Fingern und ich bewunderte das schöne Design. Jasper lächelte zufrieden.
„Du kennst dich gut aus. Was spielst du für eine Gitarre?“ Noch immer blickte in unentwandt die Gitarre an und fuhr mit den Fingern überall entlang.
„Ich spiele eine einfache Epiphone SG, für mehr reicht mein Geld nicht.“ In meiner Stimme schwang Bedauern mit. (AN: Und das ist die Gitarre… http://666kb.com/i/b924hke5uxvvz6liu.jpg )
„Aber die klingt doch gut, das ist die Hauptsache. Am liebsten spiele ich auf meiner Squier Strat.“ Überrascht sah ich auf. Die Cullens hatten unheimlich viel Geld und Jasper spielte am liebsten eine „Billig“- Gitarre? Er lachte.
„Die klingt einfach gut. Nicht unbedingt besser als andere Gitarren, aber ich mag sie lieber. Die liegt auch fantastisch in der Hand.“
„Könnt ihr damit jetzt endlich mal aufhören? Das war schon vorhin im Musikladen schlimm genug. Ich will endlich ein bisschen gute Musik hören und nicht Geschwafel über Modelle und Technik..“ Gleichzeitig stöhnten Edward und Jasper auf.
„Ist ja schon gut, Emmett. Ich kann mich ja später mit Bella weiter unterhalten.“ Dabei zwinkerte er mir zu und verschloss sorgsam den Kofferraum. Wir quetschten uns wieder zu viert auf die Rückbank und Emmett manövrierte das Auto geschickt wieder auf die Straßen Seattles.
„Mädels? Wir drei dachten an die Lava Lounge, was haltet ihr davon?“ Da ich hier nichts kannte, zuckte ich nur mit den Achseln und überließ es dem Rest sich zu einigen. Es fielen noch ein paar mehr Namen, aber am Ende kamen sie zu der Ansicht, dass die Lava Lounge tatsächlich die beste Adresse für den heutigen Abend sei. (AN: Die gibt’s in Seattle übrigens tatsächlich, ich war zwar nicht drin, bin aber mal dran vorbeigelaufen… man kann sie sogar googlen ^^)
Rose und Alice kicherten. Als ich nach dem Grund dafür fragte, grinsten sie mich noch breiter an.
„Nun, ich bin gespannt was die Jungs sagen werden…“ begann Rose und sah mich bedeutungsvoll an. Alice ergänzte dann ihren Satz:
„…Wenn sie dich in dem schicken Kleid sehen, das wir vorhin ausgesucht haben.“ Ich schluckte hörbar. Also deswegen hatten sie darauf bestanden! Ich spürte wie mir die Hitze ins Gesicht stieg und blickte leicht gequält aber bittend drein.
„Oh.“ Mehr kam nicht über meine Lippen, denn Widerspruch wäre sowieso sinnlos. Nun lachte der ganze Wagen, sogar Edward kicherte als er mein Gesicht gesehen hatte.
Na super, ausgerechnet jetzt taute er auf? Das war so ungerecht.
Endlich hielt Emmett und wir schienen angekommen zu sein.
„Machen wir es wie immer?“ erkundigte sich Jasper und achtete nicht auf Edwards leises Zischen. Alle anderen – ausser mir natürlich, denn ich hatte keine Ahnung wovon er sprach – stimmten zu.
„Komm Bella, wir steigen aus und gehen um die Ecke, die Jungs ziehen sich kurz um, danach sind wir dran mit umziehen.“ Tänzelnd zog mich Alice am Arm mit und Rose folgte uns. Es schien als würden sie das öfter machen.
Mit einem Stirnrunzeln dachte ich darüber nach, wie oft die Cullens wohl schon in Nachtclubs gewesen waren (die für unser Alter definitiv verboten waren!).
„Ähm Alice, Rose?“ Fragte ich kleinlaut. „Wir sind doch gar nicht alt genug, um in so einen Club zu gehen. Ihr wisst doch, mein Dad… er ist Polizist. Wenn er das rauskriegt bin ich tot.“
„Nun sei nicht dumm, Bella. Wir haben Ausweise. Auch einen für dich. Und in der Lava Lounge hat noch nie ein Polizist kontrolliert wer dort reingeht. Wobei wir sicher die Jüngsten dort sind, was keiner bemerken wird.“ Versuchte Rose mich zu beruhigen und holte Make-Up aus ihrer Handtasche.
„Während die Jungs sich umziehen, werde ich dich schminken.“ Gab sie mir die passende Erklärung und fing an. Alice schminkte sich derweil alleine.
Keine zehn Minuten später kam Jasper zu uns, schick in Schwarz eingekleidet. Er trug eine schwarze Jeans, ein schwarzes Hemd und dazu schwarze Chucks. ( Jaspers Outfit seht ihr hier: http://www.polyvore.com/quiet_one/set?id=7495955 ) Alice trippelte zu ihm und küsste ihn heftig.
„Du siehst gut aus mein Schatz.“ Ihre Worte klangen aufrichtig. Flüchtig lächelte Jasper.
„Nun seid ihr dran. Die anderen sind schon um eine Ecke verschwunden. Wenn was ist, ruft einfach! Und nehmt euch soviel Zeit wie ihr wollt.“ Er begleitete uns noch zurück bis zum Auto und huschte dann um die Ecke, wo wohl Edward und Emmett standen und sich leise unterhielten, denn ihre Stimmen hörte man noch – sie flüsterten.
‚Ein- und Ausatmen, Bella. Das schaffst du schon alles.‘ Sprach ich mir selbst Mut zu. Alice und Rose wühlten in den Taschen im Kofferraum und drückten mir das Kleid und den Bolero in die Hand.
Ich schloss kurz die Augen, seufzte einmal und zog mich um. Die Beiden machten dasselbe, vielleicht etwas schneller als ich, denn sie waren solche Kleider gewöhnt. Als sie fertig waren halfen sie mir mit dem Reißverschluss, rüsteten mich mit Accessoires und Schuhen aus. Irgendwann waren sie zufrieden und hatten sich nebenbei auch selbst fertiggemacht – beeindruckend! (AN: Hier habt ihr ihre Outfits – http://www.polyvore.com/was_f%C3%BCr_ein_tag/set?id=7016935 )
Ich sah stirnrunzelnd an mir runter, so ähnlich wie im Geschäft. Es war quasi Neuland für mich in einem Kleid rumzulaufen, aber es gefiel mir.
„Du siehst toll aus, Bella. Rose hat ganze Arbeit geleistet. Du bist so dezent geschminkt! Das passt wunderbar zu dir.“ Zurückhaltend lächelte ich Alice an, die meine Hand ergriff und Rose fragend ansah.
„Wir können.“ Antwortete diese und wir gingen auf die Hausecke zu, hinter der die Jungs auf uns warteten. (Das Auto hatten wir selbstverständlich abgeschlossen und den Schlüssel hatte Rose noch in der Hand, um ihn Emmett zu geben.)
Als wir um die Ecke bogen, drehten sich alle drei zu uns um und Emmett pfiff anerkennend. Jasper lächelte stolz und hatte nur Augen für Alice. Edward blinzelte zweimal, dann war sein Gesicht wieder eine Maske. Teilnahmslos. Was war das denn gewesen?!
„Na holla, haben wir heute Abend ein Glück. Drei super hübsche Mädels an unserer Seite…“ Meinte Emmett und ich musterte sein Outfit. Er sah etwas legerer aus als Jasper, trug eine Basecap zu seinem T-Shirt und seiner Jeans.
Auch Edward sah gut aus, er trug ein hellblaues Hemd über einem weißen Shirt und dazu eine dunkelblaue Jeans. Auch trug er immer noch – das sah man unter seinem hochgekrempelten Hemdärmel – das Lederband mit dem interessanten Wappen drauf.
Es war mir schon mehrmals aufgefallen, vor allem als ich in sein Zimmer gesperrt worden war.

Am „nächsten Tag“:
„Sind wir bald da?“ Fragte Alice gernervt und gähnte kurz. Sie kuschelte sich fester in Jaspers Arme und Rose kicherte.
„Du bist doch diejenige die so lange in dem Club bleiben wollte! Bella schläft auch schon fast ein.“ Bemerkte sie und zeigte auf mich. Gequält lächelte ich und murmelte:
„Ich bin das auch nicht gewohnt bis um 4 Uhr morgens irgendwo zu bleiben.“ Alle kicherten, sogar Edward, der jetzt etwas entspannter wirkte. Eigentlich waren wir sogar alle noch etwas aufgekratzt, was mich von mir zumindest verwunderte.
Ich war zum ersten Mal in einem Club gewesen und erstaunlicherweise hatte es mir gut gefallen. Alice und Rose hatten mich auf die Tanzfläche gezerrt und mich dazu ermuntert, mal die Hüften kreisen zu lassen. Tanzen gefiel mir, es machte Spaß und das sogar hier in diesem Club! Wir waren ohne die Jungs auf der Tanzfläche gewesen, bis uns einige Herren ein wenig zu nahe kamen und Jasper und Emmett dazwischengingen. Danach hatten wir uns an einen Tisch gesetzt, ein wenig geplaudert und etwas getrunken.
Ich hatte Alice für mich bestellen lassen, denn Alkohol trank ich normalerweise nicht. Nach einigem Gekicher hatte sie mir einen Cocktail bestellt, der – wie sie sagte – wenig Alkohol enthielt: einen Planter’s Punch. Erstaunlicherweise hatte er wunderbar geschmeckt, irgendwie fruchtig und süß. Alle ausser Emmett hatten Cocktails getrunken, denn nur er musste fahren. Er hatte mir aber erklärt, dass er das gerne tat und wenn er Alkohol trank dann meist nur Bier.
Ich warf an dem Abend viele meiner ‚normalen‘ Ansichten über Bord, aber war froh gewesen, dass die Cullens es nicht übertrieben.
Nun saßen wir im Auto, Forks war schon in Sicht und ich froh bald schlafen zu können. Edward und Jasper hatten noch eine Flasche Rum im Auto gehabt und Cola. Zusammen mit Rose tranken sie das Gemisch und Alice lehnte dankend ab. Als sie es mir angeboten hatten, da war ich auf die Idee gekommen nein zu sagen… aber aus meinem Mund war das Wort ‚Ja‘ gekommen.
Der Alkohol stieg mir zu Kopf, ich hatte bisher keine Erfahrungen damit gesammelt, aber ich wusste, mehr sollte ich nicht trinken. Jasper und Edward tranken munter weiter. Sie taten das scheinbar auch öfter als ich – was nicht schwer war, wenn man bedachte, dass ich zum ersten Mal Alkohol trank. Doch Rose hatte nun auch aufgehört davon zu trinken.
Die Ränder meiner Wahrnehmung verschwommen und doch erkannte ich die Auffahrt der Cullens.
„Oh sind wir schon da?“ fragte ich angestrengt und Alice nickte kichernd. Wahrscheinlich fand sie meine Reaktion auf den Alkohol so lustig, doch ich konnte es ihr nicht verdenken.
„Du bist ja betrunken, Bella.“ Ließ sich nun Emmett besorgt vernehmen. Rose beruhigte ihn.
„Erstens passen wir doch alle auf sie auf und zweitens, sie ist nur angetrunken aber nicht betrunken. Dann würde es ihr wahrscheinlich nicht mehr gut gehen.“ Gestand Rose und fast alle musterten mich kichernd. Wortlos verdrehte ich die Augen und sah aus dem Fenster.
Diese Familie würde mich noch umbringen! Entweder sie schafften es selbst oder sie würden Charlie dazu bringen es zu tun.
Endlich hielt das Auto und Alice sprang raus. Sie und Jasper waren so schnell verschwunden, dass ich nicht einmal die Zeit hatte zu blinzeln. Rose und Emmett wanderten gemächlicher zum Haus, doch auch sie waren nur noch mit sich selbst beschäftigt – na super.
„Bella?“ Fragte Edward leise. Ich drehte mich wohl etwas zu schnell um, denn auf einmal verschwamm alles vor mir und ich schwankte. Dann spürte ich zwei warme Hände an meiner Taille und zwei wunderschöne Augen sahen mich besorgt an.
„Weisssst duu wir sollden schlafenn gehen.“ Lallte Edward und ich nickte schwach. Der Alkohol war gar keine gute Idee gewesen, dafür bezahlten wir wohl morgen beide. Aneinandergelehnt gingen wir ins Haus, wankten, uns gegenseitig stützend, die Treppen hoch und Edward schlug sofort die Richtung seines Zimmers ein.
Doch wohin es ging war mir in diesem Moment vollkommen egal… ich wollte nur noch schlafen.

 

 
 

-*- Kapitel 11: Was für ein Morgen! -*-

„Jasper!“ Krakeelte Alice schon recht früh und ihr Freund drehte sich murmelnd um und griff nach ihr.
„Sei still, Liebes. Lass uns noch ein bisschen schlafen.“ Sie seufzte leise. Sich an ihn kuschelnd sprach sie weiter.
„Aber mir ist gerade was eingefallen… Bella. Sie war doch gestern angetrunken. Wer hat sich eigentlich um sie gekümmert?“ Fragte sie und nun schlug Jasper die Augen auf.
„Du meinst… wir sind alle gegangen?“ Misstrauisch sah er sie an.
„Das weiß ich ja eben nicht. Ich glaube Rose und Emmett sind auch ziemlich schnell ins Bett verschwunden. Was wenn Edward auch nicht dran gedacht hat? Wenn Bella nun aus lauter Not auf der Couch geschlafen hat?“ Alice Stimme wurde schriller. Sorgen waren ihr ins Gesicht geschrieben. Jasper strich ihr beruhigend über die Haare.
„Das wird er schon nicht getan haben. Edward ist ein netter Kerl, das wissen wir beide. Und auch wenn er extrem misstrauisch gegenüber Fremden ist. Er wird nett gewesen sein, höflich.“ Lange sah er seine Freundin an. Dann seufzte er.
„Okay, wir stehen auf und sehen nach ihr.“ Kaum waren die Worte ausgesprochen, sprang Alice schon aus dem Bett und hüpfte von einem Bein aufs andere, ungeduldig auf Jasper wartend, der sich langsamer bewegte, bedachter.
„Nun komm schon, ich mach mir wirklich Sorgen.“ Jammerte sie nur und Jasper seufzte. Gemeinsam gingen sie die Treppen runter, Bella war nirgends zu sehen. Alice warf sogar einen Blick vor die Haustür, dort war sie auch nicht.
„Jasper?“ Fragte sie hilfesuchend. Er beruhigte sie.
„Wir gehen mal zu Edward, er war der letzte draussen oder? Vielleicht weiß er was. Und danach können wir es doch auf ihrem Handy versuchen.“ Alice nickte und klammerte sich an die Hand ihres Freundes. Schnell, fast zu schnell erklommen sie die Treppen wieder. Alice Griff um Jaspers große Hand war fest. Leise klopfte Jasper an und öffnete dann die Tür zu Edwards Zimmer. Sein blonder und Alice schwarzer Haarschopf blickten hinein und erstarrten beide im selben Augenblick. Nach einigen Sekunden schloss Jasper die Tür und sie sahen sich stillschweigend an, die Augen geweitet.
„Morgen.“ Murmelte Emmett als er an ihnen vorbeischlurfte. Keiner reagierte. Als das Emmett endlich auffiel – er war auch noch nicht wirklich wach – ging er ein paar Schritte zurück und sah von Einem zum Anderen. Immer noch starrten sie sich in die Augen und sagten keinen Ton. Stirnrunzelnd musterte Emmett seine Geschwister einen Augenblick, dann räusperte er sich, noch immer keine Reaktion.
„Kann mir mal jemand sagen was los ist?“ Fragte er nun etwas besorgter. So ein Verhalten war ja seltsam! Und das am frühen Morgen, also wirklich. Jasper krächzte und sah seinen Bruder an.
„Ich denke das solltest du dir selbst ansehen.“ Gab er zur Auskunft und öffnete erneut leise die Tür zu Edwards Zimmer. Neugierig geworden steckte Emmett den Kopf rein, zog ihn Sekunden später wieder raus und Jasper schloss die Tür noch einmal.
„Oh.“ War alles was Emmett rausbrachte und sah seine Geschwister fragend an. Beide zuckten als Antwort mit den Achseln. Mittlerweile waren sie hellwach.
„Was sollen wir tun?“ Alice sah hilflos zwischen den Beiden hin und her. Emmett schüttelte den Kopf, Jasper nagte an seiner Unterlippe.
„Wir könnten Rose noch dazuholen und beraten?“ Schlug er dann vor. Emmett nickte heftig, zog seine Geschwister am Arm in Rose’s Zimmer und verschloss sorgfältig die Tür hinter sich.

„Ich glaub das nicht.“ Murmelte Rose schon wieder. Emmett kicherte.
„Das sagst du jetzt schon ungefähr zum hundertsen Mal!“ Seine Augen ruhten auf seiner blonden Freundin und sie schüttelte den Kopf.
„Na weil ich es einfach nicht glaube.“ Alice und Jasper saßen still daneben. Noch immer war keinem klar was sie jetzt tun sollten.
„Denkt ihr es ist… nunja irgendwas passiert?“ Fragte Alice leise. Sie war selten so ernst und Jasper legte beruhigend einen Arm um sie. Emmett kicherte wieder.
„Na das hoffe ich doch!“ Rief er aus und kicherte weiter. „Bella ist doch n süßes Mädel. Bestimmt genau das Richtige für meinen Bruder.“ Rose schlug ihm leicht auf den Arm, Alice etwas fester.
„Du bist doof, Em. Bella ist ne Liebe und ne Süße, ja, aber überleg doch mal. Edward hat sich seit Ewigkeiten nicht für ein Mädchen interessiert und wieso dann ausgerechnet meine neue Freundin? Die Neue in der Schule für die fast alle Kerle ein Faible haben. Das kann nicht gutgehen.“ Alice seufzte und Rose legte nun auch einen Arm um die kleine Elfe.
„Sshhht. Keine Sorge, Alice. Wahrscheinlich hat Edward ihr nur einen Platz angeboten zum Schlafen. Beide haben doch ein bisschen was getrunken. Vielleicht war das nur Zufall.“ Mit großen Augen sah Alice ihre Schwester an. Man konnte sehen, dass sie sich sehr sorgte… um wen ihre Sorge größer war, war schwer zu sagen: Bella oder Edward. Beide waren ihr wichtig. Es gab nur einen kleinen Unterschied: Einen kannte sie seit Ewigkeiten, ihr ganzes Leben… den Anderen erst seit kurzem.
„Wie wärs wenn wir Frühstück machen und dann die Beiden aufwecken? Dann werden wir das sicher erfahren.“ Schlug Jasper vor und alle sahen ihn erstaunt an. Er verteidigte sich.
„Hey während ihr hier Mutmaßungen angestellt habt, habe ich eben überlegt wie wir das klären können. Ich kann doch auch nichts dafür, dass ausser mir niemand an sowas dachte.“ Nun stürzten sich alle drei lachend auf ihn und kitzelten ihn.

Mein Kopf fühlte sich an als wäre er unter eine Dampfwalze gekommen. Himmel, wieso hatte mich nie jemand davor gewarnt wie es sich anfühlte wenn man Alkohol trank. Mit geschlossenen Augen lag ich da und versuchte mich möglichst wenig zu bewegen, so spürte ich die Schmerzen in meinem Schädel nicht allzu heftig. Ganz langsam drehte ich mich etwas mehr ins Kissen und kuschelte mich fester in die Decke. Unwillkürlich stöhnte ich leise auf als ein zuckender Schmerz durch meinen Kopf fuhr. Und dann erstarrte ich. Hörbar schluckte ich und tastete vorsichtig mit meiner Hand neben mir. Ich ertastete mehr Stoff, eine andere Decke, dann ertastete ich warme seidenweiche Haut und zuckte zurück. Es bewegte sich neben mir und ich hörte ein leises Murren, dann die Bewegung der Matratze. Vorsichtig schlug ich die Augen auf und sah zur Seite: Edward. Er schlief noch, das Gesicht engelsgleich und ohne Regung. Ich atmete gemächlich ein und aus, überlegte was ich tun sollte. In dem Moment drehte sich Edward auf die Seite, mir zu und schlang ohne Vorwarnung seinen Arm um mich. Zaghaft zog er mich an sich und ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
Entsetzt sah ich in sein schlafendes Gesicht und atmete so flach wie möglich. Was tat er da? Ich fragte mich das wirklich, bis ich wieder daran dachte dass er ja schlief. Er dachte dabei sicher gar nicht nach. Sein Gesicht lag halb versunken in dem weißen Kissen und seine Haare standen in alle Richtungen ab, friedlich sah er aus. Seufzend versuchte ich mich so wenig wie möglich zu bewegen. Wenn er nun aufwachte und das hier sah… oh ich wollte es mir nicht ausmalen! Aber was sollte ich tun? Mich schlafend stellen? Versuchen aufzustehen ohne ihn zu wecken? In meinem Kopf jagten sich die Gedanken und Ideen, trotz dass er schmerzte, und eine war schlimmer als die andere. Keine erschien mir gut genug oder durchführbar.
Wieder spürte ich seine Hand, sie strich über meine Seite und zog mich wieder etwas fester an sich. Gedankenverloren ließ ich es geschehen, ließ mich ziehen und streicheln, rührte mich aber selbst nicht. Seine Finger waren zart auf meiner Haut. ‚Moment mal‘ dachte ich erschrocken ‚Auf meiner Haut?‘ ich sah hektisch nach unten und atmete erleichtert auf. Ich trug nicht viel, aber immerhin war ich nicht nackt! Die Dessous, die meinen Körper bedeckten waren aber definitiv nicht meine, oder? Hellbeige Spitze, rosa Schleifen und zartaprikotfarbene Blumen – sowas hatte ich nicht im Schrank. Doch langsam kehrte die Erinnerung zurück. Diese Unterwäsche hatte ich mit Alice und Rose zusammen gekauft! In Seattle. Die Erinnerungen kehrten deutlicher zurück. Ich sah den Shopping-Marathon Revue passieren, dann den Abend in der Lounge. Alkohol, das Zeug würde ich so schnell nicht wieder anrühren.
Als ich fertig war, darüber nachzudenken was ich NOCH trug, kam mir Edward wieder in den Sinn. Heftig errötend hob ich die Bettdecke, unter der wir beide lagen, an und seufzte auf. ‚Oh gut, er trägt Boxershorts.‘ Sagte ich zu mir selbst und war wirklich erleichtert. Es hatte also keine Dummheiten gegeben als wir beide betrunken in sein Bett gewankt waren. Obwohl, konnte ich mir da wirklich so sicher sein? Ich atmete heftiger, nicht wissend wie ich diese Situation überstehen sollte.
Edward drehte sein Gesicht erneut, diesmal von mir weg. Seine Hand glitt von meiner Seite zu meiner Hand runter und er strich sanft darüber. Ein wohliger Schauer kroch über meine Hand, es war fast unvorstellbar, dass ich so etwas genau hier und genau jetzt spürte!
„Ah Bella…“ Hörte ich dann seine Stimme. Erschrocken sah ich ihn an. Er hatte gerade meinen Namen gemurmelt! Im Schlaf, ohne jeden Zweifel… laut genug war es gewesen. Ich keuchte einmal kurz auf, dann hielt ich mir schnell die Hand vor den Mund. Das letzte was ich jetzt wollte war ihn aufzuwecken! Die Kopfschmerzen waren wie weggeblasen, der Schock war heilsam gewesen. Sein Körper schmiegte sich enger in das Kissen und die Decke. Nun war auch seine Hand nur noch neben meiner. Meine Chance!
Langsam und vorsichtig hob ich die Decke an, schob mich darunter hervor und stand endlich neben dem Bett. Er sah so normal aus im Schlaf. Es zeigten sich Emotionen in seinem Gesicht, dem Gesicht das sonst fast immer teilnahmslos wirkte. Zittrig atmete ich ein und aus. Ich sah an mir runter. Na super, ausgerechnet in solch einer Situation musste ich nur Dessous haben. Lächerlich. Nicht einmal mein Kleid von gestern Abend lag hier rum! Alle meine Sachen waren in meiner Tasche bei Rose. Ich konnte doch so nicht quer durch den Flur laufen und bei Rose ins Zimmer platzen! Gehetzt suchten meine Augen den Raum ab. Er musste hier doch irgendwo selbst einige Kleider haben. Ein T-Shirt, eine Jogginghose, Boxershorts oder auch einen Bademantel – irgendwas!
Doch ich sah nur seine Regalwände voller Cd’s, Bücher und eine riesige Stereoanlage. Daneben sein Schreibtisch mit allem was da eben so draufgehörte, eine Couch und sein Bett. Er schien keinen Schrank zu haben. Innerlich fluchte ich, mehr als unflätig! Dann kam mir allerdings etwas in den Sinn, das Alice gesagt hatte – bei meinem ersten Besuch hier. (Jedes Schlafzimmer hat ein eigenes Bad) Die Tür zum Bad fiel mir sofort ins Auge, schnell schlich ich dorthin und verschloss die Tür hinter mir gewissenhaft und leise.
„Oh Bella, du hast es echt geschafft…“ Schimpfte ich mit mir. Kopfschüttelnd sah ich mich um. Das Bad war einfach und weiß, fast ausschließlich weiß. Es erschien mir zu steril, bedachte man sein Zimmer. Hinter einer schlichten Tür witterte ich meine Chance. Sanft zog ich am Türknauf und jubelte innerlich. Ich hatte seinen Schrank gefunden. Vor mir lagen auf langen Regalbrettern T-Shirts, Boxershorts, Pullover und Hosen. Daneben war eine lange Kleiderstange angebracht, an der alle seine Hemden hingen… und davon hatte er einige! Mir wurde schwindelig bei der Größe seiner Auswahl. Diese Familie hatte echt einen Klamottentick! Ohne nachzudenken griff ich mir eine Boxershorts (schlichtes dunkelblau) und ein graues T-Shirt – das musste reichen. Reinschlüpfen und wieder raus, aber diesmal ganz aus dem Zimmer verschwinden! Mit einem letzten Blick auf den noch schlafenden Edward zog ich die Tür hinter mir zu.
Im Haus war es ruhig, zu ruhig meines Erachtens. Der Blick aus dem Fenster hatte mir verraten, dass es schon mitten am Tag sein musste. Meine Schritte waren lautlos auf dem hellen Parkett unter meinen nackten Füßen. Es war nicht kalt. Ich legte eine Hand an den Knauf von Rose und Emmett’s Zimmertür, lauschte ob ich etwas hören konnte. Ja, da war etwas. Stimmen, leise aber klar. Mehr als Zwei. Gespannt runzelte ich die Stirn und beugte mich vor, mein Ohr nun fast an dem hellen Holz. Es war sinnlos, ich hörte nichts.
Zaghaft klopfte ich an und kaum eine Sekunde später wurde die Tür nach innen aufgerissen, sodass ich kopfüber ins Zimmer stolperte. Zwei lange Arme streckten sich mir entgegen und hielten mich vom Fallen ab. Lachen, ein lautes volles Lachen ertönte neben mir.
„Guten Morgen, Bella.“ Emmett sah mich breit grinsend an. Die anderen drei saßen auf dem Bett und sahen mir ebenfalls entgegen, lächelnd. Nur Alice schielte etwas zögerlich zu mir.
„Hallo.“ Meine Stimme klang rauh. Ich schüttelte kurz den Kopf. „Ähm, ist meine Tasche noch hier? Ich würde gerne meine eigenen Klamotten anziehen.“ Hilflos sah ich an mir runter und die Blicke der anderen folgten mir. Es war Rose, die sich äußerte.
„Das sind doch nicht Edwards Shorts, oder?“ Eine ihrer perfekt gezupften Augenbrauen verzog sich leicht als sie mich beäugte. „Und das T-Shirt, wow, das habe ich ihm mal geschenkt.“ Hitze stieg in mir auf, ich wurde knallrot. Nun lachten wieder alle. Sogar Alice.
„Ihr… ihr… versteht das falsch.“ Stammelte ich und Emmett schob mich zum Bett. Jasper sah mich musternd an.
„Hast du Kopfschmerzen?“ Ich nickte, noch immer rot.
„Ein Kater, was ist mit Edward, hat der auch einen Kater?“ Mit den Achsel zucken allein reichte diesmal wohl nicht, ich holte tief Luft.
„Keine Ahnung, möglich ist es. Ich bin mit den Kopfschmerzen aufgewacht. Er schläft noch. Man, ihr hättet mich besser warnen müssen, denn ich habe noch nie getrunken! Ich weiß nicht mal wie ich dazu gekommen bin in Edwards Zimmer zu schlafen.“ Meine Worte wurden immer leiser, bis es nur noch ein Flüstern war. Jasper legte mir einen Arm um die Schultern.
„Erstmal tief durchatmen. Ganz ruhig, du sitzt hier nicht vor Gericht. Ich wollte nur hören wies dir geht… und Edward. Denn…“ Er sah schnell die anderen an bevor er weitersprach. „Wir haben zufällig gesehen wo du geschlafen hast.“
„Ja beim Aufwachen haben wir uns gefragt wo du geblieben bist, da wollten wir Edward fragen. Mehr nicht.“ Plapperte Alice schnell weiter und ich sah von einem zum anderen. Na irgendwie klang Alice extrem aufgeregt, super. Mit einem leisen Seufzen sah ich auf die Bettdecke runter.
„Ist alles okay bei dir?“ Fragte nun Rose fürsorglich.
„Abgesehen von meiner ersten Alkoholerfahrung, die ja offenbar für viel Wirbel gesorgt hat.“ Antwortete ich wahrheitsgemäß und Emmett lachte.
„Keine Sorge, Kleines. Das ging uns allen genauso… beim ersten Mal.“ Na das waren ja beruhigende Worte. „Man gewöhnt sich an den Alkohol, wirklich. Edward zählt nicht, der ist ein Weichei was das angeht…“ Er lachte dröhnend, wofür er von Rose einen Klaps bekam.
„Du bist nicht fair, Em.“ Sagte nun auch Jasper und legte den Arm um seine kleine, zarte Freundin. „Erstens ist Edward noch ein bisschen krank, zweitens trinkt er so gut wie nie. Normalerweise fährt er ja immer.“ Gespannt lauschte ich ihren Stimmen, es war das erste Mal, dass ich mehr über Edward erfuhr, der sonst bei den Gesprächsthemen eher ausgespart wurde. Warum bloß?!
„Wie wäre es mit Frühstück?“ Schlug Alice vor und ergriff meine Hand. Schwach nickte ich und ließ mich runterführen.

Eine halbe Stunde später saßen wir immer noch um den Küchentisch herum und kauten mehr oder weniger lustlos an Croissants, Brötchen und Waffeln. Emmett kicherte immer wieder, warum wusste ich nicht so genau, aber das war ja auch nicht das Wichtigste. Von der Treppe her erklang ein Knarren, es konnte nur Edward sein, der die Treppe runterkam… alle anderen waren ja wach. Und tatsächlich, eine Minute später stand er in der Küche, beachtete uns kaum und schenkte sich eine große Tasse voll Kaffee ein.
„Guten Morgen Bruderherz.“ Quietschte Alice und er stöhnte auf.
„Boah Alice, bitte. Nicht so laut.“ Murrte er und Jasper fing an zu lachen, leise natürlich. Ich grinste nur in mich hinein. Vor einer halben Stunde hätte mich so ein Quietschen von Alice auch sehr gestört!
„Da hat aber jemand erstaunlich schlechte Laune… dabei müsstest du doch sehr gut geschlafen haben.“ Neckte Emmett und grinste sich dabei dumm und dämlich. Ich seufzte.
„Alice, kann ich bei euch oben duschen?“ Mir war einfach danach endlich ein bisschen normaler auszusehen und mich auch besser zu fühlen, was ich meistens nach einer Dusche tat.
„Sicher. Handtücher sind in dem Schrank gegenüber von der Badewanne, bedien dich einfach. Und vielleicht ziehst du dieses süße Top an was wir gestern gekauft haben? Du weißt schon das orangene.“ Lächelte sie. Kopfschüttelnd stand ich auf, Alice dachte auch nur an Klamotten.
„Was hast du da an?“ Keuchte Edward und starrte mich mit offenem Mund an. Verständnislos sah ich an mir runter und stöhnte innerlich auf. Verdammt. Ich hatte vergessen seine Sachen auszuziehen.
„Hast du ihr die Sachen nicht gegeben als sie bei dir im Zimmer geschlafen hat heut Nacht?“ Fragte nun Rose erstaunt. Jetzt war es Edward der seine Schwester verständnislos ansah.
„Sie hat doch nicht bei mir…“ Sein Blick ging von Rose zu mir und tastete dann seine restlichen Geschwister ab. Es war still in der Küche. Wie erstarrt stand ich da und wartete, dass irgendjemand etwas sagte oder tat. Sekunden vergingen.
„Zieh sofort meine Sachen aus.“ Brachte Edward dann mühsam und kalt raus und sah mich wütend an. Panik stieg in mir auf, er klang wirklich sauer.
„Edward!“ Rief Alice entsetzt aus.
„Nun komm schon Bruderherz, du wirst ihr jawohl erlauben die Sachen anzulassen bis sie oben im Badezimmer ist.“ Versuchte Emmett die Situation aufzulockern. „Sonst steht sie hier ja vollkommen nackt im Raum… obwohl…“ Für den letzten Satz erntete er einen Schlag von Rose und einen funkelnden Blick von Edward. Ich schluckte. Was hatte ich da bloß wieder angerichtet? Hilflos blieb ich wo ich war. Mein Körper begann vor Elend zu zittern. Eine Bewegung ließ mich aufsehen:
Edward drehte sich auf der Stelle um und verschwand durch eine andere Tür. Mir war hundeelend. Was hatte ich bloß getan das so schlimm war? Was war mit Edward los, dass er so reagierte? Ich ließ den Kopf hängen.
„Mach dir nichts draus, Bella. Edward ist manchmal etwas seltsam. Seine Reaktion hat aber einen Grund… Vergiss es einfach, der beruhigt sich auch wieder.“ Jaspers Stimme sollte mich wohl beruhigen, doch das Gefühl schwand nicht.
„Ich versteh das nicht.“ Gestand ich dann. Alle vier sahen mich traurig an. Rose seufzte, Emmett schüttelte den Kopf und Alice ballte die Fäuste.
„Das, Bella…“ resignierte Jasper „…ist eine lange Geschichte.“

 

 
 
 
 

-*- Kapitel 12: Edwards Geschichte -*-

Nachdem Jasper scheinbar resignierte, setzte ich mich wieder zu ihnen an den Tisch und wartete ab. Alice schien nervös. Rose und Emmett beschäftigten sich damit jeweils in verschiedene Richtungen zu sehen. Ihnen allen war sichtlich unwohl. Diese Geschichte musste sie alle sehr mitgenommen haben. Jasper seufzte.
„Edwards Geschichte, der Grund weshalb er so… ist wie er ist, das hat etwas mit einem Geschehen zu tun, dass passiert ist nachdem wir nach Forks gezogen sind. Hättest du ihn damals kennengelernt, du würdest nicht glauben wie er heute ist. Er war immer der liebste, aufmerksamste und warmherzigste Mensch den ich kenne. Man konnte mit ihm über alles reden, konnte ihm vertrauen, bis es passierte…“ Begann Jasper und keiner unterbrach ihn. Gespannt lauschte ich der Stille, um endlich das Geheimnis um Edwards seltsames Verhalten zu lösen.
„Wir waren erst ein paar Wochen hier, da gab es dieses Mädchen. Sie hatte Edward in ihren Bann gezogen und er nutzte jede Gelegenheit um in ihrer Nähe zu sein. Er hatte keinerlei romantisches Interesse an ihr soweit ich weiß, er fand sie nur unheimlich faszinierend. Sie hatte aber einen Freund und der fand das gar nicht lustig. Erst ging dieser Typ zu Edward und warnte ihn, sagte ihm er solle Abstand von seiner Freundin halten, aber Edward wusste nicht was falsch daran war. Also änderte er nichts an seinem Verhalten. Danach kam dieser Typ zu uns… schön der Reihe nach. Erst Alice, dann Rose, danach zu mir und am Ende zu Emmett. Wir wollten uns nicht einmischen, Edward war ja alt genug. Wir erzählten ihm davon und gaben unsere Einschätzungen ab, naja, du weißt schon… dass er ein paar Menschen gegen sich aufbringt.“ Jasper hielt kurz inne und seufzte laut bei der Erinnerung an die Geschehnisse. Es war deutlich zu sehen, dass er das Ganze selbst nicht verstand. „Mittlerweile war aber das Mädchen nicht mehr aus Edwards Nähe zu bekommen. Sie verbrachten die Pausen häufig zusammen, lernten gemeinsam und sie kam auch ein paar Mal hierher. Sie trafen sich an Wochenenden und in den ersten Ferien. Eigentlich war sie sehr nett, ein bisschen naiv vielleicht, aber sehr nett. Ich glaube sie hatte sich in Edward verliebt und ihr Freund kochte vor Wut. Mit ihm, denn er spielte in einer Schulmannschaft, seine gesamten Teamkollegen. Immer wieder passierten dann ‚Missgeschicke‘ …“ Die Betonung des Wortes machte deutlich wie unglaubwürdig er das fand. Es waren sicher keine Zufälle gewesen. Der Rest zog bei dem Wort auch nur die Augenbrauen hoch. „Edwards Schrank wurde aufgebrochen, im Sportunterricht bekam er Bälle ab, wurde umgerannt und dergleichen mehr. Auf dem Schulhof bekam er Sachen an den Kopf, sein Essenstablett wurde umgeworfen, er bekam böse Blicke. Es wurden immer mehr und so langsam wurde uns allen das unheimlich. Wir wichen nicht mehr von Edwards Seite, um das Risiko zu vermindern… doch es half nichts. Sie suchte weiterhin Edwards Nähe und so musste kommen was kommen musste.“
Aus dem Augenwinkel sah ich wie Alice wütend die Fäuste ballte, ihren Blick starr auf den Küchentisch gerichtet. Ihr tat es wahrscheinlich noch mehr weh als den anderen, denn sie hatte die engste Beziehung zu Edward – soweit ich wusste. Jasper folgte meinen Augen und griff sanft nach einer von Alice Händen. Zärtlich streichelte er darüber und sie entspannte sich ein wenig, bitter lächelnd.
„Eines Tages passten wir nicht so gut auf. Es war spät am Nachmittag, Edward war länger in der Schule geblieben um am Klavier zu üben. Damals hatten wir sein Klavier noch nicht hier stehen. Jemand lauerte ihm auf, sie schnappten ihn sich und sperrten ihn in diese winzige Abstellkammer. Es gab kein Licht, es war staubig und es gab Ratten. Er ist kein ängstlicher Typ gewesen, nie, aber das war dann doch eine außergewöhnlich stressige Situation. Sie haben ihn in diesen nicht einmal 2 Quadratmetern Raum eingesperrt und er musste Stunden ausharren. In der Schule war niemand mehr. Gegen späten Abend fingen wir alle an uns Sorgen zu machen, er war ja immer noch nicht heimgekommen. Die Schule war abgeschlossen, sein Auto stand nicht mehr dort auf dem Parkplatz – sie hatten es abgeschleppt und mitten im Wald abgestellt. Unsere Schlussfolgerungen gingen also dahin, dass er wahrscheinlich zu diesem Mädchen gefahren war, doch sie wusste von nichts. Edward blieb verschwunden. Unsere Eltern alarmierten die Polizei, es fing eine große Suchaktion an. Am nächsten Tag, als der Hausmeister die Schule aufschloss, fand er Edward. Zusammengekauert saß unser Bruder in dieser Kammer, die Arme um die Beine geschlungen, tiefe Ringe unter den Augen und er redete mit sich selbst. Esme brach in Tränen aus als sie ihn sah. Es war wirklich beängstigend.“ Jaspers Stimme klang mit einem Mal heiser und meine vor Schock geweiteten Augen passten sehr gut dazu. Alice klammerte sich an Jaspers Hand und starrte zu Boden. Sie schien den Tränen nahe zu sein. Ich wollte etwas sagen, irgendetwas, doch Jasper sprach schon weiter.
„Edward ging zwei Wochen nicht zur Schule. Er redete nur mit Carlisle und verkroch sich in seinem Zimmer. Es dauerte fast einen Monat bis er wieder mit uns übrigen redete. Seitdem ist er nie wieder so gewesen wie früher, naja, ausser wenn wir unter uns sind. Gegenüber allen ausserhalb der Familie ist er verschlossen, abweisend, manchmal sogar grob… mit Worten zumindest. Ich hoffe du nimmst ihm das nicht allzu übel, er kann einfach nur sehr schwer Vertrauen fassen seitdem. Und seit diesem Tag leidet er unter Klaustrophobie. Wenn er zu lange irgendwo bleiben muss wo er anderen Menschen zu nahe kommt, dann kriegt er Panikattacken.“
„Es wundert uns dass er nicht ausgerastet ist am Freitagabend. Eigentlich wollten wir dich nur solange zu Edward sperren bis er anfängt sauer zu werden. Sein Zimmer ist groß genug, da bekommt er natürlich keine Angst, aber die Vorstellung dass du mit in seinem Bett liegst… eigentlich dürfte die ihn gestört haben. Wir vergaßen euch ehrlich gesagt als kein Ton aus dem Zimmer zu hören war.“ Emmetts Worte waren entschuldigend, mehr gemurmelt als gesprochen, doch ich hörte sie. Ich nickte zum Zeichen, dass ich verstanden hatte – und verzieh.
Dann schwiegen wir einige endlose Minuten. In meinem Kopf schwirrten die Gedanken nur so umher. Die Geschichte klang als wäre sie direkt aus einem schlechten Film entsprungen, doch sie musste einfach wahr sein. Sie erklärte Edwards Verhalten, tatsächlich mehr als ich erwartet hatte, dass eine Geschichte es könnte. Doch trotz aller Erklärungen, ich hatte auch noch Fragen. Fragen, die ich gerne stellen wollte, aber ich war mir nicht sicher ob ich sie stellen sollte. Am Ende entschloss ich mich, erstmal nur eine davon zu stellen:
„Wer ist dieses Mädchen? Ihr sagtet sie ging auf unsere Schule…“ Rose sah auf.
„Sie ist weggezogen, kurz nachdem das alles passiert war. Ihre Bemühungen Edward näherzukommen nachdem wir ihn alle wiedergefunden hatten scheiterten. Edward hat nie wieder ein Wort mit ihr gesprochen.“ Rose Worte sagten mehr, das spürte ich und ich war mir sicher, dass sie aussagten: Edward hat nie wieder ein Wort mit einem Mädchen gesprochen, zumindest nicht mehr als nötig.
„Nunja, ähm… naja das ist nicht ganz alles.“ Begann dann Alice und alle sahen sie streng an. Abwehrend hob sie die Hände. „Ich hatte nicht vor es auch noch zu erzählen, aber sie sollte wissen, dass es nicht alles war.“ Rose nickte und Jasper seufzte. Emmett war der Einzige der sich nicht rührte und dazu nicht äußerte.
„Bella, da ist also noch mehr. Das sollten wir dir nun wirklich nicht erzählen, das ist Edwards Sache. Falls er dir irgendwann einmal so vertrauen kann wie wir es tun. Ich glaube nicht, dass du das Wissen ausnutzen wirst. Wir wollten nur dass du Edward nicht für einen kompletten Vollidioten hälst, denn er … er war mal anders. Vielleicht wird er mal wieder der Alte.“ Rose sah zu Boden. Viel Hoffnung schien sie nicht zu haben.
Diese Geschichte war traurig und ernüchternd. Was Eifersucht alles anrichten konnte… Das Schweigen lastete schwer auf dem Raum, keiner wollte die Stille durchbrechen und ich denke wir fühlten uns alle unwohl.
Nach weiteren endlosen Minuten erhob sich Emmett. Er tigerte auf und ab, sah aus dem Fenster, zum Kühlschrank und wieder zum Fenster. Rose seufzte.
„Em, bitte, setz dich hin. Du machst mich ganz nervös.“ Er lächelte entschuldigend, setzte sich dann wieder zu Rose und schwieg.
„Bella?“ Es war die zarte Stimme von Alice diesmal. „Wolltest du nicht duschen? Geh am besten jetzt, bevor Edward wiederkommt. Vielleicht sollte er nicht unbedingt wissen, dass wir dir das erzählt haben.“ Mehr als schwach nickte ich. Langsam erhob ich mich, setzte einen Fuß vor den anderen und schleppte mich die Treppe rauf.
Im Vorbeigehen sah ich in die Tüten aus Seattle, fand schnell das orangene Top und schloss mich mit meiner Tasche im Badezimmer ein.
Das heiße Wasser entspannte mich normalerweise schnell, doch heute dauerte es etwas. Mit meinen Gedanken war ich noch bei der Geschichte, die ich erzählt bekommen hatte und Mitleid überkam mich. Niemand hatte so einen ‚Streich‘ verdient, nicht einmal ein unfreundlicher Mensch, genau das, was Edward wohl nie gewesen war. Diese Schüler hatten einen Menschen ruiniert. Sie hatten ihm die Lust am Leben genommen. Ohne es bewusst zu wollen, wurde ich wütend auf die mir unbekannten Menschen, die Edward das angetan hatten. Dass es überhaupt Menschen gab die zu so etwas in der Lage waren… mir missfiel der Gedanke, dass sie womöglich noch immer auf der Schule waren und ich ihnen vielleicht tagtäglich begegnete. Unbewusst schüttelte ich mich bei dem Gedanken.
Nach zehn Minuten stellte ich das Wasser ab, ewig unter der Dusche zu bleiben machte auch nichts besser. Seufzend setzte sich mich auf den Rand der Badewanne und kämmte meine Haare, der Versuch sie nach der Dusche zu entwirren war jedes Mal aufs Neue ein Kampf.

Währenddessen in der Küche:
„Was denkt ihr wo Edward hin ist?“ Fragte Alice in die Runde.
„In Anbetracht der Tatsache, dass er nicht mit einem Auto losgefahren ist, kann er immerhin nicht allzu weit sein.“ Bemerkte Jasper. „Wahrscheinlich ist er einfach in den Wald losmarschiert.“ Rose nickte zustimmend. „Bestimmt die Lichtung.“
„Man was für ein Idiot… echt langsam könnte er doch mal ein bisschen vertrauensvoller werden. Ich mein, schaut euch doch mal Bella an! Sie ist so lieb und süß und nett, wir alle finden sie gut, oder? Wieso vertraut er unserer Einschätzung denn nicht?“ Auf Emmetts Worte folgte Schweigen. Sie sahen es alle so, aber wer konnte Edward denn dazu zwingen? Wer wollte ihn überhaupt dazu zwingen? Sie wollten natürlich ihren Bruder zurück, so wie er mal gewesen war, doch keiner von ihnen konnte sich vorstellen, wie sehr das Ganze ihn mitgenommen hatte.
„Ist eigentlich ausser mir schonmal jemand auf den Gedanken gekommen, dass Edward und Bella irgendwie gut zusammenpassen würden?“ Ganz leise waren die Worte von Alice und die Reaktion darauf fast komisch: Alle drehten ruckartig den Kopf zu ihr und starrten sie mit offenem Mund an. Nervös kichernd hob sie abwehrend die Hände.
„Ich mein ja nur…“ Nun fingen Rose und Emmett an zu lachen. Jasper legte den Arm um Alice Taille und zog sie an sich.
„Das ist doch nicht dein Ernst, Schwesterchen.“ Sie sah zu ihrem großen Bruder auf.
„Doch echt jetzt… hast du die Beiden dir mal bewusst angeguckt wenn sie nebeneinander stehen? Sieht sehr gut aus. Und Bella ist eine starke Persönlichkeit, dabei aber mit viel Gefühl. Ich finde das würde super passen.“ Jasper strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte seine Freundin warm an.
„Irgendwie hat die Vorstellung was, ja. Aber vergiss es, Alice. Edward ist noch viel zu verschlossen. Und Bella wahrscheinlich jetzt ein bisschen zurückhaltender ihm gegenüber.“ Verständnisvoll nickte Alice und kuschelte sich an Jasper.
„Und wenn wir sie zu ihrem Glück zwingen?“ Hinterhältig und voller Tatendrang rang Emmett die Hände.
„Schatz, nein.“ Kam es von Rose. „Denk gar nicht erst dran. Lass einfach alles seinen natürlichen Weg gehen. Edward wird sich wieder beruhigen, Bella ist und bleibt unsere Freundin und irgendwann gewöhnt er sich an sie. Immerhin ist sie die Erste seit den Vorfällen damals die wir wieder in unser Haus einladen.“ Emmett gab sich geschlagen und nickte.
Alles würde sich von alleine irgendwie entwickeln.

 
 

-*- Kapitel 13: Der Sommer neigt sich dem Ende zu… -*-

„Bella!“ Laut erklang die Stimme meines Vaters. Ich seufzte, erhob mich von meinem Bett und ging auf den Flur raus.
„Was ist denn?“ Ein Blick die Treppe runter und dort stand er, mein Vater, Chief Swan.
„Ich muss wieder einmal nach Mason. Bei denen geht schon wieder irgendeine Grippe rum, versteh einer wieso die immer krank werden.“ Grinsend sah ich auf ihn hinab.
„Na wie gut dass dann so ein gesunder Mensch wie du hingeht und sie retten kann.“
„Werd nicht frech! Aber das heißt ich werde ein paar Tage nicht da sein. Ich hoffe das ist für dich okay… obwohl mir wohler dabei wäre wenn du wieder zu den Cullens gehen könntest.“ Zähneknirschend sah er mich an. Ich wusste wie schwer es ihm fiel sowas zu sagen, er war wie ich, er bat nicht gern um Gefallen oder Hilfe. Die Familie Cullen war seit meiner Ankunft hier wirklich überaus freundlich zu mir gewesen. Mit ihren Kindern, ausser Edward, verband mich eine innige Freundschaft und auch Esme und Carlisle hatten mich bereitwillig in die Familie aufgenommen. Des öfteren wurde ich zum Essen zu ihnen eingeladen, man hatte mich gefragt ob ich mit nach Portland fahren wollte für ein Wochenende, Essen gehen in Seattle und allerlei solcher Einladungen. Mir war die Aufmerksamkeit schon fast unangenehm manchmal, denn die Cullens hatten viel Geld und ich war an so etwas einfach nicht gewöhnt.
„Dad, ich möchte sie nicht um Asyl bitten. Ich komme wirklich auch alleine klar.“
„Ich werde aber einige Tage weg sein. Dass du den Haushalt alleine schmeißen kannst weiß ich ja… aber mir wäre wohler wenn ich wüsste, dass du nicht ganz alleine hier bist.“
„Ich bin alt genug. Und wenn ich wider Erwarten doch Angst haben sollte kann ich immer noch jemanden anrufen.“ Resigniert sah er auf einmal aus, doch dann lächelte er.
„Na gut. Aber spiel nicht die Heldin. Und ich werde Billy bitten hier mal vorbeizuschauen, okay? Ihn oder Harry.“
„Tu was du nicht lassen kannst, Dad. Billy oder Harry sind herzlich eingeladen mir auf die Finger zu gucken und nachzusehen, ob ich dein Haus nicht schon niedergebrannt habe.“ Mit einer Grimasse sprang ich die Stufen runter, gab ihm noch einen Kuss auf die Wange und dann war er weg. Unschlüssig stand ich in der Küche, ich hatte ein wenig Hunger… Schnell entschied ich mich mir ein einfaches Omelette zu machen und mich damit vor den Fernseher zu setzen – etwas das ich sehr selten tat, ich las lieber.
Es war gar nicht so anders das Haus für mich zu haben. Charlie war ohnehin fast jeden Tag von früh morgens bis abends weg. Im Fernsehen lief eine Reportage über Raubkatzen, das einzig Interessante im Programm.
„Nach dem Tiger ist der Löwe die zweitgrößte Katze und damit das größte Landraubtier Afrikas. Ein Löwenmännchen hat eine Kopfrumpflänge von 170 bis 250 Zentimetern, eine Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern und eine Schwanzlänge von rund einem Meter.“ Verkündete der Sprecher gerade als das Telefon klingelte.
„Swan.“
„Hi Bella.“
„Oh hi Alice. Na was gibt’s?“ Entspannt lehnte ich mich im Sofa zurück und stellte den Ton des Fernsehgerätes ein wenig leiser.
„Ich wollte hören ob du morgen schon was vor hast? Esme will feiern, kochen und dich einladen.“ Im Hintergrund hörte ich Emmett laut ‚Mal wieder‘ sagen.
„Ähm, also noch habe ich nichts vor. Aber was gibt’s denn zu feiern?“ Alice kicherte.
„Du Dummchen, übermorgen sind die Ferien zu Ende. Sommerferien, hach war das eine schöne Zeit. Naja, und Edward kommt aus New York zurück. Esme dachte sie macht ein großes Abendessen für die ganze Familie, als Willkommensgruß.“ Ich musste schlucken. Zugegeben, ich hatte Edward fast schon vergessen in den langen Wochen, die er weg gewesen war. Nach dem Debakel am Morgen nach dem Seattlebesuch, war Edward mir gegenüber noch frostiger gewesen. Kaum auszuhalten manchmal. Wenn ich bei den Cullens zu Besuch war, schloss er sich in seinem Zimmer ein oder verließ das Haus und ließ sich nur zu den gemeinsamen Essen blicken. So oft er konnte erfand er Ausreden für die Restaurantbesuche an denen ich teilnahm. Katastrophale Situation, das war die treffendste Beschreibung. Ich hatte es Alice und den Anderen überlassen das Ganze ihren Eltern zu erklären, denn ich verstand es selbst ja nicht einmal ausreichend. Einen Versuch hatte ich gestartet mich bei ihm zu entschuldigen für was auch immer, gleich  am ersten Schultag nach Seattle, doch er hatte mich ignoriert. Seitdem hatte ich keinen zweiten Versuch gewagt.
„Oh, Alice bist du sicher dass ich dann dabeisein sollte? Das wird vielleicht die Wiedersehensfreude der Familie trüben.“ Doch wie hätte es anders sein können, sie wollte nichts von meinen Bedenken hören.
„Esme möchte dass du kommst. Und lass dir gesagt sein, Edward ist immer sehr zufrieden wenn er aus New York zurückkommt. Morgen wird er umgänglicher sein. Ausserdem soll er langsam mal drüber wegkommen… das mit Seattle ist jetzt fast ein halbes Jahr her.“ Seufzend gab ich mich geschlagen. Es hatte ja doch keinen Zweck sich mit ihr zu streiten, ich zog sowieso den Kürzeren.
„Gut, wann soll ich vorbeikommen?“ Kichern im Hintergrund, das waren eindeutig Jasper und Emmett! Na super, also hatte sie mich auf Lautsprecher. Wer wohl noch alles mithörte?!
„Carlisle meinte er wird etwa um 18 Uhr mit Edward wieder hier sein, also solltest du vielleicht eine Stunde vorher kommen. Dann können Rose und ich dich wieder schminken.“ Nun fing sie vor Begeisterung an zu qietschen, ich hielt den Hörer etwas weiter weg. So ging das nun seit Monaten. Wann immer ich das Cullenhaus betrat entführten mich Rose und Alice liebend gern in eines der Zimmer um mich zu schminken, anzuziehen oder sonst etwas sehr girliemäßiges zu tun. Aber was beschwerte ich mich? Ich hatte wahrscheinlich nie in meinem Leben besser ausgesehen. Gesichtsmasken, Haarkuren, Nagellack, die Beiden taten einfach alles das, worum ich mich früher nie gekümmert hatte.
„Alles klar, ich werde da sein. Schönen Abend euch allen noch.“ Kurzes Gekicher, dann hörte ich doch tatsächlich Emmetts und Jaspers Stimme plus dazu noch die Stimme von Carlisle!
„Bye Bella.“ Erschreckt starrte ich den Hörer an. Wenn Carlisle mitgehört hatte dann doch sicher auch der Rest der Familie. ‚Man Bella, echt du schaffst es immer wieder‘ sagte ich mir selbst und schüttelte den Kopf. Den Rest des Abends verbrachte ich mit der überaus interessanten Reportage über Löwen. (AN: Wie denkt ihr bin ich auf das Thema Löwen gekommen? Wahnsinn oder… ich musste lachen. Total bekloppt die Snowhoney!)

Der nächste Tag war in meinen Erinnerungen total verschwommen. Ich erledigte Hausarbeit: Wäsche waschen, Putzen, und doch waren die Stunden viel zu schnell dahin. Kaum war ich aufgestanden, schon war es Zeit aufzubrechen zu den Cullens – meiner Zweitfamilie, wie sie sich selbst nannten. Nervös nestelte ich an meinen Klamotten rum. Mal wieder ein Outfit das mir Alice und Rose aufgeschwatzt hatten, in Portland vor einer Woche. Mein Kleiderschrank war langsam am Überlaufen, doch ich musste sagen, es gefiel mir so irgendwie. Die Beiden hatten in mir die Frau rausgekitzelt. Ich trug öfter mal etwas Knalliges oder Röcke und sogar Absätze. Charlie fand es war meinem Alter entsprechend, aber ich glaube insgeheim hoffte er, dass ich nicht anfangen würde so kurze Röcke zu tragen wie Rose. Oder so hohe Absätze wie Alice. Kopfschüttelnd stieg ich die Treppen hinunter und lief zu meinem Transporter. Der war definitiv nicht mehr einheitlich mit meinem Aussehen. Nachdenklich strich ich über den abgeblätterten roten Lack, es war trotzdem noch mein Truck. Mein altes Auto mit Persönlichkeit.
Der Weg zu den Cullens war nicht allzu weit, seit Wochen kannte ich ihn auswendig. Ich war mir fast sicher ihn auch im Dunkeln oder mit verbundenen Augen zu finden, diesen dünnen, unbefestigten Weg quer durch den Wald. Genauso gut kannte ich allerdings seit diesem Sommer den Weg ins Quileute-Reservat. Dorthin war ich oft eingeladen worden, denn wir hatten einen milden Sommer gehabt. Meine Klassenkameraden fuhren gern dorthin: Mike, Jessica, Angela, Ben und all die anderen. Zweimal hatte ich die Cullens mitgebracht, es war nicht gut gegangen. Dann hatten die Cullens freiwillig den Hof geräumt und mich mit den Anderen allein fahren lassen, schließlich sahen wir uns immer noch mehr als genug. Um die Gedanken loszuwerden schüttelte ich den Kopf. In meinem Blickfeld tauchte das große, elegante Haus der Cullens auf und ich lächelte unwillkürlich. Jasper stand schon vor dem Haus um mich in Empfang zu nehmen. Ich ließ den Wagen ausrollen und war überrascht als Jasper auf den Beifahrersitz hüpfte.
„Fahr den Truck hinten um die Garage. Es soll so aussehen als wäre ausser Esme keiner da. Wir wollen Edward überraschen.“ Ich sagte nichts dazu, hielt meine Zunge im Zaum. Kein Wort kam über meine Lippen darüber, dass ich mir sicher war, dass eine Überraschung von mir Edward sicher nicht gefallen würde. Die Familie wusste das ja alles, sie taten es auf eigene Gefahr. Ich gehorchte also, fuhr meinen Transporter um die Ecke und stellte den Motor ab. Jetzt erst sah ich Jasper an, er lächelte.
„Ganz ruhig, Bella. Er ist wirklich viel entspannter wenn er von der Juilliard zurück ist, immer. Und die Mädels werden sich freuen, sie haben heute keinerlei Arbeit mehr mit dir. Sie werden sich freuen zu merken, dass du von ihnen gelernt hast wie sie sagen würden.“ Wäre es nicht Jasper der das gesagt hatte, ich wäre wohl beleidigt gewesen. Aber ihm konnte ich einfach nie böse sein. Er war mein heimlicher Favorit unter den Cullens, gleich hinter Alice und ihrer herzlichen Art. Mein bester Freund, ich denke das Wort traf es.
„Es tut gut hier zu sein.“ Seufzte ich dann und er legte den Arm um mich nachdem ich ausgestiegen war.
„Du bist allein zu Haus, hm?“
„Ja woher weißt du das? Charlie ist doch erst seit gestern weg.“ Er lächelte wieder.
„Vergiss nie wo du wohnst. In Forks spricht sich fast alles so schnell rum. Und dann bist du auch noch die Tochter des Chiefs! Ich hab gehört wie im Supermarkt jemand darüber geredet hat.“ Misstrauisch sah ich Jasper an. Wer redete denn im Supermarkt über so etwas?
„Es war Mikes Mutter glaube ich und Harry Clearwater. Sie fand, dass dich Charlie nicht so allein in diesem Haus am Rande des Waldes lassen sollte und Harry verteidigte Charlie. Er meinte Charlie habe ihn und Billy Black darum gebeten nach dir zu sehen.“
„Oh man diese Tratschtanten überall in der Stadt! Charlie meinte auch ich solle doch euch bitten ob ich hierbleiben kann…“
„Und wieso hast du das nicht? Du weißt dass du hier immer willkommen bist.“ Ich lachte.
„Natürlich weiß ich das. Aber ganz ehrlich? Es ist mir unangenehm euch dauernd um irgendetwas zu bitten. Ihr gebt mir schon mehr als genug mit all den Klamotten, den Einladungen.“ Kurz drückte er mich an sich und seine Augen sagten mir, dass er meine Einstellung nachvollziehen konnte.
„Komm der Rest wartet.“ Das Haus sah wunderschön aus, wie immer. Es war hell, modern und gemütlich. Ich liebte es, genau wie seine Bewohner. Alice stürzte sich auf mich und Jasper hatte Recht gehabt: Sie war stolz auf mein Outfit. Esme begrüßte mich wie immer mit einem Kuss und bat mich dann ihr beim Tischdecken zu helfen.
Es war wie heimkommen.

 
 
 
 
Auch wenn dieser Mensch von meinen Geschichten nicht eine gelesen hat, er hat mir so viel bedeutet, dass ich dieses Kapitel nur ihm widmen möchte: Dennis, mein guter und treuer Freund, dies ist für dich. Niemals wird mein Herz dich vergessen, niemals meine Erinnerungen all die Momente mit dir verblassen lassen. Dein Tod traf so viele Menschen hart und unvorbereitet. Wir tun unser Bestes um zu unseren Leben zurückzukehren, denn du würdest nie wollen, dass die Trauer für dich uns aus der Bahn wirft.
Wir kämpfen uns zurück ins Licht… und ich denke immer gern an die Zeilen aus einem deiner Songtexte: „Mach dir keine Sorgen, wir sehen uns ganz bestimmt… wenn nicht heute, dann irgendwann.“

-*- Kapitel 14: Wiederkehr und Überraschung. -*-

Aus Edwards Sicht:
Gedankenverloren sah ich aus dem Fenster. Die Landschaft der Olympic Halbinsel zog an mir vorbei, das satte Grün, dass ich nun fast 3 Monate nicht gesehen hatte. Ich hatte es mir nicht eingestehen wollen, doch ich hatte es vermisst. Jeden Tag. Mein Aufenthalt an der Juilliard war gut gewesen, mehr als das. Klavierspielen den ganzen Tag wenn ich wollte und das ein oder andere Vorspielen.
Ja ich hatte es genossen und doch… ein Teil von mir hatte sich nach Forks zurückgewünscht. Meine Familie lebte hier und mehr hatte ich nicht, also war es ganz natürlich zurückzuwollen, oder? Doch mein Herz strafte jeden meiner Gedanken Lügen. Natürlich hatte ich viel an meine Familie gedacht. Allein in New York, schweigsam unter vielen Fremden, waren die vertrauten Gesichter meiner Familie oft vor meinem geistigen Auge aufgetaucht… doch da war noch etwas anderes gewesen. Noch ein anderes Gesicht, eines, das nicht zu meiner Familie gehörte und eines das ich nie erwartet hatte.
Ich legte die Stirn an die Fensterscheibe und seufzte. Carlisle warf sicher einen nachdenklichen Blick zu mir rüber, doch ich wusste er würde nicht fragen. Er hatte mich immer verstanden und mich in Ruhe gelassen. Der ruhige Fels in der Brandung, das war Carlisle.
Meine Augen glitten über die Bäume, die sich langsam herabsenkende Dunkelheit und ich freute mich auf den nächsten Tag. Schule. High School in Forks… lange hatte ich ihr einfach nur so schnell wie möglich entfliehen wollen, doch seit einigen Monaten. Die High School hatte langsam aber sicher ihren Schrecken für mich verloren. Es war seltsam sich so zu fühlen, es war mir neu.
Die Fahrt von Port Angeles nach Forks dauerte nicht allzu lang, aber sie war mir willkommen. Noch ein paar Augenblicke ohne das Geschrei meiner Geschwister. Alice würde sich sicher freuen mich wiederzusehen und quietschen wie ein Hund, dem man auf den Schwanz trat. Emmett würde mich wieder in den Schwitzkasten nehmen und mir die Haare raufen. Rosalie würde mich schweigend drücken und Jasper mir die Hand auf die Schulter legen. Es lief seit drei Jahren jeden Sommer gleich. Es war immer so gewesen.
„Nun, die Juilliard liegt mal wieder hinter dir. Für ein paar Monate.“ Sagte Carlisle. Aus Höflichkeit sah ich ihn an und nickte.
„Hast du ein paar Leute kennengelernt?“ Er sah hoffnungsvoll aus, dabei sollte er es besser wissen. Ich machte mir dort keine Freunde. Ich mied die Anderen, ich blieb lieber für mich.
„Ja, ein paar wichtige Lehrer und so.“ Seufzend schüttelte er den Kopf.
„Ach Edward, eines Tages musst du doch wieder einmal jemand anderem vertrauen. Es sind nicht alle Menschen so, das weißt du doch. Ich will dich sicher nicht drängen, aber ich mache mir Sorgen um dich.“ Ja ich wusste das alles. Ich wollte ihm oder Esme auch keinen Kummer machen, aber das damals hatte mich doch sehr geprägt.
„Carlisle, bitte.“ Er verstand und nickte.
„Entschuldige Edward. Ich wollte deine Heimkehr nicht trüben, wir sind froh dass du wieder da bist.“ Gütig lächelte er. Ich hatte ihm schon verziehen. Carlisle konnte ich nie wirklich böse sein, genausowenig wie Alice oder Esme. Nunja, Alice ab und an… aber nie lange.
Das Haus kam endlich in Sicht und ich konnte mir das Lächeln nicht verkneifen. Heimkehren war ein schönes Gefühl, auch wenn ich es morgen wieder verfluchen mochte nicht mehr alleine zu wohnen. Der Sommer war schön gewesen, aber ich machte mir zum ersten Mal in drei Jahren Gedanken, dass ich vielleicht etwas verpasst hatte. Früher hatte ich wirklich nie daran gedacht, denn ich wusste wie meine Geschwister sich die Zeit vertrieben. Doch seit ein paar Monaten war da ja noch eine andere Person und sie hatte unsere Freizeit sowie unser Familienleben durcheinandergebracht.
Ruhig stieg ich aus, alles war dunkel, nur hinten in der Küche schien Licht zu brennen. Ob es dieses Jahr anders sein sollte als in den vergangenen? Vielleicht waren die anderen mit Bella zusammen unterwegs und ich würde nur von Esme und Carlisle willkommen geheißen? Dieser Gedanke stimmte mich traurig. So selten ich es zeigte, meine Geschwister bedeuteten mir alles.
Carlisle ließ mich vorgehen und hinter der Tür standen sie alle. Alice stürzte sich mit einem lauten Quietschen auf mich und sprang mich an. Lachend umarmte ich meine kleine Schwester und strubbelte ihr durch die Haare. Die Nächste war Rosalie, sie umarmte mich schweigend – wie erwartet – aber mit einem Lächeln. Jasper trat auf mich zu und umarmte mich auch, sehr untypisch für ihn, aber herzlich drückte ich ihn an mich. Emmett schob Esme vor und wartete ab, dass sie mir den obligatorischen Kuss auf die Wange drückte und mich in den Arm nahm. Abwartend und abschätzend sah ich dann Emmett an, er machte keine Anstalten sich zu bewegen.
„Ich hab ne Überraschung für dich, Bruderherz.“ Mir schwante nichts Gutes, wenn Emmett mich schon einmal Bruderherz nannte!
Und Überraschung war auf jeden Fall das richtige Wort. Er trat zur Seite und hinter seinem breiten Kreuz kam die zierliche, kleine Bella zum Vorschein.
Eine halbe Stunde später fragte ich mich immer noch wie mein Gesicht auf sie reagiert hatte. Seitdem war alles unwirklich, ich war gewandelt wie in Trance. Fragen beantwortete ich halbherzig, ohne Enthusiasmus in der Stimme. Meine ganze Aufmerksamkeit galt Bella. Ihr Umgang mit Jasper und Alice war natürlich, kein Zurückhalten von irgendetwas – auf keiner Seite. Rosalie erkundigte sich oft nach Bellas Meinung und Emmett sah sie an, nunja, wie ein Familienmitglied eben ein anderes ansah.
In meiner Abwesenheit hatte sich etwas verändert, sehr. Und es kam mir vor als sei ich nicht mehr Teil dieser Gruppe. Ich stand abseits.
Mein Schweigen hielt an und mir wurde bewusst, dass Esme mich ganz genau musterte. Sie machte sich Sorgen. Müde versuchte ich es mit einem Lächeln in ihre Richtung. Dabei wusste ich ganz genau, dass Esme sich nicht täuschen ließ, sie kannte mich.
„Edward, willst du uns nicht mal zeigen was du gelernt hast?“ Fragte Alice ganz unschuldig. Überrascht hob ich den Kopf, hatte sie das jemals nach einem meiner Aufenthalte in New York gefragt? Nun war es nicht mehr nur eine Ahnung, es war Gewissheit: Etwas hatte sich verändert.
„Wenn du unbedingt willst.“ Gab ich leise zurück und erhob mich vom Tisch. Der Gang war ungewohnt für mich. Es fühlte sich nicht mehr an als sei ich hier vorbehaltlos zu Hause. Dieses zu Hause von früher, das gab es nicht mehr. Ich dachte weiter darüber nach als ich mich an den Flügel setzte. Ohne nachzudenken was ich spielen sollte, glitten meine Finger über die schwarzen und weißen Tasten. Meine Möglichkeit mich auszudrücken, seit Jahren. (AN: Das Lied habe ich zufällig gefunden und hierbei unaufhörlich gehört, also ist es das was er spielen soll in meinen Augen: http://www.youtube.com/watch?v=bh2W5W2A65M&feature=related ) Das zu Hause meiner Kindheit, das was mich früher so erfüllt hatte, das war zerbrochen… mein Leben hatte sich verändert seit unserer Ankunft in Forks. Auf das Gefühl endlich irgendwo angekommen zu sein, folgte das Gefühl der Leere und der Angst. Ich hatte Freunde gefunden, ausserhalb der Familie, zumindest hatte ich das gedacht. Und dann war alles zusammengebrochen. Verrat, Betrug, das waren die Gefühle die mich beherrscht hatten. Ganze zwei Jahre lang.
Danach war ich einfach nur noch abweisend gewesen, wieso sollte ich Menschen vertrauen, die mich nur enttäuschen würden?! Wie von alleine ging das vorherige Lied in ein anderes über, ein weniger trauriges, aber ein sehnsuchtsvolleres. Ich konnte es nicht länger verbergen, das Leben das ich momentan lebte… ich wollte es so nicht. Mein Verlangen nach einem Menschen ausserhalb meiner Familie, dem ich vertrauen konnte, der alles über mich wusste, es war nicht zu leugnen. Irgendwo musste es den Menschen für mich doch auch geben. Aber würde ich ihm vertrauen wenn ich ihm begegnete? (AN: Das zweite Lied ist das hier: http://www.youtube.com/watch?v=sdctCI-3nLY&feature=related )
Alles was ich fühlte, was ich herbeisehnte und was mich ausmachte lag in diesem Stück. Ich hatte es in New York in einer Nacht komponiert. Meine Gedanken waren einzig um den Menschen gekreist, dem ich alles von mir zeigen wollte.
Doch ich konnte es nicht, die Angst lähmte mich und ließ mich zögern. Noch brachte ich den Mut nicht auf, um es doch zu versuchen. Irgendwann würde ich es müssen… oder mein Leben lang bereuen.
Die letzten Töne verhallten in der Stille. Einen Moment lang dachte ich, ich sei wirklich allein, doch dann hörte ich ein leises Schluchzen. Innerlich lächelnd dachte ich an Esme – sie reagierte häufiger so auf mein Spiel, doch als ich mich umdrehte, geriet meine Welt ins Wanken.
Es war nicht Esme die weinte. Es war Bella.

Keiner schien damit gerechnet zu haben, denn alle sahen sie erschrocken an. Alice schien so sehr mitzufühlen, denn Bella sah aus als hätte sie erfahren, dass ihre Eltern gestorben wären. Jasper legte beschützend den Arm um seine Freundin. Rose starrte entsetzt zu mir, Emmett ein bisschen wütend. Was hatte ich denn getan? Schuldgefühle überkamen mich, obwohl ich nicht wusste weshalb sie so reagierte.
Esme trat hinter Bella und nahm sie in den Arm. Betreten senkte ich den Blick. Die Szene erinnerte mich an eine Erinnerung aus Kindertagen. An das eine Mal, bei dem ich Rose erwischt hatte wie sie in Esmes Armen geweint hatte. Nur einmal und dafür dass ich es mitangesehen hatte, war ich verprügelt worden. Rose Stolz war verletzt gewesen, dadurch dass ich ihre Schwäche gesehen hatte.
Wenn nun Bella genauso fühlte? Ich wollte nicht, dass sie so von mir dachte… dass sie sauer auf mich war. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass die Wände näherkamen… dass ich hier drin bald ersticken würde.
Ruckartig stand ich auf, jeder im Raum sah mich an. Mein Blick blieb an Bellas verweinten Augen hängen.
„Es tut mir Leid.“ Flüsterte ich voller Inbrunst und floh. Ich rannte raus aus dem Haus, weg davon. Weg von dem Menschen, den ich verletzt hatte – wie auch immer ich es geschafft hatte. Der Wald warf sein schützendes, grünes Dach über mich und meine Verwirrung. Immer weiter und weiter lief ich, anhalten wollte ich nicht.
Und irgendwann hielt ich doch an. Ich war an dem einzigen Platz in Forks, dessen ich nie überdrüssig wurde… oder jemals werden würde. Die kleine kreisrunde Lichtung war meine Zuflucht. Meine Familie wusste davon, sie wussten auch wo sie war, doch sie hatten mich niemals hier aufgesucht. Sie hatten sie mir allein überlassen, mein persönlicher Rückzugsort.
Jetzt wo ich stehengeblieben war, glitten meine Gedanken zurück nach Hause. Zu Bella. Wie sie ausgesehen hatte, so klein und verloren inmitten meiner Familie. In ihren Augen hatte etwas gebrannt, ich war mir nicht ganz sicher was es war, aber ich hatte sie an etwas erinnert. An etwas, an das sie sich auf gar keinen Fall hatte erinnern wollen.
Ich war schrecklich, ein Monster. Wie hatte ich nur einfach so wieder hierher kommen können? Ihr unter die Augen treten, um mich genauso zu benehmen wie vor meiner Abreise. Bellas Leid war meines in diesem Augenblick. Ich spürte es nur allzu deutlich.

„Edward?“ Die leise Stimme überraschte mich. Ich hatte damit gerechnet, dass man mich dieses Mal nicht in Ruhe lassen würde, hatte es in ihren Augen gesehen. Allerdings hatte ich Rose erwartet, oder Emmett, irgendjemanden, der sauer auf mich sein würde.
In keiner Sekunde hatte ich mit der Person gerechnet, die nun durch das nahe Dikicht stolperte. Die Schritte waren zögerlich und langsam, aber sie kamen näher.
„Edward?“ Rief sie wieder, ihre Stimme hilfloser. Wahrscheinlich würde sie einfach weitergehen wenn ich still blieb. Aber wahrscheinlich würde sie sich dann im Wald verlaufen und meine Familie würde mir die Schuld daran geben. Resignierend antwortete ich ihr:
„Hier drüben.“ Nun hörte ich zielgerichtete Schritte und dann sah ich Bella. Sie blieb am Rande der Lichtung stehen und sah zu mir rüber, ihr Gesicht in Verzückung über den Platz. Doch sie rührte sich nicht weiter.
„Du kannst ruhig näherkommen. Ich tue niemandem was.“ Flüsterte ich gebrochen und senkte den Blick. Ohne Hast kam sie näher und blieb kurz neben mir stehen, dann setzte sie sich ins Gras, direkt neben mich.
Lange Zeit sagte niemand etwas. Ich malte kleine Kreise ins Gras vor mir und Bella hatte die Knie angezogen und die Arme darum geschlungen.
„Es ist schön hier.“ Begann Bella dann zögerlich. Schweigend nickte ich. Diese Situation war absurd. Was machte sie hier? Auch noch nachdem ich sie offenbar verletzt hatte. Sie war zu gut für diese Welt.
„Edward?“ Es dauerte eine Weile bis ich mich stark genug fühlte um aufzublicken. Sie lächelte mich an. Das verstand ich nicht… ich hatte sie doch gerade zum Weinen gebracht.
„Das vorhin, das war nicht deine Schuld. Meine Mutter hat früher Klavier gespielt, nicht übermäßig gut, aber es hat mich immer so glücklich gemacht.“ Ihre Worte waren leicht, nichts zeugte mehr von den Tränen, die sie vor nicht einmal 30 Minuten vergossen hatte. „Ich vermisse sie.“ Sie sprach von einem Gefühl was ich nur zu gut kannte, aus meiner Kindheit. Immer wieder hatte ich meine wirklichen Eltern vermisst und mir vorgestellt wie es wäre, wenn sie wiederkamen.
Doch sie waren niemals gekommen. Und insgeheim wusste ich sie würden es auch nie.
„Es tut mir Leid.“ Flüsterte ich erneut und sah Bella dabei flehend an. Ihre Augen glänzten, das tiefe Braun war warm und freundlich.
„Ich habe dir schon gesagt: Es ist nicht deine Schuld, Edward. Vergiss es einfach.“ Lächelnd sah sie mich an. „Du spielst wirklich schön.“ Mein Blick hatte den ihren nicht verlassen und jetzt weiteten sich meine Augen erstaunt. Ihr gefiel mein Klavierspiel?
Ein warmes Gefühl durchrieselte mich, es war unbeschreiblich – vor allem weil es nichts war, was mir bekannt vorkam. Unbekannte Gefühle, seit Bella in mein Leben getreten war, die Tagesordnung.
„Denkst du, du könntest vielleicht irgendwann wieder mal was für mich spielen? Ich verspreche auch nicht so emotional zu reagieren.“ Kicherte sie und ich konnte mich nicht gegen das leichte Lächeln wehren, dass sich auf meinem Gesicht ausbreitete. Sie wollte wirklich dass ich für sie spielte. Nur für sie!
„Wie wäre es wenn wir zwei jetzt zurückgehen und Esme das Essen servieren lassen? Sie hat sich solche Mühe gegeben.“ Bellas Stimme war weich, fürsorglich und einfach himmlisch. Ich wollte dieser Stimme folgen, hatte sie den ganzen Sommer hören wollen und mich doch nie getraut bei einem meiner Anrufe zu Hause nach ihr zu fragen. Ich kam mir so dumm vor, denn mehr als Nicken konnte ich nicht.
Bella stand auf, wartete kurz auf mich und wanderte dann mit sicheren Schritten in die falsche Richtung zurück! Laut räusperte ich mich um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie sah mich fragend an.
„Da lang, wenn du zu Esmes Essen willst.“ Sagte ich und sie kicherte.
„Ups, mein Orientierungssinn ist wohl auf Urlaub.“ Dann kehrten wir schweigend und einträchtig nebeneinander laufend zum Haus meiner Familie zurück.

 

-*- Kapitel 15: Was ist passiert? -*-

Der erste Schultag nach den Sommerferien begann mit Sonnenschein. Das war das Erste was ich nach dem Aufwachen sah. Helles Licht fiel durch den Spalt zwischen meinen Vorhängen herein und blendete mich fast. Fassungslos starrte ich einige Minuten aus dem Fenster, dann sprang ich energiegeladen aus dem Bett. Charlie war ein wenig überrascht als ich schon sehr früh die Treppen runterkam und dabei ein Lächeln im Gesicht trug.
„Hast du besonders schön geträumt oder wieso lächelst du so?“ Kopfschüttelnd verließ er dann unser Haus und nur eine Minute später hörte ich das Geräusch der Reifen auf dem knirschenden Kies. Egal wie früh ich auf war, Charlie war immer schon fast aus dem Haus. Das Lächeln blieb. Gemütlich machte ich mir eine Schüssel Cornflakes und aß langsam. Ganz langsam, fast jeden Flake einzeln. Ich musste über mich selbst grinsen. Plötzlich ertönte ein Hupen und ich sah auf die Uhr. ‚Ups‘ dachte ich.
„Ich komme sofort.“ Rief ich in Richtung Tür und flitzte noch einmal die Treppe hoch um meinen Rucksack zu schnappen. Es war zwar unerwartet, dass ich abgeholt wurde, aber ich freute mich darauf meine zweite Familie wiederzusehen. Egal wer von ihnen es war. Und damit meinte ich wirklich egal wer! (Obwohl ich mir sicher war, dass mich ein jeder mit seinen fahrkünsten ängstigen konnte.) Nun wo Edward und ich scheinbar normal miteinander umgehen konnten… das Lächeln wurde breiter. Freudestrahlend trat ich aus der Haustür raus und erstarrte mitten im Türrahmen. Es war keiner der Cullens, der dort im Auto saß und auf mich wartete. Es war Mike.
Ich riss mich zusammen und schloss die Tür hinter mir. Langsam ging ich auf das Auto zu und musterte sowohl den Wagen als auch Mikes Gesicht. Ein bisschen zu enthusiastisch sein Ausdruck und seine Augen glänzten so verräterisch. Mir wurde fast schlecht als ich daran dachte, dass ich ihm klarmachen musste, wie ungleich unsere Gefühle füreinander waren.
„Hallo Bella.“ Sein rundes Gesicht erstrahlte und auf dem Rücksitz sah ich seinen Rucksack.
„Hey Mike. Was machst du hier?“
„Na ich hole dich ab. Ich dachte du freust dich wenn du nicht selbst fahren musst.“ Seufzend suchte ich nach einer Ausrede. Irgendwie ging mir das gegen den Strich. Mike war ein netter Kerl, aber er versprach sich mehr von der Freundschaft zu mir. Und ich hatte nun einmal nicht mehr für ihn übrig. Er war nett, ich fand ihn sympathisch, aber ich wollte absolut kein Date mit ihm. Wie konnte ich ihm das sagen, ohne dass er total wütend wurde oder ich ihm unheimlich wehtat?
„Ähm naja, ich muss nach der Schule aber noch ein paar Besorgungen machen.“ Das stimmte sogar, ich musste noch einkaufen gehen. Zufrieden mit meiner Ausrede (die noch dazu halbwahr war!) wollte ich mich abwenden, da warf Mike ein:
„Ich kann doch mitkommen. Meine Mum freut sich sicher wenn ich ihr das Einkaufen abnehme. Dann machen wir das zusammen.“ ‚Mist‘ dachte ich panisch und drehte mich erneut um. Fieberhaft suchte ich nach einer neuen Ausrede und mir fiel ein, was Charlie vor ein paar Tagen zu mir gesagt hatte. Perfekt! Vor allem dass auch das nicht wirklich gelogen war, erleichterte mein Gewissen.
„Ähm, das ist ja nicht alles. Ich muss nach La Push, zu Freunden der Familie. Charlie wollte dass ich mich dort mal blicken lasse und ich wollte das jetzt machen, wo wir in der Schule noch nicht so viele Hausaufgaben aufbekommen.“ Nun zog Mike eine Schnute, das gefiel ihm nicht. Offensichtlich hatte er fest damit gerechnet, dass ich bei ihm mitfahren würde.
„Na gut, wenns nicht geht… dann eben ein andermal. Wir sehen uns in der Schule.“ Er wendete seinen Wagen und brauste davon. Mit einem Kopfschütteln legte ich die wenigen Meter zu meinem Transporter zurück und fuhr dann zur Schule.
In der Schule ging es gleich weiter mit seltsamen Situationen: Lauren und Jessica erwarteten mich vor dem Gebäude und nahmen mich total in Beschlag. Sie schnatterten so viel mit mir und durcheinander, dass ich nicht einmal darauf achtete wer an uns vorbeiging. ‚Woher diese ganze Aufregung?‘ fragte ich mich dann in meiner ersten Stunde, dass der Lehrer an der Tafel auch redete fiel mir nicht einmal auf. Jessica begleitete mich von Stunde zu Stunde, sie ließ mich nicht aus den Augen und schnell gesellten sich auch Mike und Eric dazu. So langsam kam ich mir bescheuert vor mit einer ganzen Traube ‚Anhänger‘ im Schlepptau und ihn ahnte mittlerweile was das Ende oder vielmehr das Ziel des Ganzen war! Missmutig setzte ich einen Fuß vor den anderen und versuchte meine Begleitung zu ignorieren, was deutlich schwerer fiel als mir lieb war, da Jessica und Mike ununterbrochen redeten.
Die Cafeteria mieden sie alle sorgfältig, ich wurde rausgezerrt, da das Wetter immernoch erstaunlich gut war. Leider war meine Zweitfamilie nirgends zu sehen. Meine Laune sank von Minute zu Minute und gerade als ich mir sicher war, dass ich endlich die Nase voll hatte von diesem Theater, kam Rosalie an unserem Tisch vorbei. Erleichterung durchflutete mich.
„Rose!“ Rief ich aufgeregt und sprang auf, verschüttete dabei meine Limonade, was ich allerdings ignorierte. Rose drehte sich auf dem Absatz um, musterte meine Begleitung und zog fragend die Augenbrauen hoch. „Ähm ich hab da doch diese Bitte an dich gehabt… ich äh… kannst du mir helfen?“ Fragte ich sie komplett zusammenhangslos, was sie sicher sehr verwirrte. Ich hoffte nur sie verstand meine Andeutung. Schweigend starrten mich alle an, Rose versuchte einen verstehenden Gesichtsausdruck hinzubekommen, scheiterte aber kläglich. Ich spürte, dass alle Rosalie Ablehnung entgegenbrachten und war mir sicher, sie würde es auch spüren. Hilflos sackten meine Schultern runter und ich sah sie offen an. Rosalie seufzte kurz und schüttelte dann mechanisch den Kopf.
„Heute geht’s nicht, Bella. Es tut mir Leid. Ich muss ganz schnell nochmal weg, ich… wir sehen uns dann morgen, ja?“ Ihre Worte waren so schnell und so gestammelt gekommen, sie war nervös und verschwand nun. Verwirrt blickte ich ihr nach und achtete nicht auf meine Begleiter. Alles hier und heute kam mir mehr als merkwürdig vor, doch ich wollte unbedingt wissen was los war. Gedankenverloren lauschte ich den Gesprächen meiner Mitschüler über Sport, Kinofilme und Lehrer. ‚Was um alles in der Welt haben heute alle? Die Schule hat doch gerade erst wieder angefangen… und wo sind die Cullens? Wo sind Alice und Jasper? Edward, Emmett? Gut, Rose habe ich gesehen, aber wo ist der Rest? Und wo wollte Rose so dringend hin? Ich verstehs nicht!‘
„Bella? Bella!“ Riss mich Mikes Stimme aus meinen Gedanken. Fragend sah ich ihn an. „Wir gehen nach der Schule nach La Push, du bist doch dabei, oder?“ Es klang so als wäre es bereits beschlossene Sache und meine Meinung eigentlich vollkommen egal.
„Ich überlegs mir mal, okay? Bis Sport?“ Ich stand auf, räumte mein Tablett zur Seite und schulterte meinen Rucksack Er sah nicht wirklich zufrieden aus, aber trotz des schönen Wetters hatte ich momentan anderes im Kopf als nach La Push zu fahren. Gestern noch war alles super gewesen bei den Cullens und ich hatte mich sogar mit Edward verstanden – na gut, nach anfänglichen Schwierigkeiten – ich hatte gehofft das heute fortführen zu können bei einem gemeinsamen Mittagessen. Vor den Ferien waren Mike, Jessica und die anderen ja schon bestimmend gewesen, aber das heute war eindeutig noch schlimmer. Endlich ertönte die Klingel und beendete die Mittagspause. Jetzt hatte ich Musik, mit Alice und Edward.
Ich sah die Beiden schon von Weitem im Flur stehen. Beim Näherkommen fiel mir auf wie merkwürdig ihre Haltung war. Edward war mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt und sah zu Boden, Alice stand ganz dicht bei ihm – so dicht dass sie sich berührten! – und sah aufmerksam den Gang rauf und runter.
„Hallo.“ Sagte ich bei ihnen angekommen. Alice zuckte zusammen, Edward sah nur auf und nickte mir zu. Was um Himmels Willen war hier los? Irritiert sah ich von einem zum anderen. Edward wich meinem Blick aus und starrte wieder auf den Boden. In mir fing eine leise Stimme an in Panik auszubrechen. ‚Es ist Zeit schreiend im Kreis zu laufen‘ rief sie und vor meinem inneren Auge hatte ich ein Bild von mir, Bella, vor mir, die schreiend im Kreis lief.
„Hey Bella.“ Alice Stimme klang unnatürlich hoch und ihre Augen suchten noch immer den Gang ab. Bevor ich noch ein weiteres Wort sagen konnte, kam unsere Lehrerin dazu. Den Rest der Stunde bekam ich auch keine Gelegenheit mehr mit einem der Beiden zu reden, denn Alice saß nicht wie normalerweise neben mir, sondern neben Edward – an einem anderen Tisch! Ich wusste dass es lächerlich war, aber es kränkte mich ein wenig. Natürlich hatte ich nichts gegen Edward und ich war auch nicht wütend auf Alice, doch ich verstand es nicht. Heute war definitiv der Tag an dem ich nichts verstand, rein gar nichts.
Als es zum Ende der Stunde klingelte rauschten Alice und Edward ohne ein weiteres Wort an mich zu richten aus dem Raum. Ich war verletzt, geschockt und blieb einige Minuten sitzen. Die nächste Stunde war mir egal, es war unwichtig und zum Glück fand in der Stunde nach meiner Musikstunde auch keine andere statt. Allein saß ich in dem großen, leeren Raum und versuchte die Tränen zurückzuhalten. Warum waren sie so abweisend zu mir? Was hatte ich ihnen getan? Während ich mir diese Fragen stellte, kamen die Tränen. Lautlos und ohne dass ich sie bemerkte. Meine Finger umklammerten einander, zogen nervös ihre Kreise auf meinem Pult und ich seufzte. Mein Blick fiel auf den Flügel und erneute Tränen stiegen in mir auf. Die Erinnerung an gestern Abend war noch viel zu lebendig und ich hörte Edwards Spiel in meinem Kopf. So sanft war er über die Tasten geglitten, so lebendig hatte sein Gesicht gewirkt, die Emotionen in ihr so stark. Im verzweifelten Versuch sich nicht mehr so allein zu fühlen wechselte ich an den Flügel und ließ meine Hand leicht über das Holz gleiten. Keinen Ton erlaubte ich den Tasten, ich war mir nicht sicher ob ich dem Standhalten konnte.
„Was? Was habe ich getan?“ Flüsterte ich gebrochen und legte den Kopf auf die Knie.

 
 
 

-*- Kapitel 16: Und ich akzeptiere keine Ausreden! -*-

Es vergingen Tage und nichts änderte sich. Ich wurde immer von Jessica, Mike oder Lauren und Eric nach den Stunden abgefangen, begleitet und zugetextet. Die einzige Person, deren Anwesenheit nicht aufgedrängt wirkte, war Angela. Sie bemühte sich mir immer die Wahl zu lassen ob ich mit ihr gehen wollte oder nicht. Da mir das deutlich angenehmer erschien als mit Mike oder Jessica zu gehen, hielt ich mich an Angela und ihren Freund Ben. Von meiner Zweitfamilie sah und hörte ich recht wenig. Wenn wir uns auf dem Gang begegneten wurde ich kurz gegrüßt, aber weder in den Mittagspausen noch in den gemeinsamen Schulstunden wechselten wir viele Worte. Mir fiel auf, dass Edward wieder vollkommen teilnahmslos war im Musikunterricht und Alice schien blasser und weniger fröhlich als früher. Jasper mied meinen Blick vollkommen, was mich zutiefst betrübte. Er war sowas wie mein bester Freund gewesen und er schien ein schlechtes Gewissen zu haben, denn wann immer er mich sah flüchtete er. Es musste etwas vorgefallen sein und keiner wollte mir sagen was!
Es war ein Donnerstag, an dem ich mal wieder wütend wurde deswegen. Wir hatten den gesamten Sommer miteinander verbracht und auf einmal ignorierte man mich fast. Das war mehr als nur unhöflich, das war verletzend. Wie immer wenn ich wütend wurde, stiegen die Tränen in meine Augen und ich wischte sie aufgebracht weg. Das hatte mir gerade noch gefehlt! Dass ich anfing zu weinen, in der Schule wo es jeder sehen konnte und sich hinterher die halbe Schule über mich das Maul zerriss. Bloß nicht.
„Bella, ist alles okay?“ Fragte mich Angela besorgt und sah mir in die Augen. Ich hatte Glück, wir saßen gerade alleine draussen vor der Cafeteria. Die Anderen waren wegen der Bekanntmachung für den Ball in die Aula gestürmt, während wir sitzen geblieben waren. Uns interessierte das Motto für den Schulball nicht sonderlich, wir würden es ja sowieso sofort von Jessica erfahren. Nichtssagend zuckte ich mit den Schultern, doch dann platzte es raus:
„Das ist so unfair. Ich habe keine Ahnung was passiert ist oder was ich gemacht habe, aber die Cullens ignorieren mich seit dem ersten Schultag nach den Ferien. Wir waren so gut befreundet, alle miteinander und jetzt?“ Meine Stimme zitterte und brach am Ende sogar. Angela legte mitfühlend eine Hand auf meinen Arm. In ihrem Gesicht kämpften verschiedene Gefühle miteinander, das sah man ganz deutlich, das machte mich neugierig.
„Was weißt du Angela?“ Hoffnungsvoll blickte ich sie an. Sie kaute auf ihrer Unterlippe.
„Ich weiß nichts, wirklich. Ich habe nur eine Vermutung, aber die will ich nicht aussprechen wenn es dafür keine Anhaltspunkte gibt. Rede mit ihnen. Rede mit Alice, sie scheint doch so vernünftig und lieb zu sein.“ Kurz dachte ich über diesen Vorschlag nach und seufzte.
„Sie reden hier aber nicht mit mir. Wie soll ich das machen?“ Verzweiflung klang in meiner Stimme mit. Ich vermisste das innige familiäre Verhältnis dass ich zu Alice, Emmett und Jasper hatte. Rosalie war immer etwas zurückhaltender, aber nicht minder freundlich gewesen. Und Esme! Esme hatte es geschafft, dass ich meine Mum weniger stark vermisste. Sie hatte nicht versucht mir die Mutter zu ersetzen, aber ihre Art hatte mich wissen lassen, dass sie alles für mich tun würde was in ihrer Macht stünde. Egal was es war.
„Du hast gerade die Antwort selbst aufgezeigt, Bella.“ Lächelte Angela. „Sie reden hier nicht mit dir. Vielleicht musst du sie einfach woanders überraschen.“ Jetzt kehrte auch in mein Gesicht das Lächeln zurück. Natürlich, Angela hatte Recht! Ich hatte mich nicht getraut nach dieser Zurückweisung zu ihnen zu fahren, zu ihrem Haus, aber wieso eigentlich? Unhöflichkeiten, dmait hatten sie angefangen, also hatte ich sehr wohl auch das recht einfach bei ihnen vor der Tür zu stehen. Mein Entschluss war gefasst. Heute Nachmittag würde ich zu ihnen fahren. Stürmisch umarmte ich Angela, die meine Zuneigungsbekundung herzlich erwiderte und lächelte.
„Ich hoffe das kommt wieder ins Lot. Du warst so unglücklich in den letzten Wochen.“

Entschlossen saß ich hinterm Steuer meines Transporters und fuhr den Highway entlang. Nach der Schule war ich so schnell wie möglich nach Hause gefahren, hatte schnell etwas gegessen, meinen Rucksack abgeladen und war wieder losgefahren. Ich hatte nicht vor noch einen Rückzieher zu machen, ich würde sie zur Rede stellen! Nervös fuhr ich auf den unbefestigten Waldweg ein, den ich mittlerweile so gut kannte und fast schon vermisst hatte. Man würde mich hören –  ohne Zweifel – denn mein Transporter war sehr viel lauter als all die schnurrenden, wunderschönen und teuren Autos, die sonst hier hielten. Überraschenderweise kam niemand aus dem Haus als ich vor der Veranda hielt. Seufzend nahm ich all meinen Mut zusammen und stieg aus. Die wenigen Stufen bis zur Haustür waren eine einzige Überwindung, aber ich meisterte sie und hoffte dass mein Einsatz nicht ohne Ergebnis blieb. Ich holte noch einmal tief Luft und klingelte an der Tür.
„Bella.“ Kam es überrascht von Esme, als sie mir die Tür öffnete. Nur eine Sekunde später lag ich in ihren Armen und wurde herzlich an ihre Brust gedrückt. „Es ist so schön dich wiederzusehen. Wie geht es dir?“ Sie trat zur Seite, damit ich in das große Wohnzimmer treten konnte und ich ließ den Blick schweifen. Es war niemand da. Mit einer Handbewegung lud sie mich ein auf dem Sofa Platz zu nehmen und wir plauderten ein wenig. Ich hatte fast vergessen wie einfach es war mit Esme zu sprechen.
„Also wieso haben wir dich so lange nicht hier gesehen?“ Kam es dann ehrlich traurig von ihr. Ich hatte schon darauf gewartet, wann das Thema auf den Tisch kam und hier war es.
„Ich also… ich weiß nicht. Oh Esme seit dem ersten Schultag meiden mich die Anderen, ich habe keine Ahnung was passiert ist oder was ich getan habe!“ Nach dem anfänglichen Zögern sprudelten die Worte nur so aus mir heraus. Esme lauschte mir ohne mich zu unterbrechen. In ihre Augen kehrte Traurigkeit ein und sie schüttelte den Kopf.
„Als ich nach dir fragte kam kaum etwas zurück. Ich habe mir schon so meine Gedanken gemacht. Es ist schön dass du hier bist, endlich. Du hättest noch viel früher kommen sollen.“ Stellte sie trocken fest und drückte mich wieder an sich.
„Ich habe mich vorher nicht getraut.“ Gab ich kleinlaut zu. „Sind Alice und Jasper oben?“ Zu meinem Erstaunen schüttelte Esme den Kopf. Fragend sah ich sie an, sie errötete leicht.
„Sie sind alle unterwegs. Sie wollten heute nach der Schule nach Seattle fahren. Nur Edward ist zu Hause, er liest glaube ich.“ Unbehagen schlich sich in mir hoch, krampfte meine Eingeweide zusammen und lähmte mich. Ausgerechnet Edward! Er war der Einzige der zu Hause war? Derjenige mit dem ich die meisten Schwierigkeiten gehabt hatte? Oje.
„Na komm, versuch es, er wird dich nicht auffressen. Er war mal so ein lieber, einfühlsamer Junge.“ Seufzte sie und schob mich in Richtung Treppe. „Ich bin in meinem Arbeitszimmer wenn was sein sollte.“ Rief sie mir noch nach und verschwand durch eine Tür.
Ich stand bestimmt gute fünf Minuten mitten auf der Treppe und zögerte weiterzugehen. Nur weil wir uns nach seiner Ankunft besser verstanden hatten, hieß das ja nicht dass wir jetzt Freunde waren. Er war ja auch auf einmal wieder vollkommen teilnahmslos in der Schule – sehr schade, denn mir hatte sein Lächeln deutlich besser gefallen.
‚Na los Bella, wie schlimm kann es schon werden?!‘ redete ich mir selbst gut zu und ging weiter, bis ich vor Edwards Zimmertür haltmachte. Zögerlich klopfte ich an und erwartete, gar keine Antwort zu bekommen, doch ich wurde überrascht. Nur Sekunden später wurde die Tür geöffnet und Edward sah mich an. Als er mich erkannte, runzelte er die Stirn und riss die Augen auf. Meine Entschlossenheit war schon fast wieder dahin.
Wir standen uns gegenüber und starrten uns an, schweigend. Er schien vollkommen verblüfft davon mich hier zu sehen und ich war versteinert, aus Angst dass die Freundschaft zu den Cullens nie wieder so sein würde wie vorher.
„Bella.“ Brachte er dann hervor und benutzte meinen Namen als Gruß. Seine Maske war dieselbe wie immer, Teilnahmslosigkeit, doch in seinen Augen funkelte etwas.
„Kann ich mit dir reden?“ Bat ich ihn und meine Stimme war viel zu leise, doch er hatte mich gehört und nickte unsicher. Mit einer Handbewegung, die der seiner Mutter Esme nicht unähnlich war, bat er mich herein und gab mir zu verstehen mich auf das Sofa zu setzen. Er selbst nahm auf seinem Stuhl Platz. Stille trat ein und ich fühlte mich mehr als unbehaglich, da ich nicht wusste wie ich das Thema ansprechen sollte. Ausserdem, er und ich hatten nicht den besten Start gehabt, das vertraut miteinander reden war uns noch viel zu neu. Edward musste sich genauso unwohl fühlen dabei, denn er war es der das Schweigen dann brach.
„Worum geht’s, Bella?“ Die Melodie seiner Stimme schickte eine Gänsehaut über meine Arme, obwohl seine Stimme gepresst geklungen hatte. ‚Tief durchatmen, Bella.‘ Seufzte ich.
„Ich will nicht um den heißen Brei herumreden. Was habe ich euch getan? Was ist passiert?“ Mir war die Geduld ausgegangen und ich blickte ihn herausfordernd und entschlossen an. Ich würde mich nicht mit Ausreden abspeisen lassen, egal was sonst seine Art war, er würde mir sagen was hier los war!
Seufzend wich er meinem Blick aus. Seine Hände wirkten nervös, sie wussten nicht wohin mit sich und ich beobachtete die feingliedrigen, langen Finger genau. Sie verrieten mehr über ihn als der Rest seines Körpers, der stocksteif geworden war. Eine unangenehme gespannte Stille breitete sich aus, die ich gewähren ließ, denn er sollte ruhig einen Augenblick nachdenken wie er anfangen sollte. Sekunden verstrichen, die mir wie Stunden vorkamen. Seit Langem war ich nicht so nervös gewesen, aber mir war auch lange nichts mehr so wichtig gewesen wie das hier. Ich musste einfach die Wahrheit kennen. Es gab nichts Schlimmeres als in der Luft zu hängen. Lieber tausendmal ohne triftigen Grund verletzt werden, als nicht zu wissen wieso etwas war wie es war.
„Ich… ich kann nicht.“ Stieß er hervor und vergrub die Finger in den langen Haaren. Seine ganze Erscheinung drückte so viel Verzweiflung aus, dass mich Mitleid überschwemmte und ich ihn am liebsten in den Arm genommen hätte. Doch in mir war auch Wut über seine Worte, die hielt mich zurück.
„Was zur Hölle soll das heißen?“ Gab ich zurück und meine Stimme zitterte vor unterdrückter Wut. „Ich werde grundlos – wie es mir scheint – ignoriert und keiner will mehr mit mir reden. Und ich habe kein Recht zu erfahren wieso? Nein! Das werde ich nicht akzeptieren. Ich will Antworten.“ Stellte ich klar, sah ihm direkt in die Augen, denn bei meinem Ausbruch hatte er den Kopf gehoben und seine grünen Augen blitzten wach auf. Er verzog sein Gesicht, als würde er unendlich leiden dabei war ich doch diejenige, die hier zum Narren gehalten wurde.
„Bella.“ Hauchte er und sah mich noch immer offen an, nie war mir aufgefallen wie intensiv seine Augen leuchten konnten. Zu meiner Wut und meiner Verletzlichkeit gesellte sich nun auch noch Verwirrung. Wieso klang er so leidend?
„Ich darf dir nichts sagen, so gern ich es will. Bitte, du musst mir glauben. Es wäre einfach besser wenn du dich von unserer Familie fernhälst, wir tun dir nicht gut.“ Er presste die Worte hervor, ganz leise und doch waren sie wie eine schallende Ohrfeige. Ich starrte ihn fassungslos an, das Atmen fiel mir schwer und die Tränen brannten in meinen Augen. Es fühlte sich an, als würde in meinem Inneren etwas zerbrechen. Ich hatte früher in Phoenix auch ein paar Freunde gehabt, aber ich hatte mich noch nie Freunden so nahe gefühlt wie den Cullens, besonders Alice und Jasper. Doch kaum hatte ich sie gefunden, da nahm sie mir Edward wieder – zumindest klang es so. Wut und Hass auf ihn überschwemmten mich, nun waren es Tränen der Wut, die das Fass zum Überlaufen brachten. Eine nach der anderen lief mir über die Wangen und ich hörte Edward aufkeuchen.
„Oh Bella, bitte, das… das wollte ich nicht. Ich…“ Er war aufgestanden, stand nun genau vor mir und sah aus als wolle er eine Bewegung machen, um mich in den Arm zu nehmen, doch er hielt vorher inne. Mein Sichtfeld war getrübt, aber mein Kopf funktionierte noch gut. Ich sprang auf als er noch näherkam, holte aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Er zuckte nicht einmal zusammen. Mit einem lauten Schluchzen rannte ich aus dem Zimmer, rannte die Treppe runter an der verwirrten Esme vorbei, die aus ihrem Zimmer lugte und raus aus dem Haus. Hastig sprang ich in meinen Transporter und fuhr weg. Ich jagte die alte Rostlaube bis an ihren Grenzen und fuhr einfach den Highway weiter, ich achtete keine Sekunde auf die Richtung in die ich fuhr.

 

-*- Kapitel 17: Familiengespräche -*-

Aus Alice Sicht:
„Ich hasse das. Ich will Bella wieder.“ Murmelte ich als wir gerade auf dem Heimweg waren. Bis Seattle waren wir gar nicht gekommen, eigentlich waren wir nur ein wenig durch die Gegend gefahren und hatten uns dabei unterhalten. Ursprünglich wollten wir einkaufen gehen, doch ich hatte die Gedanken an den letzten Seattlebesuch nicht verdrängen können und dem lautstark Luft gemacht. Die Anderen schwiegen eine Weile, bis ich mit dem Kopf gegen die Seitentür sank.
„Uns fehlt sie auch, Alice, aber wir können so doch nicht weitermachen. Wir tun das zu ihrem Besten.“ Seufzte Rose und klang alles andere als begeistert. Ich wusste dass meine Geschwister genauso dachten wie ich, aber ich hasste jede Sekunde von diesem Theater. Bella war für mich die Freundin gewesen, die ich noch nie gehabt hatte – sie fehlte mir. Rose war eine Schwester, eine Freundin und so viel mehr, doch es war nicht dasselbe wie mit Bella. Emmett saß auf der Rückbank, den Arm um Rose gelegt und starrte wortlos aus dem Fenster.
„Hey, hey Leute!“ Rief er plötzlich aufgeregt. „Ist das da vorne nicht Bellas Truck?“ Wir starrten alle geradeaus, auf den roten Transporter der uns entgegen kam. Tatsächlich sah er aus wie Bellas Transporter, aber das war unmöglich, sie müsste jetzt zu Hause sein und… gerade fuhr der Transporter an uns vorbei und wir alle erkannten Bella. Die Tränen liefen ihr die Wangen herunter, sie sah schrecklich und unglücklich aus. Wie konnte sie so Auto fahren und was war wohl passiert?
„Jasper, dreh um, wir fahren ihr hinterher, sie muss anhalten.“ Befahl ich und achtete nicht darauf was die Anderen sagten. Bella ging es schlecht und ich wollte sie nur in den Arm nehmen und trösten. „Warum hälst du denn nicht an? Jasper!“ Ich erschrak als mir klarwurde, dass das wahrscheinlich das erste Mal war, dass ich Jasper anschrie.
„Alice, nein. Wir fahren nach Hause. Wir haben beschlossen uns aus ihrem Leben rauszuhalten. Vergiss das nicht. Wir tun das für Bella. Und für Edward.“ Dass ich Jasper böse anfunkelte war mir bewusst, aber er würde es mir verzeihen. Er wusste wie schnell ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren würde, ich wusste ja wieso wir das Ganze taten.
„Aber ich frage mich woher kommt sie wohl gerade?“ Rose sah in die Runde und wie wir uns so ansahen, fiel uns plötzlich die einzig mögliche Erklärung ein.
„Schneller.“ Keuchten wir alle wie aus einem Mund und Jasper drückte aufs Gaspedal.

Wir stürzten alle durch die Tür in unser Haus und fanden Edward zusammengesunken auf der Couch sitzend, während Esme über ihm aufragte und die Hände in die Hüften gestemmt hatte. Sie sah wütend aus. Sehr wütend. Noch während sie sich herumdrehte, fing sie gegen uns an:
„Was ist hier los? Raus mit der Sprache. Wieso muss ich erst durch eine vollkommen aufgelöste Bella erfahren dass hier was nicht stimmt?“ Oh, das war gar nicht gut.
„Also war sie hier?“ Fragte Jasper ruhig und sah Edward an. Der nickte nur und vergrub die Hände wieder in seinen Haaren. Nicht nur dass Esme wirklich sauer aussah, Edward sah auch richtig verzweifelt aus. Ich flog an seine Seite und legte meine zarten Arme um ihn.
„Raus damit. Und keine Ausreden!“ Rief Esme aufgebracht und ergeben nickten wir alle. Nur Edward rührte sich keinen Millimeter, er war total fertig mit den Nerven. Wie Bella wohl aufgetreten war?
„Es ist wieder wie damals.“ Begann Jasper, der schon immer der Ruhigste von uns gewesen war. Seine Stimme war klar und deutlich zu verstehen, sie zitterte nicht so wie meine oder Rose es getan hätte und sie war neutral, ganz anders als Emmetts Stimme geklungen hätte. Esme zuckte zusammen. Diese Worte waren für sie wie eine Ohrfeige, ebenso wie uns das Ganze getroffen hatte.
„Ihr meint…?“ Ich sah wie Esme auf einen Sessel sank und alle Wut von ihr abfiel. In ihre Augen kehrte der Schatten zurück, den Edwards Veränderung damals hervorgerufen hatte. Sie hatte Angst. Rose glitt an ihre Seite und tröstete sie. Unsere Familie war sich so nah, ich war darüber unheimlich glücklich, aber diese Situation war zum Verrückt werden.
„Esme, es tut mir Leid.“ Kam es ganz leise von Edward. Ich schmiegte mich an ihn. Es war nicht in Ordnung, dass er die Schuld auf sich nahm, er hatte nichts Böses getan. Gar nichts.
„Hör auf Edward!“ Knurrte Emmett. Er musste genauso denken wie ich. „Das sind nur diese bekloppten Dorfkinder hier, die einfach keinen Schlussstrich ziehen können. Die Situation ist doch ganz anders als damals. Bella ist Single, sie hat keinen Freund, sie mag uns und wir sie. Wir sind befreundet und die anderen akzeptieren das einfach nicht.“
„Wieso hat keiner von euch Bella gesagt was passiert ist?“ Fragte Esme und sah uns der Reihe nach an. Vermutlich war ich nicht die Einzige, die gerade ein schlechtes Gewissen bekam und an den Morgen nach dem Seattlebesuch dachte.
„Ähm… Okay, ich spring mal ins kalte Wasser auch wenn du sauer sein wirst, Edward. Ich hab Bella erzählt was damals passiert ist. Alles bis auf…“ Jasper kam nicht weiter. Edward stand schon auf seinen Beinen und ballte die Fäuste. Er zitterte am ganzen Körper und sah gequält aus.
„Du hast was?“ Schrie er raus. Wir hatten seit einer halben Ewigkeit seine Stimme nicht mehr so laut gehört. Er war mehr als nur stinkwütend. Ich bekam fast Angst vor ihm.
„Edward.“ Sagte Esme mahnend und unter ihrem Blick schrumpfte er augenblicklich zusammen. Verlegen murmelte er eine Entschuldigung an Jasper gewandt und ließ sich wieder auf den Platz neben mir fallen.
„Also ich habe ihr erzählt was damals hier in Forks passiert ist. Nur das.“ Betonte Jasper und fuhr fort: „An dem Morgen nach unserem Seattlebesuch. Du hättest sie sehen sollen, Ed, direkt nach dem Frühstück meine ich. Sie war total aufgelöst und wusste nicht was sie dir getan hatte. Ich konnte sie so nicht sehen, ich wollte ihr nur zeigen, dass sie keine Schuld trifft. Versteh das bitte.“ Nun schnäuzte sich Esme und ich sah überrascht auf. Sie kannte die Details zwar nicht, aber sie war kurz vorm Weinen! Eine Welle von Zuneigung überkam mich. Jeder von uns hatte unglaubliches Glück gehabt hier zu landen, hier bei Esme und Carlisle, die alles für uns taten.
„Und wieso haltet ihr jetzt Abstand von ihr?“ Fragte Esme in die anhaltende Stille nach Jaspers Geständnis. Edward vergrub den Kopf wieder, raufte sich die Haare und seufzte schwer. Ich hatte bis gerade eben gar nicht geahnt wie sehr das Ganze mit Bella ihn mitnahm. Der Rest von uns hatte sie in die Familie aufgenommen, der Sommer hatte uns zusammengeschweißt. Doch Edward kannte sie so viel weniger als wir? Er hatte nicht unzählige Abendessen und Stunden im Wald mit ihr verbracht. Wie sah er sie? Er redete ja kaum noch mit einem von uns. Was war Bella wohl in seinen Augen? Ich beschloss, dass ich mal mit ihm alleine reden musste – so bald wie möglich.
„Wir haben diesen Brief bekommen.“ Erklärte Rose als Jasper keine Anstalten machte weiterzureden. Wir sahen erwartungsvoll zu ihr, denn sie hatte den Brief als Letzte in der Hand gehabt. Was hatte sie damit getan?
„Brief?“ Wiederholte Esme verwirrt und sah Rose fragend an. Ergeben seufzend zog Rose einen Zettel aus ihrer Hosentasche und nicht nur ich schnappte nach Luft. Sie hatte ihn immer dabei? Schulterzuckend gab sie ihn Esme und sprach weiter:
„Wir wurden gewarnt und aufgefordert uns von Bella fernzuhalten, sie sollte andere Freunde haben als uns. Wir wären nicht gut für sie.“
„Kein Wort über Edward? Also ist das eine komplett andere Situation.“ Stellte Esme fest und Rose nickte. Jasper schürzte die Lippen, er sah zur Seite.
„Es sind aber ganz sicher ein paar von den Idioten von damals mit dabei.“ Warf Emmett ein und ballte die Fäuste. Wir schwiegen einige Minuten, denn der Schock bei Esme saß tief, genauso wie der bei Edward darüber dass wir anderen Bella etwas erzählt hatten. Er kaute auf seiner Unterlippe herum, knetete nervös seine Finger und wich jedem Blick aus.

Wir saßen noch immer so da, als Carlisle heimkam. Er trat durch die Tür mit einem Lächeln, welches sofort gefror als er uns sah. Wir informierten ihn, genauso wie wir Esme informiert hatten und er sah auf einmal sehr ernst aus. Esme lag mittlerweile in Carlisles Armen, Rose und Emmett hielten Händchen und ich schlang meine Arme immernoch um Edward. Jasper hatte seine Hand auf meine Schulter gelegt.
„Ihr müsst ehrlich zu Bella sein. Sie hat ein Recht das zu erfahren. Und das Recht bei der Entscheidung mitzusprechen.“ Teilte er uns dann ernst mit. Jasper und ich nickten erleichtert, Rose und Emmett waren zurückhaltender.
„Nein.“ Erstaunt sahen wir zu Edward. Er hatte Carlisle doch sonst auch noch nie widersprochen, geschweige denn seine Meinung hinterfragt. Carlisle war bisher immer Edwards Vorbild gewesen, sowohl in moralischer Hinsicht als auch in seiner ganzen Art und Weise. Dieser hatte die Augenbrauen zusammengezogen und sah Edward abwartend an, er erwartete eine Erklärung.
„Das Ganze ist doch eigentlich mein Problem.“ Fing er an und brachte mich mit einer Handbewegung zum Schweigen, denn ich hatte widersprechen wollen. „Dave ist ja wenigstens nicht mehr auf der Schule. Ich nehme an, dass Newton der Anführer ist. Er und wie heißt der Andere? Tylor? Die haben doch ein Auge auf Bella geworfen. Ich werde mit ihnen reden. Sie waren damals nicht aktiv dabei, ich schaff das schon.“ Entgeistert sah ich meinen Bruder an. Das meinte er doch jetzt nicht ernst, oder? Niemals würde ich zulassen dass er allein zu diesen Kerlen ging! Emmett und Jasper stimmten mir zu, denn sie bekundeten gerade lautstark, dass er nicht alleine gehen würde. Insgeheim schwor ich mir wenn nötig selbst einzugreifen und die Kerle anzuspringen, falls sie meinem Bruder etwas tun wollten. Diesmal würde niemand ungeschoren davonkommen.

 
 
 
 
 
 
 
-*- Kapitel 18: Ich bringe die Idioten um. Und die Cullens gleich dazu! -*-Aus Bellas Sicht:
Zu Hause angekommen war es noch immer nicht besser. Würde ich nicht sehen, dass es mir körperlich soweit gut ging, hätte ich gedacht man hätte mich entzweigerissen. Genau so fühlte es sich an. Zwei Teile einer Bella. Konnte es so etwas geben? Konnte man an unerwiderter Freundschaft sterben? Schluchzend warf ich die Tür hinter mir ins Schloss und ließ mich auf mein Bett fallen. Mit zitternden Fingern griff ich nach meinem Kissen und vergrub das Gesicht darin.
Ich hatte noch sehr viel geweint, das war einfach ungerecht. Ich sollte mich von den Cullens fernhalten und man gab mir nicht einmal einen Grund dafür. Irgendwann, am späten Abend waren die Tränen versiegt und ich endlich eingeschlafen.
Der nächste Morgen kam und ich hatte den Eindruck, ich hätte nur eine Stunde geschlafen. Doch es mussten mehr gewesen sein, das verriet mir der Blick auf meinen Wecker. Nun gut, wenn man mich nicht haben wollte, dann würde ich es auch ohne sie schaffen. Das versuchte ich mir einzureden: beim Frühstück, auf dem Weg zur Schule und als ich aus meinem Transporter stieg. Heute erwartete mich Angela auf dem Parkplatz, sie lächelte und ich erwiderte es scheu aber ehrlich. Ich mochte Angela.
„Na wie ist es gelaufen?“ Fragte sie und mein Lächeln schwand. Mir war entfallen, dass sie mich auf die Idee gebracht hatte zum Haus der Cullens zu fahren. Ich seufzte.
„Schlecht, ich will nicht drüber reden.“ Antwortete ich ausweichend. Angelas Blick wurde mitfühlend und sie nickte, verlor tatsächlich kein Wort mehr darüber. Sie war wirklich ein Engel. Mit jedem Tag gewann sie mehr Zuneigung, eroberte sie mein Herz Schritt für Schritt. Sie gab mir ein gutes Gefühl.
„Hast du was dagegen wenn wir noch einmal hinten an den Sportplatz gehen? Die Jungs hängen da doch immer rum und ich muss Ben noch sein Chemiebuch wiedergeben.“
„Nein, klar, das ist okay.“ Erwiderte ich und schon waren wir auf dem Weg. Nur noch um eine Ecke mussten wir gehen und dann würden wir genau auf dem Basketballplatz stehen. Als wir wütende Stimmen hörten, hielten wir inne und lauschten.
„Jetzt hör mal auf mit deinem schlechten Gewissen. Wir haben doch überhaupt nichts getan und Cullen nur an früher erinnert.“
„Aber das ist doch Erpressung, ich mein… hast du mal gesehen wie unglücklich Bella ist?“
„Ach die kommt drüber hinweg, die sollte sich sowieso von den Cullens fernhalten. Die sind doch nur arrogante, versnobte…“
„Hörst du dir eigentlich manchmal beim Reden zu? Das ist alles der totale Mist. Ich werd da nicht mehr mitmachen. Und ich bin sicher dass Angela auch keinen Bock auf den Mist hat. Sie macht das nur wegen Bella noch mit. Damit sie wenigstens eine echte Freundin hat.“ Endlich dämmerte mir wer sich da stritt, Angelas errötendes Gesicht half mir auf die Sprünge, das waren Ben, Mike und Tylor. Sie stritten sich noch immer weiter, aber ich hörte nicht mehr zu. Ich hatte genug gehört, um mir endlich zusammenreimen zu können was hier vor sich ging. Das war doch wirklich nicht zu glauben. Meine Wut loderte hell auf, wie eine extrem heiße Flamme und ich spürte wie das Feuer meine Eingeweide versengte und mein Gehirn aussetzen ließ.
„Bella? Bella, du bist ja schneeweiß. Ist alles okay?“ Die erschrockene Stimme von Angela riss mich wieder zurück in die Wirklichkeit. Ich sah in ihre besorgten Augen und schnaubte.
„Und wie alles in Ordnung ist, die können was erleben!“ Meine Stimme musste bedrohlich klingen, denn Angela wich ein wenig zurück.
„Keine Sorge, du und Ben seid super. Ihr habt nix zu befürchten. Aber ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit Mike und Tylor reden.“ Mit diesen Worten schritt ich um die Ecke. Die Jungs sahen erstaunt auf, lächelten dann aber breit. ‚Ha nicht mehr lange‘ dachte ich gehässig und stiefelte weiter.
„Hey Bell-“ Weiter kam Mike nicht.
„Halt ja die Klappe und komm mir nicht mit ‚Hey Bella‘, du Idiot! Was soll das ganze Theater eigentlich? Habt ihr nicht genug Schaden angerichtet als ihr Edward zugrunde gerichtet habt nur weil irgendein dämlicher Kerl seine Freundin nicht halten konnte? Als ob Edward oder einer der anderen Cullens was dafür kann wenn man sie lieber mag als euch. An meinem ersten Tag hier dachte ich ihr seid in Ordnung, jetzt weiß ich es besser.“ In Rage redete es sich gut und es tat mir wirklich gut Dampf abzulassen. Ich beschwor den ganzen Ärger, den ich gestern Abend verspürt hatte, mit herauf und ließ ihn in Wellen über mich hinwegspülen. Ich hatte mich soweit vorangeschoben, dass Ben demonstrativ links liegen gelassen wurde und sah nur Mike und Tylor an. Obwohl Angela und Ben von dem ganzen Mist gewusst haben mussten, glaubte ich den Worten von Ben, die besagten, dass sie es nie böse gemeint hatten. Sie hatten den Cullens bestimmt nicht zugesetzt.
„Bella, das verstehst du ganz falsch…“ Begann nun Tylor und ich knurrte wütend.
„Fangt mir nicht so an!“ Schrie ich. „Ihr habt den Cullens zugesetzt und mir jetzt gezeigt, dass ihr es nicht wert seid, dass man sich mit euch abgibt. Verlogen und hinterhältig seid ihr. Als ob ich nicht mit euch allen hätte befreundet sein können! Denkt ihr ich hätte euch nicht auch genug Zeit gewidmet? Da ist mehr als genug Zeit und Bella für alle. Zumindest war das so die ganzen Ferien über!“ Jetzt sahen Mike und Tylor betreten zu Boden. Wahrscheinlich hatten sie das nicht einmal mitbekommen, diese blinden Hornochsen.
„Und ich schwöre es euch, wenn die Cullens wegen eurem Scheiß nie wieder ein Wort mit mir reden, dann gnade euch Gott. Dann bringe ich euch Idioten um und die Cullens gleich dazu.“ Knallte ich ihnen meine Worte und meine Wut um die Ohren. Ich widerstand dem Drang mit dem Fuß aufzustampfen und drehte mich auf dem Absatz um und verschwand zu meiner ersten Schulstunde.
Grimmig sah ich auf die Tafel und nahm nichts anderes um mich herum wahr. Von dem Platz neben mir, Jessicas Platz, kam nicht ein Ton. Super, also hatte ihr offensichtlich jemand gesagt dass ich wirklich sauer war. Immerhin funktionierte diese Informationspolitik. Meine Gedanken kreisten dauernd um die Frage, wer alles darin involviert war und wieso sie mitmachten. Bens Worten Glauben zu schenken war nicht schwer, ich hatte immer gespürt, dass Angela anders war… und damit ging auch Ben einher, da er schließlich hatte aussteigen wollen. Innerlich schrie es immer noch in mir und egal wer mir heute quer kam, wahrscheinlich würde ich ausrasten. Wieso auch nicht? Ich hatte lange genug die Füße still gehalten und still vor mich hingelitten. Jetzt würde ich zurückschlagen! ‚Achtung, hier kommt Superbella und macht euch fertig‘ dachte ich sarakstisch.
So verging Stunde um Stunde am Vormittag. Nur Angela und Ben trauten sich in meine Nähe, blieben aber still, da sie mir wohl ansahen, dass ich noch immer vor Wut kochte. Von meinem üblichen ‚Gefolge‘ war nichts zu sehen. Kein Mike, keine Jessica, erst recht kein Tylor oder eine Lauren und auch kein Eric. Hingen sie etwa echt alle mit drin?
Als es endlich zur Mittagspasue klingelte, seufzte ich erleichtert auf. Ich wusste zwar noch nicht was ich mit der Stunde Freizeit anstellen wollte, aber essen wollte ich ganz sicher nicht. Die Wut füllte meinen Magen und der Appetit war mir definitiv vergangen. Einen Tag ohne Essen sollte ich doch sicher aushalten. Ich raunte Angela ein kurzes ‚Wir sehen uns später‘ ins Ohr und verließ sie auf dem Weg zur Mensa. Ein schlechtes Gewissen hatte ich deswegen nicht, sie würde Ben an ihrer Seite haben. Mir war nach nichts anderem zumute als allein zu sein. Meine Schritte führten mich zum Waldrand, direkt neben der Schule und ich ließ mich am Rande der Lichtung davor sinken und lehnte mich an einen Baumstamm. Wollte ich weiter nachdenken? Kopfschüttelnd zog ich meinen Ipod aus dem Rucksack und schaltete ihn ein. Musik, Ablenkung, etwas um meine Gedanken zu kanalisieren. Kurz darauf hatte ich gefunden was ich gesucht hatte – Breathe von Anna Nalick –  und ließ die Musik mich mitreißen. (AN: Der Link zu dem Lied: http://www.youtube.com/watch?v=CP5mFTq6vv0 ) Meine Augen schlossen sich von ganz alleine, verschlossen sich vor diesem Irrenhaus das sich Stadt nannte und dabei war mein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen. Wie hatte das passieren können? In Phoenix war ich immer unaufällig gewesen und hier… hier stand ich im Mittelpunkt. Genau dort wo ich eigentlich nie hatte sein wollen, denn es machte mich nervös von allen beachtet zu werden.
Ich zuckte zusammen, als ich Schritte nahe bei mir hörte. Hastig öffnete ich die Augen und sah an der Gestalt hoch, die vor mir stand. Alice. So sehr ich mich freute sie zu sehen, dass sie gleich anfing auf mich einzureden als wäre nichts gewesen – nun ja ihre Worte handelten genau davon, doch davon mal abgesehen – machte mich rasend.
„Oh Bella, ich hab dich gesucht. Du weißt ja nicht wie froh ich bin, dass-“ Ich funkelte sie an und als sie meinem Blick begegnete, verstummte sie abrupt. Ihr Mund stand vor Staunen weit offen und ihre Sprachlosigkeit gab mir die Gelegenheit zu tun was ich gerade für das Beste hielt: Abstand.
„Verschwinde. Geh, Alice. Ich kann das jetzt nicht. Du hast mich enttäuscht.“ Es war die Wahrheit. Ich bereute es schon in dem Augenblick als es rausgekommen war, denn ich sah wie Alice Augen sich vor Schmerz verdunkelten, doch es war die Wahrheit und ich würde nicht den gleichen Fehler machen wie sie und unehrlich sein. Als sie mit hängendem Kopf davonging, war ich kurz davor mich sofort bei ihr zu entschuldigen, aber ich ließ es bleiben, erinnerte mich an meine Wut und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich war sauer, noch immer zitterte ich vor unterdrückter Wut wenn ich an den ganzen Zirkus dachte. Phoenix und das Angebot meiner Mutter ich könne zurückkommen wann ich wollte, wurden immer attraktiver. Die Sonne und die Wärme fehlten mir. Das war mir nicht aufgefallen, als ich die Freundschaft und die Harmonie der Familie Cullen genießen durfte, doch in den letzten Wochen war es mir immer mehr aufgefallen. Forks kam mir seitdem um einiges dunkler vor, kälter und abweisender denn je. Es war regelrecht unheimlich, was ein paar Menschen mit einem Ort anstellen konnten. Mit einem Leben.
Seufzend schloss ich die Augen wieder, ließ die neue Melodie in meinen Ohren dröhnen und wartete ab. Musik half mir immer mich zu entspannen und dieses Lied war unbeschreiblich passend für den Moment: Wild Horses von Natasha Bedingfield. (AN: Hier ein weiterer Link, für die Interessierten unter euch 😉 http://www.youtube.com/watch?v=OWIVi_Oa4as und es lohnt sich auch auf den Text zu hören!) Ein Lied ging in das Nächste über und ich ließ mich treiben mit den Melodien. Der Baum in meinem Rücken gab mir Sicherheit und Stabilität, vermittelte mir das Gefühl von Stärke. Ich hoffte, dass ich selbst genau diese Stärke hatte. Ich würde sie brauchen um mit dieser Situation fertig zu werden.
Wieso hielten mich alle zum Narren? Wieso hatte mir keiner die Wahrheit anvertraut? Offensichtlich waren Mike und Tylor einfach total bescheuert und ich sollte meine Zeit nicht weiter mit ihnen verschwenden, aber dass mir Alice und Jasper nicht gesagt hatten was hier hinter meinem Rücken abging, enttäuschte mich. Es enttäuschte mich sehr.
Ich nahm wahr, wie sich jemand neben mich setzte, schweigend, und hielt die Augen geschlossen. Es war bestimmt Angela, die so mitfühlend nach dem Essen – das erstaunlich kurz ausgefallen sein musste wenn sie schon wieder hier war – sich erbarmte, um mir Gesellschaft zu leisten. Wahrscheinlich war Angela meine einzige Freundin hier in Forks, zumindest bis ich mich dazu durchringen konnte mit Alice, Rose und den Anderen zu reden. Mein Leben war doch echt ein Scherbenhaufen. Wie gut dass ich mir angewöhnt hatte meiner Mum nur noch E-Mails zu schreiben, da konnte sie meinen Tonfall immerhin nicht analysieren. Und somit konnte ich wenigstens ihr vorspielen, dass alles okay war.
Bei dem Gedanken daran fingen meine Hände an zu zittern und ich atmete unsicher ein. Eine warme Hand legte sich auf meine und ich zuckte zusammen, als hätte ich einen Stromschlag bekommen. Angela würde so etwas sicher nicht machen, sie würde mir gleich den Arm um die Schultern legen… wer also saß neben mir? Ich versteifte mich, behielt die Augen aber noch geschlossen, weil ich nicht wusste ob ich wirklich sehen wollte, wer neben mir saß. Die warme Hand lag sanft auf meiner, rührte sich nicht und fühlte sich einfach nur weich und tröstend an. Augenblicklich zitterte ich noch mehr.
„Bella.“ Hauchte mir eine leise Stimme entgegen und ich konnte sie über dem dezenten Klavierstück, das ich hörte, sehr gut ausmachen. (AN: Ja ich weiß, viel Musik in diesem Kapitel, aber ich hab die beim Schreiben echt gebraucht… Hier der Link: http://www.youtube.com/watch?v=DONnfScqqY0&NR=1 ) Ich schlug die Augen auf und wich vor Edward zurück, der dicht neben mir saß und seine Hand auf meiner hatte. Er zog seine Hand zurück und senkte den Kopf.
„Entschuldige. Ich wollte dich nicht erschrecken.“ Sagte er leise und seine Stimme klang so melodisch, so weich. Was wollte er überhaupt hier? Er, mit dem ich mich noch am wenigsten verstand von den Cullens?

 
 
 
 
 
 
 

-*- Kapitel 19: Geschwänzte Stunden -*-

Es verging eine kleine Ewigkeit, in der ich ihn stumm anstarrte und er den Kopf gesenkt hielt. Er hatte keinerlei Anstalten gemacht zu verschwinden, womit ich ehrlich gesagt gerechnet hatte. Was wollte er hier?
„Heute ist so ein merkwürdiger Tag.“ Murmelte ich vor mich hin und erhielt Edwards Aufmerksamkeit. Perplex sah er mich an, sein Blick durchdringend und fragend. Nun war ich es, die dem Blick auswich und auf das grüne Gras unter meiner Hand sah. Diese Situation war aber doch definitiv mehr als merkwürdig!
„Du bist sauer.“ Stellte er fest. Seine Stimme klang rauh, doch sie verlor niemals das Melodische, was mich mehr als faszinierte. Ich hatte niemals jemanden mit einer so musikalischen Stimme gehört. Doch als seine Worte zu mir durchdrangen, kam auch die Wut zurück. Nicht auf ihn, aber auf Mike, Tylor, Alice und Jasper.
„Na als ob sich irgendjemand wundern sollte, dass ich sauer bin.“ Wetterte ich los. „Bei dem ganzen Mist der hier abgelaufen ist.“ Sein Gesicht verzog sich, er sah schuldbewusst aus. In meinem Kopf ging noch immer alles drunter und drüber, ich wusste nicht wie es hier weitergehen sollte. Edwards Hand zuckte wieder, so als wolle er sie wieder auf meine legen, doch er tat es nicht. Mir fiel auf, dass ich immernoch meine Ohrstöpsel im Ohr hatte und zog sie vorsichtig und langsam heraus, das war so viel höflicher und ich wusste nicht was ich ihm vorzuwerfen hatte.
Zwischen uns breitete sich dieses unangenehme Schweigen aus, gepaart mit der Verlegenheit, die man gegenüber jemandem hatte, dem man nicht in die Augen sehen wollte. Meine Finger wickelten sich nervös um das Kabel meines Ipods, drehten und wendeten es. Irgendwann würde ich dieses Wunderwerk der Technik noch einmal kaputtmachen. So wie meine Mum Renee es mit allen möglichen technischen Geräten schaffte. Eine Gemeinsamkeit. Ich seufzte.
„Ich… es tut mir Leid, dass du in dieses ganze Theater reingeraten bist.“ Brachte er atemlos hervor und in seiner Stimme klang so viel Verzweiflung mit, dass mich eine Welle des Mitleids überkam und ich aufsah.
„Du musst dich nicht entschuldigen. Du bist doch das Opfer in dem Ganzen!“ Ich redete mich wieder in Rage. „Ich verstehe eh nicht wie beschränkt die alle sein können, um dir die Schuld daran zu geben, dass dieses Mädchen sich in dich verliebt hat. Und selbst wenn! Sich dann so bescheuert aufzuführen und euch alle zu hassen, für so etwas. Das ist lächerlich!“ Jetzt verstummte ich verlegen, denn sein Gesicht hatte immer gequälter ausgesehen und da fiel mir wieder ein, dass ich all das gar nicht wissen sollte. Die Luft zog ich laut ein und presste die Lippen fest aufeinander. Ich spürte die Anspannung zwischen uns, das Schweigen war schon wieder so unangenehm, dass ich am liebsten laut geschrien hätte, nur damit es nicht mehr so still war. Der Drang aufzustehen und wegzurennen wurde immer größer, aber ich wollte nicht wegrennen. Ich wollte nicht mehr Stillschweigen bewahren, wollte nicht mehr die liebe, stille Bella sein. Ich wollte kämpfen, wollte aufstehen und alle sehen lassen, dass sie mich nicht herumschubsen konnten.
„Bella.“ Begann er leise und ich presste die Lippen noch fester aufeinander. „Jasper hat mir schon gesagt, dass sie dir davon erzählt haben. Du musst dich deswegen nicht schämen.“ Er brachte sogar ein schiefes Lächeln zustande, bemerkte ich als ich kurz überrascht hochsah. Es wirkte ein wenig verloren und schwach, doch der Versuch war schon erstaunlich genug für Edward. Meine Verwirrung wuchs ins Unermessliche.
Ich hörte sein lautes Seufzen und aus dem Augenwinkel sah ich wie er den Blick schweifen ließ, versuchte sich zu beruhigen. Mir ging es vermutlich genauso wie ihm und deswegen schwieg ich erst einmal. Minuten vergingen und die einzigen Geräusche kamen von den Vögeln in den Bäumen, dem Rascheln der Blätter im Wind und unseren leisen Atemzügen. Die Stille drückte mir aufs Gemüt und ich beschloss etwas dagegen zu tun.
„Wieso bist du hier?“ Sein Kopf schnellte hoch, aus zusammengekniffenen Augen musterte er mich und zog die Stirn kraus. Unbeweglich starrte ich ihm in die Augen.
„Ich dachte das wäre klar.“ Murmelte er dann weich und senkte den Blick wieder. Wieso konnte er mir nicht in die Augen sehen? Ich schüttelte den Kopf.
„Alice kam schluchzend zu uns zurück. Sie warf sich in Jaspers Arme und… und weinte.“ Er klang traurig, scheinbar zerriss es ihm ebenso das Herz wenn sie litt – genau wie Alice das Herz brach wenn es ihm schlecht ging. Das schlechte Gewissen meldete sich wieder bei mir und ich seufzte. Natürlich hatte es mich auch nicht kaltgelassen, als ich sie weggeschickt hatte, aber was sollte ich denn machen? Ich war nun einmal sauer. Ich hatte nicht vor sie dann anzuschreien, also hatte ich ihr gesagt sie solle gehen. Was machte ich bloß?
„Und als sie mich ansah wurde sie wütend.“ Fügte er halb erstickt, noch leiser, hinzu. Nun riss ich die Augen auf. Gab es einen Grund wieso Alice auf Edward sauer sein sollte?
„W…Warum?“ Stammelte ich hervor und wartete atemlos auf eine Antwort.
„Weil es meine Schuld ist.“ Hilflos ließ er seine Hände auf seine Beine sinken und hielt sie zum ersten Mal seit ich die Augen geöffnet hatte vollkommen still. Mein Herz sagte mir, ich solle schweigen, sollte ihn kommen lassen und einfach warten was er sagen wollte. Er brauchte viel Zeit. Sehr viel Zeit. Die Schulglocke hatte geläutet, doch wir ignorierten sie und rührten uns nicht. Ich lauschte einfach in den anbrechenden Nachmittag hinein.
„Wenn ich mich nicht so verändert hätte, wenn ich für mich selbst hätte einstehen können dann wäre es nie so weit gekommen.“ Stieß er dann irgendwann hervor und ich lachte bitter.
„Was?“ Fragte er misstrauisch, sein Blick verriet, dass er dachte ich lache ihn aus.
„Naja, du siehst glaube ich eine Menge nicht ganz klar. Tut mir Leid, aber ich muss das so deutlich sagen.“ Ungläubig sah er mich an, noch immer misstrauisch. „Himmel, Edward, alles was mir deine Familie erzählt hat und das was ich mir über dich zusammenreime, zeigt deutlich dass du für dich einstehen kannst. Du hast nur Angst davor dich gegen Andere aufzulehnen.“ Woher ich aufeinmal diese Einschätzung hatte wusste ich nicht, aber es klang richtig in meinen Ohren.
„Du hast ja keine Ahnung.“ Brachte er hinter zusammengebissenen Zähnen hervor. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn herausfordernd an. Am Anfang hatte mich seine komplette, zurückhaltende Art verunsichert, aber das würde ich nicht weiter zulassen. Er benahm sich wie ein Kind, manchmal, und mit all seinen Stimmungsschwankungen konnte ja niemand mithalten. Also wirklich, irgendjemand musste ihm doch mal aufzeigen wie bescheuert das war.
„Wenn ich keine Ahnung habe, dann klär mich doch einfach auf.“ ‚Mutig, mutig, Bella‘ sprach ich mir selbst zu ‚Woher kommt das auf einmal?‘ „Oder bist du dazu auch wieder zu feige. So wie gestern bei euch zu Hause.“ Mit einem Mal war der gequälte Ausdruck in seinen Augen wieder da und ich schnappte leise nach Luft. Konnte es denn wirklich sein, dass ich ihm andauernd wehtat? Ich war kurz davor mich zu entschuldigen, doch dann erinnerte mich mein Kopf daran, dass ich trotzig bleiben wollte. Meine Arme verschränkten sich wie von selbst vor meiner Brust und ich sah ihn immernoch herausfordernd an. Für einige Sekunden sah er mich sprachlos an, dann senkte er seufzend den Kopf.
„Das… das ist nicht leicht für mich, Bella.“ Begann er leise und sah mich flehend an. Was war es denn was er von mir erwartete? Blinzelnd erwiderte ich schlicht seinen Blick und das schien ihm zu reichen. Er holte rasselnd Luft und raufte sich die Haare. Es vergingen ein paar Minuten bevor er wieder sprach, doch ich gab ihm ohne Bedenken alle Zeit, die er brauchte.
„Jasper sagte sie hätten dir alles erzählt, bis zu dem Punkt wo Samantha weggezogen ist.“ Er wartete ab. ‚Sie hieß also Samantha‘ dachte ich und fühlte auf einmal ein Ziehen in meiner Magengegend. Ich nickte schnell als mir auffiel, wie er mich abwartend ansah. Er holte wieder tief Luft und bohrte seinen Blick in den nahen Wald.
„Nur kurz nachdem sie umgezogen waren standen auf einmal ihre Eltern vor der Tür.“ Nun flüsterte er nur noch. Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft als er die Erinnerungen heraufbeschwor. „Sie schrien mich an, ihre Mutter ging sogar auf mich los. Sam hatte das Ganze auch sehr mitgenommen und sie… sie hat das gar nicht überwunden.“ Während ich noch versuchte herauszufinden was das genau bedeutete, fing er an die Fäuste zu ballen. Die Knöchel traten weiß hervor und ich legte eine Hand auf seine, was ihn aufblicken ließ. In seinen Augen schimmerten Tränen und Zorn. Dieser Zorn galt nicht mir, was der einzige Grund war, dass ich nicht zurückzuckte. Er sah mir in die Augen und verzog das Gesicht.
„Sie hat sich das Leben genommen.“ Damit hatte ich nicht gerechnet und keuchte erschrocken auf. Edwards Kopf senkte sich, ich sah wie er die Lippen zusammenpresste und spürte, wie er seine Hände fester zusammenzog. Ohne nachzudenken schlang ich meine Arme um seinen Hals. Ich wollte ihn trösten, ihm Halt geben und sagen, dass ihn keine Schuld traf, aber kein Wort kam über meine Lippen. Er zitterte. Langsam glitt sein Kopf auf meine Schulter, ich spürte seinen stoßweisen Atem an meinem Nacken und zog meine Arme nur fester um ihn.
Es dauerte wirklich lange bis er anfing sich zu beruhigen und aufhörte zu zittern. Sein Atem ging langsam ruhiger an meiner Schulter und mir fiel endlich auf, dass er seine Arme locker und sanft um mich geschlungen hatte. Er war sehr darauf bedacht, mich nicht zu erdrücken, wodurch seine Berührung mehr einem Lufthauch glich.
Mit geschlossenen Augen drückte ich ihn an mich und atmete bewusst ein und aus, sehr regelmäßig. Das war ja noch schlimmer als ich es mir ausgemalt hatte und mit einem Mal verstand ich die 180°-Wendung seiner Art – zumindest wenn man seinen Geschwistern glauben konnte. Er tat mir unheimlich Leid und eine Welle von Zuneigung überschwappte mich wie eine Flutwelle. Sie riss mich mit und zog mich aufs offene Meer hinaus.
„Wie schaffst du das, Bella?“ Hörte ich seine Stimme leise gegen meine Schulter flüstern.
„Ähm, was denn?“ Flüsterte ich zurück und runzelte, die Augen öffnend, die Stirn.
„So stark zu sein.“ Hauchte er zurück, krallte sich fester an mich und erwiderte nun den leichten Druck, den ich ihm anbot. Fieberhaft suchte ich nach einer Erklärung dafür, dass er mich stark finden konnte. Ich war keine starke Persönlichkeit, zumindest hatte ich es nie so empfunden. Doch dann fiel mir ein Zitat ein, eines dass ich immer gemocht hatte, auch wenn der Film ein wenig – nunja, seien wir ehrlich – lasch war.
„Das Leben ist einfach. Man trifft Entscheidungen und blickt nicht zurück.“ Gab ich es wieder und seufzte dann. (AN: Erkennt es irgendjemand?! *lach*) „Ich glaube, genau daran versuche ich festzuhalten. Entscheidungen treffen ist unheimlich schwer, aber sind sie einmal getroffen gibt es kein Zurück. So sollte es sein.“ Meine Worte hatten sehr bestimmt geklungen. „Denke ich.“ Setzte ich deswegen nach.

Aus Edwards Sicht:
Als mich Bella in ihre Arme zog, war ich mehr als überrascht. Ich hatte den ganzen Sommer nur an sie gedacht, mir so etwas wie das hier gewünscht, aber jetzt war es nicht so glücklich wie ich es mir erhofft hatte. Bella wusste nun alles über mich und sie hatte Mitleid. Aber war es das was ich wollte? Seufzend gestand ich mir ein, dass ich mich hilflos und verwirrt fühlte. Bella als Freundin zu gewinnen war ein unglaublich schönes Gefühl, aber ich hatte auch Angst. Angst, dass sie nur aus Mitleid in meiner Nähe war.
Sie würde mich doch für erbärmlich halten, weil ich so schwach war. Ich war kurz davor zu weinen und ich zitterte wie Espenlaub. Es war so peinlich! Bella jedoch war verständnisvoll, noch hatte sie nicht gelacht, sondern sie legte ihre Arme um mich und hielt mich fest. Für einen Moment überließ ich mich dem Glauben, dass sie mir wirklich eine Freundin sein wollte und legte den Kopf an ihre Schulter. Ich roch den leichten Duft nach Vanille, der sie umgab und fühlte mich leichter. Der Gedanke an Sam schmerzte, sehr sogar, doch hier war jemand. Jemand war bei mir und es war Bella. Sie ließ mich die Schuld leichter ertragen.
Mit der Zeit konnte ich wieder leichter atmen, es tat gut jemanden bei sich zu haben und denjenigen zu spüren. Als meine Lunge wieder voll funktionstüchtig war, versuchte ich den sanften Druck von Bellas Armen zu imitieren und sie festzuhalten. Ich hatte ausser meinen Schwestern und Esme nie eine Frau in meinen Armen gehalten und es fühlte sich merkwürdig vertraut an. Ob das immer so war?
Ich richtete meine Gedanken wieder voll auf Bella, die sehr ruhig atmete und mir einfach nur ein Gefühl von Beständigkeit vermittelte. Beeindruckend. Faszinierend. Unglaublich. Alles Wörter, die ich von jetzt an nur noch mit ihr in Verbindung bringen würde.
„Wie schaffst du das, Bella?“ Kam es dann bevor ich weiter nachdachte aus meinem Mund.
„Ähm, was denn?“ Flüsterte sie und ihre Stimme klang sanft, aber verwirrt.
„So stark zu sein.“ Wieder übernahm meine Zunge die Antwort bevor ich auch nur an diese hatte denken können. Ich hielt sie etwas fester, als mir klarwurde, was ich da gerade gesagt hatte. ‚Oh nicht schon wieder, du Idiot.‘
„Das Leben ist einfach. Man trifft Entscheidungen und blickt nicht zurück. Ich glaube, genau daran versuche ich festzuhalten. Entscheidungen treffen ist unheimlich schwer, aber sind sie einmal getroffen gibt es kein Zurück. So sollte es sein.“ Ich sog jedes ihrer Worte in mich auf und bewunderte sie dafür umso mehr. „Denke ich.“ Kam es dann leiser hinterher und ich lächelte leicht. Sie war also doch auch irgendwo unter dieser Oberfläche schüchtern!

Danach lösten wir uns voneinander, es klingelte wieder und die Schule war vorbei. Bella hob kurz den Blick, lächelte scheu zu mir und verschwand dann. Nachdenklich blickte ich ihr nach. Hoffentlich würde sie sich mit Alice und den Anderen wieder vertragen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ich meine Familie auseinandergerissen hatte und blieb wo ich war. Die Tränen wollten nicht mehr kommen, nicht so wie früher, sie waren versiegt. Verschlossen hinter einer Tür in meinem Kopf. Ich seufzte. Ob es ausreichen würde? 

 

 
 
 

-*- Kapitel 20: Ein einsamer Samstag und ein neuer Freund? -*-

Heute war wirklich ein Tag ohne Essen und mein Magen nahm es mir übel, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen hatte: er knurrte böse. Seufzend stand ich von meinem Bett wieder auf, es war schon spät, aber Charlie mal wieder nicht da. Ich stieg die Stufen runter, ging in die Küche und suchte mir einige Dinge aus dem Kühlschrank raus. Ich aß schnell ein paar belegte Brote, (Ich nehme mal an dass es niemanden interessiert was auf meinen belegten Broten drauf war…) dann ließ ich mich wieder in meinem Zimmer ins Bett fallen und kuschelte mich ein.
Das Gespräch mit Edward spukte mir im Kopf rum. Ich sah wieder sein gequältes Gesicht, die funkelnden Augen, die feucht schimmerten als er von Samantha erzählt hatte. Sie hatte ihm sicher viel bedeutet. Seufzend warf ich mich im Bett herum, die Müdigkeit wollte sich nicht einstellen und ich nicht mehr nachdenken. ‚Komm schon, Schlaf, lass mich nicht im Stich!‘ bettelte ich gedanklich und drehte mich wieder zur Seite. Ich atmete tief ein und vermisste einen Geruch an meinem Kissen. Es roch einfach nach nichts, hatte es das schon immer? Mit einem Lächeln dachte ich an einen Abend vor den Ferien zurück, als ich das erste Mal bei den Cullens übernachtet hatte. Da hatte ich mich gut gefühlt, eingekuschelt in die weichen Laken eines Bettes, das nicht für mich bestimmt gewesen war: Edwards Bett. Es war unheimlich groß gewesen, unheimlich weich trotz der mittelharten Matratze und dieser Geruch! Himmlisch. ‚Oh verdammt, Bella‘ dachte ich erschrocken ‚Hast du das gerade wirklich gedacht? Edward und himmlisch in einem Satz? Oje oje…‘ Stirnrunzelnd setzte ich mich wieder auf. Automatisch ging eine Hand an meine Haare, ich durchwühlte sie und sah zum Fenster. Die hoffnungslose Romantikerin in mir hatte immer davon geträumt, dass eines Tages ein geheimnisvoller, wundervoller Verehrer durch mein Zimmerfenster geklettert kam, so wie in Romeo und Julia. Was wenn es Edward wäre…? Panisch schlug ich mir eine Hand vor den Mund. ‚Schlag dir so einen Mist ganz schnell wieder aus dem Kopf, Bella.‘ Kopfschüttelnd legte ich mich zurück in die Kissen. Endlich übermannte mich der Schlaf und bescherte mir einen wunderschönen Traum – an den ich mich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern sollte.

Es war Samstag, einer jener schrecklichen Tage seit ich die Cullens nicht mehr hatte. Ich würde mich sicher wieder stundenlang langweilen, dachte ich beim Frühstück. Was hatte ich vorher immer getan am Wochenende? ‚Lesen‘ gab mir mein Gehirn sofort zur Antwort. Vielleicht war das gar keine so schlechte Idee. Mit einem kurzen Blick aus dem Fenster vergewisserte ich mich, dass heute ein recht schöner Tag war. Es war zwar grau, sah aber nicht nach Regen aus und es war warm. Perfekter Spätsommertag für Forks.
Blitzschnell hatte ich eine Entscheidung getroffen, raste hoch in mein Zimmer und zog mich an. Dann griff ich zu meinen zwei absoluten Lieblingsbüchern: „Sturmhöhe“ und „Stolz und Vorurteil“. Dazu stopfte ich noch ein paar Äpfel, Kekse und die fertigen Sandwiches in meine Tasche und rauschte raus. Mit dem Transporter fuhr ich nach La Push, dort an einem abgelegeneren Teil des Strandes könnte ich in Ruhe den ganzen Tag lesen. Ich dachte wieder an Charlies Worte, er hatte immer von La Push geredet und davon dass ich die Freunde der Familie mal besuchen gehen sollte – aber wie, wenn man sich an diese Freunde der Familie nicht mal mehr wirklich erinnern konnte? Charlie machte sich das alles immer sehr einfach. Er vergaß auch gerne, dass ich viele Jahre nicht hier gewesen war.
Der Weg nach La Push war nicht weit, es dauerte nur 15 Minuten dann passierte ich das Ortsschild, ein paar Minuten später war ich unten am Strand. Tief atmete ich ein und sah über die heranrollenden Wellen hinweg. Der Horizont war klar zu sehen, aber nicht sonderlich spannend, aber was hatte ich denn erwartet? (AN: Ihr heutiges Outfit, ich dachte das müsste ich auch mal wieder bringen 😉 http://www.polyvore.com/kapitel_20/set?id=10903174 )
Ich breitete meine Decke auf dem Sand aus und legte mich gemütlich hin. Die Entscheidung, welches der beiden Bücher ich lesen sollte, fiel kurz aus: Stolz und Vorurteil, da ich Sturmhöhe erst vor ein paar Wochen wieder durchgelesen hatte. Nicht dass mich das jemals gestört hätte, aber heute war ich genau richtig eingestellt für Mr Darcy. Lächelnd versank ich in der Welt der Familie Bennet. Ich bemerkte nicht wie die Wolken am Himmel vorüberzogen, wie die Wellen sich am Strand brachen und langsam ausrollten, merkte nichts von den spielenden Kindern, die in einiger Entfernung Sandburgen bauten. Wenn ich las versank ich in einer komplett anderen Welt und vergaß das Essen und das Trinken, ich würde wahrscheinlich sogar das Atmen vergessen wenn es keine lebenswichtige Funktion wäre. Zwischendurch kam die Sonne etwas raus und wärmte meine Kleidung, doch ich las einfach nur immer weiter.
„Wer meinen Respekt verliert, hat ihn auf ewig verloren.“ Zitierte auf einmal eine raue Stimme hinter mir und ließ mich aufblicken. Doch noch bevor ich mit meinem Blick sein Gesicht erreicht hatte, sprach er wieder: „Gütiger Himmel, das weibliche Geschlecht!“ Ich musste unwillkürlich schmunzeln, dass mein Gegenüber tatsächlich aus Stolz und Vorurteil zitieren konnte. Endlich erkannte ich das flache, gebräunte Gesicht, mit den dunklen Augen und dem breiten Grinsen. Lange schwarze Haare fielen neben seinem Gesicht herab. Er war unverkennbar einer der Quileute, ein sehr großer noch dazu! Ich erwiderte sein Lächeln und fing nun meinerseits an zu zitieren, nicht ohne das Buch vorher zuzuschlagen.
„Männer sind entweder von Dummheit zerfressen oder von Arroganz. Und ist einer liebenswert, lässt er sich so leicht lenken, als hätte er keinen eigenen Verstand.“ Mein Lächeln verzog sich zu einem breiten Grinsen, als der Junge vor mir anfing zu lachen. Ich stimmte mit ein und wir lachten herzhaft. Nach kurzer Zeit ließ er sich neben mir nieder, hatte sich wieder beruhigt und musterte mich kurz neugierig. Ungerührt erwiderte ich seinen Blick und musterte ihn ebenfalls ein wenig länger. Auf einmal hielt er mir die Hand hin.
„Ich bin Jacob. Nenn mich ruhig Jake.“ Sagte er und lächelte wieder. „Und du bist Isabella, oder?“ Mir gefiel der warme Ton in seiner Stimme als er meinen Namen aussprach. Doch woher kannte er meinen Namen? War ich mittlerweile schon so bekannt hier in der Gegend? Denn eines war sicher: Auf meine Schule ging er nicht.
„Ähm ja, Bella.“ Verbesserte ich ihn aber doch automatisch und runzelte die Stirn. Er lachte.
„Jacob, Jacob Black. Unsere Väter sind Angelfreunde, weißt du?“ Endlich ging mir ein Licht auf. Ach ja, die Blacks. Charlie hatte doch verlangt, dass ich ihn bald mal begleiten sollte wenn er wieder seine Freunde besuchte. Und er hatte mir auch von Billys Sohn erzählt, der nur ein wenig jünger war als ich.
„Hm ja, ich weiß schon. Haben wir nicht auch früher mal im Sandkasten zusammen gespielt?“ Versuchte ich mich zu erinnern und Jake lachte.
„Du meinst, du hast mich mit der Schaufel verprügelt und wolltest mir Sandkuchen runterzwingen.“ Einen Moment lang sah ich ihn erschrocken an, dann fiel ich in sein Gelächter mit ein.
Es war wirklich einfach sich mit Jacob zu unterhalten musste ich feststellen, denn als ich auf die Uhr schaute bemerkte ich wie spät es schon wurde.
„Oh verdammt.“ Rief ich aus und Jake sah mich fragend an. Ich wurde rot, na toll!
„Oh ähm Charlie wartet sicher schon zu Hause und fragt sich wo ich bin…“ Murmelte ich kleinlaut und entschuldigend. Ich wollte nach meinen Sachen greifen um sie hastig zusammenzuräumen, da ergriff Jake mein Handgelenk.
„Wenn du willst, komm mit zu uns. Du kannst von da aus anrufen und wir laden Charlie und dich zum Essen ein.“ Sein Angebot war wirklich lieb und sein Lächeln echt. Ich ertappte mich dabei, wie ich über dieses Angebot länger nachdachte als ich wollte. Es war lieb, er war nett und Charlie würde sich sicher freuen, wieso also nein sagen? Ich nickte und wir packten meine Sachen zusammen und da fuhr ich mit Jacobs Wegbeschreibung zu seinem Haus.
Wie nicht anders zu erwarten, war Charlie erleichtert von mir zu hören und als ich ihm sagte wo ich war hörte ich sein zufriedenes Brummen. Er kam ohne ein weiteres Nachfragen zu Billy gefahren und wir aßen gemeinsam zu Abend. Billy – Jacobs Vater – hatte ein tolles Fischgericht gezaubert, zu dem ich mir gleich das Rezept geben ließ, was Charlie und Jake mit einem Kichern bedachten.
„Was?“ Fragte ich sie leicht angesäuert und sie grinsten süffisant.
„Nichts, mein Schatz, nichts. Es ist nur so, dass Billy eigentlich eh nichts anderes kochen kann als das.“ Lachte dann Charlie und erntete dafür einen tödlichen Blick von Billy. Jake lachte aber nur und nickte. Nach diesem Kommentar fing auch ich an zu lachen und stellte erstaunt fest, dass ich schon lange nicht mehr so befreit gelacht hatte. Das letzte Mal musste wohl bei den Cullens zu Hause gewesen sein. Kurz zuckte ich für mich mit den Schultern und gab mich dem leichten Gespräch hin, dass die Anderen führten.

Als es langsam spät wurde, beschlossen Charlie und ich uns aufzumachen. Da wir jeweils unser Auto dabeihatten, fuhren wir hintereinander her – äußerst langsam, denn Charlie musste ja auf seinen Ruf achten. ‚Ganz ruhig, Bella. Schließlich fährt dein Transporter auch nicht wirklich schneller.‘ Raunte ich mir selbst zu.
„Bella, Schatz, gehst du ins Bett?“ Fragte Charlie als wir zur Tür herein waren. Ich nickte.
„Es ist schon spät, Dad.“ Innerlich seufzte ich, ich nannte ihn so ungern Dad! Er lächelte.
„Weißt du, ich bin froh, dass du dich mit Jake verstehst. Vielleicht können wir öfter mal nach La Push? Billy und Jake würden sich sicher freuen.“
„Mhm.“ Mehr wollte ich dazu jetzt nicht sagen, denn ich wusste genau, dass sich nicht nur die Beiden freuen würden. Charlie sah aus als würde er sich nichts sehnlicher wünschen.
„Gute Nacht, Dad.“ Sagte ich und stieg die Treppen hoch. Auch heute Abend dachte ich noch lange nach, diesmal allerdings über Jacob. Ich mochte ihn, er war wirklich nett und sein Lachen sehr ansteckend. Gute Laune schien sein Dauerzustand zu sein, was ich als äußerst sympathisch empfand… in der Hinsicht erinnerte er mich an Alice. Oh, falscher Gedanke. Alice und ich waren ja immernoch zerstritten. Vielleicht sollte ich doch endlich mal morgen bei den Cullens anrufen oder vorbeischauen und mit ihr reden? Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

 
 

-*- Kapitel 21 – Oh Zeit geh doch endlich rum! -*-

Sonntag hieß endlich mal wieder lang ausschlafen und nicht darüber nachdenken wie lange ich im Bett blieb. Zumindest in der Theorie. Natürlich ist die Praxis davon immer meilenweit entfernt, leider.
Charlie klopfte früh an meine Tür und es war mir unmöglich dieses laute Pochen zu ignorieren. Ich versuchte es, aber ohne großen Erfolg, denn Charlie klopfte einfach seelenruhig weiter an meine Zimmertür.
„Wasn los?“ Murmelte ich verschlafen und schlurfte an meine Tür. Charlie stand davor und kratzte sich verlegen am Kopf.
Ich hätte lachen können – aber nur wenn ich nicht noch so müde gewesen wäre.
„Oh, ähm ich hab dich aufgeweckt, entschuldige. Ich dachte du wärest wie üblich früh wach.“
Würde er nicht so hilflos und schuldbewusst zugleich aussehen, wäre ich vielleicht sauer gewesen. So aber seufzte ich nur und sah ihn fragend an.
„Ich fahre nach Mason. Die haben schon wieder so ein Virenproblem, ich denke die sollten sich mal einen besseren Arzt beschaffen..“
‚Schon wieder allein‘ durchfuhr es mich und unwillkürlich überkam mich die Einsamkeit, obwohl Charlie noch da war. Ich versuchte es zu verbergen, aber manchmal schien Charlie doch aufmerksamer als ich es ihm zutrauen wollte.
„Wenn du nicht allein sein willst, dann kannst du nach La Push fahren. Jake und Billy würden sich sicher freuen, Bella.“ Seine tiefe Stimme dröhnte weich und ich nickte nur. Klar könnte ich das.
Aber war es das was ich wollte? Gut, ich mochte Jake, aber ich sehnte mich nach Jaspers Umarmung und Alice schriller Stimme. Kurzum: Ich vermisste die Cullens. Interessanterweise waren die Cullens für mich mittlerweile tatsächlich wieder sieben Menschen und nicht wie vorher nur sechs. Edward hatte sich mit dem Gespräch am Freitag in der Schule in den Kreis meiner Zweitfamilie eingeschoben, ohne wirklich etwas zu machen.
Halt, doch, er hatte ja etwas gemacht, etwas sehr Gewichtiges sogar:
Er hatte mir vertraut. Bei dem Gedanken daran wurde mir ganz heiß, was mich mehr als nur ein wenig verwirrte.
„Bella? Ist alles okay? Soll ich dableiben, bist du krank?“ Der tiefe Bass von Charlies Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Schnell schüttelte ich den Kopf.
„Mir geht’s gut, ich bin nur noch etwas verschlafen.“ Beeilte ich mich zu sagen. Kurz wurde ich noch skeptisch gemustert, dann nickte Charlie und verabschiedete sich.
„Ich bin spätestens morgen wieder zu Hause. Du hast ja die Telefonnummer wenn was ist.“ Dann war er weg. Gerne hätte ich mich nochmal ins Bett gelegt und weitergeschlafen, aber ich wusste es war ein Ding der Unmöglichkeit noch einmal einzuschlafen.
Seufzend griff ich mir ein paar frische Klamotten und schlurfte unter die Dusche, dann wäre ich wenigstens wach. Der warme Wasserstrahl glitt über meinen Körper, meine Haare und ich verlor mich in der Entspannung, die das mit sich brachte.
Nach dem Duschen setzte ich mich zum Frühstücken an den Küchentisch und sah aus dem Fenster: Grau. Seufzend machte ich mir eine Portion Cornflakes und bedauerte, dass es heute wieder ein typisches Forks-Wetter war. Musste das denn sein? Dieses ewige grau und der Nieselregen? Kopfschüttelnd aß ich weiter und überlegte, was ich heute tun könnte.
Unwillkürlich kehrten meine Gedanken zurück zu den Cullens, zu dem großen hellen Haus und den wunderbaren Menschen, die mir so viel bedeuteten. Vielleicht sollte ich heute endlich hinfahren und mich wieder aussöhnen? Sie hatten mich doch nur vor dem ganzen Mist schützen wollen, den die Vollidioten Mike und Tyler angezettelt hatten.
Aber mich störte immer noch der Gedanke, dass sie einfach nicht ehrlich zu mir gewesen waren. Was war das denn für eine Freundschaft, wenn sie alle über meinen Kopf hinweg entschieden was besser für mich war?! Langsam bekam ich Kopfschmerzen von meinen Gedankenkreisen und legte die Stirn an die kalte Tischplatte. Ein zittriger Seufzer entfuhr mir.
„Beschäftige dich, Bella, bis du dir sicher bist was du tun möchtest.“ Murmelte ich mir selbst zu und beschloss Wäsche zu waschen. Längst überfällig!
Ich sammelte meine dreckigen Klamotten zusammen, lief in die Waschküche und sortierte erst einmal nach Farben. Nicht nur meine Sachen, sondern auch Charlies, die im Wäschekorb lagen. Nach zehn Minuten war ich mit sortieren fertig und schaltete die Maschine ein. Laut brummend setzte sie sich in Bewegung und ich hatte wieder nichts zu tun.
Nervös trommelte ich auf der Maschine rum, bis mir meine Hausaufgaben einfielen. Für Englisch musste ich doch schon wieder einen Aufsatz schreiben, einen kurzen, aber der würde mich sicher auch mindestens anderthalb Stunden beschäftigen – Gekauft!
Ich schlurfte die Treppen hoch und setzte mich hinter meinen Schreibtisch. Die zerfledderte Ausgabe von Bram Stokers „Dracula“ lag auf meinem Tisch und ich seufzte. Es war ein gutes Buch, nicht umsonst ein Klassiker geworden, aber irgendwie fand ich Vampirgeschichten nicht besonders anregend. (AN: Bringt mich nicht um… irgendwie fand ich diese Schnapsidee lustig!)
Der PC war schnell hochgefahren und ich legte verbissen los, damit ich diesen Aufsatz so schnell es ging hinter mir hatte. Erst vergingen nur Minuten, in denen das Tippen meiner Finger auf der Tastatur das Einzige waren, das in dem Zimmer zu hören war. Minuten zogen sich zu Stunden und als ich nach etwa zwei Stunden die Waschmaschine verstummen hörte, unterbrach ich meine Arbeit und holte die nassen Sachen aus der Maschine. Gewissenhaft hängte ich alles über die Leine in der Waschküche und setzte mich dann wieder an den Computer.
Monotones Weitertippen, aber mein Aufsatz gefiel mir, ich fand er wurde ziemlich gut.
Als ich den Schlusspunkt setzte, den Letzten, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Der Aufsatz musste zwar erst am Donnerstag abgegeben werden, aber wenn ich ihn schon jetzt fertig hatte, bedeutete das weniger Arbeit unter der Woche.
Vielleicht würde ich es ja mal wieder ins Kino schaffen oder DVD schauen… mist, das hatte ich immer mit den Cullens getan. Ah schon wieder waren sie in meinen Gedanken.
Ich sah Jaspers Lächeln vor mir und hörte fast schon das Quietschen von Alice, ich vermisste sie alle. Emmetts dröhnendes Lachen, Rosalies liebevolle Gesten und vor allem Esmes Essen. Esme war so bezaubernd und in ihrer Nähe vermisste ich meine Mutter nicht so sehr dass es schmerzte.
Ich warf einen Blick auf die Uhr und nickte plötzlich, wie um mir selbst meine Idee zu bestätigen. Schnell griff ich mir einen Pullover, rannte die Treppen runter und sprang in meinen Transporter. Die Zeit würde mir nicht helfen anders darüber zu denken, sie würde mir nicht helfen ruhiger zu werden und weniger Wut zu empfinden, also warum weiter warten? Lieber redete ich jetzt gleich mit ihnen, stritt mich und vertrug mich dann so richtig wieder mit ihnen.
Denn wenn die Freundschaft so stark war wie ich sie empfand, dann würden wir das überstehen. Und ich hoffte so sehr, dass wir das überstehen würden.
Mein Transporter ächzte, denn ich trieb ihn an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Ich fuhr so schnell es ging, denn je schneller ich den Streit hinter mich brachte, desto schneller würden wir uns wieder versöhnen – hoffentlich.
Die Straße zum Haus der Cullens kam in Sicht und nervös packte ich das Lenkrad fester, meine Knöchel traten weiß hervor. Ich bog ab und drosselte ein wenig die Geschwindigkeit, weil ich auf diesem kleinen, engen Waldweg nicht rasen wollte. Schließlich war ich keine Cullen!
Da, endlich kam das Haus in Sicht und automatisch entspannte ich mich etwas. Irgendwo dort drinnen waren all die Menschen, die mir so viel bedeuteten, wie eine zweite Familie für mich waren.
Mir entwich ein Seufzen und ich drehte den Zündschlüssel. Der Motor war aus. ‚Hab den Mut, Bella. Da drin wird dir niemand den Kopf abreißen…‘ sprach ich mir selbst so gut zu wie es mir nur möglich war.
Ich hatte es noch nicht aus dem Transporter geschafft, da riss jemand die Vordertür auf. Mehr als einen Streifen blond konnte ich nicht sehen bevor meine Fahrertür aufgerissen wurde und ich in eine stürmische Umarmung gezogen wurde.
„Oh Bella, du bist da. Du bist endlich da.“ Ich erkannte die leise Stimme von Jasper und erwiderte etwas perplex die Umarmung. Nicht dass er so etwas nicht vorher auch getan hatte, aber es war immer so vorsichtig und leicht gewesen.
Jetzt drückte er mich fest an sich, so fest, dass es fast schon wehtat.
„Ähm, ich freu mich ja auch dich zu sehen, Jasper.“ Ich musste schlucken, denn meine Wut kehrte schon wieder zurück, obwohl ich wirklich mehr als froh war ihn zu sehen. Und auch die Tatsache, dass er mich scheinbar vermisst hatte, tat meiner Seele gut.
„Bella. Bitte sag mir dass du uns verzeihst! Bitte. Alice ist todtraurig und ich kann sie so nicht sehen, ich dreh durch, bitte Bella.“ Er sah mich so bettelnd an, seine Augen zeigten die Verzweiflung die er fühlte, wenn er an Alice Zustand dachte. Es erschreckte mich, dass sie so sehr leiden sollte… es erschreckte mich, dass ich scheinbar nicht die Einzige war, die so existenziell an dieser Freundschaft hing.
Mehr als ein Nicken brachte ich nicht zustande, aber Jasper zog mich schon aus dem Transporter und schleifte mich glückselig strahlend hinter sich her ins Haus.
Mein Blick fiel sofort auf die Couch, wo ein kleines Häuflein Elend saß, umringt von den restlichen Geschwistern und bittere Tränen zu weinen schien. Mein Herz flog Alice augenblicklich zu.
Ich ließ Jaspers Hand los und rannte auf sie zu. Wäre dies ein kitschiger Hollywoodfilm wäre natürlich alles in Zeitlupe abgelaufen. Viel zu schnell war ich bei Alice angekommen und warf mich um ihren Hals. Kurz quietschte sie erschrocken auf, aber als sie mich erkannt hatte drückte sie so fest zu wie sie konnte.
„Oh Bella, Bella.“ Ihre Stimme klang heiser und ich fragte mich, wie lange sie wohl geweint hatte. Nun hatte ich die Möglichkeit die anderen Cullens anzusehen, die um Alice herumstanden, knieten oder saßen.
Rosalie lächelte mich scheu an, Emmett grinste breit und reckte den Daumen nach oben und Edward sah mich einfach nur an. Ganz lang sah er mir in die Augen, die voller Ernsthaftigkeit strahlten, dann stahl sich ein zögerliches Lächeln auf sein Gesicht. Eines das mir sagen sollte, dass er dankbar war.
Dankbar dafür dass ich zu seiner Familie zurückgekehrt war und nun keiner mehr wegen ihm leiden musste.
„Oh mein Gott, Bella. Du bist die Beste, es tut mir ja so Leid. Ich wollte das alles doch nicht und ich dachte doch nur… ach weißt du, das war alles so schrecklich und überhaupt… Ich habe jede Sekunde gehasst. Oh man ich will dich nie wieder verlieren, du bist meine beste…“
Weiter kam sie nicht, denn ich unterbrach Alice indem ich die Hand hob. Sie verstummte augenblicklich und sah mich ernst an. Ihre Sprechgeschwindigkeit hatte mich doch tatsächlich kurz verblüfft, deshalb hatte sie so viel sagen können bevor ich reagierte.
Ich spürte die Blicke aller Cullens auf mir, denn Esme und Carlisle waren bei dem ganzen Trubel nun auch ins Zimmer getreten. Es herrschte eine Totenstille, in der alle auf meine Worte warteten.
‚So still dass man eine Stecknadel fallen hören könnte‘ kam es mir in den Sinn und ich hätte zu gern mal versucht herauszufinden, ob daran was dran war. Doch diese Situation war dafür viel zu ernst. Mir lag das Ganze schwer im Magen und ich würde meiner Wut Luft machen müssen, um alles zu verdauen.
„Ich bin sauer. Immer noch.“ Fing ich an und Alice Mundwinkel zuckten verdächtig, so als würde sie gleich wieder anfangen zu weinen. „Aber… ich will nicht länger streiten. Ich finde nicht richtig, dass ihr für mich entschieden habt. Ich bin alt genug um in so einer Situation selbst zu entscheiden was ich davon halten soll und für welche ‚Seite‘ ich mich entscheiden möchte.“ Das Wort ‚Seite‘ betonte ich extra, denn ich fand es lächerlich, dass man sich so aufführen konnte.
Jasper nickte ernst, er verstand mich und das war genau das, was ich von ihm erwartet hatte. Er schien mir einfach der Verständnisvollste, zumindest unter den Kindern. Esme lächelte mich an und ließ sich von Carlisle in den Arm nehmen, der mir nur aufmunternd zunickte. Sie waren auch froh mich wiederzusehen! Bei dieser Erkenntnis traten mir doch glatt Tränen in die Augen.
„Ihr habt kein Recht für mich zu entscheiden und ich hoffe das habt ihr hieraus gelernt. Habt doch Vertrauen zu mir, ich hätte keinem von euch je meine Hilfe versagt.“ Bei diesen meinen Worten blickte ich Edward an und er senkte augenblicklich den Kopf, wich meinem Blick aus und ich fragte mich eine Zehntelsekunde warum, dann sprach ich weiter: „Ihr seid mir eine zweite Familie, die besten Freunde, die ich je hatte. Ich hätte keinen von euch im Stich gelassen und es tut weh, dass ihr mir nicht genügend vertraut habt.“
Jetzt schluchzte Alice laut auf und warf sich an meine Brust und stammelte tausend Entschuldigungen. Jasper streckte die Hand nach ihr aus und tätschelte ihren Kopf.
„Shhh, schon gut Alice. Wie gesagt, ich möchte nicht mehr streiten. Ich habe meine Meinung gesagt und ich hoffe, dass wir das jetzt alles vergessen können.“ Alice, Emmett und Jasper erdrückten mich fast bei der darauf folgenden Umarmung und ich hörte den Rest kichern.
„Hilfe.“ Brachte ich flüsternd heraus und sah hilflos zu Rosalie und Edward, die bei meinem Gesichtsausdruck doch glatt in schallendes Gelächter ausbrachen.
Carlisle und Esme standen Arm in Arm da und lächelten nachsichtig. Das war eine wundervolle Familie und ich war ein Teil davon! Mein Herz machte einen Satz und ich wusste: Um das hier würden mich Millionen Menschen beneiden, wenn sie denn davon wüssten.
„Nun lasst sie doch mal atmen.“ Hörte ich Rosalie nach einer Weile sagen und spürte wie sie an Emmett zog, damit mich wenigstens einer losließ. Er gab dem Zug nur zu bereitwillig nach und lag kurz darauf in Rosalies Armen.
Jasper und Alice ließen mich dann auch endlich los, wobei Alice mir noch einen schnellen Kuss auf die Wange drückte.
„Wie wäre es mit Mittagessen?“ Fragte Esme und lächelte in die Runde. „Es dürfte in ein paar Minuten fertig sein.“
„Was gibt’s?“ Erklang kaum war Esme fertig mit ihrem Satz die Frage von Emmett. Wir mussten alle lachen. Er war immer der Erste wenn es ums Essen ging.
„Schweinebraten mit Kartoffelgratin.“ Erwiderte Esme und zwinkerte mir zu. Ich schnappte kaum hörbar nach Luft und versuchte mir die Überraschung nicht anmerken zu lassen.
Mein Lieblingsessen.
‚Fast so als hätte Esme geahnt, dass ich heute herkommen würde.‘

 

 
 
 
 

-*- Kapitel 22: Etwas hat sich verändert, oder?! -*-

Esmes Essen war hervorragend, mehr als köstlich und ich wurde die ganze Zeit angegrinst. Scheinbar war ich wirklich nicht die Einzige, die diese Trennung voneinander schwer verkraftet hat. Ich war zufrieden, zufrieden damit meine Freunde wiederzuhaben. Emmett schnitt mir Grimassen, wann immer seine Eltern nicht zu ihm sahen. Es war schwer das Lachen zu unterdrücken, aber ich hatte nicht vor ihn zu verraten. Jaspers Blicke waren sanft und er lächelte immer wenn sich unsere Blicke kreuzten. Alice grinste die ganze Zeit so breit, dass ich befürchtete, sie würde nie wieder damit aufhören.
Beim Essen waren wir noch alle recht still, doch als wir uns danach zu sechst – das erste Mal, dass Edward sich in meiner Gegenwart nicht zurückzog, was auch alle anderen mit einem Stirnrunzeln wahrnahmen – in Alice und Jaspers Zimmer zurückzogen, brach es aus allen hervor. Emmett und Alice sprachen durcheinander und der Rest von uns lachte sich kaputt.
„Ich kann euch nicht Beiden gleichzeitig zuhören, ihr müsst euch schon enstcheiden, wer anfangen darf.“ Kicherte ich und sofort stritten sie wer zuerst dran war. Rosalie rückte näher zu Emmett und versuchte seine Hand zu ergreifen, damit er etwas ruhiger wurde. Sie hatte nicht halb so viel Erfolg wie Jasper, der seine Arme um Alice Taille schlang und sie damit zumindest dazu brachte leiser zu werden. Sie hörte zwar nicht auf zu reden, aber es war ein Anfang. Ich wandte den Blick von den Pärchen ab und begegnete grünen Augen. Edwards Blick ruhte auf mir, ernst und intensiv. Seine Augen hatten noch nie so gefunkelt wie jetzt und er erwiderte selten so offen einen Blick, schon gar nicht meinen. Plötzlich wurde mir zu heiß in dem Zimmer, ich keuchte kurz und leise auf, erhob mich und rannte fast zum Fenster. Ich riss es auf und als ich tief einatmete, schloss ich die Augen. ‚Bella Swan, was zur Hölle ist denn mit dir los?‘ fragte ich mich selbst und erschauderte. Was bitte brachte mich denn zu solchen Reaktionen? Es war doch nur Edward gewesen. Edward, der zurückhaltende und etwas verschlossene Bruder meiner besten Freunde. Der Edward, der auf einmal gar nicht mehr so zurückhaltend schien, denn er hatte gerade meinen Blick so offen und ernst gefangen gehalten, als wäre es eine äußerst wichtige Angelegenheit. Und es hatte sich so intim angefühlt, so als hätte er geradewegs in meine Seele geschaut und alles gesehen was ich war. Der Gedanke allein brachte meinen ganzen Körper zum Kochen und ich spürte wie die Hitze in meinen Kopf stieg und wahrscheinlich meine Wangen tomatenrot färbte. Ich lehnte mich gegen die Fensterbank um meinen Kopf aus dem Fenster halten zu können, damit der Wind mich abkühlen konnte.
„Bella?“ Hörte ich eine samtweiche Stimme hinter mir und sie war nicht halb so schön, wie die Stimme, die ich mir heimlich herbeigesehnt hatte. Jasper trat näher an mich heran.
„Ist alles okay? Geht’s dir nicht gut?“ Hörte ich ihn besorgt nachhaken. Ich brachte ein schwaches Nicken zustande, dann schüttelte ich den Kopf, war verwirrt von dem was ich gerade noch gefühlt hatte. Ich hoffte nur Jasper verstand mich.
„Du siehst ein bisschen blass aus. Komm setz dich am besten mal hin. Ich hol dir ein Glas Wasser.“ Er zog mich sanft vom Fenster weg und drückte mich auf das Sofa in der einen Ecke. Alice saß prompt neben mir und hielt meine Hand. Der Rest gruppierte sich vor das Sofa auf dem Boden und alle sahen mich misstrauisch an. ‚So fühlen sich also Tiere im Zoo‘ dachte ich, denn ich kam mir sehr beobachtet vor. Nur Edward senkte den Blick etwas fiel mir auf, also war ihm vielleicht aufgefallen, dass er mich verunsichert hatte. Mist. Was sollte er denn jetzt von mir denken? ‚Boah Bella, seit wann ist das denn bitte wichtig? Er soll doch denken was er will, wen interessierts!‘ Meine Gedanken wollten mich heute scheinbar wirklich noch umbringen, denn ich schwankte selten zwischen solchen Extremen.
Alice zarte Stimme sprach auf mich ein, murmelte mir beruhigende Worte zu, was mich dazu brachte mich wie ein einziger Idiot zu fühlen. Ich entzog ihr meine Hand und straffte die Schultern.
„Mir geht’s gut. Wirklich.“ Versicherte ich ihnen und war stolz, dass meine Stimme ganz ohne Zittern auskam, ohne irgendein Anzeichen sogar, dass mich etwas verunsicherte. Alice Hand drückte meine leicht und bevor jemand anderes noch etwas sagen konnte, war Jasper mit einem Glas Wasser zurück. Er reichte es mir.
„Bitte, trink das. Das würde mich beruhigen.“ Er schenkte mir ein strahlendes Lächeln und ich ergab mich mit einem Seufzen. Langsam nippte ich daran.
„Es ist wegen morgen, oder?“ Fragte Rosalie und sah mich eindringlich an. Meine Gedanken überschlugen sich. Morgen? Was war morgen? Was hatte ich vergessen?
„Die Schule.“ Half mir Alice auf die Sprünge, als ich fragend in die Runde blickte.
„Oh.“ Entfuhr es mir leise und ich schlug die Augen nieder, als Edward meinem Blick begegnete. Eine leichte Röte stieg mir wieder in die Wangen und ich schüttelte hastig den Kopf, dann hielt ich inne. Vielleicht sollte ich das als Alibi benutzen? Ich konnte ihnen ja nicht sagen, dass mich ein Blick von Edward so verunsichert hatte. Was würden die anderen dabei wohl denken? Und erst Edward!
„Vielleicht.“ Gab ich zögerlich zu und Alice lag um meinen Hals. Ich erwiderte ihre zarte Umarmung und nippte danach weiter an dem Glas Wasser. Jetzt wo ich darüber nachdachte, es würde morgen in der Schule sicher seltsam werden, aber eigentlich reichte es doch zur Normalität überzugehen. Oder etwa nicht? Die Normalität der Tage vor den Sommerferien. Ich konnte mit Angela und Ben noch immer zusammensitzen, die Beiden würden sicher nichts gegen die Cullens vorbringen. Alle anderen könnten mir gestohlen bleiben!
„Wenn die noch irgendwas zu sagen haben, kriegen die es mit mir zu tun.“ Verkündete Emmett knurrend und sah dabei so ernst und riesig aus, dass ich wusste, ihm wollte ich nicht allein im Dunkeln begegnen. Edward sah unglücklich aus.
„Lass gut sein, Em. Eigentlich bin doch nur ich…“ Weiter kam er nicht, denn ich rief sofort ein lautes „Nein!“ aus, woraufhin mich alle ansahen. Verlegen senkte ich den Blick, denn Edwards Augen waren wieder so intensiv auf mich gerichtet, dass es sich viel zu intim anfühlte. Aber auch die Blicke der Anderen lagen unverkennbar auf mir.
„Naja, also das ist doch echt Blödsinn. Echt jetzt. Ihr wisst was ich meine.“ Nuschelte ich kaum verständlich. „Die haben doch alle nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Emmett brach auf einmal in schallendes Gelächter aus und nun wandten sich alle Köpfe ihm zu.
„Haha…. Bella, du siehst total süß aus wenn du sauer wirst oder verlegen oder…“ Jasper grinste jetzt, genauso wie Edward – dessen Gesicht allerdings dem Boden zugewandt war, sodass die Anderen das Lächeln nicht sehen konnten – während die Mädchen die Jungs anstarrten. Alice zwitscherte dann aber grinsend:
„Naja, eigentlich hat Emmett ja Recht: Du bist so ein süßes Mädchen, Bella. Dass du keinen Freund hast, verstehe ich echt nicht. Also ich bin mir ganz sicher, dass…“ Rose zwickte Alice heftig in die Seite, woraufhin die in einer ohrenbetäubenden Lautstärke anfing zu quietschen. Alle hielten sich simultan die Ohren zu, kurz danach brachen wir alle in Lachen aus – sogar Edward. Mit solch kleinen Plänkeleien ging der ganze Nachmittag rum…

Am nächsten Morgen war ich früh aufgestanden und trotzdem hellwach, was ich auf meine aufkommende Nervosität schob. Bevor ich am vergangenen Abend heimgefahren war, hatten wir noch ausgemacht, dass wir ab jetzt wieder zusammen zur Schule fahren würden. Ich erwartete Jaspers Auto vor meinem Haus und brachte den Mund nicht mehr zu, als auf einmal kein schwarzer Mercedes, sondern ein silberner Volvo vor meiner Tür stand. Nachdenklich trat ich ans Fenster, statt so schnell wie möglich meine Sachen zu holen, und sah lange auf die drei Gestalten, die in dem Auto saßen. Ich beobachtete ein kurzes Handgemenge ohne Reaktion und als endlich die Hupe ertönte, um mich aus meinen Gedanken zu reissen, rannte ich schnell in den Flur, hob meinen Rucksack auf und beeilte mich zum Auto zu kommen. Der Beifahrersitz war noch frei.
„Hallo.“ Sagte ich atemlos, während ich auf den Sitz schlüpfte. Alices und Jaspers gemurmelte Begrüßungen waren nichts im Vergleich zu dem strahlenden Lächeln, was mich von links begrüßte.
„Guten Morgen, Bella.“ Sprach Edward und sah mich mit diesen leuchtenden grünen Augen an. Es verschlug mir die Sprache und er drehte seinen Kopf lächelnd nach vorne und fuhr los. Der Weg zur Schule war nicht besonders weit, aber er flog diesmal nur so dahin. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich Edward, der noch immer leicht lächelte und auf einmal so anders war. Meine Gedanken rasten. Was hatte Edward veröndert? Wieso war er jetzt auf einmal so… so… offen mir gegenüber? Und er lächelte!
Der Wagen hielt und ich sah mich verwirrt um. Jetzt schon? Edward warf mir einen letzten Blick zu und stieg aus, ebenso wie Jasper und Alice. Himmel, wenn ich den restlichen Tag so nachdenken würde, bekäme ich gar nichts von diesem Tag mit. Tief einatmend stieg ich aus, ließ Edward den Wagen verschließen und ging dann mit ihnen gemeinsam in Richtung Schule. Jasper und Alice hielten wie immer Händchen, der Jeep von Emmett war noch nicht da. Neben Edward und auf meiner anderen Seite Alice, lief ich einfach drauflos. Ich ignorierte die irritierten Blicke von jüngeren Schülern, versuchte keinen aus meinem Jahrgang zu sehen.
„Bella?“ Alice Stimme drang zu mir durch. Wir hatten angehalten.
„Du hast jetzt Mathe. Wir sehen uns nachher zum Mittagessen, okay?“ Ein wenig ängstlich erwiderte ich ihren fragenden Blick mit einem Nicken. Jasper legte den Kopf schief.
„Hast du Angst, dass irgendjemand jetzt auf dich losgeht? Ich könnte dich von mindestens der Hälfte deiner Unterrichtsstungen abholen wenn du willst…“ Bot er mir flüsternd an und Alice strahlte ihn verliebt an. Er war zweifelsohne ihr persönlicher Held.

Edwards Sicht:

Es war eine einzige Erleichterung, dass Bella endlich meine ganze Geschichte kannte. Sie hatte sich ganz anders verhalten als ich gedacht hatte und das tat mir gut. Es gab mir Vertrauen. Bella – meine Gedanken kreisten seit langem dauernd um sie. Als sie am Sonntag endlich wieder in unser Haus gekommen war, gekommen um uns zu verzeihen, meinen Geschwistern zu verzeihen, da war ich überglücklich gewesen.
„Du bist erbärmlich, dass du sie die ganze Zeit in deiner Nähe habe willst.“ Sagte ich mir selbst und sah in den Spiegel meines Badezimmers. Ich sah noch immer aus wie vorher, ich hatte mich nicht verändert, aber etwas an meinem Mund war anders. Nachdenklich starrte ich in den Spiegel und vergaß darüber ganz an den heutigen Tag zu denken: Schule. Dieser Ort war mir weniger verhasst seit Bella in das Leben meiner Familie getreten war, in mein Leben getreten war.
„Edward.“ Alice schrille Stimme und ihre kleinen Fäuste an meiner Zimmertür sagten mir, dass ich kurz davor war zu spät zu kommen.
„Komm schon, du hast gesagt du kommst mit uns Bella abholen. Beeil dich!“ Ich wandte mich wieder meinem Spiegelbild zu und wusste plötzlich was an mir anders war: Ich lächelte.
So schnell ich konnte – ich hatte nicht vor Alice Wut auf mich zu ziehen – ging ich die Treppen runter, stieg in mein Auto und fuhr mit Jasper und Alice auf dem Rücksitz (wieso saß nicht einer von ihnen vorne?!) zu Bellas Haus. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet mich zu sehen, denn sie starrte mit gerunzelter Stirn aus dem Fenster. Sehr lange.
„Edward, hup doch mal, ich glaub sie ist eingeschlafen.“ Meckerte Alice vom Rücksitz. Jasper kicherte nur und als ich einen Blick in den Rückspiegel warf, zwinkerte er mir zu.
„Ich werde nicht hupen wie so ein arrogantes Arschloch, dass sich alles erlauben kann!“ Zischte ich zurück und meine Augen weiteten sich entsetzt, als Alice sich abschnallte und anfing ihre Arme auszustrecken.
„Alice!“ Zischte ich wieder und schlug ihre Hände zurück, doch sie gab nicht auf. Dieser kleine, elende Quälgeist wand sich immer wieder aus meinem Griff und versuchte die Hupe zu drücken. Jasper lachte jetzt lauthals und sah nicht so aus, als wolle er sich einmischen. Himmel, womit hatte ich eine solch nervtötende, kleine Schwester verdient? Endlich gelang es ihr die Hupe zu drücken. Triumphierend ließ sie sich auf die Rückbank zurücksinken und ich knirschte mit den Zähnen. Na toll, hoffentlich war Bella mir nicht böse.
Die Beifahrertür glitt auf, Bella plumpste auf den Sitz und sagte keuchend ‚Hallo‘. Was ich daraufhin tat bemerkte ich zwar, aber ich konnte es nicht verhindern: Ich schenkte ihr ein breites Lächeln und ignorierte die geflüsterten Bemerkungen meiner Geschwister.
„Guten Morgen, Bella.“ Erwiderte ich ernsthaft und sah sie an. Ihr Blick drückte Verwirrung aus, vielleicht auch ein wenig Unsicherheit, aber ich lächelte nur und fuhr dann los. Die Fahrt zur Schule dauerte nicht lange, aber wir blieben alle schweigend. Jasper und Alice blickten mich ziemlich oft an, ich spürte es und sah es im Rückspiegel. Alice grinste breit, während Jasper ein wenig die Stirn gerunzelt hatte und mich nachdenklich ansah.
Mein üblicher Parkplatz war erreicht und ich sah schnell noch einmal zu Bella rüber, die mich entgeistert anstarrte und lächelte. Dann steig ich aus, wartete bis Bella auch ausgestiegen war und schloss den Wagen ab. Ich war glücklich darüber, dass Bella endlich wieder gut Freund mit uns war. Nunja, mit meiner Familie… sie und ich waren ja bisher noch nicht so richtige Freunde geworden. Vielleicht könnte ich das ändern? Es schien mir nicht so, als hätte sie etwas gegen mich, also sollte es doch wohl möglich sein mich mit ihr anzufreunden. Ich blickte auf und begegnete vereinzelten Blicken von Mitschülern. Verdammt. Sofort setzte ich wieder meine teilnahmslose Miene auf und schritt einfach an der Seite meiner Geschwister und Bella rüber zu den Gebäuden. ‚Ganz ruhig bleiben, Edward. Du bist nicht allein, die können dir gar nichts.‘ Dachte ich angestrengt in einer einzigen Litanei.
„Bella?“ Alice piepsige Stimme erklang, als wir vor Bellas Klasse standen. Sie hatte jetzt Mathe, während wir drei jetzt gemeinsam Geschichte hatten.
„Du hast jetzt Mathe. Wir sehen uns nachher zum Mittagessen, okay?“ Oje, das hatte Bella jetzt wohl doch überrumpelt, denn sie sah ein wenig verängstigt aus. Alice sah sofort alarmiert aus, ich war eher besorgt. Ich wollte nicht, dass Bella Angst hatte, geschweige denn dass sie alleine war. Jaspers Blick war durchdringend, so unendlich ruhig wie immer machte er meiner Bella ein Angebot:
„Hast du Angst, dass irgendjemand jetzt auf dich losgeht? Ich könnte dich von mindestens der Hälfte deiner Unterrichtsstungen abholen wenn du willst…“ Es waren leise geflüsterte Worte und er hatte sich vorgebeugt, sodass es keiner von unseren Mitschülern mitbekommen konnte. Auf diese Worte folgte Schweigen von Bella, ein strahlendes Lächeln von Alice und ich ballte unmerklich die Fäuste. Nicht dass ich sauer auf Jasper war, um Gottes Willen, nein. Ich war froh, dass er ihr dieses Angebot machte, sie beschützen und begleiten wollte, damit sie sich nicht allein fühlte, aber das war es nicht was mich störte. Ein kurzes Seufzen entfuhr mir. Verdammt, ich wollte derjenige sein, der Bella beschützte. Ich wollte der starke Mann an ihrer Seite sein, an den sie sich klammern und auf den sie immer zählen konnte wenn etwas war.
„Was, Edward?“ Fragte Alice besorgt und ich schüttelte nur den Kopf. Das wurde ja immer besser, jetzt verriet ich meine absurden und lächerlichen Gedanken auch noch. Ich musste mich besser im Griff haben. Auch Bellas Blick lag jetzt auf mir, ihre Augen flackerten kurz zu meiner geballten Faust hinunter und begegneten dann wieder meinen. Ruhig sah sie mich an und antwortete dann Jasper.
„Es geht schon. Ich schaff das auch alleine, die werden mir nichts tun. Und falls irgendjemand was zu wagen sagt, kriegt er es mit mir höchstpersönlich zu tun. Ich habe in fast jeder Stunde Angela bei mir. Macht euch keine Sorgen um mich.“ Obwohl sie es an uns alle richtete, klang es als würde sie vor allem mir diese Versicherung zukommen lassen. Ich nickte kaum merklich und Bella drehte sich um, verschwand in ihre Klasse. Meine Augen starrten auf die Tür, obwohl Bella schon länger verschwunden war. Auf meine Schulter sank sanft eine Hand hinunter, ich sah auf. Jasper.
„Komm, Edward. Wir kommen sonst zu spät.“ Mehr sagte er nicht und führte mich zusammen mit Alice von Bellas Klassenzimmer weg. 

 

 

-*- Kapitel 23: Katastrophentag, Katastrophenwoche. Ist das gerecht?! -*-

Der Tag war eine einzige Katastrophe. Von dem Moment an, an dem mich Alice, Jasper und Edward verließen, wurde der Tag immer schlimmer.
Nicht dass mich irgendjemand sonderlich beachtete, bis es endlich zur Mittagspause klingelte, nein. Ich war einfach nur so durcheinander, dass ich meine Bücher andauernd fallen ließ, meine Aufmerksamkeitsspanne der eines hyperaktiven Eichhörnchens glich und ich meine Stimme nicht mehr unter Kontrolle hatte, wenn mich ein Lehrer um eine Antwort bat.
Mehrmals war ich heute schon rot angelaufen und die Klasse hatte sich über mich lustig gemacht. Zum Glück hatte ich in jeder Stunde Angela an meiner Seite, die zuverlässig nett blieb und mich nicht auslachte. Sie lächelte mir immer wieder aufmunternd zu und legte mir sogar einmal die Hand mitfühlend auf den Arm. Es half.
Immerhin hatte ich mindestens eine Freundin in dieser verfluchten Schule! In Gedanken schimpfte ich mit mir, denn sicher wären Jasper, Alice oder einer der anderen Cullens ebenso zuverlässig auf meiner Seite wie Angela. Ich unterdrückte das Seufzen nicht, als es zur Pause klingelte.
„Alles okay, Bella?“ Fragte Angela und sah mich von oben herab an. Sie stand vor meinem Pult und sah auf mich runter, denn ich hatte mich immer noch nicht von meinem Platz erhoben. Ich hatte Angst mal wieder zu stolpern. Das wäre dann heute wohl schon das fünfte Mal… Wieder seufzte ich.
„Ja, klar, nein, es ist alles okay.“ Meine Antwort klang nicht so als wäre ich mir ihrer sicher und Angela schüttelte den Kopf.
„Ach Bella, jeder hat mal einen schlechten Tag. Jetzt komm.“ Sagte sie und zwinkerte mir zu. Ich mochte ihre zurückhaltende, aber fröhliche Art. Ich wuchtete mich hoch und nahm meine Bücher auf. Wir kamen auf dem Weg zur Cafeteria an meinem Spind vorbei und ich warf die Bücher achtlos hinein. Der Tag konnte doch sowieso nicht mehr schlimmer werden!
Hätte ich geahnt was noch auf mich zukommt, wäre ich womöglich heulend und schreiend nach Hause gerannt, ohne einen einzigen Gedanken an meinen Transporter zu verschwenden.
Angela dirigierte mich zielstrebig in die Schlange vor der Essensausgabe und ließ nicht locker, bis sich zumindest ein Salat auf meinem Tablett befand. Insgeheim war ich ihr dankbar, denn ich wusste, dass ich etwas essen musste.
Wir hatten bezahlt und standen nebeneinander, wobei mein Blick über die Menge schweifte, da ich hoffte endlich wieder mit den Cullens zusammenzusitzen. Angela wusste wonach ich Ausschau hielt, denn sie hatte gleich als Erstes heute morgen von der Versöhnung erfahren. Ich sah noch immer über die Menge und wollte schon enttäuscht den Kopf senken, als Angela in eine Ecke deutete, die ich in den letzten Wochen nicht einmal angesehen hatte: dort wo wir früher immer zusammen gesessen hatten. Dort saß meine zweite Familie, vollzählig, und winkte uns lächelnd zu. Ich sah Angela an.
„Kommst du mit oder…?“ Ich ließ den Satz absichtlich offen, sie sollte nicht denken, dass ich sie zwingen würde sich zu entscheiden.
„Naja, ich wollte eigentlich auf jeden Fall mit Ben…“ Sie wurde rot und unterbrochen, da dieser genau in dem Moment auftauchte und ihr einen Kuss auf die Wange hauchte.
„Hey Ang, hi Bella. Haltet ihr mir drüben bei den Cullens einen Platz frei?“ Grinste er und verschwand an der Essensausgabe. Angela lächelte mir mit noch immer rotem Kopf zu und ich nickte. Wir schlenderten vorwärts und ich war so froh, die Cullens zu sehen, dass ich mal wieder nicht Acht gab wo ich langlief.
Kurz bevor wir am Ziel ankamen, stolperte ich und sah während ich fiel, wie mein Tablett (es kam mir wie Zeitlupe vor!) in hohem Bogen davonflog. Ich hörte, dass es sein Ziel traf, aber nicht welches das eigentlich war.
Neben mir keuchte Angela erschrocken auf und als ich endlich wieder stand, wusste ich wieso. Meine Augen quollen fast über als ich die Bescherung betrachtete. An dem Tisch, welchen sich mein Tablett als Ziel ausgesucht hatte, saßen einige Jungs aus der Stufe unter uns, aber sie waren riesenhaft groß und bullig – etwa von Emmetts Statur, nur um weniges kleiner als er.
Und die sahen alles andere als erfreut aus, dass ihre Kleidung und ihre Köpfe von grünem Salat geziert wurden. ‚Scheiße.‘ War alles was mir durch den Kopf ging.
Die gesamte Cafeteria war leise geworden und starrte uns an. Es war als würden alle den Atem anhalten. ‚Bella, Bella, tu was!‘ schrie ich mir selbst in Gedanken zu und öffnete den Mund, um mich zu entschuldigen, aber da kam mir einer von ihnen zuvor.
„Sag mal kannst du nicht aufpassen? Du bist jawohl total bescheuert. So jemand Trotteliges ist mir ja noch nie untergekommen.“ Es waren Worte, mit denen man hätte rechnen können, als dann aber noch seine Kumpels anfingen mich mit Schimpfwörtern zu überhäufen, fand ich es wirklich zu viel. Vor Wut traten mir schon Tränen in die Augen und wieder einmal verfluchte ich mich dafür.
Mit einem Mal wichen die Jungs vor mir – die alle bei ihren Tiraden aufgestanden waren – ein wenig zurück. ‚Huch? Was ist denn jetzt los?‘ fragte ich mich.
„Ganz ruhig, alle miteinander. Ihr lasst ihr ja nicht einmal die Gelegenheit Entschuldigung zu sagen. Das war doch keine Absicht, also kommt alle mal wieder auf den Teppich. Seid lieber froh, dass sie ihre Sauce noch in der verschlossenen Tube hat.“ Die Jungs schrumpften vor meinen Augen zusammen, warfen sich Blicke zu und nickten dann brav auf diese Ansprache.
Mein Retter hatte schließlich Recht: Sie hatten nur den noch „trockenen“ Salat abbekommen, was bedeutete, dass sie die Salatblätter einfach von sich runterpflücken könnten, ohne dass ihre Klamotten Schaden genommen hatten. Und, was noch viel wichtiger war, sie würden nicht wie die letzten Idioten aussehen.
„Es… es tut mir echt… also wirklich… total Leid. Das wollte ich nicht.“ Schloss ich meine Entschuldigung und die Jungs vor mir nickten nur noch und setzten sich wieder. ‚Puh, nochmal Glück gehabt.‘ Gedanklich wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Angela zog mich schnell von den Jungs weg und bugsierte mich auf einen Stuhl am Tisch der Cullens.
Jasper, Rose und Alice sahen mich mitleidig an, Edwards Gesicht war wieder die ausdruckslose Maske, die ich schon zur Genüge kannte. Er starrte auf seinen Teller runter, der wie ich nun sah, auch voller Salat war. Angela zog den Stuhl rechts von mir zur Seite und stellte ihr Tablett ab. Auf dem Stuhl links von mir saß jetzt wieder Emmett, der mich offen ansah. Sein Grinsen kehrte langsam wieder zurück und ich drohte ihm mit dem Finger.
„Danke Emmett, aber wehe du fängst jetzt mit so einem blöden Spruch an. Das kann ich echt nicht gebrauchen.“ Meckerte ich und er grinste nur schweigend. Dann zog er mich in eine feste Umarmung, bei der mir fast die Luft wegblieb. Während er mich umarmte brach er nun aber doch in Lachen aus und ich konnte mich nicht wehren. Irgendwann ließ er los.
Ich war dankbar dass wenigstens der Rest mich nicht ausgelacht hatte. Mein grenzenloses Glück hatte mal wieder zugeschlagen. Seufzend starrte ich die Tischplatte an.
Plötzlich schob Edward seinen kaum angerührten Teller zu mir rüber. Überrascht sah ich hoch und direkt in seine grünen Augen.
Sie sahen mich besorgt an, aber sein Mund verzog sich zu einem Lächeln. Wir bemerkten nicht, dass der Rest des Tisches uns anstarrte. Ben, der nun auch seinen Platz einnahm, sah verwirrt zwischen allen umher.
„Was ist denn los?“ Fragte er und kratzte sich am Kinn. Es war Rose, die ihre Sprache als Erste wiederfand.
„Ähm, Edward was machst du da?“ Stellte sie ihrem Bruder eine Frage, die er beantwortete ohne sie anzusehen. Seine Augen bohrten sich weiterhin in meine.
„Ich gebe Bella meinen Teller. Ich habe keinen Hunger und sie sollte auf den Schreck hin etwas essen.“ Keiner äußerte sich. Sie waren wohl genauso perplex wie ich. Nicht nur von der Erklärung, sondern auch von der Geste. Automatisch schüttelte ich den Kopf.
„Bitte, Bella.“ Edwards Augen sahen mich flehend an und bevor ich wusste was ich tat, hatte ich schon genickt und er ließ den Teller los. Wieso hatte ich nicht weiter auf meinem nein bestanden? War ich denn vollkommen bekloppt?
Ich starrte den Salatteller an, als wäre er an allem Schuld. Armes, unschuldiges Gemüse.
Mit einem Lächeln im Gesicht stand Edward auf und stand auf. Bevor irgendjemand von uns noch etwas sagen konnte, hatte er sich schon mit folgenden Worten verabschiedet:
„Ich hab einen Arzttermin. Bye.“ Und weg war er. Nicht nur ich sah ihm mit offenem Mund hinterher. Rose und Jasper schüttelten fassungslos den Kopf, Emmett sah aus als hätte er einen Geist gesehen.
„Ähm, Alice?“ Fragte Angela und strich gedankenverloren über Bens Arm.
„Hm?“ Brachte die Angesprochene hervor, zu mehr schien auch sie nicht in der Lage.
„Seit wenn spricht euer Bruder so viel und so normal?“

Die Woche ging für mich ebenso katastrophal weiter wie sie angefangen hatte. Ich war ständig nervös, weil ich noch darauf wartete, dass Mike und Tyler und wer auch immer sonst noch mit ihnen unter einem Hut steckte, sich noch einmal aufspielte. Zur Zeit war es aber ruhig und nichts Seltsames geschah.
Meine Nervosität ließ mich vermehrt über meine eigenen Füße stolpern, sodass ich am Ende der Woche unzählige blaue Flecken an Armen, Beinen und meiner Schulter hatte. Zum Glück war der Sommer vorbei und ich trug keine Trägertops mehr. Ich fragte mich immer häufiger wo die Gerechtigkeit blieb.
Jeden Tag saßen Angela, Ben und ich nun mit den Cullens zusammen und die Mittagspausen gingen schnell und fröhlich rum. Emmett hatte oft die Gelegenheit über mich zu lachen. Meine Verwirrung (und die der Anderen) nahm täglich zu.
Es war Edward, der mich jeden Morgen abholte; mir in der Mittagspause das Tablett trug, weil ich zu viel Angst davor hatte es wieder fallen zu lassen.
Er lächelte mich andauernd an, wenn sich unsere Blicke trafen. Im Musikunterricht hörte er mir und Alice immer aufmerksam zu und in Sport war ich so unkoordiniert wie immer. Ich schlief nicht gut in den Nächten und vor allem schlief ich nicht viel, weil ich andauernd über Edward nachdachte.
Was bewog ihn wohl dazu sich so zu verhalten? Ich hoffte am Wochenende mehr zu erfahren.

 

 
 

-*- Kapitel 24: Der frühe Vogel fängt das Schrankbrett… oder so ähnlich jedenfalls. -*-

Samstagmorgen erwachte ich früh, ich konnte schon wieder nicht schlafen. Edward war schon wieder in meinen Träumen aufgetaucht. Ich träumte mehr als seltsame Dinge in letzter Zeit. Heute hatte Edward an seinem Flügel gesessen, gespielt und ich hatte quer darüber gelegen und gesungen – wie in den alten Filmen aus den Dreißiger Jahren.
Um kurz nach sieben wachte ich also auf, sah auf den Wecker und stöhnte laut auf. Mir war klar, dass ich jetzt nicht mehr würde schlafen können und das nervte mich. Was sollte ich denn bitteschön mit diesem langen Vormittag anstellen?
Zu den Cullens konnte ich vor halb zwölf nicht gehen. Die meisten schliefen sehr sehr lang, ich glaube nur Carlisle und Esme sind Frühaufsteher in dieser Familie. Seufzend hievte ich mich aus dem Bett und beschloss erstmal nach Charlie zu sehen.
Schnell fuhr ich in meine alte Jogginghose und einen alten Kapuzenpullover, bevor ich die Treppen runterstieg und in die Küche schlurfte. (AN: Hier dann mal Bellas wunderschönes Gammel-Outfit, sowas hab ich sehr sehr lang nicht eingebaut LOL: http://www.polyvore.com/saturday_mornings/set?id=12114238 ) Auf dem Tisch lag ein Zettel:

Ich bin angeln, mit Billy und Harry. Mach dir einen schönen Tag, Bella.
Billy sagte Jake würde sich ab den frühen Morgenstunden sicher über Besuch freuen.
Charlie

Huh? Seit wann war mein Vater denn Tourismusbüro? Musste ich zu Jacob fahren oder wie? Das klang ja schon fast wie ein Befehl. Ich ließ mich am Tisch nieder und machte mir meine obligatorische Schüssel Cornflakes fertig. Erstmal etwas essen, dann unter die Dusche und dann würde ich weitersehen, was ich mit meinem Tag anfing. Keine halbe Stunde später stand ich fertig angezogen in meinem Zimmer und überlegte. Es war noch sehr sehr früh.
„Na dann eben Hausarbeit, Bella. Nachdem du deine Hausaufgaben gestern schon gemacht hast.“ Seufzte ich und machte mich daran brav die Küche und dann das Bad zu putzen. Mir gefiel keine der beiden Arbeiten besonders gut, aber was sollte man machen? Irgendwann musste man ja schon saubermachen, sonst würde es doch zu eklig werden. Wie hat Charlie das gemacht bevor ich hierher gezogen bin?

Das Klingeln des Telefons unterbrach mich mitten in der Arbeit. Schnell streifte ich die Handschuhe ab und rannte die Treppen runter.
„Swan.“ Meldete ich mich etwas atemlos und erstarrte als ich ein heiseres Lachen hörte.
„Hi Bella, hier ist Jake.“ Na wenn das mal nicht abgesprochen war mit Charlie!
„Uh, hi Jake.“
„Störe ich?“ Was sollte man darauf sagen? Ich war doch nicht unhöflich, ausserdem störte er ja nun wirklich nicht. Ich hatte keinen Besuch und war auch nicht gerade mit etwas sehr wichtigem beschäftigt.
„Ähm nein. Ich mach nur ein wenig Hausarbeit.“ Er lachte wieder und ich entspannte mich.
„Ah, gut. Ich wollte dich etwas fragen. Wir schmeißen hier ne Party, nächstes Wochenende, am Strand. Großes Lagerfeuer, grillen und Musik. Hast du Lust zu kommen?“ Ich schluckte. Das klang wirklich sympathisch, aber moment, Jake wollte da doch jetzt nicht wirklich mit mir hin, oder? Fieberhaft suchte ich nach Worten.
„Bella? Bist du noch dran?“ Seine Stimme klang auf einmal besorgt.
„Jaja, ich bin noch da… ähm aber Jake, weißt du, ich… äh…“ Stotterte ich, was ihn schon wieder zum Lachen brachte.
„Bevor du noch mehr stolperst über deine eigenen Worte, hör mir noch rasch zu. Wir wollen hier ne große Party veranstalten, für die ganze Umgebung. Also wollte ich fragen, ob du nicht noch ein bisschen in deiner Schule rumtratschen magst und einladen, verstehst du? Du kannst auch deinen Freund mitbringen.“ Er ratterte die Sätze so schnell herunter, dass ich mir nicht ganz sicher war, ob ich sie alle richtig verstanden hatte als er still war. Meinen Freund? Rumtratschen? Oh, Jake dachte ich sei vergeben und hatte mich als Sprachrohr angerufen. Gut. Ich war erleichtert. Er wollte also kein Date oder so. Das klang wirklich nach einer lustigen Party. Vor allem wenn ich die Cullens mitbringen konnte.
„Ähm, klar, doch ich erzähle es rum. Und ich komme auch gern, wenn Charlie es erlaubt. Naja, nur, vielleicht solltet ihr noch versuchen ein paar andere Leute in Kenntnis zu setzen, ich kenn gar nicht so viele Leute hier.“ Die Worte sprudelten nun auch so aus mir heraus, als hätte ich nie etwas anderes getan als mit Jacob Partys zu planen.
„Okay, ja das machen wir. Aber ich wollte dich eben persönlich einladen. Das letztes Wochenende war nett. Vielleicht kommst du ja mal wieder mit Charlie zum Essen vorbei. Mein Dad würde sich freuen. Wir haben so selten Besuch, weißt du?“
„Ähm, klar, sicher. Irgendwann bestimmt.“
„Gut, ich muss dann noch etwas weiterplanen. Wir sehen uns, Bella.“ Bevor ich mich ebenfalls verabschieden konnte, hatte er schon aufgelegt. Komischerweise war ich aber nicht einmal sauer darüber, denn es schien mehr aus Hektik als aus Unhöflichkeit gewesen zu sein. Es war zu verzeihen.
Lächelnd ging ich wieder hoch ins Bad, um weiterzuputzen.
Die Sekunden, die Minuten und dann eine Stunde zog vorbei. Mittlerweile war ich im Bad fertig und ging rüber in mein Zimmer, um dort etwas aufzuräumen. Mein Blick glitt automatisch zu meinem Wecker rüber und ich seufzte lautlos auf. Es war noch immer recht früh und ich wollte die Cullens nicht stören.
Alice und Jasper würden gemütlich zusammen im Bett liegen und kuscheln, Zweisamkeit genießen eben, und Rosalie und Emmett würden wahrscheinlich schon irgendwo draussen in den Wäldern sein und Frühsport betreiben. Bei dem Gedanken schüttelte ich mich.
Es war nicht so, dass ich mich ungern sportlich betätigte, aber es endete eigentlich immer in einem Desaster, da ich zwei linke Füße hatte. ‚Und dazu noch zwei linke Hände‘ dachte ich kopfschüttelnd. Aber vielleicht hatte Esme etwas für mich zu tun? Ich könnte ihr helfen das Mittagessen vorzubereiten, doch bevor ich mich dem Gedankengang hingeben konnte, fiel mir ein, dass Esme und Carlisle heute in Port Angeles essen gehen würde. ‚Wenn sie abends essen gehen, dann wird Esme heut Mittag nicht groß kochen.‘ Wieder seufzte ich. So ein Mist. Es blieb keiner mehr übrig. Ausser…
„Nein, Bella, das ist bestimmt keine gute Idee.“ Murmelte ich vor mich hin. In meinem Kopf war das Bild von Edward aufgeblitzt, der Einzige unter den Cullens, der wahrscheinlich keiner Beschäftigung nachging, bei der ich groß stören würde.
Wütend über meine absurden Gedanken wütete ich bei lauter Musik durch mein Zimmer (AN: Ich hatte mir da in etwa das vorgestellt *g*: http://www.youtube.com/watch?v=QZOvJGGQ8gs Ein Lied das mich gleich beim ersten Hören umgehauen hat, Muse eben!), riss Klamotten vom Boden und behandelte sie wie Schwerverbrecher, ich warf meine Bücher härter als nötig auf den Tisch und war überhaupt sehr laut. So laut, dass ich das Klopfen an der Haustür überhörte.
Weiterhin nur mit mir beschäftigt, warf ich meine Sachen quer durchs Zimmer, stellte um, räumte zurück und war wirklich durcheinander.
Wieso zur Hölle machte ich das alles eigentlich? Wieso dachte ich dauernd an Edward und wieso machte mich das verdammt noch mal so wütend?
„Bella?“ Ich erstarrte mitten in der Bewegung, war gerade hinter der Schranktür verschwunden und starrte den Inhalt meines Kleiderschrankes irritiert an. Nein, ich wusste natürlich dass meine Klamotten nicht anfingen mit mir zu reden! Aber die Stimme, die ich gerade gehört hatte, musste ich mir einbilden.
‚Bitte lass mich mir sie einbilden‘ flehte ich in Richtung Himmel und starrte noch immer die Bretter meines Schrankes an. Ich fühlte die Hitze in meinen Kopf steigen, wie so oft und ich verfluchte mich dafür.
„Bella? Ich… die Tür war offen und du hast nicht reagiert, da…“ Ich wollte losschreien und wegrennen, stattdessen sah ich mit plötzlichem Entsetzen an mir runter und ließ den Kopf gegen eines der Bretter sinken. Wie sah ich bloß aus? ‚Himmel, Bella, gewöhn dir mal an Klamotten anzuziehen, in denen du vorzeigbar bist‘ dachte ich verzweifelt und fühlte mich irgendwie entblößt. Irgendwie unvorbereitet.
„Bella? Ist alles okay?“ Diese Stimme raubte mir noch den letzten Nerv! Ich seufzte lautlos und räusperte mich dann im Versuch meiner Stimme einen normalen Klang zu verleihen.
„Ja.“ Hauchte ich und es klang alles andere als normal. ‚Verdammt‘ fluchte ich innerlich auf und schlug meinen Kopf sachte gegen das Brett – zumindest hatte ich das gedacht.
„Autsch.“ Entfuhr es mir laut, als mein Kopf unkontrolliert gegen das Brett knallte, genau die Kante traf und mich damit in unfreiwilligen Tiefschlaf versetzte. Ich sah noch wie mein Schrank auf einmal vor mir verschwamm und dann war alles schwarz.

Als ich die Augen wieder aufschlug, nunja, ich blinzelte eher mühsam vor mich hin, da lag ich auf etwas weichem.
Meine Hände, die wesentlich zuverlässiger waren als meine Augen, die nicht aufgehen und vor allem nicht sehen wollten, ertasteten den rauen Stoff meiner Tagesdecke.
Ich war auf meinem Bett? Das Letzte woran ich mich erinnerte war, dass ich vor meinem offenen Schrank gestanden hatte und jemand mich überrascht hatte.
„Bella?“ Genau diese Stimme hatte ich mir eingebildet und mir daraufhin den Kopf gestoßen. Einmal, nein zweimal sogar, glaubte ich.
Seit wann hatte ich eine so lebhafte Phantasie? Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern hatte ich früher niemals imaginäre, unsichtbare Freunde gehabt, ich war auch nie sonderlich am Puppenspielen interessiert gewesen, da ich mir keine Geschichten ausdenken konnte… Merkwürdig.
Eine Berührung ließ mein Herz fast stillstehen. Es war nur ein zarter Hauch an meiner Schulter, aber es durchzuckte mich wie ein Schlag. Nun flogen meine Augen auf und ich keuchte entsetzt auf, dann wimmerte ich einmal leise.
Edwards grüne Augen sahen mich besorgt an und ich könnte schwören, dass sein Gesicht noch blasser war als sonst. Seine Hand fiel von meiner Schulter und blieb auf derBettdecke liegen, die ich unter mir begraben hatte.
„Himmel, Bella, ist alles okay mit dir?“ Fragte er und ich brauchte ein paar Sekunden, um die Worte zu verstehen.
Doch bevor ich antworten konnte, kamen mir andere Gedanken: Woher kam Edward? Wie war er ins Haus gekommen? Und vor allem wieso war er hier? Mit großen Augen sah ich ihn an, hievte mich in eine aufrechte Position, sodass ich ihm sitzend gegenüberstehen konnte.
Edwards schlanker Körper kniete neben meinem Bett, ein Anblick, den ich äußerst verstörend fand.
„Was?“ Mehr bekam ich nicht heraus und erstickte die anschuldigende Frage im Keim. Ich war nicht fair. Edward sorgte sich um mich und alles was mir einfiel war ‚Was zur Hölle machst du hier?‘. Das konnte ich ja nun wirklich nicht sagen. ‚Nicht sehr nett, Bella‘
„Esme hat gefragt ob ich dich abholen könnte, sie wollte dich heute bei uns wissen. Weil sich doch alle gerade erst wieder vertragen haben.“ Nuschelte er und senkte den Blick. Bildete ich mir das jetzt wieder nur ein oder wurden seine Wangen tatsächlich leicht rot? Nein, wie süß. ‚Stop Bella, was denkst du denn da wieder?‘ Gedanklich ohrfeigte ich mich selbst. Ich wusste doch, dass Edward sehr schüchtern war.
Wenn sich auch nur ein bisschen meiner Belustigung auf meinem Gesicht gezeigt hatte… armer Edward.
Ich verlagerte mein Gewicht und wollte mich über die Bettkante schwingen um aufzustehen, doch Edwards Hand auf meinem Arm stoppte mich. Überrascht über die vertraute Geste, sah ich erst auf seine Hand und dann hoch in sein Gesicht.
Mit rosa Wangen erwiderte er meinen Blick und da war noch etwas anderes. In seinen Augen sah ich eine Mischung aus Sorge, Freude und etwas anderem, etwas das ich nicht deuten konnte.
„Ruh dich lieber noch einen Moment aus. Du hast dir deinen Kopf recht heftig angeschlagen.“ Seine Stimme war so melodisch wie eh und je, aber klang noch so viel schöner seit er diese Teilnahmslosigkeit mir gegenüber dauerhaft abgelegt hatte. Ich stellte verwirrt fest, dass ich ihn mehr reden hören wollte, egal was, hauptsache ich würde diese Melodie wieder hören.
Kopfschüttelnd über meine eigenen Gedanken setzte ich die unterbrochene Bewegung fort und stand auf. Da fiel mir plötzlich etwas ein. Schluckend sah ich an mir runter. Ja, meine Befürchtung bewahrheitete sich. Ich trug doch tatsächlich meine Gammelklamotten. Wie peinlich! Alice würde bestimmt ein riesen Drama daraus machen, wenn ihr so etwas mal passieren sollte.
„Bist du sicher, dass… hast du Kopfschmerzen?“ Ich drehte mich langsam zu ihm um und musterte ihn kurz. Wieso war er so besorgt um mich? Sah ich etwa aus, als würde ich gleich zusammenbrechen?
„Mir geht’s gut. Wirklich.“ Erwiderte ich ohne nachzudenken und erfasste mit einem Blick mein ganzes Zimmer. Es war halbwegs aufgeräumt, aber doch nicht unbedingt vorzeigbar für Besuch. Leise seufzte ich, naja, es war ja auch nicht geplant gewesen, dass Edward hierher kommt. Zumindest hatte ich nichts gewusst.
„Sicher?“ Hakte er nach und kam einen zögerlichen Schritt näher. Unwillkürlich schluckte ich, nickte dann und sah zu ihm hoch. Mir war nie aufgefallen, wie groß Edward tatsächlich war.
Neben Emmett wirkte einfach jeder andere klein, aber Jasper und Edward waren beide auch nicht gerade klein.
„Willst du denn überhaupt zu uns kommen? Ich hatte vor das zu fragen, bevor ich dich mitnehme…“ Murmelte er und sah beschämt zur Seite und schien nun mit dem Fenster zu reden. „Ich meine, vielleicht hast du ja was ganz anderes vor und ich… naja…“ Er brach ab, denn er war auch so schon über die wenigen Worte gestolpert die er hervorgebracht hatte. Ich lächelte.
Edward war wirklich sehr schüchtern und wieder einmal fragte ich mich wieso eigentlich. Er hatte alles was man brauchte um selbstbewusst zu sein: Er sah gut aus, war reich und intelligent, er hatte Talent fürs Klavier, einen Studienplatz sicher in der Tasche und eine tolle Familie.
„Edward, ich bin froh wenn ich zu euch kommen kann. Alleine hier zu Hause zu sitzen ist nicht unbedingt spannend. So gern ich Charlie habe, er ist nicht gerade oft hier.“ Erklärte ich fest und Edwards Lippen umspielte ein Lächeln, welches ich deutlich sehen konnte, da er immer noch zum Fenster blickte. Er nickte leicht.
„Gut, ähm, dann lass uns doch gehen. Mein Wagen steht-“ Ich ließ ihn nicht ausreden.
„Ich will mich nur rasch umziehen. Kannst du… äh…“ Zum Ende hin stammelte ich und Edward wurde jetzt noch röter als vorhin. Ohne ein Wort verschwand er aus dem Zimmer und ich hörte ihn die Treppen runtergehen. Ein Knarzen nach dem anderen.
‚Wieso hab ich ihn nicht hereinkommen hören?‘ fragte ich mich während ich mir eine dunkle Jeans und ein weißes Longsleeve anzog. Schnell noch einmal die Haare gekämmt und dann flog ich auch schon die Treppen runter.
Im Flur hielt ich an und sah mich suchend um. Wo war Edward hin? Ich lugte ins Wohnzimmer, in die Küche, sogar in die Waschküche schaute ich, doch er war nicht da. Stirnrunzelnd trat ich an die Haustür und sah ihn in ein paar Metern Entfernung an seinem Auto lehnen. Wartend.
Ich beeilte mich aus dem Haus zu kommen (nachdem ich einen Zettel für Charlie geschrieben hatte!), die Tür abzuschließen und zum Volvo zu gelangen. Wortlos stiegen wir ein und ebenso wortlos war die Fahrt.
Ich war nur selten allein mit Edward und wusste nicht so recht worüber ich mit ihm reden sollte.
Es verunsicherte mich ein wenig, aber trotz allem war es mir nicht unangenehm mit ihm zu schweigen, da es ihm nichts auszumachen schien wenn er nicht reden musste. Vielleicht war ihm das auch lieber? Verstohlen musterte ich ihn von der Seite.
Mir war schon aufgefallen wie entspannt er beim Autofahren war, es schien ihm Spaß zu machen. Und er fuhr schnell! Viel schneller als ich, sogar schneller als Alice oder Rose, da war ich mir sicher. Die Cullens hatten das mit der Geschwindigkeit scheinbar alle im Blut. Über die Tatsache, dass sie ein zusammengewürfelter Haufen waren, sah ich großzügig hinweg.
Endlich kam das große Haus in Sicht und ich freute mich. Wie immer eigentlich.
„Endlich zu Hause.“ Murmelte ich und Edwards Kopf flog fragend zu mir herum. Errötend schüttelte ich den Kopf, hauchte ein ‚Nichts‘ heraus und sah zu dem großen Haus auf. Das Auto kam zum Stehen und wir stiegen aus. Ich betrat das geräumige Wohnzimmer und war mir deutlich bewusst, dass mir Edward folgte. Esme kam gerade aus der Küche und ein Lächeln huschte über ihre Züge als sie mich erblickte.
„Bella, das ist ja eine schöne Überraschung so früh am Morgen.“ Verwirrt blickte ich zu ihr.
„Aber du hast doch Edward geschickt damit er mich abholt?“ Vergewisserte ich mich und sah von ihr zu Edward. Esmes Stirn runzelte sich ganz kurz, dann schlug sie sich mit der Hand dagegen und lachte.
„Tatsache, ich bin heute so zerstreut. Aufgeregt trifft es eher. Wie ein kleines Schulmädchen.“ Kicherte sie und vergrub sich in Carlisles Armen, der jetzt aus der Küche kam.
„Du musst wissen wir feiern heute unseren 15. Hochzeitstag. Guten Morgen, Bella.“ Begrüßte mich Carlisle und hauchte Esme einen Kuss aufs karamellfarbene Haar.
„Da gratuliere ich doch herzlich. Wow, fünfzehn Jahre. Das ist beeindruckend. Vor allem wenn man bedenkt wie jung ihr seid.“ Sprudelte es aus mir heraus. Ich hatte schon lange aufgegeben mich zurückzuhalten in ihrer Nähe. Sie waren so nett, einfühlsam und versändnisvoll, bei ihnen konnte man alles sagen.
„Ich danke dir, Bella.“ Lächelte Esme und freute sich sichtlich über mein Kompliment. Carlisle lächelte mich auch an, die Arme noch immer um seine Frau geschlungen.
„Leider muss ich hier die Unterhaltung abbrechen, denn wir wollten jetzt los.“ Sagte Carlisle und Esme nickte.
„Ja, es ist Zeit. Rosalie und Emmett sind vorhin zu einer langen Wanderung aufgebrochen, die Beiden werdet ihr also heute wohl kaum sehen. Alice und Jasper sind aufgestanden während du wegwarst, Edward. Sie wollten spazieren gehen. Die sind sicher bald wieder da. Ihr könnt euch ja sicher zusammen beschäftigen, bis sie wieder da sind. Viel Spaß, Kinder.“ Esme umarmte mich, drückte Edward einen Kuss auf die Wange und dann waren Carlisle und sie verschwunden.
Ich schluckte und vermied es in Edwards Richtung zu sehen. Die Erkenntnis traf mich wie ein Hammerschlag: Wir waren ganz allein und das womöglich für länger.

 
 
 

-*- Kapitel 25: Leise Klänge -*-

Elektrisiert. Angewurzelt. Verwirrt. Nervös. Angespannt. Hilflos. Mir huschten die Worte, die meinen momentanen Zustand beschreiben könnten nur so durch die Gedanken, aber ich verstand keines wirklich und wollte auch nichts davon ausssprechen. Wieso auch? Edward hätte entweder darüber gelacht, dass ich mich in seiner Gegenwart so fühlte oder er hätte gar nichts gesagt, wäre wieder teilnahmslos. Nein, ich wünschte mir den alten Edward wirklich nicht zurück, obwohl mich der ‚Neue‘ andauernd verwirrte. Meine Gedanken bereiteten mir schon fast Kopfschmerzen. Konnte man aufhören zu denken? ‚Und wenn ja, bitte hilf mir einer, dass ich das schaffe‘ fügte ich in Gedanken hinzu.
„Was willst du machen, Bella?“ Riss mich Edward so abrupt aus meinen Gedanken, dass ich den Kopf so ruckartig hochriss und prompt mein Nacken knackte – schmerzhaft.
„Au.“ Wimmerte ich und hielt meinen Nacken mit beiden Händen umschlossen, die unwillkürlich bei dem Schmerz hochgezuckt waren. Immer musste mir so etwas passieren! Als ich Schritte vernahm blinzelte ich zu Edward rüber. Er kam langsam auf mich zu, hatte den Kopf schiefgelegt und die Hände ausgestreckt, so als wollte er mich an sich ziehen. Hastig ging ich einen Schritt zurück und Edward erstarrte. Sein Blick war ungläubig auf mich gerichtete, aber er sah mich nicht an, nicht wirklich. Er sah durch mich hindurch, schien von sich selbst so sehr überrascht zu sein, dass er mich vergessen hatte. Die Situation war mir unangenehm. Ich hatte doch auch vorher keine Angst vor Edward gehabt, also wieso war ich zurückgewichen? Wieso hatte mich die Tatsache, dass er nett zu mir sein wollte, so verwirrt? ‚Reiß dich zusammen, Bella.‘ Ich schaute wieder zu Edward und er hatte den Kopf gesenkt, räusperte sich jetzt und stellte seine Frage noch einmal:
„Was willst du machen, Bella? Fernsehen, Dvd gucken? Ähm, oder…“ Er suchte nach anderen Ideen, wurde aber scheinbar nicht fündig, denn das war alles was er sagte. Hilflos und gequält blickte er zur Seite und starrte seinen Flügel an. Ich folgte dem Blick und erinnerte mich an den Tag seiner Rückkehr aus New York, als wir auf dieser Lichtung gesessen hatten, einträchtig nebeneinander und zum ersten Mal wirklich geredet hatten. ‚Da hatte ich ihn doch um etwas gebeten‘ kam es mir wieder in den Sinn und ich sah das strahlende Lächeln wieder vor mir. Das erste Lächeln das mir Edward Cullen geschenkt hatte. Voller Stolz, vollkommen ehrlich und mitten aus dem Nichts heraus.
„Magst du für mich spielen?“ Flüsterte ich, bevor mir überhaupt klar war, was ich hier tat. Nur weil ich an diesen Tag zurückgedacht hatte! ‚Gott, Bella, du bist so blöd.‘ Edwards Kopf flog in die Höhe, er starrte mich mit offenem Mund an, errötete dann und senkte den Kopf. Ich war es Leid mich zu fragen, wieso er so schüchtern war, aber in solchen Momenten kam die Frage mir immer wieder in den Sinn.
Die Bewegung Edwards, als er auf seinen Flügel zuging, ließ mich wieder aus meinen Gedanken aufschrecken. Fasziniert beobachtete ich seine fließenden Bewegungen. Mir war vorher nie wirklich aufgefallen, dass er die gleiche Anmut besaß wie die meisten Mitglieder dieser Familie: Alice, Rosalie, Esme, Jasper und Carlisle. Einzig Emmett wirkte etwas weniger anmutig, was aber sicher vor allen Dingen an seiner Statur lag. Vollkommen von diesem Anblick gefangen genommen, bemerkte ich nur unbewusst, wie sich Edward auf den Platz vor den Flügel gleiten ließ, ehrfurchtsvoll die Finger auf die Tasten legte und leise begann zu spielen. Ich wusste von den vielen Stunden, die ich als Kind bei meiner Mutter am Klavier verbracht hatte, dass man die Lautstärke durch den Druck verändern konnte, den man auf eine Taste legte. Edward spielt ganz sanft, so dass die Musik leise durch den Raum wogte. (AN: Sodele, jetzt gibt’s wieder Klaviermusik von mir ähm ausgesucht von mir, ich kann ja nix ^^ : http://www.youtube.com/watch?v=sYzifR67NJs ) Dort wo ich war, blieb ich stehen, ließ einfach nur die ruhige Melodie auf mich wirken. Edward sah konzentriert, aber friedlich aus – fast so schön wie wenn er schlief. Seine Finger klebten an den Tasten, irrten sich nicht einmal und ließen eine zauberhafte Musik erklingen, die mich sofort ruhig werden ließ. Die Nervosität, die Angst davor mit Edward alleine zu sein in diesem großen Haus, fiel ganz von mir ab. Ich war berauscht und verzaubert von dem Spiel seiner Finger auf den schwarzen und weißen Tasten. Mein Atem passte sich den ruhigen Tönen an, ging gleichmäßig und ich sah Bilder vor meinen Augen entstehen. Bilder von wunderschönen Orten, die ich nur von Postkarten oder Postern her kannte, die aber so friedvoll wirkten, dass man sofort dorthin wollte. Und als der letzte Ton des Stücks verklang, kam ich wieder im Hier und Jetzt an. Vorsichtig hob Edward den Kopf und sah zu mir rüber. Ich lächelte.
„Das war wunderschön.“ Hauchte ich und er errötete wieder. Sein Blick glitt unstetig durch den Raum, bis er wieder an mir hängenblieb.
„Soll ich noch mehr spielen?“ Seine melodische Stimme ließ mir einen wohligen Schauer über den Rücken krabbeln. Es fühlte sich schön an, aber es war nichts was ich kannte. Wortlos nickte ich Edward zu. Er sollte noch nicht aufhören, dafür war es zu schön.
„Dann bitte, setz dich doch.“ Ich starrte seine Lippen an als er sprach und sobald ich das realisierte, wurde ich rot und senkte den Blick auf den Parkettfußboden. Hoffentlich hatte er das nicht mitbekommen!
„Bella? Willst du dich vielleicht…“ Er zögerte kurz und das ließ mich erstaunt hochsehen. Sein Mund verzog sich kurz, dann brachte er die Worte doch heraus: „ Willst du dich vielleicht zu mir setzen?“ Er deutete auf den wenigen Platz, der neben ihm noch auf dem Hocker war. Woher das plötzliche Verlangen kam, genau das zu tun, was er mir angeboten hatte, wusste ich nicht. Aber es war da. Ganz unverkennbar. Ich wollte neben ihm sitzen, ganz nahe an der Quelle der wunderbaren Musik. Bedächtig setzte ich mich in Bewegung und ließ mich auf den freien Platz neben Edward nieder. Unsere Körper waren sich unheimlich nah, eine Nähe, die wir sonst vermieden.
„Hast du ein Lieblingsstück?“ Erscholl wieder diese engelsgleiche Stimme und ich nickte sofort. Ich musste nicht lange nach dem Titel suchen, denn es war genau das Stück, welches ich immer von meiner Mutter hatte hören wollen. Seit frühester Kindheit kannte ich es.
„Betthovens ‚Für Elise‘.“ Kam es wie aus der Pistole geschossen von mir und Edward lächelte. „Wahrscheinlich ist das nicht sonderlich anspruchsvoll…“ Gab ich zu und er lachte. Ja, er lachte wirklich! Ich lauschte dem Klang und ohne mein Zutun, verbreiterte sich das Lächeln in meinem Gesicht. Seine Laune steckte an.
„Das ist doch egal. Es ist ein schönes Stück und ich spiele es auch gerne. Und wenn es dein Lieblingsstück ist… genau danach habe ich doch gefragt, oder?“ Er zwinkerte mir zu und begann zu spielen. Seine Hände verharrten einen Moment über der Tastatur, dann erklangen die Töne meines Lieblingsmelodie. (AN: Wer es passend zum Kapitel hören möchte: http://www.youtube.com/watch?v=c1iZXyWLnXg ) Mein Oberkörper wippte leicht im Takt der Melodie mit, ein kleines Überbleibsel aus meiner Zeit beim Ballett. Während meine Mutter Klavierstunden genommen hatte, hatte ich tanzen lernen müssen. Der Wunsch meiner Mutter, jedoch hatte sie es schnell aufgegeben, da ich mit meinen zwei linken Füßen nur Ärger in den Stunden veranstaltete. Ich war nicht gerne zum Ballett gegangen, die Anderen hatten mich nicht dorthaben wollen, weil ich so tollpatschig war. Begeistert lauschte ich der Melodie meiner Kindheit, erinnerte mich an einige der Momente, in denen meine Mutter mir das gleiche Stück vorgespielt hatte. Edward vergaß ich vollkommen – nur für einen Moment – als mich die Erinnerungen an Weihnachten mit voller Wucht trafen. Das erste Weihnachten ohne Charlie. Nur meine Mutter Renee und ich. Was waren wir traurig gewesen.
Die Melodie klang leise aus, verstummte und schlagartig war ich mir der Nähe zu Edward wieder bewusst. Seine Finger lagen in seinem Schoß, zusammengefaltet und ruhig. Verlegen, dass ich immer so schnell in Gedanken abdriftete, biss ich mir auf die Lippe.
„Du sahst traurig aus.“ Bemerkte Edward ganz leise und sah auf die Tastatur vor sich. Auch das noch, man sah mir meine Gedanken an! Ich seufzte kaum hörbar.
„Willst du mir davon erzählen?“ Tastete er sich weiter vor und nur ganz kurz überlegte ich, wieso ich ausgerechnet mit ihm sprechen sollte. Der Drang es mit irgendwem zu teilen war groß, schon seit längerer Zeit, aber ich hatte mich nicht getraut es anzusprechen. ‚Alice gute Laune zu trüben wenn man mit sowas anfängt… Jasper, nein, da ist immer auch Alice.‘ Raunten mir meine Gedanken zu. Ich konnte mit Edward reden. Er bot es mir an und er schien so viel besser mit ernsten Themen umgehen zu können als der Rest seiner Familie.
„Ich vermisse meine Mum, unser kleines Haus in Phoenix. Okay, sie wohnt auch nicht mehr dort, aber ich vermisse es trotzdem. Das kleine Zimmer dass ich dort hatte, das Stück Rasen und unseren Vorgarten.“Ich hielt inne und dachte nach. Es gab so vieles was ich vermisste. „Hier ist es immer so grau, ich will wieder Sonnenschein. Aber am meisten vermisse ich einfach meine Mum. Wir waren ein tolles Team all die Jahre und jetzt ist sie so weit weg.“ Ich blickte auf und begegnete Edwards mitfühlendem Blick. Seine grünen Augen strahlten eine ungeheure Wärme aus, die mich einlullte, mir das Gefühl gab sicher zu sein. Doch sein Blick war traurig, irgendwie melancholisch.
„Dir gefällt es nicht in Forks.“ Stellte er nüchtern fest, seine Stimme tonlos.
„Nein, also doch. Ich fang von vorne an.“ Seufzte ich und holte tief Luft. „Anfangs dachte ich, ich würde Forks hassen. Aber trotz der Nässe und der Kälte und der Tatsache dass meine Mutter ganz woanders ist, ich hatte noch nie so gute Freunde wie hier. Ich kann mir nicht mehr vorstellen wie langweilig das Leben ohne die kleine Nervensäge Alice ist, wie trostlos es ohne Jasper wäre, wie witzlos ohne Emmett. Die Wochen, in denen ihr euch alle von mir ferngehalten habt, die waren die Hölle. Aber jetzt ist alles in bester Ordnung.“ Edward musterte mich überrascht und auch ich selbst war erstaunt von meinem Redeschwall. Das hatte wohl nochmal gesagt sein müssen.
„Die anderen haben dich auch vermisst. Jasper und Alice haben besonders darunter gelitten. Und Emmett, naja du weißt ja wie er ist. Er hätte sich dem Ganzen lieber gestellt.“ Barchte Edward hervor und sah mich gequält an. Es war nicht zu übersehen, dass er sich die Schuld an alledem gab – der reinste Schwachsinn!
„Edward, gib dir nicht die Schuld. Das sind alles Idioten.“ Meine Stimme hatte sofort einen Ausdruck von Empörung angenommen und auch Wut schlich sich mit hinein.
„Ich hab dich…“ Er schwieg bevor er seinen Satz auch nur beendet hatte. Errötend blickte er auf seine Finger hinunter. Ich war neugierig. Was hatte er sagen wollen? ‚Er hat mich was? Oh komm schon Edward, bring den Satz zu Ende. Sei kein Feigling. Ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen.‘ Schrie ich gedanklich und meine linke Hand machte sich selbstständig. Ich griff unter sein Kinn und drückte es nach oben bis er mich wieder ansah. Fragend blickte ich ihn an. Edward schien nicht zu atmen, sein Blick war erst unsicher aber er wurde immer fester, je länger er mich ansah. Unsere Augen bohrten sich ineinander, ich war gefangen genommen von dem Grün und der Intensität mit der seine Augen leuchteten. Wie hatte ich das vorher nicht bemerken können? Edward hatte die schönsten Augen die ich je gesehen hatte und so unglaublich lange geschwungene Wimpern! Er drehte seinen Kopf ein wenig, legte ihn kaum merklich zur Seite und ich reagierte, als hätte ich nie etwas anderes getan: Ich legte meinen Kopf auch ein wenig zur Seite und rutschte ein Stück näher an Edward heran. Seine Augen brannten sich in meine, mein Herz begann schneller zu schlagen und mir wurde fast schlecht, weil in meinem Magen plötzlich Leben zu sein schien. Unter halb geschlossenen Augen sah er auf mich herunter und ich blinzelte hilflos – mir selbst und meinen Gefühlen ausgeliefert – zu ihm auf. Sekunden verstrichen und wir rührten uns nicht einen Millimeter, dann lehnte sich Edward ein kleines Stück nach vorne und ich wusste was gleich passieren würde. Meine Hände wurden mit einem Mal schweißnass und ich vergaß das Atmen. Edwards Lippen sahen weich und einladend aus, als sie den meinen näherkamen. In Erwartung des Kusses schloss ich die Augen.
„Juhu wir sind wieder daaaa!“ Drang Alice mit einem lauten Quietschen in meine Gedanken ein und ließ mich die Augen aufreißen. Keuchend rückte Edward von mir ab und wandte den Kopf ab, sah Richtung Tür, in der nun Jasper und Alice standen.
„Bella.“ Quietschte mein Wirbelwind und rannte auf mich zu, um mich fest zu umarmen. „Wie schön dass du da bist!“

 
 

-*- Kapitel 26: Gespräch mit Jasper -*-

Alice drückte mich an sich, als hätten wir uns Monate nicht gesehen. Sie quetschte sich zwischen Edward und mich auf den Klavierhocker und die Worte plätscherten nur so aus ihr heraus.
Ich erhaschte etwas von „Plänen“ und „Party“ und irgendetwas vom Shoppen und stöhnte innerlich auf. Hatte sie etwa schon von Jacobs Fetenplänen gehört?
„Shh, Schatz, hol mal Luft. Ich glaube Bella hat nur die Hälfte von dem mitbekommen, was du gesagt hast.“ Merkte Jasper an als seine Freundin Luft holte und kam langsam näher zu uns.
Edward sah zu Boden, die Hände unbeweglich in den Schoß gelegt. Ich traute mich kaum ihn anzusehen, was um Himmels Willen war das gerade eben gewesen? Scheinbar war es ihm nicht weniger peinlich, denn er hob den Kopf gar nicht mehr.
„Wie geht’s dir, Bella?“ Fragte Jasper lächelnd und blieb vor mir stehen. Ich nickte.
„Gut, äh gut. Und euch beiden? Wo wart ihr denn?“ Alice kuschelte sich an ihren Bruder Edward, der etwas unbeholfen alles mit sich geschehen ließ und noch immer jeden Blick mit mir mied.
Wahrscheinlich hatte ich mir diesen Moment gerade eben wirklich eingebildet. Er war doch viel zu schüchtern um mich zu küssen!
„Spazieren.“ Antwortete Alice und kicherte. Da war wohl mehr als nur ein einfacher Spaziergang gewesen!
Unbemerkt seufzte ich, wann und ob ich wohl jemals jemanden an meiner Seite haben würde wie Jasper? Einen Mann, der so perfekt zu mir passte, dass jeder Tag ein neues Geschenk war?
„Uh Bella, also nochmal von vorne. Nächstes Wochenende da müssen wir nach Seattle, unbedingt. Da gibt’s in diesem Kaufhaus einen großen Sonderverkauf und da musst du mit, das wird so toll. Ich und Rose und du und die Jungs natürlich auch…“ Ich stoppte sie. Meine Hände erhoben und mit den Handflächen zu ihr gedreht, brachte ich mein Anliegen vor.
„Heut Morgen hat mich Jacob angerufen, er wollte dass ich ein bisschen rumfrage und rumerzähle… äh also die La Push-Leute wollen eine Party machen. Große Strandparty so weit ich weiß, Lagerfeuer, Musik und Grillen oder so.“ Ich spürte die Blicke aller Drei nun auf mir liegen und atmete tief durch. „Wir sind da alle eingeladen, also eigentlich ist jeder aus der Gegend eingeladen.“
„Wer ist dieser Jacob?“ Platzte es aus Edward heraus und ich drehte irritiert den Kopf in seine Richtung. Irgendwie hatte er beleidigt geklungen. Angriffslustig. Verwirrt blinzelte ich ihn an.
„Jacob? Aus La Push?“ Hakte Alice nach und sah mich neugierig an. „Wer ist der Kerl?“ Ihre Augen glitzerten und ich ahnte woran sie dachte, es war mehr als offensichtlich.
„Er ist ein Sandkastenfreund. Wir kennen uns seit einer halben Ewigkeit. Unsere Väter gehen oft zusammen angeln.“ Ruderte ich das Schiff von den Felsen weg und hoffte, dass Alice es bei dieser Erklärung belassen dürfte.
„Black, oder?“ Jaspers Stimme klang nachdenklich. „Ich glaube ich kenne ihn. Ist der nicht zwei Stufen unter uns?“ Erleichtert atmete ich auf als Alice Blick von mir abglitt zu Jasper. Edward hingegen sah mich immer noch an, forschend, unbewegt. Irgendwie unheimlich.
„Eine nur glaube ich, aber es könnten auch zwei sein. Er ist anderthalb Jahre jünger als ich.“
„Cool, eine Party. Hier in der Nähe. Das wird super.“ Freute sich Alice und klatschte in die Hände. „Das heißt wir müssen am Freitag schon shoppen gehen! Uh Rose wird sich freuen.“ Ergeben fügte ich mich in mein Schicksal. Um die Shoppingtour kam ich wohl nicht herum. Rose und Alice würden mich wenn nötig hinter sich herschleifen.
Ich sah es schon vor mir: sie würden wieder Unmengen Geld für mich ausgeben, nur um mich am nächsten Tag in ein Kleid zu zwängen.
„Alice, es wird kalt sein oder werden. Immerhin haben wir schon September.“ Warf ich ein und sie strahlte. Sie zog mich am Arm hoch und hinter sich her in ihr Zimmer, plapperte dabei ununterbrochen auf mich ein und erklärte mir was für Möglichkeiten man mit Pullovern, Hosen und schönen Jacken hatte um jemanden zu stylen.
Mein letzter Gedanke war: ‚Hilfe!‘

Edwards Sicht

Alice zog Bella hinter sich her und Jasper schaute ihnen lächelnd hinterher. Wieso hatten meine Geschwister ausgerechnet jetzt zurückkommen müssen? Ohne dass ich es beeinflussen konnte ballte ich meine Hände zu Fäusten. Jasper sah in meine Richtung.
„Willst du mir sagen was los ist, Edward?“ Ich hörte seine Frage und erschrak. Hatte er etwa mitbekommen was ich gerade im Begriff gewesen war zu tun?
Schluckend sah ich zu ihm rüber und er musterte meine Hände ganz ruhig. Schnell entspannte ich sie wieder und zählte die Tasten meines Flügels.
„Du musst es mir nicht sagen, wenn du nicht willst.“ Jaspers Stimme war ruhig, so wie meist. Er war die Ruhe in Person, so viel gefasster als die meisten anderen Menschen unseres Alters. „Aber ich kann sehen, dass dich etwas beschäftigt. Und ich kann auch sehen, dass es mit Bella zu tun hat.“ Setzte er nach und ging durch das weitläufige Wohnzimmer zur Küche.
Unentschlossen was ich tun sollte, blieb ich einen Moment sitzen und starrte ihm hinterher. Dann, eine Entscheidung treffend, erhob ich mich und folgte ihm. Ich näherte mich meinem blonden ‚Bruder‘ beinahe lautlos doch er fragte ohne sich umzudrehen:
„Willst du auch einen Tee, Ed?“
„Ja bitte.“ Erwiderte ich und ließ mich auf einen der Stühle sinken, die vor unserer Küchentheke standen. Der hohe Barhocker hatte glücklicherweise eine Lehne und ich ließ mich dagegen fallen. Seit Bella in unser aller Leben geschneit war – Alice sei Dank – hatte sich eine Menge verändert. Nicht nur in der Schule oder hier zu Hause, auch in mir.
Ich konnte das spüren, jeden Tag und jede Stunde. Bella war mein ständiger Begleiter geworden und obwohl ich mir wochenlang größte Mühe gegeben hatte, es mir nicht anmerken zu lassen…
Jasper schien es trotzdem bemerkt zu haben. Was er wohl von mir hielt? Was er wohl dachte? Ich hatte Angst mich dem zu stellen, was er womöglich von mir halten könnte, aber er war mein Bruder und ewig konnte ich dem nicht aus dem Weg gehen. Also es besser jetzt hinter mich bringen als später.
Wir schwiegen einträchtig bis das Wasser kochte und Jasper es in zwei Tassen gegossen hatte. Er hatte uns einen Kräutertee rausgesucht und setzte sich mir gegenüber an den Thresen.
„Du kannst diesen Jacob jetzt schon nicht leiden, richtig?“ Er sprach ruhig, fast als hätte er mir gerade etwas über die Hausaufgaben mitgeteilt. Woher hatte Jasper dieses Gespür nur? Ich bewunderte ihn für seine Menschenkenntnis, dafür dass er immer wusste wie es seinem Gegenüber ging, selbst wenn der nichts gesagt hatte. Ich nickte wortlos und nippte an meiner Tasse. Jasper seufzte leise.
„Du kannst dir nicht so ganz erklären wieso, oder?“ Jasper sah mich neugierig an, er ließ es nicht so sehr durchscheinen, aber ich kannte ihn lange genug. Er wollte es wissen.
„Doch, ich weiß dass ich ihn nicht leiden kann. Und wieso.“ Erklärte ich düster und seufzte. Wissend nickte Jasper und deutete mit einem Kopfnicken in Richtung Decke.
„Du magst Bella.“ Es war keine Frage, eine einfache Feststellung. Jasper war sich dessen vollkommen sicher. Ergeben nickte ich.
„Das ist doch schön. Wieso ziehst du so ein Gesicht?“ Als ob das so einfach wäre!
Ich glaube, Jasper vergaß wie selten kitschig es bei ihm und Alice gewesen war. Zusammen aufgewachsen und irgendwann – sie hatten noch im Sandkasten gesessen – da hatte Alice erklärt, dass sie Jasper irgendwann heiraten würde. Als sie dann ungefähr vierzehn gewesen waren, da waren sie schon miteinander gegangen.
Nicht jedem war so etwas vergönnt. Schon so früh zu wissen zu wem man gehörte, das war einfach. Bei mir und Bella war das anders. Was sollte sie an mir finden, wo die halbe männliche Schülerschaft ihr nachhechelte?
„Edward, was ist los?“ Jasper beugte sich weiter zu mir und sah mir offen in die Augen. Ich zuckte mit den Schultern und wandte den Kopf zur Seite.
„Ich hab keine Chance bei ihr.“ Murmelte ich und konzentrierte mich auf die Fugen der Fliesen auf dem Küchenfußboden. Sie waren unheimlich spannend! Zumindest spannender und ungefährlicher zu beobachten als Jaspers Gesicht. Das sich immer wieder wiederholende Muster der Kreuzungen nahm mich gefangen. Wenn man sich darauf einlassen wollte, dann konnte wohl alles überaus aufregend sein.
Meine Gedanken glitten ab, flogen die Stufen hinauf und in Alice Zimmer zu Bella. Die beiden würden zusammensitzen, auf Alice Bett, und plaudern. Wahrscheinlich war es Alice, die die meiste Zeit sprach, aber Bella konnte gut zuhören. Das wusste ich.
Ich sah verwirrt auf als Jasper anfing zu lachen. Haltlos lachte mein Bruder, schob seine Teetasse zur Seite und schlug sogar auf den Tisch. So ausgelassen hatte ich ihn lange nicht lachen sehen. Wahrscheinlich hätte ich mich über seine gute Laune gefreut, wenn ich nicht der Grund gewesen wäre über den er lachte.
„Was?“ Fauchte ich schärfer als beabsichtigt und Jasper kicherte unbeirrt weiter.
„Oh Edward, du bist gut. Du bist wirklich gut.“ Japste Jasper und ich funkelte ihn warnend an. Er sollte sich besser erklären! „Und ich dachte bisher immer dass du sehr feinfühlig bist. Aber wenn man selbst involviert ist wird man blind, hm?“ Langsam beruhigte er sich und lächelte mich nur noch breit an. Meine Verwirrung war noch immer sehr groß und so starrte ich nur fragend zurück.
„Weißt du, ich bin froh zu sehen, dass langsam der alte Edward zurückkehrt. Glaub nicht, ich hätte nicht bemerkt dass du was damit zu tun hast, dass Bella überhaupt jetzt hier ist. Wir anderen waren doch alle unterwegs. Nur du kannst sie hergebracht haben, ihr Transporter ist nämlich nicht da. Und… Dir ist aber schon klar, dass Bella dich auch mag, oder? Sonst wäre sie wohl kaum neben dir am Flügel gesessen oder hätte dich in der Schule verteidigt?“ Hakte Jasper nach. Ich sah ihn mit großen Augen an. Konnte es möglich sein, dass er die Wahrheit sprach?
„Das ist aber doch nicht das Gleiche. Das, das beruht nicht auf Gegenseitigkeit.“ Würgte ich hervor und spielte mit meinen Fingern.
„Ich glaub ja ehrlich gesagt, dass du auf sie auch einen gewissen Eindruck hinterlassen hast. Und ich verrate dir noch was: Es gibt da keinen sonst in der Schule, bei dem sie so ruhig nebendran gesessen hätte während er Klavier spielt.“ Damit stand er auf und verließ die Küche. Seine Tasse stand leer mir gegenüber. Er hatte mir eine Menge zum Nachdenken gegeben. 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

-*- Kapitel 27: Schon wieder Shopping und Charlies Vorhersage -*-

„Komm schon, Bella. Du willst das anziehen, das sieht toll aus.“ Ich stöhnte als mich Alice und Rose in das ungefähr hundertste Outfit stecken wollten. Wir waren diesmal nur nach Port Angeles gefahren, das war näher.
Aber egal wohin es ging, ob Seattle oder Port Angeles, die Mädels fanden immer etwas. Das war anstrengend, meistens aber insofern lustig, dass auch Emmett und Jasper dabeiwaren. Allerdings hatten sich die Männer heute alle irgendwie aus der Affäre gezogen und ich war den Mädels hilflos ausgeliefert.
Seit drei Stunden zogen wir nun schon durch das große Kaufhaus und ich hatte schon mehrere Tüten in der Hand. Genau wie die anderen Beiden.
„Na gut, aber nur noch das. Ich bin müde. Und wir müssen bald wieder los.“ Murrte ich. Rose nickte zustimmend und drückte mir ein Bündel Klamotten in die Arme.
„Los anziehen!“ Befahl sie lächelnd und verschwand um sich eine andere Stange mit Klamotten anzusehen. Alice stand neben meiner Umkleidekabine und wartete darauf, dass ich wieder rauskam und mich präsentierte.
Ich hatte wirklich Glück gehabt. Strandparty im September versprach ein wenig kühl zu werden und deshalb durfte ich tatsächlich eine Jeans tragen, dazu vermutlich einen Pullover und eine dicke Jacke. Kein in ein zu enges Kleid zwängen oder zu viel Dekolletee zeigen. Erleichterung.
Trotzdem hatten mir die Beiden schon wieder ein elegantes Top rausgesucht. Ich zog es seufzend an, ich wusste Widerspruch nützte nichts, sie würden eine Gelegenheit für mich finden so etwas zu tragen.
Verwirrt sah ich in den Spiegel in der Umkleidekabine. Dieses Top war wirklich schön, nicht zu aufreizend, nicht zu aufdringlich, es betonte meine Figur sanft und sogar ich sah, dass es perfekt zu mir passte. Ich seufzte.
Zumindest wenn ich Gelegenheiten hätte so etwas mal zu tragen. Schicksalsergeben verließ ich die Kabine und Alice stürzte sich wie erwartet auf mich.
„Oh Bella, das ist traumhaft. Das musst du haben!“ Quietschte sie entzückt, ich verdrehte die Augen. Himmel, nun musste ich auch noch um meine Ohren fürchten. Es reichte ja scheinbar noch nicht, dass meine Füße bereits kaum noch fühlen konnten.
„Alice, wann soll ich so etwas denn jemals tragen?“ In meine Stimme mischte sich ein wenig Verzweiflung. Ich wollte dieses Oberteil, mehr als ich jemals zuvor ein Kleidungsstück gewollt hatte und das beunruhigte mich. Färbten die Cullens langsam auf mich ab?
„Es gibt so viele Gelegenheiten. Angefangen bei unseren Ausflügen nach Seattle. Die sollten wir unbedingt wieder aufnehmen und Party machen gehen. Dir hat es doch damals in dem Club auch gefallen?“ Alice Lächeln war entwaffnend. Ihre Erklärung war nicht besonders überzeugend, aber sie strahlte und ihre gute Laune rechtfertigte jeden Klamottenkauf. Zumindest für sie, bei mir sah das anders aus. Ein leises Seufzen entwich meinen Lippen als ich mich vor dem großen Spiegel noch einmal drehte.
„Das ist einfach perfekt für dich.“ Merkte Alice an und sie wusste es. Sie hatte gewonnen, schon lange bevor ich aus der Umkleide getreten war. Ich wollte dieses Oberteil.
„Damit machst du dann die Jungs alle ganz wuschig!“ Kicherte Alice und schob mich in die Kabine zurück. ‚Bitte was?‘ Fassungslos keuchte ich bei ihrer Bemerkung und starrte mich wieder im kleinen Spiegel an. Errötend sah ich auf mein Dekolletee, dass in diesem Top tatsächlich erstaunlich viel hergab und selbst in meinen Augen ‚einladend‘ aussah.
Was in drei Teufels Namen hatte ich mir nur dabei gedacht quasi mein Einverständnis zu geben? Erschüttert vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen. Natürlich wollte ich auch irgendwann einen Mann an meiner Seite haben… jemanden der immer für mich da war, wie Jasper für seine Alice. Jemanden der mich immer zum Lachen brachte, so wie Emmett es bei Rose immer schaffte.
Ich wollte nicht auf ewig allein bleiben, aber wo sollte ich ihn finden? Komischerweise fragte ich mich ausgerechnet jetzt, ob es Edward wohl manchmal genauso ging wenn er mit seinen Geschwistern zusammen war. Dachte er auch gelegentlich daran, wie schön es wäre eine Beziehung zu führen wie seine Geschwister welche hatten?
Wütend über mich selbst schüttelte ich den Kopf. Schon wieder so absurde Gedanken! Seit Wochen spukte mir immer wieder Edward im Kopf rum und das war ganz und gar nicht gut. Es erschreckte mich. Es erschreckte mich sehr.
„Bella, willst du dadrin übernachten oder was? Mach hin. Wir wollen noch was trinken bevor wir heimfahren.“ Quengelte Alice und ich beeilte mich das Oberteil aus-, mein altes wieder anzuziehen und dann den Beiden zu folgen, die sich sicher durch die Menschenmassen bewegten.
Als ich hinter ihnen herlief bewunderte ich wieder einmal ihre Eleganz. Die Cullens waren einfach eine unheimlich gesegnete Familie. Neidvoll seufzte ich.

Der Samstag kam und fast sah ich beim ersten Blick aus dem Fenster meine Hoffnungen wegen der Kleiderwahl schwinden: strahlender Sonnenschein.
„Pff und das hier in Forks.“ Murmelte ich verstimmt und schwang mich aus dem Bett.
Vielleicht hatte ich ja Glück und es regnete später noch einmal, so dass es unmöglich war ein Kleid zu tragen. Ich schlurfte runter in die Küche und war erstaunt Charlie mit der Zeitung vorzufinden. Hatte er nicht angeln gehen wollen?
„Morgen Bells.“ Brummte er und sah nur kurz von seiner Morgenzeitung auf. Ich kratzte mich gedankenvoll am Kopf und starrte die Titelseite an.
„Ähm, Dad? Wolltest du nicht angeln gehen?“ Er ließ die Zeitung sinken und starrte mich misstrauisch an. Was hatte ich nun wieder dummes gesagt?
„Willst du mich loswerden? Planst du eine Party?“ Er lächelte und ich seufzte.
„Als ob das nötig wäre wo doch heute Abend in La Push eine steigt.“ Der Stuhl ächzte leise unter mir, was mir eventuell zu denken gegeben hätte, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt wäre den Sonnenschein zu verfluchen.
„Wo wir gerade davon sprechen… bitte zieh dich heute Abend warm an, Schatz, ja? Es ist klirrend kalt geworden heute Nacht.“ Überrascht zog ich meine Augenbrauen hoch und ging zum Fenster. Ich schob den Riegel zurück und hielt eine Hand raus.
„Uäh.“ Knurrte ich und zog den Arm schnell zurück. Charlie lachte. Nach kurzem Frösteln fiel ich mit ein. Meine gute Laune war wieder da. Es war viel zu kalt für ein Kleid! Ha!
„Wann wirst du zu den Cullens gehen, Bells?“ Während ich aus dem Kühlschrank Milch holte, antwortete ich meinem Vater:
„Erst am frühen Nachmittag. So gegen zwei. Ich hab Alice ausreden können, dass heute Stunden nötig sind.“ Charlie lachte. Er kannte Alice mittlerweile ein wenig und da sie schon mehrmals auch hier übernachtet hatte, war ihm Alice durchgeknalltes Verhalten was Klamotten und Styling anging nicht entgangen.
„Na die wird sicher gleich doch nochmal anrufen. Hab Spaß dort Kleines.“ Fügte er hinzu und ich blickte erstaunt zu ihm rüber. Kleines? Seit wann nannte er mich denn wieder so? Ich dachte das hätte er schon vor sehr vielen Jahren abgelegt.
Noch bevor ich ihn dazu befragen konnte, klingelte das Telefon.
„Ich geh schon.“ Murmelte ich und ging die paar Schritte in den Flur um abzunehmen. Mir gefiel der Klingelton nicht, das hatte er noch nie, deswegen war ich froh wenn Charlie oder ich schnell abnahmen. Und was soll ich sagen? Charlie hatte wieder einmal recht.
„Swan.“
„Bella? Hier ist Alice. Man du musst jetzt rüberkommen, die Zeit reicht sonst nie und nimmer um uns alle fertigzumachen. Die fangen da drüben doch schon um 17 Uhr an.“ Jammerte sie sofort und ich seufzte. Doch nichts mit Schonung heute.
„Ich hab noch nicht einmal gefrühstückt, Alice. Ich ess jetzt was, dann pack ich meine Sachen und komme rüber, okay?“ Ich wusste das würde ihr nicht ausreichen, aber sie musste es wohl oder übel schlucken.
„Na gut, aber beeil dich Bella!“ Die Ungeduld war kaum zu überhören und dann legte sie auf. Einfach so. Kein Wort zur Verabschiedung. Ich schüttelte den Kopf und schritt zurück in die Küche. Charlie sah nicht einmal von der Zeitung auf als er sagte:
„Ich habs dir doch gesagt.“

Bei den Cullens angekommen, stieg ich langsam aus meinem Transporter, den ich diesmal weiter nach hinten gefahren hatte, sodass die Garage frei war. Später würden wir ohnehin mit einem der schnelleren Autos fahren.
„Bella, wie schön dich zu sehen.“ Rief Esme als ich näherkam. Sie stand auf der Terrasse und grub in einem ihrer Blumenkübel voll mit Kräutern.
Mal wieder erinnerte sie mich sehr an meine Mutter. Lautlos seufzte ich. Ich schenkte ihr ein Lächeln und ging an ihr vorbei ins Haus.
Meine kleine Reisetasche hing schwer über meiner Schulter. Im unteren Stockwerk war niemand, also nahm ich Stufe um Stufe um in die obere Etage zu kommen, in der Alice und Jaspers Zimmer lag. Dort würde ich sicher Alice finden.
Der lange, helle Flur begeisterte mich immer wieder. Ich betrachtete gerade einmal mehr ein Gemälde von einer stürmischen See, das dort hing als mir jemand meine Tasche abnahm.
„Danke Jas-“ Setzte ich an, verstummte aber als ich beim Umdrehen sah, dass es Edward war. Erstaunen ergriff mich. Von Jasper hatte ich so ein Verhalten erwartet, von Emmett eventuell auch wenn ihn jemand darauf hingewiesen hätte, aber von Edward? Er lächelte sanft. Vorsichtig.
„Danke Edward.“ Sagte ich. „Aber das musst du nicht. Ich kann sie schon selbst tragen.“ Er lächelte immer noch und schulterte meine Tasche.
„Aber ich mache es gern.“ Erwiderte er schlicht und klopfte an die Tür zu Jaspers und Alice Zimmer. Es dauerte keine halbe Minute und Jasper öffnete erleichtert die Tür.
„Endlich, Bella. Ich ertrag sie schon fast nicht mehr.“ Grinste er und aus Richtung des Badezimmers kam ein ‚Das habe ich genau gehört!‘ von Alice. Ich kicherte.
„Ja ich bin zu deiner Rettung herbeigeeilt.“ Flötete ich und trat ins Zimmer. Edward trat hinter mir ein und stellte meine Tasche ab. Alice tänzelte aus dem Bad und umarmte mich.
„Uh Edward, du bist ja mal wieder ein Gentleman. Ist er nicht süß, Bella?“ Sie ließ mich los,  fiel ihrem Bruder um den Hals und drückte den errötenden Edward an sich. Jasper schüttelte im Hintergrund den Kopf.
Also ich an Edwards Stelle hätte Alice wohl jetzt den Kopf abgerissen. Männer hassten es doch wenn man sie süß nannte. Er schien aber kein Wort mehr rauszukriegen.
„Komm Edward, wir lassen die Mädels allein und schauen ein bisschen Baseball. Ich glaub da läuft gleich ne Übertragung.“ Meinte Jasper und lächelte mir und Alice zu. „Ich sag Rose Bescheid und wir schnappen uns noch Emmett. Wir sehen uns nachher.“ Alice ließ Edward sofort los und klatschte in die Hände.
„Ja richtig, es gibt noch so viel zu tun. Los Bella, ab ins Bad!“ Kommandierte sie und ich kam ihrer Aufforderung lieber schnell nach. Die anderen Beiden verließen das Zimmer.

 
 
 
 

-*- Kapitel 28:  Wie eine Party laufen muss… oder nicht? -*-

„Mädchen beeilt euch. Emmett verliert die Nerven.“ Ertönte Jaspers Stimme vor der Zimmertür, als wir gerade unsere Schuhe anzogen. Rosalie hüpfte schon los.
„Ich fahre mit Emmett und Edward schonmal los, okay? Jasper kann euch ja fahren.“ Zwinkerte sie Alice zu und verschwand, in der offenen Zimmertür stand nun ein verwirrt dreinschauender Jasper. Er zeigte mit dem Daumen Rosalie hinterher und sah uns fragend an.
„Hat sie gerade mich zum Fahrer ernannt und mich somit vom Alkohol ausgeschlossen?“ Er schien fassungslos und ich lachte. Alice nickte nur und zog mich ungeduldig hoch.
„Ich finde es blöd, dass wir mit zwei Autos fahren müssen. Die arme Umwelt.“ Jetzt kannten Jasper und ich kein Halten mehr und lachten bis die Tränen kamen. Und diese versiegten erst als wir im Auto saßen.
Jasper fuhr wie immer den schwarzen Mercedes von Carlisle. Wieso war er eigentlich der einzige, der kein eigenes Auto besaß?
„Jas?“ Setzte ich an, doch er winkte ab. ‚Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer reden‘ ging es mir durch den Kopf und ich grinste.

Schon von Weitem konnte man die Leute am Strand sehen, es waren schon unheimlich viele und ich sah überrascht auf die Uhr: Sechs Uhr. Na klar, wegen Alice und Rose Aufdonner-aktionen waren wir natürlich wieder spät dran.
Kopfschüttelnd stieg ich aus dem Auto und just in diesem Moment kam Wind auf und zerzauste meine kunstvoll gelegten Locken. Alice seufzte neben mir und ließ sich von Jasper in den Arm nehmen. Ich wandte schnell den Kopf ab, wollte sie nicht dauernd beim Knutschen beobachten.
Mein Blick fiel auf Jacob, der neben dem Grill stand und lachte. Um ihn herum stand eine Gruppe von Jungen, alle etwa sein Alter, aber unheimlich groß. Ich ertappte mich dabei sie anzustarren, was aber keiner von ihnen zu bemerken schien.
„Bella?“ Erklang eine musikalische Stimme leise neben mir und ich zuckte zusammen. Erleichtert sah ich zur Seite. Es war nur Edward. ‚Nur Edward?‘ meine Gedanken schienen mir etwas sagen zu wollen, aber ich unterdrückte die Stimme. Ich zog die Augenbrauen hoch.
„Möchtest du…“ Er brach seinen Satz ab und spähte an mir vorbei. Was zog seine Aufmerksamkeit denn so magisch an? Verwirrt versuchte ich seinen Blick wieder einzufangen. Wollte ich was bitte?
„Bells.“ Ein Grinsen stahl sich auf meine Lippen und ich drehte mich schwungvoll um.
„Jake!“ Er lachte und schlang seine langen Arme um mich, damit er mich fest an sich ziehen konnte und hob mich sogar ein Stück vom Boden hoch.
„Hach, ich freu mich dass du da bist.“ Erklärte er ehrlich, stellte mich wieder ab und nickte dann Edward zu. Aber mehr kam nicht. Keine Vorstellung, kein nettes Hallo.
„Hey, du musst unbedingt was essen. Die Burger sind einsame Spitze!“ Jakes Hand umklammerte meine und zog mich hinter sich her.
Ich ließ alle anderen zurück, da ich nichts anderes tun konnte als Jacob hinterherzustolpern. Die Blicke, die ich in meinem Rücken spürte, waren mir mehr als unangenehm – und es waren mehr als die Blicke meiner Zweitfamilie.
„Jake, hey, nicht so schnell, ich-“ Mein Satz brach abrupt ab als Jake plötzlich die Richtung änderte und mich um eine Ecke zog. Dann schnellte er zu mir herum und ich lief gegen ihn.
„Bella.“ Flüsterte er angestrengt und ich lunste zu ihm hoch.Er sah gequält aus, verzweifelt. Mehr als ihn anzustarren brachte ich nicht fertig. War Jake doch…?
Mich überkam Nervosität. So eine Situation war mir so vollkommen unvertraut! ‚Stimmt ja gar nicht‘ belehrten mich meine Gedanken ‚Da war Edward und der Fast-Kuss‘. Oh Himmel, ausgerechnet jetzt musste ich daran denken. Ich war verloren. Total durchgeknallt.
„Bella, ich brauche deine Hilfe.“ Flüsterte Jake. Seine Augen flehten mich geradezu an. Was hatte er bloß? Was hatte mein Freund? Ich nickte nur und wartete auf eine Erklärung.
„Da drüben, da beim Feuer. Siehst du die Mädchen?“ Er wartete mein Nicken ab und sprach dann hastig weiter: „Die Kleine dort in der Mitte, mit dem roten Pulli, das ist… Vanessa. Nessie genannt.“ Er lächelte als er ihren Namen aussprach. Langsam begann ich zu verstehen.
„Du stehst auf sie?“ Jake atmete laut aus, sah zur Seite und nickte.
„Und wo ist nun dein Problem?“ Er zuckte mit den Schultern. Er sah auf einmal nur noch halb so groß aus und war nicht mehr der selbstsichere Typ, der mich am Strand einfach angesprochen hatte.
Eine Welle von Mitgefühl und Zuneigung überkam mich. Mit einem Mal stand er wieder aufrecht da, packte mich an den Schultern und sagte:
„Bitte du musst mir helfen, Bella. Irgendwie.“ Das war eines der seltsamsten Dinge die mir bisher in Forks passiert waren: Ein großer, normalerweise vollkommen selbstsicherer Junge bat mich um Hilfe um ein Mädchen anzusprechen. Das war wie… wie… als würde ein Elefant einen Floh um Hilfe bitten. Ich lächelte.
„Lass sie los.“ Die Stimme erschreckte mich. Sie war laut, sie war kalt und sie war mir vertraut. Jacob reagierte instinktiv, anstatt mich loszulassen schob er mich hinter sich und ragte dann vor mir auf. Noch in der Drehung war er leicht in die Knie gegangen und nahm eine Abwehrhaltung ein. Daran erinnerte ich mich dunkel aus dem Selbstverteidigungskurs, den meine Mutter unbedingt hatte besuchen wollen. Vor ihm, ich sah sie kaum, standen Emmett, Jasper und Edward. Brav aufgereiht wie kleine Soldaten. Emmett, in der Mitte stehend, überragte seine Brüder deutlich.
In welchem Film war ich denn bitte gelandet? Alle starrten sich feindselig an, Jacob verdeckte mich immer noch halb mit seinem eigenen Körper.
„Ähm hallo?“ Keiner reagierte. Emmett zuckte nicht einmal mit der Wimper als er Jacob quasi niederstarrte. Edwards Gesicht war ausdruckslos, eine Maske, aber ich konnte sehen, dass er wütend war. Alice hatte mir mal erzählt, dass dann eine Ader an seinem Hals hervortrat. Und genau das tat sie gerade!
Genervt schob ich mich an Jacob vorbei und zwischen die Fronten. Ich war definitiv durchgeknallt wenn ich mich todesmutig hier reinwagte. Vollkommen idiotisch.
„Jetzt ist aber mal gut hier. Erstens hat Jacob mir gar nichts getan, zweitens was soll der Aufstand und drittens, wieso seid ihr so unhöflich?“ Jasper entspannte sich, lächelte mich an und nickte dann Jacob vorsichtig zu. Na wenigstens einer.
Die anderen Beiden gaben ihre feindselige Haltung nur wenig auf, Emmett sah mich nachdenklich an während Edward sich wegdrehte. Irgendwas war hier ganz und gar nicht normal.
„Du kennst die Bella?“ Jakes Stimme erklang dirket neben meinem Ohr, ich spürte seinen Atem an meinem Nacken und bekam eine Gänsehaut.
„Jake? Das sind Jasper, Emmett und Edward Cullen. Ein Teil meiner Zweitfamilie.“ Ich lächelte als sich Emmett nun zurückzog, kurz nickte und sich dann mit den Worten ‚Ich geh zu Rose‘ verabschiedete.
„Ich glaub das war ein Missverständnis, bitte entschuldige unser Verhalten Jake?“ Fing Jasper an. „Wir haben uns nur Sorgen um Bella gemacht weil irgendein Kerl sie um eine Ecke entführt hat.“ Er lächelte leicht, Edward starrte an den Horizont und sprach kein Wort.
Und ich hatte gedacht meine Verwirrung könne nicht noch mehr werden, aber sie stieg weiterhin an. Irgendwann würde ich nicht einmal mehr meinen eigenen Namen wissen.
„Ich bin ja froh, dass Bella so gute Freunde hat. Ähm, Bella? Sprechen wir da nachher noch einmal drüber?“ Er sah aus als wolle er sich schnell von hier verdrücken und genau das tat er nun.
„Entschuldige Bella. Ich glaub keiner von uns hatte die Absicht deinen Freund zu vergraulen.“ Jasper sah schuldbewusst drein und ich lächelte. Ihr Verhalten war ja süß, auch wenn mir von Jake definitiv keine Gefahr drohte. Todsicher nicht.
„Ich geh mal Alice suchen.“ Er zwinkerte mir zu und mit einem letzten Lächeln in Edwards Richtung verschwand er. Edward und ich. Mal wieder.
Wir waren wieder allein, blieben zurück. Am Ende war es das was immer übrig zu bleiben schien: Edward und ich.
Er sah mich nicht an, es war eine genaue Kopie der ersten Begegnungen. Frustiert seufzte ich, ließ mich auf den Betonpfeiler nieder, der neben mir stand und stützte den Kopf in die Hände. Ich konnte mir wieder auf Nichts einen Reim machen.
„Geht’s dir gut?“ Fragte er leise und ich spürte die Bewegung neben mir. Ich nahm die Hände vom Kopf weg und sah ihn vor mir hocken. Seine grünen Augen musterten mich vorsichtig. Er hatte schon wieder diese scheue Zurückhaltung an sich, etwas von dem ich dachte wir hätten es endlich hinter uns gelassen. Wir waren mittlerweile doch so etwas wie Freunde, oder nicht?
Stumm erwiderte ich seinen Blick, ließ meine Augen über sein Gesicht wandern. Die Erinnerung an das letzte Wochenende kam zurück, ich hörte wieder wie er sanft die Tasten des Klaviers anschlug und mir vorspielte. Dann diesen intensiven Blick in meine Augen und wie er näher an mich herangerutscht war, um mich kurz darauf…
„Isabella?“ Ich blinzelte verwirrt und hinter Edward tauchte eine Gestalt auf. Ein mir vollkommen unbekannter junger Mann, etwa in Jacobs Alter und definitiv ein Quileute stand bei uns und sah mich fragend an.
Was wollte er und woher kannte er meinen Namen?
„Nur Bella.“ Antwortete ich automatisch. Der Junge grinste und nickte.
„Ich bin Quil, ein Freund von Jacob. Er steht gerade am Grill und hat gemeint ich solle mal nach dir schauen. Du hättest vielleicht Hunger.“ Seine Augen huschten von mir zu Edward und wieder zurück. Er schien auf der Hut zu sein, was wiederum etwas war, das ich nicht so ganz verstand.
Vor Edward Angst zu haben war irgendwie als würde man sich vor einem Eichhörnchen fürchten. Nach einem kurzen Blick auf Edward, dessen Gesicht leichten Frust zeigte, nickte ich.
„Ja, ich muss doch mal probieren was Jake da macht.“ Stimmte ich zu und stand auf. „Kommst du mit, Edward?“ Setzte ich hinzu und lächelte ihn an. Er sollte nicht den Eindruck bekommen als wolle ich ihn loswerden. Die meiste Zeit – zumindest in den letzten Tagen und Wochen – war er mir die angenehmere Gesellschaft seiner Familie, da die anderen dauernd rumknutschten. Man konnte sich irgendwann dem Neid doch nicht mehr entziehen. Edward sah mich überrascht an, folgte uns dann aber.
Quil redete ununterbrochen, er erzählte uns etwas von der Organisation dieser Feier, was noch geplant war und was es zu essen gab.
„Hey Bells. Was magst du haben?“ Fragte Jake als wir endlich die Schlange hinter uns gelassen hatten und bei ihm standen. Ich schaute auf den überfüllten Grill. Steaks, Würstchen, Hamburger und haufenweise Kartoffeln in Folie.
„Ich glaube, so eine Kartoffel würde mir erstmal reichen.“ Grinste ich und er schaufelte sie mir auf einen Teller – eine besonders große natürlich.
„Bitte sehr, die Dame. Dort drüben auf dem Tisch stehen Salate, Brot und Saucen. Bedien dich.“ Er wandte sich Edward zu und sah diesen fragend an. Edward schüttelte den Kopf, aber Jacobs Freund Quil drückte ihm schon einen Teller mit einem riesigen Steak in die Hand.
„Wir Männer brauchen Fleisch. Sonst können wir unsere Weiber nicht beschützen.“ Tönte er und zwinkerte mir zu. Ach Gott war das peinlich! Errötend drehte ich mich weg und huschte zu dem angewiesenen Tisch. Die Auswahl war überwältigend, es gab für jeden Geschmack etwas – gut sie hatten auch genug Geld eingesammelt am Eingang.
„Es tut mir Leid.“ Murmelte jemand leise an meiner Seite und ich sah den verlegen zu Boden starrenden Edward. Ich lachte.
„Du hast ja nichts getan. Jake hat mir schonmal erzählt, dass sein Freund Quil einen äußerst eigenwilligen Humor hat.“ Ich schnappte mir etwas Kräuterquark und häufte ihn neben meiner Kartoffel auf. Noch etwas Salat und ein Stück Brot und ich war erstmal glücklich.
„Wollen wir uns setzen?“ Edward nickte als er sich auch ein Stück Brot nahm und ich steuerte einen freien Tisch an. Sie hatten sich wirklich Mühe mit dieser Party gegeben und es war schön hier. Direkt am Strand, mehrere Lagerfeuer waren über den Strand verteilt, ein paar Grillstationen und in deren Nähe Tische und Bänke.
Edward setzte sich mir gegenüber und starrte seinen Teller an. Es sah zum Schießen aus, wie er das Steak betrachtete und scheinbar sicher war es nicht ganz aufessen zu können.
Ich versuchte mein Grinsen zu verstecken und machte mich daran meine Kartoffel zu essen.
„Hey Bella. Na schmeckts?“ Ich drehte den Kopf und sah mich Auge in Auge mit Mike Newton wieder, der neben mir Platz genommen hatte.
Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie Edward zusammenzuckte als er Mike sah. Nein, Mike, so nicht! Nicht mit mir. Ich schnitt eine Grimasse.
„Könntest du bitte einfach verschwinden?“ Bemühte ich mich um Höflichkeit, doch er blieb.
„Komm schon, Bella. Du willst doch gar nicht böse auf mich sein.“ Einschmeichelnd sollte seine Stimme wohl klingen, aber ich war sauer. Sauer auf ihn und Tyler, die diesen ganzen Mist angezettelt zu haben schienen. Wütend verschränkte ich die Arme vor der Brust.
„Verschwinde, Mike. Oder ich vergesse mich.“ Drohte ich ihm jetzt? ‚Oje, Bella, wie weit ist es mit dir gegangen?‘
„Ach komm schon, Bellalein. Wir sind doch so nett zu dir gewesen.“ Langsam dämmerte mir, dass es gefährlich wurde. Auf meiner anderen Seite saß nun Tyler und grinste mich an.
Edwards Lippen waren so fest aufeinandergepresst, dass sie nahezu weiß waren. Ich konnte ihm vom Gesicht ablesen, dass er sich genauso unwohl fühlte wie ich.
„Haut bitte einfach ab, okay? Wir würden gerne in Ruhe essen.“ Verkündete ich und wusste im selben Augenblick, dass ich damit keinen Erfolg haben würde. Tyler rückte näher an mich ran. Mike auf der anderen Seite machte es ihm nach.
„Aber Bella, nicht so unhöflich.“ Die Angst kroch mir langsam die Wirbelsäule hoch und ich senkte den Blick auf den Tisch vor mir. Edwards Hände waren zu Fäusten geballt und lagen neben seinem Teller. Ich wünschte mir den Edward von vorhin wieder zurück, den der mit seinen Brüdern mir hinterhergegangen war um mir den vermeintlich bösen Jacob vom Leib zu halten. Wieso konnte er jetzt nicht auch mein Beschützer sein? Dann wäre ich sicher auch wieder selbstsicherer im Umgang mit Tyler und Mike gewesen.
„Verschwinde, Tyler. Und nimm Mike bitte gleich mit. Wir wollen keinen Ärger, wir wollen hier nur gemütlich sitzen und in Ruhe essen.“ Meine Stimme klang unsicher und ich hasste mich dafür. Wo war die Superbella hin, die ihnen in der Schule verbal gehörig in den Arsch getreten hatte?
Mir traten Tränen in die Augen und ich suchte Edwards Blick. Als ich den Kopf leicht anhob um aufsehen zu können, erhaschte ich sofort den Blick von Edwards grünen Augen. Vor Schreck weiteten sie sich als sie in meine feuchten sahen.
„Verschwindet.“ Knurrte er Tyler und Mike an, die überrascht den Kopf ihm zuwandten. Mike lachte sogar.
„Uh, Cullen kriegt das Maul auf. Wie ist das denn passiert?“ Höhnte er belustigt. Tyler fiel in sein Lachen mit ein und ich ballte meine Hände zu Fäusten.
„Steht auf und lasst Bella in Ruhe.“ Spuckte Edward die Worte hasserfüllt aus und ich erkannte ihn kaum wieder. Wo nahm er diese Sicherheit auf einmal her? Sein Blick lag nicht mehr auf mir, er funkelte die beiden Jungs böse an. Er meinte es todernst!
In mir breitete sich eine Wärme aus, die ich zuvor noch nie verspürt hatte. Ich war so dankbar für Edwards Worte, auch wenn ich sicher war, er würde sie schon bald bereuen müssen.
„Du solltest besser keine dicke Lippe riskieren, Cullen. Weißt du, wir haben immer noch diese nette Kammer in der Schule…“ Bei diesen Worten von Mike riss mein Geduldsfaden. Doch Edward war schneller.
Er stand schon und baute sich vor Mike und Tyler auf. Sofort erhoben sich Beide und ich war scheinbar vollkommen vergessen. Mir war vorher nie aufgefallen, wie groß Edward war. Er war größer als Mike und überragte sogar den hochgewachsenen Tyler um den einen oder anderen Zentimeter.
Die Angst ersetzte das warme Gefühl und ich spürte die erste Träne aus meinem Auge tropfen.
„Uh, ist dir Bella so sehr ans Herz gewachsen? Oder erzählst du uns gleich wieder, dass das alles nur ein Missverständnis ist?“ Mike trat auf Edward zu, sah ihm ins Gesicht und schubste ihn. Tyler lachte. ‚Du musst Hilfe holen, Bella. Du bist nicht stark genug.‘ Schrie mich meine innere Stimme an und ich sah mich hektisch um, sprang auf und wurde sofort zurückgestoßen.
Tyler hatte noch die Arme erhoben und ich knallte mitten in den Tisch. Um mich herum klirrten Teller, Besteck und Gläser als der Tisch umfiel. Meine Hand tat weh, mein Ellenbogen versuchte mich abzufangen, aber ein stechender Schmerz fuhr hindurch, woraufhin ich unwillkürlich laut aufkeuchte.
Ich hörte Edward fluchen und sah erschrocken auf. Wenn seine melodiöse, sonst so ruhige Stimme fluchte klang es noch viel schlimmer als wenn sonst jemand fluchte.
Edward hatte Mike grob am Kragen gepackt und fletschte die Zähne – so sah es zumindest aus meiner Perspektive aus – Tyler wollte Mike zu Hilfe eilen, aber eine große Gestalt stellte sich in seinen Weg.
„Das wirst du schön bleiben lassen und Cullen? Bleib anständig, ich bitte dich darum.“ Die Stimme kam mir nicht bekannt vor, aber Edward reagierte mit einem simplen Kopfnicken.
„Bella!“ Hörte ich jetzt die besorgten Stimmen von Alice und Jasper. Eine Sekunde später knieten beide neben mir. Jaspers Gesicht war ruhig, er fragte mich sofort ob ich Schmerzen hatte und wo. Alice Gesicht war angsterfüllt, besorgt und sie legte sanft ihre zarten Arme um meinen Kopf. Ich hörte sie leise schluchzen.
Mit geübten Griffen betastete Jasper meinen Arm. Das hatte er sicher von Carlisle gelernt.
„Ihr werdet von hier verschwinden, wir dulden keinen Ärger auf unserem Land. Ich will euch auf dieser Party nicht mehr wiedersehen.“ Die rauhe Stimme klang autoritär und ich erhaschte einen Blick auf Tyler und Mike, die schweigend nickten und beleidigt abzogen.
Edward stand starr wie eine Statue, was die Beiden zwang um ihn herumzugehen. Sein Blick senkte sich langsam und begegnete meinem. Intensiv spürte ich seine grünen Augen auf mir und mein Herz setzte aus. Jaspers kühle Hand schob meinen Ärmel hoch.
„Au!“ Schrie ich und wandte mich Jasper zu. Der murmelte eine Entschuldigung und sah auf meinen Arm herunter. Ich sah den Schnitt, sah das Blut und kämpfte mit mir. Sofort wurde mir übel und mein Kopf drehte sich, ich konnte kein Blut sehen.
„Edward, Alice, wir brauchen irgendwas womit wir das vorläufig abbinden können.“ Instruierte Jasper und bevor sich irgendjemand rühren konnte, kniete Jake neben Jasper. Er schob dem blonden Freund meiner besten Freundin einen Verbandskasten hin. Dieser bedankte sich knapp und verband dann meinen Arm, während ich versuchte nicht in Ohnmacht zu fallen.
„Ich bring dich Heim, Bella.“ Sagte Jasper und zog mich nach oben. Ich traute mich langsam wieder die Augen aufzumachen und atmete wieder normal. Um meinen Arm wand sich ein weißer Verband, der Charlie sicher wieder aufstöhnen lassen würde.
„Nein, bitte nicht nach Hause. Charlie wird durchdrehen wenn er das sieht.“ Nuschelte ich und wurde rot. Ich senkte den Kopf und Jasper lachte.
„Na gut, dann eben zu uns nach Hause. Carlisle kann sich deinen Arm nochmal ansehen, ist wahrscheinlich sowieso besser.“ Erwiderte er und stützte mich. Alice lief auf meiner anderen Seite und hatte ihre kleine Hand in meine geschoben.
„Aber ich will euch nicht die Party versauen.“ Eine Person schob sich in mein Sichtfeld und ließ uns anhalten. Schluckend hob ich den Kopf. Es war Edward.
„Bleibt ruhig. Ich bringe sie nach Hause. Ich habe sowieso keine Lust auf Party.“ Tonlos kamen die Worte über seine Lippen, aber Alice quietschte auf und umarmte ihren Bruder spontan. Dankesbekundungen und gequietschte Laute wechselten sich ab. Ich verstand kein Wort.
Jasper ließ mich vorsichtig los und zog Alice von Edward weg.
„Ruhig Süße, lass ihn los, sonst kommt Bella gar nicht mehr nach Hause.“ Edwards Wangen waren rot gefärbt und ich lächelte. Alice konnte einen wirklich überrumpeln. Sie war und blieb nun einmal der kleine Wirbelwind.
„Es tut mir Leid, Bella. Sowas hätte hier nicht passieren dürfen.“ Neben mir stand mit einem Mal Jake und sah furchtbar geknickt aus.
Wie schafften die es heute alle sich so an mich ranzuschleichen? Ich schüttelte den Kopf.
„Aber das war doch nicht deine Schuld. Diese bescheuerten Kerle, also die…“ Er seufzte.
„Trotzdem. Ich wünschte ich wäre da gewesen.“ Dann sah er Edward fest an. „Danke dass du ihr geholfen hast. Ich schulde dir was.“ Damit umarmte er mich, drückte mir einen festen Kuss auf die Wange und verschwand mit seinen Freunden und dem großen Jungen, der Edward und mir geholfen hatte.
Meine Zweitfamilie, mittlerweile waren auch Rose und Emmett bei uns angekommen, brachte mich zu Edwards Volvo und verabschiedeten mich.
„Pass gut auf sie auf, Edward.“ Emmett grinste breit und dann waren wir weg.
Die Fahrt verlief schweigsam. Edward sprach nicht ein Wort und die Musik war aus. In der Luft lag eine Anspannung, die ich mir kaum erklären konnte. Nunja, wahrscheinlich wegen dem Zwischenfall. Mike und Tyler hatten unsere Stimmung gründlich verdorben.
Mit einem lauten Knirschen, der vom Kies herrührte, stoppte Edward den Wagen in der Einfahrt, direkt vor der Haustür. Er stieg aus und half mir schweigend aus dem Auto.
Als wir durch die Tür traten, sahen Carlisle und Esme erstaunt auf. Ihr Blick fiel auf Edwards Arm, der um meine Schulter gelegt war und Esme lächelte.
„Carlisle. Du musst dir Bellas Arm anschauen, sie hat sich verletzt.“ Bei Edwards Worten stand Carlisle sofort auf und führte uns an den Küchentisch. Ich wurde auf einen Stuhl verfrachtet und Carlisle holte seine Tasche.
Währenddessen starrte ich auf den provisorischen Verband und versuchte mit schmerzverzerrtem Gesicht den Arm zu beugen. Es tat höllisch weh.
„Lass es lieber. Carlisle kriegt das schon wieder hin.“ Leise hatte Edward gesprochen, so leise, dass ich ihn um ein Haar nicht verstanden hätte.
Sein Blick klebte an meinem verbundenen Arm. Kraftlos und mit einem Seufzen ließ ich den Arm wieder sinken. Carlisle kam zurück und stellte seine Tasche auf dem Tisch ab.
„Wer hat den Verband gemacht? Du, Edward?“ Fragte er und löste mit geschickten Fingern die weiße Schleife.
„Jasper.“ Erwiderte Edward schnell und Carlisle nickte lächelnd.
„Jasper hatte schon immer ein Talent dafür ruhig und besonnen zu bleiben.“ Lächelte Carlisle stolz und sah mich dann an. „Wie fühlst du dich? Was ist passiert?“ Ich atmete tief durch und versuchte mich gerade gegen den Anblick von Blut zu wappnen, als Carlisle mir diese Frage stellte.
Blinzelnd sah ich hoch und begegnete dem erwartungsvollen Blick Carlisles.
„Sie ist gefallen. In einen Tisch. Da lagen Teller, Besteck und geborstene Gläser rum. Sie hat sich den Arm aufgeschnitten, kurz vor der Armbeuge.“ Erklärte Edward ruhig und ich sah ihn dankbar an. Ich war nicht in der Lage gewesen zu antworten. Wortlos machte sich Carlisle daran den Rest des Verbandes abzumachen und ich sog erschrocken die Luft ein als ich wieder das Blut sah.
Es war nicht sonderlich viel, aber es reichte um mir Angst zu machen sodass mir schwindelig wurde.
„Edward!“ Carlisles Stimme drang dumpf zu mir durch und dann spürte ich zwei warme Hände, die sich um meine Schultern legten und mich aufrecht hielten.
„Sie ist einfach so hingefallen? In einen Tisch?“ Hakte Carlisle wieder nach und ich spürte Edward mit dem Kopf nicken, der nah an meinem Rücken war. Scheinbar kniete Edward neben mir um mich festzuhalten.
„Und sie kann kein Blut sehen. Arme Bella.“ Hörte ich dann Esmes Stimme weiter hinten im Raum. Meine Augen beließ ich geschlossen und versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren als Carlisles Hände an meinem verletzten Arm.
Und so wanderten meine Gedanken zu dem anderen Paar Hände, die sich auf meinem Körper befanden: Edwards. Ich sah sie fast vor mir, die langen, feinen Finger, die wie dafür geschaffen waren Klavier zu spielen. Meinen Lippen entwich ein leises Seufzen und ich zuckte innerlich zusammen. ‚Gott wie peinlich!‘ schalt ich mich selbst, aber von Carlisle kam nur ein leises:
„Entschuldigung.“ Er dachte wohl er hätte mir wehgetan. Eine bessere Ausrede würde ich wohl kaum bekommen und so schwieg ich.
Zittrig atmete ich ein und aus, der Geruch von Blut wurde langsam von einem chemischen Geruch nach Desinfektionsmittel überlagert. Es stach in der Nase, brachte die Übelkeit zurück, auch wenn sie diesmal anders war.
„Ganz ruhig Bella. Konzentrier dich nur darauf in einem gleichmäßigen Rhythmus zu atmen.“ Flüsterte mir Edward ins Ohr und sein warmer Atem strich über mein Ohr und meinen Nacken.
Eine Gänsehaut breitete sich in meinem Körper aus und ich schämte mich unwahrscheinlich. Was war bloß mit mir los?
Plötzlich stach mich etwas und ich zuckte zusammen, riss dabei die Augen auf und kniff sie sofort wieder fest zu als ich die Spritze in Carlisles Hand sah. Ich wollte gar nicht so genau wissen, was er getan hatte.
„Entschuldige. Ich habe dir nur eine Schmerzspritze gegeben, damit du heute Nacht einfach durchschlafen kannst. Du wirst sehen dann fühlst du dich morgen gleich viel besser.“ Erklärte Carlisle sanft und legte mir dann einen neuen Verband um.
Na klar, er hatte es gut gemeint, aber Spritzen waren kaum besser als fließendes Blut und so drehte sich mir alles: der Kopf schwindelte und der Magen drehte sich um. Meine ganze Kraft konzentrierte ich darauf mich nicht zu übergeben und gewann. Vorerst.
„So, wir sind fertig. Bella möchtest du etwas essen? Etwas trinken?“ Fragte Carlisle und strich abschließend einmal über meine Hand. Langsam und vorsichtig öffnete ich die Augen. Edwards Hände lagen immer noch um meine Schultern und stützten mich weiterhin, wofür ich ihm mehr als dankbar war. Ich war nicht sicher, ob ich wieder aufrecht sitzen oder stehen konnte.
„Nein. Nein, ich bin müde.“ Brachte ich hervor und versuchte meine Augen offenzuhalten. Gegen meinen Willen fielen sie immer wieder für Sekunden zu. Woher kam das? Ich war doch vor ein paar Minuten noch hellwach gewesen.
„Ja, das ist das Schmerz- und Beruhigungsmittel. Am besten du schläfst dich aus.“ Erwiderte Carlisle und wandte sich dann Edward:
„Ihr habt ihr bei Alice eine Matratze hingelegt oder? Kannst du sie hochbringen?“
„Vielleicht sollte sie besser etwas weicher liegen?“ Konterte Edward so leise, dass ich ihn nur hörte, weil sein Kopf genau neben meinem war. Ich hatte die Augen wieder geschlossen und sah wahrscheinlich aus als würde ich schon schlafen.
„Nunja, du kannst sie sicher auch in Alice Bett legen. Jasper wird dann auf der Matratze schlafen.“ Esmes Stimme waberte zu mir herüber, mütterlich und beschützend wie immer. Ich fühlte mich geborgen.
Für kurze Zeit verließen mich Edwards warme Hände und ich bemühte mich nicht wie ein kleines schmollendes Kind danach zu verlangen, als sich ein Druck um meine Beine und meinen Rücken schloss. Erschrocken versuchte ich die Augen zu öffnen, doch sie waren schon zentnerschwer. Was ich hinbekam war ein müdes Zappeln.
„Shhh, Bella. Ich bring dich nur nach oben.“ Murmelte Edward beruhigend und sein Atem strich sanft über mein Gesicht.
Meine Gedanken waren zu träge um seine Worte wirklich aufzunehmen, aber ich wusste wenigstens eines: Ich war nicht in Gefahr wenn Edward bei mir war.

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Da ich nicht wusste wo genau ich das bitte im Kapitel einbauen sollte, bekommt ihr die Klamottenlinks mal hier und jetzt, also wer sich dafür interessiert darf sie anklicken 😉

Alice Outfit: http://www.polyvore.com/party_part_ii_alice/set?id=12708818
Rosalies Outfit: http://www.polyvore.com/party_part_iii_rosalie/set?id=12709279
Bellas Outfit: http://www.polyvore.com/party_part_bella/set?id=12708437

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-*- Kapitel 29: Der nächste Morgen -*-

Edwards Sicht

Es war seltsam sie so zu sehen. Ja sicher, Bella war klein, zierlich, aber unheimlich stark. Sie hatte sich immer so gezeigt, war mir immer so erschienen.
Ihre Stimme war laut geworden als sie mich in der Schule verteidigt hatte, sie hatte einen Teil ihrer Freunde aufgegeben, nur weil sie der Meinung war sie taten mir Unrecht. Sie war stark. Unvergleichlich stark.
Doch als sie heute auf dieser Party Mike und Tyler gegenübergestanden hatte, da war sie in sich zusammengesunken. Vor meinen Augen hatte sie sich klein gemacht, hatte Angst verspürt und fast angefangen zu weinen.
Seufzend schüttelte ich den Kopf. Es ergab einfach keinen Sinn.
Mit einer Hand griff ich mir an den Kopf und zwickte die Nasenwurzel – als ob das etwas gegen die Kopfschmerzen ausrichten konnte, die ich verspürte! Wie hatte es heute Abend eigentlich so weit kommen können? Ich lehnte mich zurück und starrte zu Bella rüber, die schlafend dalag und friedlich schlummerte.
Carlisle hatte ihr nicht nur ein leichtes Mittel gegeben, ich hatte die Packung gesehen, aber warum hatte er Bella das verschwiegen? Sie hätte sicher nichts dagegen gesagt, da sie Carlisle vertraute. Ich verstand die Welt nicht mehr.
Erst dieser Quileute-Junge, Bellas Sandkastenfreund Jacob, der auf mich den Eindruck gemacht hatte als wolle er Bella für sich ganz allein beanspruchen. Dieses ganze Gebaren seinerseits… ich hatte es gehasst, vom ersten Augenblick an.
Musste er ihre Hand halten während er mit ihr ein paar Schritte ging? Musste er ihr den Arm um die Schultern legen als sie sich was zu essen aussuchte?
Innerlich kochte ich immer noch vor Wut. Er war offen, lachte viel, hatte viele Freunde, mit anderen Worten: Er war das genaue Gegenteil von mir. Wer könnte es Bella verdenken wenn sie lieber bei ihm war als bei mir?
Und nachdem wir endlich diesen Jacob aus unserer Nähe hatten, waren Mike und Tyler gekommen. Sie hassten mich. Bella hätte sich besser von mir fernhalten sollen, dann hätte sie die beiden nicht zu ihren Feinden gemacht.
„Argh.“ Ich knurrte leise und vergrub den Kopf in den Händen. Dadurch hörte ich nicht wie die Tür aufging und Esme hereinkam.
Als sie ihre Hände auf meine Schultern legte, schreckte ich auf. Als ich sie erkannte, atmete ich erleichtert aus.
„Entschuldige mein Junge, ich wollte dich nicht erschrecken.“ Sagte sie leise. Ich schnaufte.
„Schon okay, ich war in Gedanken.“ Meine Mutter nickte sanft und beobachtete Bella ein wenig bevor sie sich wieder an mich wandte.
„Du machst dir Sorgen um Bella.“ Es war eine Feststellung, nicht mehr, aber ich fühlte mich ertappt. Ich fühlte mich als müsse ich es erklären.
„Sie war heute auf einmal so klein, so zerbrechlich, so anders. Ich habe… ich habe etwas gesagt, Esme.“ Wortlos erwiderte sie meinen Blick und wartete. Verständnislos.
„Ich habe Tyler und Mike gesagt sie sollen gehen.“ Erklärte ich und meine Mutter schlug sich eine Hand vor den Mund. Jetzt war ich bestürzt!
Sie sah aus als würde sie gleich anfangen zu weinen. Meine Augen weiteten sich vor Schreck als sie mir dann auch noch um den Hals fiel.
„Oh Edward ich bin so stolz auf dich!“ Flüsterte sie erstickt und drückte mich fest an sich. ‚Versteh einer die Frauen‘ hörte ich die Stimme meines Bruders Emmett in meinem Kopf und gab ihm stumm recht.
„Oh Edward.“ Seufzte Esme wieder und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Du hast dich endlich gewehrt? Das ist toll.“ Mir stieg die Hitze in die Wangen und ich war froh, dass es in dem Zimmer dunkel war.
Esme war meine Mutter, war mir näher als meine leibliche Mutter es je gewesen war, aber es war mir dennoch peinlich. Peinlich oder nicht, ich vertraute ihr und wollte ihr gestehen was mich beschäftigte.
„Es war nicht ganz so. Ich wollte es nicht. Ich…“ Abrupt brach ich ab. Der Raum wurde mir zu eng, ich wusste es war nur Einbildung, aber der Raum war winzig mit einem mal. Automatisch atmete ich hektisch ein und versteifte mich.
„Edward, ruhig. Du musst atmen, einfach nur atmen. Edward.“ Esmes Stimme klang zu mir durch. Ruhig und liebevoll. Sie kannte mein Problem. „Ganz ruhig, Edward.“
Es war schwer ihren Anweisungen nachzukommen, obwohl ich wusste, dass sie Recht hatte.
Langsam fühlte ich mich besser, doch es dauerte ein paar Minuten bis ich wieder sprechen konnte. Zum Glück war dies hier nur Esme und niemand aus der Schule.
„Bella hatte Angst.“ Flüsterte ich. Meine Stimme klang sogar in meinen Ohren so leise, dass ich nicht sicher war ob Esme mich verstanden hatte. Aber sie musste es gehört haben, denn ihre Hand drückte sanft meine Schulter.
„Du bist ein guter Junge, Edward, ein guter Mensch.“ Sie küsste mich auf die Wange. „Ich bin froh, dass du langsam wieder zu dem Menschen wirst, der du schon so früh warst. Und das alles seit Bella hier ist.“ Es sprudelte nur so aus ihr heraus und ich kniff die Lippen fest aufeinander.
Na super, ja es war klar. Wenn mich schon Jasper und Alice durchschaut hatten, dann war es klar dass auch Esme und Carlisle um mein Geheimnis Bescheid wussten.
„Sag es ihr Edward, sag es ihr.“ Riet mir Esme noch, dann verschwand sie aus dem halbdunklen Zimmer und ließ mich allein. Nunja, allein bei Bella.
Wieder warf ich ihr einen Blick zu, konnte mich dann aber nicht von ihrem Gesicht losreißen. Bella war wunderschön. Sie war nett, freundlich, hilfsbereit und ihr Lächeln war einfach unbeschreiblich. Ich betrachtete ihr Antlitz und lächelte.
Es war schon spät und ich war müde und so übermannte mich der Schlaf.

„Edward.“ Ich spürte einen festen Druck an meiner Schulter, dem ich auszuweichen versuchte. Doch der Druck ließ nicht nach. Allmählich wurde er sogar mehr und ich glitt aus den tiefen Traumsphären zurück an die Oberfläche.
Blinzelnd schlug ich die Augen auf und hatte Alice und Jaspers Gesichter vor mir. Gähnend zog ich mich in dem Sessel hoch.
„Wie geht’s ihr?“ Fragte ich sofort und beide lächelten mich an. Alice kleine Hand schlang sich um meine und drückte sanft zu.
„Es geht ihr gut. Sie schläft noch.“ Antwortete Jasper ruhig und sah kurz zum Bett rüber. „Carlisle sagte, er hätte ihr ein Schlaf- und Beruhigungsmittel gegeben.“ Ich nickte stumm. Mein Blick wanderte an meinen Geschwistern vorbei, glitt zu der zierlichen Gestalt, die sich unter der Bettdecke abzeichnete.
„Wie spät ist es?“ Meine Augen waren zu dem großen Fenster links des Bettes gewandert, hatten die Helligkeit hinter den Vorhängen erfasst. Alice ließ sich in Jaspers Arme ziehen.
„Kurz vor neun.“ Ihre Stimme klang müde, ich wollte nicht wissen wann sie heute Nacht erst heimgekommen waren. Auf meinen fragenden Blick hin lächelte sie.
„Carlisle und Esme wollten doch heute nach Portland. Schon vergessen?“ Himmel, das war mir ja wirklich entfallen. Sie wollten immernoch den Familienausflug mit Essen durchziehen?
„Wir haben mit ihnen geredet und wollten dir nur Bescheid sagen.“ Erklärte Jasper. „Irgendjemand sollte bei Bella bleiben, sie wird noch ein bisschen schlafen. Wir dachten du willst vielleicht…“ Er beendete seinen Satz nicht, aber das war auch nicht nötig.
Schnell nickte ich und warf wieder einen Blick aufs Bett. Sie sah so friedlich aus, so ruhig.
„Ich gehe schon einmal runter. Kommst du nach, Alice?“ Meine Schwester lächelte ihren Freund an und er verließ das Zimmer. Nun drehte ich misstrauisch meinen Kopf zu ihr. Was wollte sie von mir?
„Edward. Ich kann sehen wie du sie anschaust. Ich kann sehen wie du auf sie reagierst.“ Das hier war ganz und gar nicht das Gespräch das ich führen wollte. Nicht mit Alice, nicht mit Esme und sicher nicht mit Carlisle.
Wenn es einen gab, mit dem ich darüber reden wollte, dann war es Jasper. Er war der Einzige, dem ich in solchen Fragen vertraute. Er kannte mich und er war unheimlich empfänglich für die Gefühle von anderen.
„Hör mir zu. Ich liebe dich, du bist mein Bruder, mein Lieblingsbruder.“ Sie sah mit ihren treuen Augen zu mir auf und ich wusste, ich würde alles tun was sie von mir wollte.
Seit meiner frühesten Kindheit hatte ich mich für Alice verantwortlich gefühlt. Mehr als für Rose oder einen meiner Brüder, denen ich sowieso nie hätte helfen können.
„Ich will dass du glücklich bist. Und dass Bella glücklich ist, sie ist meine beste Freundin.“ Fuhr Alice fort und drückte wieder meine Hand. „Rede mit ihr. Sie mag dich. Und du hast dich total in sie verknallt.“ Jetzt kicherte sie und zwinkerte mir zu. Oh man, war das peinlich. Ich wusste, dass mein Gesicht sicher dabei war rot anzulaufen und meine kleine Schwester kicherte immernoch. Super, sie fand das unheimlich witzig. Tolle Sache.
„Edward, sie ist deine Chance. Und nur wenn du ehrlich bist hast du eine wirkliche Chance. Vermassel das nicht indem du noch länger wartest. Glaub an dich.“ Sie beugte sich zu mir, küsste mich auf die Wange und ließ mich mit Bella allein.
Kurze Zeit später hörte ich wie die Haustür ins Schloss fiel. Nun waren sie alle weg. Auf dem Weg nach Portland, wo sie bis zum Abend sein würden.
Meine Chance, so hätte es Alice sicherlich ausgedrückt.
Mit einem tiefen Seufzer vergrub ich meine Hände in meinen Haaren um danach den ganzen Kopf in den Händen zu verstecken.

 

-*- Kapitel 30: Erkenntnisse am frühen Morgen… oder ein klein wenig später. -*-

Meine Träume waren wirr. Ich wusste nicht wer die ganzen Menschen in meinem Traum waren, aber ich wusste sie wollten alle etwas von mir. Manche Gesichter erkannte ich, andere kamen mir nur vage bekannt vor, andere wiederum waren mir gänzlich unbekannt.
Einzelne Bildfetzen hatte ich noch vor Augen, aber der Rest war undurchsichtig – so als hätte sich Nebel über die ganze Szenerie gelegt und verstecke alles.
Mein Kopf hämmerte leicht. Es war ein stetiges Klopfen, das mir den letzten Nerv rauben würde, wenn es nicht aufhörte. Doch was war wohl das beste Mittel gegen Kopfschmerzen, von denen man nicht wusste woher sie kamen?
Mir war angenehm warm und ich kuschelte mich tiefer in das weiche Kissen unter meinem Kopf. Tief einatmend verblasste aber das Angenehme und ich runzelte leicht die Stirn.
Müsste ich nicht eigentlich auf einer Matratze liegen? Das was unter mir aber so sanft federte, war ganz sicher keine Matratze sondern ein Bett. ‚Oh mein Gott, was ist passiert?‘ fragte ich mich in Gedanken und hatte Angst die Augen aufzuschlagen.
Die Unsicherheit ließ mich zittern und ich war mir nicht sicher wo ich aufwachen, geschweige denn was ich sehen würde. Mühsam überdachte ich die letzten Bildfetzen, die mein Gehirn mir zuspielte. Ich war mit den Cullens auf die Party gegangen, wir hatten Jake getroffen, ich hatte was essen wollen… und dann? Bilder von Mike und Tyler blitzten vor meinem inneren Auge auf, aber ich schüttelte nur den Kopf. Waren die Beiden jetzt in meinem Traum gewesen oder auf der Party?
Ich erinnerte mich auch an Schmerz und Übelkeit. Kein Wunder, für den Fall dass Mike und Tyler vor mir aufgetaucht waren wäre so eine Reaktion durchaus angebracht gewesen. Ich verabscheute sie mittlerweile. Wie konnte man nur so niederträchtig sein?
Ein leises Geräusch ließ mich auffahren. Tja, jetzt hatte ich doch die Augen aufgerissen. Das Zimmer um mich herum kam mir bekannt vor, doch ich war noch so benebelt, dass ich es nicht einordnen konnte. Die Augen weit aufgerissen blickte ich mich um und sank erleichtert ein Stück zurück in die Kissen.
Mein Herzschlag beruhigte sich langsam und ich atmete tief ein. Ich ließ den Blick schweifen, erkannte die Tür zum Badezimmer, die Kommode und die Wandfarbe. Bis mein Blick auf eine Gestalt auf dem Sessel fiel. Edward. Er schien zu schlafen, aber was machte er hier? Hier in Alice und Jaspers Zimmer?
Mit zittrigen Händen schlug ich die Bettdecke zurück und schwang meine Beine über den Rand, dann wagte ich den Versuch aufzustehen. Ich spürte meine Muskeln zucken, schaffte es aber trotzdem aufzustehen und vor allem aufrecht stehen zu bleiben.
Ganz langsam, ich wusste überhaupt nicht was mit mir los war, ging ich vorwärts. Edward rührte sich nicht, er schien tief und fest zu schlafen. Schnell warf ich einen Blick aufs Fenster. Die Vorhänge waren zwar zugezogen, man erkannte aber trotzdem dass es draussen sehr hell sein musste. ‚Vormittag wahrscheinlich‘ schätzte ich.
Mein Blick glitt zurück zu dem schlafenden Edward, der noch die gleichen Klamotten trug wie an der Party. Hatte er sich nicht umgezogen? Aber das hieße ja er wäre die ganze Nacht hiergewesen? Oder wann auch immer wir zurück gekommen waren. Ich sah auf meinen Arm, da ich erst jetzt das Ziehen in diesem wahrnahm. Mist.
Ein fachmännisch angelegter Verband. Das war sicher Carlisle gewesen, was aber gleichzeitig bedeutete, dass ich mich verletzt haben musste. Bildfetzen kamen mir in den Sinn, aber sie ergaben nicht wirklich Sinn.
„Edward?“ Fragte ich leise und hoffte er würde davon aufwachen. Natürlich hatte ich damit kein Glück. Er schlief tief und fest, hatte nicht einmal gezuckt als ich seinen Namen gesagt hatte. Pff, okay nicht verwunderlich bei der Lautstärke.
„Edward?“ Versuchte ich es in Zimmerlautstärke. Ich hatte ja auch nicht vor ihn jetzt anzuschreien, obwohl… der Gedanke ließ mich auflachen. Das wäre wirklich zu gemein. So etwas sollte ich mal mit Emmett machen – irgendwann am Wochenende – aber Edward hatte das nun wirklich nicht verdient.
Na gut, wenn er so nicht aufwachte musste ich es eben anders versuchen. Langsam streckte ich die Hand aus und wunderte mich, dass es mir auf einmal so vorkam als würde ich das in Zeitlupe tun. Wie in manchen kitschigen Filmen. Sanft berührte ich seine Schultern und strich kurz darüber. Keine Reaktion. Hm.
Sachte ließ ich die Hand an seine Wange gleiten und strich ihm dort leicht über die warme Haut, die erstaunlich weich war, trotz der Barstoppeln die sich dort abzeichneten. Endlich rührte er sich, entgegen meiner Erwartung schlug er aber nicht die Augen auf, sondern er schmiegte sich näher an meine Handfläche.
Total verdattert sah ich auf ihn hinunter und keuchte auf.
DAS hatte ihn jetzt aber tatsächlich geweckt und er schlug blinzelnd die Augen auf und blickte zu mir hoch. Erschrocken fuhr er zusammen und streckte dabei die Beine etwas von sich, wobei er mir gegen das Schienbein trat und mein Gleichgewicht störte.
Mit einem erstaunten Quieken fiel ich vornüber und auf ihn drauf. Aus Mangel an anderen Alternativen hielt ich mich an seinen Schultern fest und versuchte nicht gleich weiter auf den Boden zu fallen. Edward erstarrte zur Salzsäule und atmete sicher nicht einmal mehr.
Ich sah auf, versuchte ihn anzusehen und biss mir nervös auf die Lippen. Seine grünen Augen waren geweitet, starrten mich an als sei ich ein Wunder und sein Atem ging stoßweise. Von wegen er habe die Luft angehalten! Er bekam nicht genug davon.
„Äh…“ Fing ich an, wusste aber nicht was ich sagen sollte und suchte verzweifelt nach Worten. Er starrte mich einfach nur weiter an und seine Wangen überzog ein Hauch rosa.
„Ich wollte, also… ich…“ Mit einem unterdrückten Stöhnen gab ich den Versuch auf. Was hätte ich auch sagen sollen? Ich machte mich von ihm los, rutschte beim Aufstehen über seinen Schoß und spürte etwas. Jetzt war es an mir rot anzulaufen, aber ich ließ es ihn nicht sehen.
Mit von ihm abgewandten Gesicht ging ich langsam auf das verdeckte Fenster zu. Ich zog den Vorhang zurück und ließ das helle Licht ein, das leider nicht von Sonnenschein herrührte. ‚Hoffentlich hat er nicht gemerkt, dass ich gemerkt habe dass… ah Bella denk nicht drüber nach‘ schalt ich mich und starrte angestrengt in das Glas vor mir.
Meine Spiegelung machte nicht den Eindruck ein knallrotes Gesicht zu haben, also konnte ich mich vielleicht gefahrlos umdrehen. Gedacht, getan.
Edward war weg. Er musste das Zimmer verlassen haben, als ich am Fenster stand. Hatte er es doch gemerkt? Peinlich berührt vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen.
Jetzt wollte er sicher nie wieder mit mir reden. Aber was konnte ich denn bitte auch dafür? Das war keine Situation in die ich oft kam, genau genommen hatte ich so etwas noch nie miterlebt.
„Äh Bella?“ Kam dann genau die Stimme von der Tür, die ich erwartet hatte nicht mehr zu hören. Ich sah auf und da stand er. Mitten in der offenen Tür und hatte zwei Tassen in den Händen, die dampften.
„Ich dachte, du willst vielleicht eine Tasse heiße Schokolade?“ Fragte er leise und senkte den Blick. Woher wusste er dass ich heiße Schokolade liebte? Lächelnd räusperte ich mich kurz.
„Gern. Setzen wir uns auf die Couch?“ Er nickte und ging zu der Couch, zu der ich ihm folgte. Er stellte die Tassen auf dem niedrigen Glastisch ab und saß viel zu aufrecht da.
Nie und nimmer konnte das eine entspannende Haltung sein. Ich unterdrückte das Seufzen in meiner Kehle und versuchte stattdessen tief durchzuatmen.
Meine Hand griff ganz automatisch zu der heißen Tasse vor mir und ich nippte vorsichtig an dem Getränk. Hach ja, Schokolade, egal in welcher Form, es war eine Wohltat. Meine Sucht, meine Droge, etwas das mich immer zumindest ein bisschen aufmunterte.
„Sag mal, weißt du was gestern passiert ist?“ Fragte ich nach endlosen Minuten und er sah mich entgeistert an.
„Erinnerst du dich nicht mehr an die Party?“ Konterte er mit einer Gegenfrage und ich biss die Lippen aufeinander. Das war eine schwierige Frage. Ich erinnerte mich daran, dass Jake meine Hilfe gebraucht hatte. Ich erinnerte mich noch gut an den Moment, wo Edward und seine Brüder vor Jake gestanden hatten. Bereit mich zu verteidigen. Ich weiß noch, dass ich zwar verwirrt gewesen war, aber dass mich ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit hatte lächeln lassen.
„Nicht an den genauen Grund für das hier.“ Antwortete ich und hob den verletzten Arm an. Edward betrachtete erst den Verband nachdenklich, dann mich. Seine grünen Augen funkelten, aber sie waren dunkler als sonst. Was verschleierte sie so?
„Mike und Tyler sind aufgetaucht.“ Begann er und ich holte tief Luft.
„Also habe ich mir das nicht nur zusammengeträumt…“ Murmelte ich und er hielt inne. Sein Blick streifte mich, doch er sah schnell wieder zur Seite.
„Sie haben Ärger gemacht, du bist in einen Tisch gefallen. Ich hab dich hergebracht und Carlisle hat dich verarztet.“ Mehr sagte er nicht. War das alles? Angestrengt dachte ich nach, nippte dabei an meiner Tasse und seufzte leise.
„Hast du Schmerzen? Carlisle hat sicher noch Tabletten-“ Hastig schüttelte ich den Kopf.
Ich hasste es Tabletten schlucken zu müssen und ich hatte ja auch keine Schmerzen, also keine großen. Das würde ich auch so aushalten.
Mike und Tyler also. Aber die hatten bestimmt nicht einfach so abgelassen, schließlich waren sie wütend. Immer noch sauer, dass ich die Cullens ihnen vorgezogen hatte.
Bruchstücke kamen in meine Erinnerung zurück: ein großer Quileute, der die Beiden von der Party warf… Jasper, der meinen Arm verarztete… Alice, die mir aufhalf… Edward wie er aufsprang und sich Mike und Tyler stellte. Moment mal? Edward hatte sich gewehrt?
Verwirrt warf ich einen verstohlenen Blick zu ihm rüber. Er saß die Arme auf den Knien abgestützt auf dem Sofa und starrte vor sich hin. Sein Gesicht war glatt und makellos, so wie meistens und seine Augen fixierten einen Punkt in weiter Ferne.
Angestrengt versuchte ich mehr Details in meine Gedanken zurückkehren zu lassen und tatsächlich sah ich langsam aber sicher die ganze Situation vor mir. Edward war anfangs total eingeschüchtert von der Anwesenheit der Beiden gewesen.
Er hatte ängstlich ausgesehen und während ich ihn betrachtet hatte, war mir eingefallen, wieso die Beiden so gefährlich sein konnten. Wieso sie ihm solche Angst einjagten.
Mir war zu Bewusstsein gestiegen, dass ich mit ihnen höllisch aufpassen musste, denn sonst würden sie ausrasten und sich für mich sicher auch solch einen „Streich“ einfallen lassen wie damals für Edward.
Angst hatte mich übermannt, Edward hatte mir in die Augen gesehen und kurz darauf hatte Edward seinen Mut gefunden. Hatte das neugefundene Selbstvertrauen vielleicht etwas mit mir zu tun?
Die Möglichkeit erschien mir durchaus plausibel – aber sie erschreckte mich ein wenig.
In Phoenix hatte ich kaum Aufmerksamkeit auf mich gezogen, weder positive noch negative. Und kaum war ich in Forks, da flog mir scheinbar sowohl das eine als auch das andere zu. Wieso?
Nachdenklich führte ich die Tasse wieder an meinen Mund und trank einen Schluck. Ich hasste es verwirrt zu sein. Und in letzter Zeit war ich es dauernd. Nicht zum Aushalten!
„Ist alles okay mit dir Bella?“ Hörte ich Edwards Stimme leise fragen und ich konnte nicht umhin, noch ein weiteres Mal festzustellen, dass er eine wundervolle, engelsgleiche Stimme besaß.
Ich drehte leicht den Kopf, erwiderte den intensiven Blick und etwas in mir fiel an seinen Platz. Lange hatte ich schon gespürt, dass etwas fehlte, dass etwas nicht richtig war so wie es ist, aber nun war es auf wundersame Weise – und aus heiterem Himmel! – am richtigen Platz. Wärme durchströmte mich als ich Edward weiter ansah und er blinzelte ein wenig unsicher zurück.
Es schien mir als sähe ich ihn zum ersten Mal.
Noch nie hatten seine Augen so intensiv grün gefunkelt und solch eine unglaubliche Wärme ausgestrahlt. Sie versprachen mir Sicherheit, ich sah Sorge um mich darin. Das Gefühl welches mich durchströmte war berauschend.
Mir wurde langsam schwindelig und mein Kopf fühlte sich leicht an, so leicht wie an dem Abend in Seattle als ich getrunken hatte, doch diesmal war das Gefühl angenehmer. Und mir würde sicher danach nicht schlecht werden.
Immer noch starrte ich Edward an, ließ meinen Blick nicht von ihm obwohl ich merkte, wie er unsicherer wurde. Verwirrung, Unverständnis und ein wenig Misstrauen zeigten sich in seinem Gesicht.
Ich wünschte ich könnte ihn all das vergessen machen. Es gab für ihn keinen Grund so unsicher zu sein, er hatte doch alles was ein Mann brauchte.
‚Hast du das gerade wirklich gedacht, Bella?‘ fragte ich mich selbst und erschrak. Ich hatte das vollkommen ernst gemeint und mit einem Mal wusste ich was los war: ich war verliebt. Unwillkürlich seufzte ich auf.
„Bella? Ist alles in Ordnung? Tut dir was weh? Bella?“ Edwards Stimme drang auf mich ein und in seiner Sorge legte er mir die Hände auf die Schultern, um mich besser anzusehen.
Von dort ausgehend begann ein leichter Schauer durch meinen Körper zu gehen.
‚Um Himmels Willen! Ich habe mich in Edward Cullen verliebt‘ schoss es mir durch den Kopf.

 
 
 

-*- Kapitel 31: Irgendwann ist ein Punkt erreicht… -*-

Nachdem ich mich endlich wieder gefangen hatte, Edward hatte mich sicher einige lange Minuten besorgt angesehen und war schon kurz davor gewesen seinen Vater anzurufen, hatten wir uns eine Etage tiefer begeben und saßen etwas gelangweilt vor dem Fernseher.
Früher Sonntagnachmittag, kein berauschendes Fernsehprogramm, aber wir hatten eine unverfängliche Comedyserie eingeschaltet und hingen jeder unseren Gedanken nach.
Edward starrte die meiste Zeit aus dem Fenster und ich versuchte zu verarbeiten, dass ich in ihn verliebt war.
Wieso Edward? Wieso? Gott steh mir bei. Oder vielleicht doch lieber Alice und Rose? Sie verstanden sicher mehr von solchen Dingen als Gott. Äh, aber wollte ich Alice wirklich sagen, dass ich mich in ihren wunderlichen Bruder verliebt hatte? ‚Himmel nein‘ schrie ich gedanklich und zuckte zusammen.
Den fragenden Blick, den Edward mir daraufhin schenkte, beruhigte ich mit einm Kopfschütteln. Er sah wieder aus dem Fenster.
‚Jasper!‘ fuhr es mir durch den Kopf. Ja, Jasper wäre der richtige für ein Gespräch. Er würde die Klappe halten können, auch Alice gegenüber, ganz sicher. Und er war sensibel, feinfühlig und kannte Edward. Das wäre die richtige Idee.
Aber finde mal eine Gelegenheit mit Jasper zu reden ohne Alice dabei zu haben… Ich seufzte lautlos. Wieso Edward?
Mein Kopf ratterte und ich wollte mir die ganz offensichtlichen Antworten nicht geben: Er sah gut aus, er war intelligent, er war nett und höflich, er war begabt, er war ein Cullen. Trotz seiner verschlossenen Art hatte er irgendwann Vertrauen zu mir gefasst und dass er über seinen Schatten gesprungen war, hatte definitiv dazu beigetragen ihn in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem zu machen…
Ich ließ den Blick schweifen und erfreute mich kurz an dem hellen Wohnzimmer, an dem Blick aus dem Fenster auf den Wald und blieb dann an dem Flügel hängen.
Mir kamen Erinnerungen und ich sah wieder den Tag vor nicht allzu langer Zeit vor mir: Edward spielte mein Lieblingsklavierstück für mich und lächelte vor sich hin. Es war so schön gewesen. Ob er wieder für mich spielte wenn ich ihn fragte? Bisher hatte es immer den Eindruck gemacht als würde er gerne spielen.
Vorsichtig sah ich zur Seite und ertappte Edward dabei, wie er mich anstarrte. Schnell senkte er den Kopf und sah weg. Wie lange hatte er mich denn schon beobachtet? Forschend musterte ich sein Profil und bewunderte die gerade Nase, die hohen Wangenknochen und seine verwegen chaotischen Haare. ‚Bella, du bist hoffnungslos verloren wenn dir so ein Nest auf dem Kopf gefällt‘ schalt ich mich selbst und schüttelte kaum merklich den Kopf.
Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte laut aufgeseufzt. Keine gute Idee wenn ich Edward nicht beunruhigen wollte. Der Mann machte sich ja dauernd Sorgen!
„Hast du Hunger?“ Fragte mich Edward nach einer gefühlten Ewigkeit und ich schüttelte schweigsam den Kopf. Er seufzte.
„Du solltest aber etwas essen. Du hast ja auch nichts gefrühstückt.“ Gab er zu bedenken.
„Du auch nicht.“ Erwiderte ich leise, aber nachdem ich flüchtig einen Blick auf sein Gesicht geworfen hatte, wusste ich dass er das nicht als Argument gelten lassen würde.
„Aber ich muss auch keinen Blutverlust wieder gutmachen. Du musst etwas zu dir nehmen.“ Genau in dem Moment fing er an wie Renee zu klingen! Und weckte meine Trotzigkeit.
„Mir doch egal, ich hab keinen Hunger.“ Schnappte ich und sein Kopf schnellte zu mir rum. Weit aufgerissene grüne Augen sahen mich perplex an.
Natürlich, er wollte wissen wieso ich auf einmal so beleidigt klang. Wenn ichs ihm bloß erklären könnte! Ich hatte ja selbst keine Ahnung wieso ich mich jetzt an ihm ausließ, er meinte es ja nur gut.
Plötzlich war ich wütend auf mich selbst, sehr wütend. Ich konnte mich selbst kaum ertragen.
Erst verliebte ich mich in den wohl einzigen Mann, der niemals jemanden an sich ranlassen würde, dann bekam ich ohne Grund schlechte Laune und ließ diese auch noch an genau dem aus, der am wenigsten dafür konnte! Meine Güte, es gab wohl nichts was schlimmer war als sich selbst zu hassen, aber genau das tat ich in diesem Augenblick.
Mich entschuldigen kam aber in diesem Moment auch nicht infrage, nicht jetzt, nicht sofort. Obwohl ich es sollte… Edwards Kopf war leicht zwischen die Schultern gezogen, so als wolle er ihn schützen. Oje. Was hatte ich da angestellt?
„Edward?“ Begann ich ganz leise, aber er rückte nur kaum merklich ein Stück von mir weg. Verdammt! Gerade setzte ich an noch etwas zu sagen, da schnellte er hoch und ging Richtung Küche.
„Ich mache uns was zu essen.“ Erklärte er und war dann verschwunden. Endlich gestattete ich mir den Seufzer.

Keine drei Stunden später hatte ich es geschafft mich nach Hause zu verfrachten. Das Essen, das mich wirklich überrascht hatte – Edward kochte mindestens genauso gut wie Esme – war schweigsam verlaufen. Zu schweigsam.
Die Entschuldigung war mir immer wieder im Halse stecken geblieben wenn ich versucht hatte Edwards Blick einzufangen, aber er war mir beharrlich aus dem Weg gegangen. Kurz danach hatte ich ihm gesagt, dass ich nach Hause wollte. Seinen Einwand, Carlisle wolle noch einmal nach meiner Hand schauen, hatte ich ignoriert. Ich könnte ja am Montag einfach zu Carlisle ins Krankenhaus gehen. Edward hatte mich gehen lassen ohne einen weiteren Einwand.
„Super Bella. Du hast es echt vergeigt für heute.“ Murrte ich mir selbst zu und stieg aus meinem Transporter. Unser Haus sah wenig einladend aus, wenn man es mit dem der Cullens verglich und Charlie war ganz offenbar nicht da, aber ich wollte jetzt auch nur meine Ruhe haben.
Heute noch ein paar Stunden totschlagen und dann könnte ich schlafen gehen und vielleicht die Wut auf mich selbst vergessen.
Mit hängenden Schultern und schlurfenden Schritten schleppte ich mich die Treppe hoch in mein Zimmer.
Dieser kleine, altmodisch eingerichtete Raum war tatsächlich meiner und ich starrte ein paar Minuten total frustriert durch das Zimmer und schüttelte den Kopf. Es half mir gar nichts jetzt alles schlecht zu machen. Ich hatte mein Zimmer doch immer gern gehabt, gemocht dass es nichts Großartiges, nichts Besonderes war, einfach nur meines.
Ohne groß nachzudenken schaltete ich Musik ein, ließ sie über mich hinwegspülen und lag einfach reglos auf meinem Bett und starrte die Decke an. (AN: Eine wundervolle Band, mit einigen guten Songs… dieser hier ging mir durch den Kopf: http://www.youtube.com/watch?v=Xnd9fIzid6w )
Wie lange ich so dalag, war mir nicht bewusst, nur dass ich irgendwann sah wie sich der Himmel leicht verdunkelte und das Telefon klingelte. Ich ließ es klingeln, es war mir egal. Sollte es wichtig sein würde es der Anrufer schon wieder probieren.
Meine Gedanken zogen Kreise und ich wusste es ging um Edward, aber was genau bei diesen Gedanken rauskam, könnte ich nicht sagen: Es war als würden meine Gedanken eine andere Sprache sprechen als ich.

Vor meinem Fenster wurde es dunkel und der erste klare Gedanke, den ich fassen konnte, war: Wo ist Charlie? Tja, das war wohl eine gute Frage, denn sonst war mein Vater zu dieser Uhrzeit schon längst wieder zu Hause.
Seufzend nahm ich mich zusammen, schleppte mich die Treppen runter und sah in der Küche nach. Tatsächlich, da lag ein Zettel auf dem Tisch, von Charlie.
Bin mal wieder aushelfen in Mason, letzte Woche ist deren Chief in Rente gegangen. Es wird spät. Warte nicht mit dem Essen auf mich. Charlie
Lustlos sah ich zum Kühlschrank rüber. Mir war nicht nach Essen, auch wenn ich wohl besser etwas zu mir nehmen sollte. Meine Güte, das war doch nicht normal, dass man sich benahm wie ich es tat, oder?
Verliebt in Edward Cullen, Himmel, das war wirklich seltsam.
Ein Klopfen an der Haustür ließ mich aufschrecken. Schnell sah ich aus dem Fenster, es war noch am Dämmern, ich könnte einfach an die Fliegengittertür treten und rausschauen.
Langsam schritt ich durch den Flur und überlegte wer das sein könnte. Mir fiel niemand ein. Meine Hand glitt zu der Klinke und zog die Haustür auf, dann lächelte ich.
„Hey Bella.“ Jacob stand vor mir, links und rechts neben ihm jeweils ein Freund. Den Einen erkannte ich als Quil, der Andere war mir unbekannt. Ich zog die Fliegengittertür auf und ließ sie eintreten. Jake kam als Erster rein und zog mich in seine Arme.
„Hey, wir wollten dich nicht überfallen. Wir waren gerade in Forks, die geliehenen Grills zurückgeben, da dachte ich wir könnten mal bei dir vorbeischauen.“ Er sah mich vorsichtig an und wandte sich automatisch in Richtung Wohnzimmer.
„Hi, ich bin Embry.“ Murmelte der mir unbekannte Junge und ich ergriff die dargebotene Hand.
Sie schienen sich vollkommen wohlzufühlen in dieser ihnen eigentlich fremden Umgebung und ich konnte nur staunen. Jake stand neben dem Sofa, auf dem seine Freunde schon saßen. Vorsichtig musterte er mich.
„Ich hoffe wir stören nicht.“ Und als ich den Kopf schüttelte sprach er weiter: „Ich wollte sehen ob es dir gut geht.“ Seine Stimme war ganz leise geworden, rauh und heiser wie ich sie kannte. Er machte sich Sorgen wegen gestern!
Meine Augen wurden groß und ich lächelte unwillkürlich, dann hob ich den verbundenen Arm, wo unter meinem Ärmel der Verband hervorlugte.
„Carlisle hat sich um mich gekümmert, ich meine Dr Cullen.“ Brachte ich hervor und stotterte dabei ein wenig. Mist. Kann mir jemand sagen wieso ich jetzt unsicher war? Jake nickte.
„Ein Glück dass du ihn kennst. Und gut dass dich jemand heimgebracht hat.“ Murmelte er und sah sich um. In seinem Blick lag ein Ausdruck der mich überraschte und verwirrte. Suchte er jemanden?
„Sowas hätte nicht passieren sollen und Sam ist stinkwütend.“ Verkündete Quil und ich erstarrte, ebenso wie Jacob. „Hattest du schon öfter Ärger mit diesen Jungs Bella?“ Nun starrten mich alle Drei neugierig an. Nein, nicht neugierig, wissbegierig und zu allem bereit. Sie würden nicht dulden dass ich ihrer Frage auswich.
„Bella?“ Wir zuckten alle kurz zusammen, weil diese neue Stimme so unerwartet zu uns durchgedrungen war.
Jake und seine Freunde sahen sich misstrauisch an, dann blickte er zu mir. Ich war schon auf dem Weg zur Haustür, die – wie ich jetzt gerade feststellte – noch immer offenstand und nur das Fliegengitter trennte Jasper vom Flur.
„Hi Jasper. Was machst du denn hier?“ Fragte ich ehrlich erstaunt und bat ihn rein. Er lächelte und schob sich durch den Türrahmen, blieb aber stehen wo er war und starrte über meine Schulter.
Seinem Blick folgend ertappte ich die drei Quileute-Jungs wie sie sich aufgebaut hatten wie eine Gruppe Bodyguards. In welchem Film war ich noch gleich gelandet?
„Schon gut, das ist doch nur Jasper.“ Seufzte ich und überraschte alle Anwesenden indem ich mich in Jaspers Arme warf. Selbst ihn musste ich damit überrascht haben, aber er fing sich und strich mir beruhigend über den Rücken.
Ein paar Minuten standen wir so und er hatte mich beschützend an sich gedrückt, aber beharrlich geschwiegen und ich war dankbar. Dankbar auch, dass die anderen Jungs die Klappe gehalten hatten.
Irgendwann rückte ich von Jasper ab und sah verlegen zu Boden. Er lachte leise.
„Hey, nicht rotwerden. Du bist die beste Freundin meiner Freundin. Das ist okay.“ Er zog mich wieder ein wenig näher, legte den Arm um meine Schulter und blickte die wartenden Quileute an. Jake musterte ihn kurz, dann nickte er.
„Wir wollten nur sehen dass du in Ordnung bist Bella. Wenn diese Kerle dir nochmal Ärger machen, sag Bescheid. Auf uns kannst du zählen, okay?“ Quil und Embry nickten zustimmend und ich wagte es kaum zu atmen.
„Richtet Sam unseren Dank aus, ja? Meinen und den meiner Familie.“ Sagte Jasper als die Drei an uns vorbeigingen. Embry blieb kurz vor uns stehen, sah Jasper in die Augen und einen Moment lang kam ich mir ausgeschlossen vor. Sie kannten sich?
„Wir werden es ihm sagen.“ Versprach Embry und dann waren sie weg. Jake winkte noch aus dem Beifahrerfenster lehnend und lächelte mir zu. Ich winkte zurück, vollkommen in Gedanken versunken. Ich spürte Jasper hinter mir stehen, ein stummer Rückhalt.
„Also Bella, willst du mir erzählen woher dieser plötzliche Ansturm kommt?“

 
 
 

-*- Kapitel 32: Jasper wird’s schon richten -*-

Jasper hatte mich instinktiv durchschaut. Okay, vermutlich war das ihm stürmisch um den Hals fallen wie eine total Durchgeknallte auch einfach zu offensichtlich gewesen.
Verlegen saß ich im Wohnzimmer, auf dem kleinen, alten Sessel in der Ecke. Jasper saß mir gegenüber auf der breiten, abgewetzten Couch, sagte nichts und wartete brav, aber er sah mich unentwegt an. Er machte mich nervös, vor allem wenn ich an mein Geständnis dachte. Wie er wohl reagieren wird?
„Äh, was machst du eigentlich hier?“ Fragte ich in dem hilflosen Versuch von mir abzulenken. Er ging darauf ein, vorerst.
„Als wir heimkamen warst du weg und Edward hat nicht gerade viel rausgebracht. Da habe ich mir überlegt einfach mal vorbeizuschauen.“ Aha. Sehr… aufschlussreich.
„Und wo ist Alice?“ Er lachte auf und zwinkerte mir zu.
„Nur weil wir so unzertrennlich wirken, heißt das nicht, dass wir nicht auch mal getrennt voneinander sein können.“ Ich hoffte ihn nicht gekränkt zu haben. „Sie führt eine Diskussion mit Rose darüber, wohin der nächste Ausflug gehen soll.“
Jasper war entspannt, das absolute Gegenteil von mir und ich hasste es das so drastisch vor Augen geführt zu bekommen.
In den letzten Wochen, eigentlich seit ich nach Forks gezogen war, hatte die Nervosität sich beständig in mein Leben geschlichen. Nervosität, Verwirrung und ein kleines bisschen Angst war mein Lebensinhalt geworden. Das nervte. Es sollte aufhören. Sofort.
„Du hast dich in Edward verliebt oder?“ Ach du heilige Scheiße, konnte Jasper Gedanken lesen? Geschockt und zur Salzsäule erstarrt blickte ich ihn an.
Weder meine Gedanken noch der Rest von mir schaffte es sich irgendwie von dieser Feststellung loszumachen. Denn es war trotz des offensichtlichen Fragezeichens am Ende des Satzes nicht so gewesen, als würde er tatsächlich eine Zustimmung erwarten. Jasper wusste es einfach. Und woher verflucht?
Meine Gedanken gingen so durcheinander wie eine Gruppe aufgescheuchter Hühner und ich konnte nicht einen davon weiter festhalten. Wie Blitze zuckten verschiedene Empfindungen durch mich hindurch und manche verwunderten mich. Andere nicht.
Erschrecken, Scham, Furcht, Scham, Angst, Scham, dann Erleichterung und dann wurde ich rot.
Ich spürte es so sicher wie ich es immer spürte, denn die Hitze wallte in mir auf, stieg hoch zu den Wangen und bis zu den Ohren. ‚Bitte Erdboden, verschluck mich!‘
Das leise Lachen holte mich zurück. Jasper lachte kaum hörbar und seine Augen strahlten mich an, seine Hand griff nach meiner Schulter und er zog mich in seine Arme.
Obwohl es mir schrecklich peinlich war, versteckte ich mich an seiner Brust und ließ ihn mir über den Rücken streicheln. Es tat gut dass jemand Bescheid wusste, dass mir jemand beistand. Auch wenn er lachte.
Jasper nahm ich nichts übel, selbst wenn er sagte ich sei bescheuert mich in seinen Bruder zu verlieben, es wäre mir egal. Dies war Jasper und er war für mich da – vollkommen unabhängig von dem was ich sagte, tat oder dachte. Dessen war ich mir absolut sicher.
„Ach Bella. Ich lache dich nicht aus. Wirklich nicht.“ Raunte er mir zu und ich spürte seine Stimme durch seine Brust rollen. Woher hatte er gewusst dass ich in diese Richtung dachte?
„Du sprichst laut, Bella.“ Gab er sofort zur Antwort, woraufhin ich zusammenzuckte. „Hey, ganz ruhig, ich bin ja hier.“ Es war blödsinnig, aber irgendwie beruhigte mich seine Anwesenheit immer viel mehr als die meiner besten Freundin.
Ich liebte Alice – trotz ihrer Wirbelwind-Art, oder gerade deswegen – aber sie war mir manchmal zu viel. Jasper war immer genau richtig. Er wusste wie ein Mensch fühlte und er war immer genau das, was man gerade brauchte. Sanft und reserviert, aber immer da.
Ich schob mich von ihm weg und suchte seinen Blick. Ich wollte in seinen Augen lesen was er dachte, ob er wirklich nicht über mich lachte. Er sah mir fest in die Augen und ich las darin so viel Wärme und Zuneigung. Ja, die Cullens und vor allem Jasper gehörten definitiv zu meiner Familie.
Familie war schließlich mehr als Blutsverwandtschaft. Familie war das Gefühl von Sicherheit, von Zugehörigkeit, von Wärme und Liebe. Und all das hatte ich bei den Cullens.
Mit Emmett konnte man sich nur sicher fühlen, zu Alice, Jasper und Rosalie konnte man sich nur zugehörig fühlen, bei Esme und Carlisle spürte man immer die Wärme und Edward liebte ich.
„Himmel, Jasper, ich hab mich in Edward verliebt.“ Tonlos kamen die Worte über meine Lippen und ich war mir sicher, dass man mir nicht nur anhörte, sondern auch ansah wie erschreckt ich von diesen Gefühlen war. Wie unerwartet sie gekommen waren…
Jasper lächelte mich an und nickte. Er schien mich zu verstehen, versuchte nicht mir den Moment der erneuten Erkenntnis zu verderben oder mir eine Erklärung abzuringen. Nein. Jasper war einfach da. Still und sicher, wie eine Wand. Unerschütterlich.
„Oh man.“ Stöhnte ich auf und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Er lachte wieder leise und zog meine Hände weg.
„Ach komm schon, Bella. Das ist doch vollkommen in Ordnung. Menschen verlieben sich. Das ist normal.“ Ungläubig starrte ich zu ihm hoch.
War das sein Ernst? Kein Wort darüber, dass es ausgerechnet sein Bruder sein musste? Kein Wort darüber, dass es ein Ding der Unmöglichkeit war, dass Edward genauso empfand? Kein Wort darüber wieviel dieses Gefühl zwischen uns allen verändern konnte?
Eine seiner Hände lag noch immer auf meinem Rücken und streichelte träge auf und ab. Auf und ab.
Ein beruhigender Rhythmus, dem ich zusehends meinen Atem anpasste. Eigentlich sollte ich mich ängstigen, Angst empfinden im Angesicht der heftigen Gefühle die ich für Edward empfand, aber in Jaspers Nähe war das unmöglich.
„Wird es wehtun?“ Fragte ich hilflos und wunderte mich woher diese Worte gekommen waren. Ich hatte so etwas doch gar nicht sagen wollen.
Jaspers Brauen rutschten ein Stück höher, das Streicheln seiner Hand brach abrupt ab und er musterte mich überrascht. Er schwieg und ich hoffte schon nicht mehr auf ein Antwort, als seine Stimme wieder erklang:
„Liebe ist nie ganz schmerzfrei. Ich will dich da nicht anlügen.“ Ich hielt die Luft an. Tränen traten mir in die Augen, denn es würde sicher mehr als nur wehtun, ich konnte es in Jaspers Stimme hören, in seinem Tonfall.
„Ach Bella, nein, du verstehst mich falsch.“ Seufzte er und nahm das beruhigende Auf und Ab seiner Hand wieder auf. Schweigend fixierte ich einen Punkt an der Wand gegenüber.
„Bella, die Liebe raubt dir den Atem, sie fesselt dich und deinen Willen, du wirst blind für eventuelle Fehler oder schlechte Angewohnheiten. Aber die Liebe zaubert dir auch ein Lächeln ins Gesicht, immer wieder, sie gibt die das Gefühl zu schweben und alles zu überstehen, sie lässt dir Flügel wachsen.“ In seinen Augen lag ein Funkeln und ich war mir mehr als sicher, dass er gerade an Alice dachte.
Hm, klang gar nicht mal so schlecht wovon er da redete… aber ich würde es nicht bekommen. Nicht die guten Dinge. Nicht mit Edward.
Auf mein Gesicht musste sich wohl ein kleines bisschen Wehmut geschlichen haben, Neid und was weiß ich noch für Gefühle, denn Jasper lächelte mich aufmunternd an.
„Bella, du wirst das auch spüren. Du wirst all das bekommen und noch viel mehr.“ Seine Stimme grub sich nur langsam in meine Gedanken und deshalb dauerte es ein wenig bis ich reagierte:
„Aber nicht mit Edward.“ Es war als würde ich seinen Satz beenden, seinen Gedanken. Ich wusste einfach, dass es mit Edward nie so sein würde wie das was er mit Alice hatte.
Zu meinem Erstaunen schüttelte Jasper den Kopf und verzog das Gesicht als wolle er den Kopf gegen die Wand schlagen.
„Wieso seid ihr einfach Beide so unglaublich blind?!“ Hauchte er und ich verstand nur Bahnhof. Oder Flughafen. Oder was auch immer. Wovon redete er?
„Ach du meine Güte, das wird ja schwerer als ich dachte.“ Murmelte er und sprach dann lauter: „Bella, du magst Edward. Edward mag dich. Punkt. Ihr seid nur vollkommen blind und wollt es nicht sehen.“ Mein Mund klappte auf, setzte zu einer Erwiderung an, aber kein Ton kam raus. Ich klappte ihn wieder zu, versuchte es erneut, aber es war dasselbe Ergebnis: Kein Ton kam über meine Lippen.
Unbehaglich und ungläubig sah ich Jasper an und schüttelte den Kopf. Das war nicht wahr. Nein, Edward empfand nichts für mich. Wieso sollte er auch? Er wollte keine Beziehung, wollte niemanden ausser seiner Familie um sich herum haben.
„Jetzt mal ehrlich: Erinnerst du dich an den Tag als Edward dich abgeholt hat um dich zu uns zu bringen?“ Jasper wartete auf mein Nicken bevor er weitersprach. „Er sagte, Esme hätte ihn geschickt oder?“ Wieder nickte ich. „Tja und wie hat Esme da reagiert?“ Diesmal erwartete er eine Antwort. Ich überlegte kurz und flüsterte dann mit erstickter Stimme:
„Sie war erstaunt.“ Und da wusste ich worauf Jazz hinauswollte. Edward hatte mich nicht auf Esmes Bitte hin  abgeholt. Er hatte mich aus eigenem Antrieb abgeholt. Und wenn ihn niemand dazu aufgefordert hatte mich zu holen, dann ließ das nur einen Schluss zu: Er wollte mich in seiner Nähe haben.
„Na also. Wenigstens du fängst an mir zu glauben.“ Auf meinen fragenden Blick hin plauderte er weiter. So gesprächig kannte ich ihn gar nicht.
„Ich hab Edward genau das Gleiche gesagt wie dir. Gerade eben noch. Nochmal. Als hätte er das nicht alles schonmal gehört. Ich habe ihn damit konfrontiert, ihm gesagt dass du ihn magst. Und er dich. Er glaubt es mir nicht. Deswegen bin ich ja hier.“ Er holte kurz Luft. „Also, er glaubt mir natürlich seine eigenen Gefühle, aber deine nicht. Ihr seid wie zwei Züge, die sich dauernd verpassen. Seit mindestens einem Monat warte ich darauf, dass ihr endlich mal übereinanderstolpert weil einer von euch seinen Mut findet… aber nichts passiert. Ihr macht mich noch wahnsinnig!“
Stumm hatte ich zugehört und blieb es auch noch als er geendet hatte.
„Wieso bist du danach hierher gekommen?“ Gute Frage, das hatte ich ja sowieso wissen wollen. Er lächelte.
„Weil ich nicht mehr mitansehen kann wie sich mein Bruder rumschleppt und von dir träumt, statt mal die Augen aufzumachen und zu sehen, was er haben könnte. Esme fand meine Idee gut. Also kam ich her um mit dir zu reden. Edward wird in einer Million Jahren nicht so weit gehen dir zu zeigen wie sehr er dich mag. Nicht offensichtlich.“
Vielleicht hatte er gar nicht so unrecht mit dem was er sagte. ‚Er hat absolut recht‘ flüsterte mir meine innere Stimme zu ‚Denk an den Beinahe-Kuss.‘ Oh. OH. Den hatte ich doch tatsächlich fast vergessen. Verdrängt träfe es wohl eher.
„Wir haben uns fast geküsst.“ Platzte es plötzlich aus mir heraus und es traf Jasper wohl genauso unerwartet wie es aus mir herausgekommen war.
Er legte den Kopf schräg und wartete darauf, dass ich ihm mehr dazu sagte. Na super. Ich lief rot an und senkte den Kopf. Meine Hände flochten sich ineinander und waren momentan das Interessanteste auf der Welt.
„An genau dem Tag, den du gerade angesprochen hast.“ Flüsterte ich tonlos. Seine Stirn war gerunzelt und er schien zu überlegen. Dann entwich ihm ein tiefer Seufzer.
„Das war genau als Alice und ich wiederkamen, oder?“ Da ich meiner Stimme nicht traute und ihn auch noch immer nicht ansehen wollte, nickte ich.
„Ach… scheiße.“ Nun flog mein Kopf hoch, denn ich hatte Jazz noch nie fluchen hören. Er war doch immer so… ruhig.
„Das tut mir so Leid. Und ich hatte noch so ein Gefühl vorher. Wären wir doch bloß noch ein paar Minuten länger an dem Fluss geblieben.“ Hastig schüttelte ich den Kopf.
„Es war nicht der richtige Moment. Das… das hätte nicht… also…“ Ich brach ab. Was genau wäre eigentlich so schlimm daran gewesen? Mein Herz und mein Unterbewusstsein hatten doch offensichtlich schon gewusst was mein Verstand heute erst entdeckt hatte: Ich war verliebt.
„Es gibt den richtigen Moment nicht. Ich habe früher auch mal darüber nachgedacht, aber das war bei mir und Alice zum Glück nie ein Problem. Rosalie und Emmett haben den gesucht, aber es gibt ihn einfach nicht. Einfach raus damit.“ Mein Herz klopfte schneller als ich an den Moment zurückdachte. Vielleicht hätte es einfach geschehen sollen…
„Versprichst du mir was, Bella?“ Jaspers Stimme war sanft, wie immer, aber sie glich in keinster Weise der samtenen Stimme von Edward. Eigentlich hätte ich die nun gerne gehört.
„Alles.“ Antwortete ich prompt und er lächelte. Er wusste dass ich ihm vertraute und ich wusste, dass er mir nie etwas abverlangen würde, das mir schadete.
„Bei der nächstbesten Gelegenheit wo du und Edward alleine seid… wiederhole das. Und diesmal bring es zu Ende! Küss ihn. Er will das auch. Versucht es. Lasst es auf euch zukommen.“ Er zwinkerte mir zu und hob dann seine Autoschlüssel – nunja eigentlich Carlisles Autoschlüssel, aber egal – als Zeichen dass er nun verschwinden würde.
Er gab mir Zeit um darüber nachzudenken. Um über mich nachzudenken. Und über Edward.
Als ich aufsah fiel gerade die Tür sachte ins Schloss und ich war allein.

 
 
 
 
 
 

-*- Kapitel 33: Der erste Tag nach der Erkenntnis -*-

Das Wochenende war vorbei. Die Schule und all die Leute dort waren jetzt wieder angesagt. Früh bog ich mit meinem Transporter auf den Schulparkplatz ein und sah gerade Ben und Angela aus Bens Wagen steigen. Was für ein Glück! Wenigstens war ich dann nicht allein.
Heute, direkt nach dem Aufstehen, hatte ich schnell gemerkt dass ich Edward ein wenig aus dem Weg gehen wollte. Die Erkenntnis über meine Gefühle musste erst einmal verdaut werden. Daher hatte ich schnell geduscht, noch schneller eine Schale Cornflakes runtergeschlungen und war gleichzeitig mit Charlie aus dem Haus gegangen.
„Bella.“ Begrüßte mich Angela lächelnd als ich ausstieg und steuerte mit Ben auf mich zu. „Heute ganz alleine unterwegs?“ Ben nickte mir zu und ich lächelte zaghaft.
„Ja, ich hatte heute das Bedürfnis mit meinem Truck zu fahren.“ Es war gelogen, naja zumindest ein bisschen, aber man möge es mir verzeihen.
Angela lächelte, ließ sich einen Kuss von Ben geben und setzte sich dann mit mir in die Aula. Es war noch recht früh und mir wurde schnell klar, dass Angela etwas auf dem Herzen hatte. Doch sie war wie ich, sie brauchte Zeit bevor sie über etwas reden konnte, also schwieg ich.
„Wie war dein Wochenende, Bella?“ Fragte sie mich lächelnd und ich erwiderte die Geste.
„Naja, ganz okay. Warst du auch auf der Party in LaPush?“ Sie schüttelte den Kopf.
„Ben war krank. Ich bin bei ihm geblieben.“ Sie errötete ein wenig und ich wusste dass dies nur eine Ausrede war.
Sie hatte andere Gründe gehabt nicht zur Party zu kommen und ich freute mich für sie und Ben, dass sie es geschafft hatten ihre Beziehung auf das nächsthöhere Level zu hieven. Die Beiden passten ganz hervorragend zusammen.
„Wie war denn die Party?“ Hakte sie nach, nachdem wir ein paar Minuten geschwiegen hatten.
Die Zeit raste, so kam es mir zumindest vor und ich hatte Panik vor dem Augenblick wenn die Cullens an der Schule ankamen. Ich würde es nicht schaffen Edward lange aus dem Weg zu gehen und Jasper beobachtete mich sicher mit Argusaugen.
„Es war okay. Wirklich schön was die Jungs aus La Push arrangiert haben.“ Angela im Nachhinein Sorgen zu bereiten musste ja nicht sein.
„Ich hab gehört Mike und Tyler waren auch da.“ Begann sie vorsichtig. Also doch! Sie hatte von dem Vorfall gehört.
Ganz Forks musste darüber reden. Es war einfach eine Kleinstadt und jedweder Tratsch machte mehr als nur schnell die Runde. Ich hasste diese Stadt dafür.
Innerlich wappnete ich mich schon darauf, heute und in den nächsten Tagen Getuschel über mich ergehen zu lassen. Nach meinem Streit mit Mike und Tyler hatten sie doch auch tagelang darüber geredet, sich die Mäuler zerrissen.
„Ja, sie waren da.“ Stimmte ich ihr zu. Ich musste sie nicht anschauen um zu wissen, dass sie mich neugierig ansah. Wie erklärte ich den Vorfall so harmlos dass sie sich nicht sorgte?
Ach man. Das alles war wirklich nicht einfach. Wann war mein Leben so verworren geworden? ‚Seit du in Forks bist‘ sagte mir meine innere Stimme.
„Also? Sie haben Ärger gemacht, hm?“ Wieder nickte ich. Angela wusste doch schon was passiert war, wieso beließ sie es nicht einfach dabei?
„Nun komm schon Bella. Ich will deine Sichtweise hören. Ich habs von Ben und der hat es von Eric und der hat es auf der Party von irgendwem gehört. Da ist sicher nicht alles echt an der Geschichte.“ Hilflos zuckte ich mit den Schultern.
„Naja, Edward und ich haben gerade was gegessen, da kamen sie und haben rumgestänkert.“ Angela fuchtelte ungeduldig mit den Händen und ich seufzte.
„Sie wurden handgreiflich und auf einmal hatte ich… Panik vor ihnen. Edward…“ Ich verstummte.
Es war mir doch gleich so komisch vorgekommen, wieso sah ich das erst jetzt? Edward war aufgestanden und hatte sich gegen Mike und Tyler gewehrt. Woher kam seine Hundertachtzig-Grad-Drehung?
„Also stimmt es wirklich!“ Rief Angela überrascht aus und lächelte. Verwirrt erwiderte ich ihren Blick. Ihr Lächeln verblasste ein wenig, aber sie beugte sich zu mir herüber und flüsterte halblaut zu mir:
„Edward hat sich gewehrt oder? Er ist ihnen gegenübergetreten. Das hat Ben gesagt. Endlich wehrt er sich mal gegen diese Idioten.“ Schnell nickte ich.
Nanu? Angela schien fast stolz zu sein. Meine Hände nestelten an dem Bändel meines Kapuzenpullis herum. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass die erste Stunde bald anfing und es nicht mehr lange dauern konnte bis die Cullens hier waren.
„Wow. Woher er wohl auf einmal diesen Mut genommen hat?“ Überlegte Angela laut und sah sich dann um. „Ich wette es liegt an einem Mädchen!“ Ihre Augen leuchteten begeistert auf und ich schluckte.
„Glaubst du?“ Hauchte ich und spürte die Hitze in mir hochsteigen. Oh lass es sie nicht merken! Bitte. Mein Flehen wurde erhört. Vorerst.
„Ich frag mich wer sie wohl ist. Aber es sind doch immer Frauen die das Beste in einem guten Mann hervorlocken. Bestimmt wollte Edward dass sie ihn endlich beachtet.“ Angelas Theorie mochte ja nicht ganz falsch sein, vielleicht stimmte sie sogar, aber Edward war doch ein ganz besonderer Fall.
Ich glaubte nicht, dass das sein Motiv gewesen war.
„Uh, glaubst du er hat ne Freundin? Komm schon, Bella, du kennst ihn doch. Wer ist sie?“ Ich presste die Lippen aufeinander und sah zur Seite. Was sollte ich denn bitte darauf antworten?
Ich war mir mehr als sicher, dass er keine Freundin hatte, aber ich wusste wen er fast geküsst hatte. Oh Hilfe. Ich will das nicht fühlen. Das wird doch nie was mit Edward.
„Bella?“ Ich kniff noch immer die Lippen fest aufeinander. Angela suchte meinen Blick. Unter ihrem prüfenden Blick und dem sehr deutlichen Fragezeichen in ihrem Gesicht, errötete ich und starrte meine Füße an.
„Nein. Wirklich?!“ Quietschte sie leise und klang hocherfreut. Es war nicht schwer zu erraten wovon sie sprach. Ihre Augen leuchteten so sehr auf…
„Nein.“ Erwiderte ich automatisch. „Ich weiß nicht was du meinst, Ang. Da ist nichts zwischen mir und Edward.“ Ihr Lächeln blieb. Scheinbar war es allen klar. Nur ich und Edward schienen Bretter vor dem Kopf zu haben.
Oder warte… war er sich des Ganzen vielleicht auch bewusst und nur ich war blind wie ein Maulwurf? Oh Gott bewahre.
„Na gut, wenn du das sagst.“ Angela zuckte mit den Schultern und sah über meine Schulter. „Komm, lass uns gehen. Mathe wartet.“

Der Schultag war zäh wie Kaugummi und ich war froh vor der Mittagspause keinen der Cullens in meinen Kursen sitzen zu haben.
Ich war immer noch nicht darauf vorbereitet Edward mit dem Wissen gegenüber zu treten, dass ich in ihn verliebt war. Und er in mich. Oh man. Wahrscheinlich würde ich rot anlaufen und kein Wort mehr rausbekommen. Peinlich.
„Bella?“ Angelas Stimme brachte mich zurück ins Hier und Jetzt. Sie stand vor meinem Tisch und wartete. „Mittagspause? Die willst du doch nicht hier verbringen.“ Kicherte sie.
„Doch eigentlich schon.“ Stöhnte ich und ließ den Kopf auf den Tisch sinken.
„Geht es ihnen nicht gut, Miss Swan?“ Mischte sich nun auch die Stimme meines Lehrers mit ein und ich verzweifelte. Dies war alles andere als mein Tag.
„Ich glaube ihr ist ein bisschen schlecht. Können wir ein bisschen hier in dem Raum bleiben?“ Ach Angela war doch ein wahrer Engel! Genau was ich jetzt brauchte. Ruhe. Einsamkeit. Keine anderen Menschen, vor allem keine Cullens.
„Aber natürlich. Kümmern sie sich gut um ihre Freundin.“ Mit diesen Worten wurde die Tür leise geschlossen und Angela schob den Stuhl neben mir zurecht.
„Danke, Ang.“ Flüsterte ich und drehte den Kopf zu ihr. Sie lächelte.
„Du willst Edward nicht sehen oder?“ Schon wieder schlug ihr Scharfsinn zu. Sie war zu intelligent um sich täuschen zu lassen.
„Nein, doch… ich will die alle nicht sehen.“ Meine Antwort war undurchsichtig, genauso unentschieden wie ich mich eben fühlte. Ich liebte die Cullens, meine Zweitfamilie, aber diese Sache mit Edward machte es nicht einfacher.
„Wovor hast du denn Angst?“
„Ehrlich?“ Angela nickte. Ihr zu vertrauen war einfach. Sie hatte mir auch kaum Grund gegeben an ihr zu zweifeln, bisher, aber trotzdem hatte ich Angst noch mehr Menschen zu gestehen, wie sehr ich mich in Edward verliebt hatte.
„Es gibt keinen Grund wieso er die Gefühle erwidern sollte. Er will doch ganz offensichtlich nicht wirklich jemanden in seiner Nähe haben. Und dann… schau mich doch an! Ich bin allenfalls Durchschnitt und er ist ein Gott, ein Adonis. Mit dem Aussehen könnte er jedes Supermodel haben, es fehlt nur ein bisschen Selbstvertrauen.“ Laut stieß ich die Luft aus. Es war einfach hoffnungslos.
Aber ich konnte das sicher aussitzen. Einfach still verhalten. Es würde vorbeigehen. Ganz bestimmt sogar.
„Du bist so doof, Bella.“ Angela lachte und ignorierte meinen giftigen Blick. Danke schön, was hatte das denn jetzt mit der Situation zu tun?!
„Das sieht doch ein Blinder mit nem Krückstock dass Edward Hals über Kopf in dich verknallt ist!“ Ihr Lachen ertönte wieder und als ich sie nur geschockt anstarrte, rollte sie mit den Augen.
„Jetzt sag nicht du glaubst echt dass Edward ein Kerl ist dem das Äußerliche am Wichtigsten ist?“ Verächtliches Schnauben.
„Der Mann weiß noch echte Qualitäten zu schätzen. Ausserdem BIST du hübsch, Bella. Was meinst du wieso sich Tyler, Eric und Mike so auf dich eingeschossen haben? Ganz zu schweigen von der halben Unterstufe.“ Vollkommen verblüfft und ungläubig sah ich meine Freundin an.
Konnte da irgendetwas dran sein? Also, das mit Edward hatte mir ja Jasper auch schon gesagt, aber das mit all den anderen Jungs war mir neu.
„Okay, du bist wirklich blind.“ Seufzte sie und schüttelte den Kopf.
„Warum?“ Fragte ich kläglich und ließ den Kopf wieder auf die Tischplatte sinken. Sie lachte.
„Ein Fingerschnippen und Edward läge dir zu Füßen.“ Kicherte sie. „Und du könntest Abschlussballkönigin sein.“ Sie zwinkerte mir zu.
„Will ich doch gar nicht.“ Murmelte ich und sie zog mich schwungvoll von meinem Stuhl hoch. So viel Kraft und Elan hatte ich ihr gar nicht zugetraut.
„Weiß ich. Und jetzt aufstehen. Ab in die Mensa und an unseren Tisch. Die Anderen werden sich schon Sorgen machen. Vor allem Edward. Er hat eh nur Augen für dich.“ Widerspruch war zwecklos. Auf zum Essen.
Die Stille die mich umfing als wir die Mensa betraten machte mich stutzig. Hier war es nie ruhig. Ruhe war hier ein Fremdwort und auch Angela sah sich überrascht um.
An unserem Tisch saß einsam und allein, Ben. Als er uns sah, sprang er auf und eilte auf uns zu. Ich wurde unruhig.
„Da seid ihr ja. Und ich dachte schon ihr wäret da auch reingezogen worden.“ Ben umarmte Angela fest und lächelte mir erleichtert zu.
„Äh, wo rein gezogen?“ Hey, Angela und ich sollten Synchronsprecher werden – also gleichzeitig reden. Hatten wir ja scheinbar schon drauf. (AN: Sorry, sehr flacher Witz. Spontanaktion *Kopf auf die Tischplatte hau* *immer und immer wieder*)
Ben kratzte sich am Kopf und sah von Angela zu mir und wieder zurück. Unsicherheit kroch in mir empor und ich war kurz davor ihn am Kragen zu packen und durchzuschütteln.
Dieser Blick verhieß nichts Gutes und ich hatte das sehr sichere Gefühl, dass es etwas mit Edward zu tun hatte.
„Lasst uns rausgehen.“ Schlug er vor und wir folgten ihm mit mulmigem Gefühl. Angela sah mich mitfühlend an, da sie meine Gedanken offenbar teilte.
In der Hoffnung doch noch einen der Cullens zu sehen, sah ich mich nach allen Richtungen um. Nichts. Mein Kopf sagte mir, dass das nicht gut war. Ganz und gar nicht gut. Hoffentlich war ihnen nichts geschehen.
„Ben, leg los.“ Bettelte ich kaum dass die Tür hinter uns zugefallen war. Mit großen Augen und einem reservierten Gesichtsausdruck drehte er sich ganz mir zu.
„Der Direktor ist am Anfang der Mittagspause hier reingestürmt und hat sich ein paar Leute gegriffen. Er sagte irgendetwas von schweren Anschuldigungen und Zeugen.“ Er versuchte durchzuatmen, aber Angela und ich sahen ihn so entsetzt an, dass er hastig weitersprach:
„Er hat sich Mike und Tyler, sowie die Cullenjungs geschnappt. Daraufhin sind Alice und Rosalie natürlich mitgegangen.“
„Nein.“ Stieß ich atemlos hervor und krümmte mich. Mir war schlagartig schlecht und ich hatte Angst um Edward. Und Jasper und Emmett! Meine Güte, wer weiß was für Lügen sich Mike und Tyler ausgedacht hatten.
„Bella!“ Keuchte Angela und schlang die Arme um mich. Ben sah mindestens genauso erschrocken aus, aber er hielt Abstand. Nicht nur körperlich, sein Kopf blieb genauso kühl.
„Überlegt mal, der Direx sprach von Zeugen. Da muss noch jemand anderes mitmischen.“ Angela strich mir beruhigend über den Rücken und stützte mich.
„Alles okay bei dir?“ Fragte sie leise und ich nickte.
„Ich will zu ihnen.“ Mit einem Dackelblick par excellence sah ich zu meiner Freundin hoch. Ben bekam es auch mit und seufzte. Es dauerte nicht lange sie zu überreden. 

 

 
 
 
 

-*- Kapitel 34: Auf eines kann man sich immer verlassen: Ehrlichkeit siegt. -*-

Vor dem Büro des Direktors standen ein paar Menschen. Menschen die ich kannte. Nunja, ein paar davon zumidnest.
„Jake!“ Rief ich und rannte auf ihn zu. Nicht nur er reagierte auf mich. Der Rest der Jungs drehte sich auch um und die Gesichter von Quil und Embry erhellten sich.
„Bella.“ Lächelte Jake und schlang seine langen Arme um mich. Leicht drückte er mich und ich fühlte mich besser.
In Jakes Nähe zu sein und sein Lächeln zu sehen tat mir einfach gut. Es war fast wie bei Jasper. Nur dass Jasper mir näher war als ein Bruder. Jake war nicht mehr als ein guter Freund, ein Mensch dem ich vertraute.
„Was macht ihr denn hier? Ihr geht doch im Reservat zur Schule?“ Fragte ich ihn und schielte zu Embry und Quil, die mich noch immer anlächelten. Schlagartig wurden ihre Mienen ernst.
„Wir sind als Unterstützung hier. Für Sam.“ Antwortete ein größerer Junge, der sicher schon nicht mehr zur Schule ging.
Er war ein Indianer, eindeutig, aber er war durchtrainierter und größer und bulliger als Jake oder seine Freunde. Die Schultern waren breit, fast so breit wie die Schultern von Emmett.
Man sah ihm an, dass er ein ernstzunehmender Gegner war, dem man besser nicht in einer dunklen Straße begegnen wollte – zumal mit dem grimmigen Gesichtsausdruck den er jetzt zur Schau trug.
„Bella?“ Angela näherte sich zögerlich den Quileute und versuchte meinen Blick einzufangen. Ben folgte ihr auf dem Fuß. Vorsichtig und etwas reserviert.
„Jake? Das sind meine Freunde Angela und Ben.“ Stellte ich sie schnell vor. „Ang? Ben? Das sind Jake, Quil, Embry und… äh…“
„Paul und Jared.“ Übernahm Jake den letzten Part und deutete der Reihe nach auf die anderen zwei Anwesenden.
Gut, noch ein paar Menschen mehr, die ich auf meine Liste des schönen Forks schreiben konnte. Alle nickten einander zu, bevor ich meine Frage stellte:
„Wer ist Sam? Und wofür braucht er Unterstützung?“ Ich musterte Jake, der sich verlegen am Kopf kratzte, Quil und Embry wichen meinem Blick aus.
Einzig Paul und Jared sahen mir ruhig entgegen. Ruhig aber ernst.
„Sam ist… naja, er gehört zum Rat der Ältesten. Geburtsrecht.“ Setzte Jake an. „Er erstattet eurem Direx gerade Bericht über den Vorfall auf der Party am Samstag.“
„Genau genommen diskutiert er gerade jetzt mit den Beteiligten und den Verantwortlichen was genau geschehen ist.“ Berichtigte Paul – ich glaubte zumindest es war Paul – meinen Freund.
„Die Cullens.“ Warf Ben ein und sah erschrocken aus.
„Mike und Tyler.“ Ergänzte ich und schüttelte den Kopf. „Ist Sam dieser große Kerl, der die Beiden rausgeworfen hat am Samstag?“ Einstimmiges Nicken war meine Antwort.
Das war gut, immerhin war er auf unserer Seite. Er hatte doch gesehen, dass die Cullens – in dem Fall vor allem Edward – nicht angefangen hatten.
„Und für was braucht er euch?“ Jake lächelte, ebenso wie seine zwei Freunde, und legte mir den Arm um die Schultern.
„Ich hab doch gesagt wir sind für dich da.“ Flüsterte er mir zu und zwinkerte genau in dem Moment, als die Tür vor uns aufging und die Cullens raustraten. Edward kam als Erster und blieb abrupt stehen als er uns sah. Mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck musterte er Jake und mich.
„Hey, Ed, beweg dich mal.“ Maulte Emmett und schob seinen Bruder zur Seite. „Hey Bella.“ Grinste er dann fröhlich vor sich hin als er mich sah.
Nach und nach traten alle Cullens aus dem Zimmer des Direktors und hinter ihnen folgte Sam. Er war riesig. Und er sah mich freundlich an.
„Bella.“ Nickte er mir zu und lächelte. Bevor mir bewusst war was ich tat, erwiderte ich das Lächeln.
Die große Gestalt des jungen Mannes flößte mir Respekt ein, jetzt wo ich die Zeit hatte ihn genauer zu betrachten. Er überragte auch die hochgewachsenen Cullens noch um ein Stück. Beachtliche Leistung. Er gab mir das Gefühl, alle die mir wichtig waren in Sicherheit sein zu lassen. Mein Blick wanderte von ihm weiter zu Emmett und Jasper, deren Freundinnen nah bei ihnen standen. Von dort sah ich weiter zu Edward.
Unsere Blicke kreuzten sich und mir entging der Schmerz in seinen grünen Augen nicht. Er war bodenlos. Enttäuschung und Schmerz bekämpften sich. Ausnahmsweise konnte man Edward all dies auch an seinem Gesicht ablesen. Er sah verletzt aus.
„Oh Edward.“ Seufzte ich auf und machte mich von Jake los. Ich flog in die Arme des Mannes, den ich liebte und der mehr als nur überrascht von meiner Reaktion war. Er taumelte unter meinem Ansturm und prallte gegen die Wand hinter sich, schlang aber vorsichtig und sachte die Arme um meinen Rücken um mich festzuhalten.
Ich hörte Alice und Rose kichern, während Emmett laut loslachte. Mein Kopf lag an Edwards Brust und ich schmiegte mich näher an ihn um seinem Herzschlag zu lauschen.
Mir fiel zwar auf wie angespannt er war, aber ich war zu egoistisch um ihn jetzt schon loszulassen. Tief sog ich seinen Geruch in mich auf und genoß das Gefühl seine Wärme durch den Stoff seines Hemdes zu spüren.
Wieviel Zeit verging, in der ich regungslos an Edward gepresst dastand weiß ich nicht. Er wies mich nicht zurück, aber er tat auch sonst nichts. Seine Hände lagen reglos auf meinen Schulterblättern. Sie lagen ganz ruhig auf, als wäre mein Körper nicht mehr als ein Tisch und als diese Erkenntnis mich traf, löste ich mich endlich von Edward. Ich trat einen Schritt zurück und sah ihm offen ins Gesicht. Seine grünen Augen waren geweitet und er erwiderte stumm meinen Blick.
„Bella?“ Erschreckte mich eine tiefe, dunkle Männerstimme und ich drehte mich sofort um.
Was machte Charlie denn hier? Sein Blick durchbohrte mich, er musterte die jungen Leute um mich herum und schaute dann wieder zu mir zurück.
„Zeig mir deinen Arm“ Bat er dann und trat auf mich zu. Ohne Widerspruch rollte ich den Ärmel meines Pullovers hoch und entblößte den Verband.
Charlies Gesicht verfinsterte sich. Der Verband alleine war wohl kaum der Grund dafür, er hatte mich schon sehr oft mit so etwas gesehen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Charlie wütend war über die Umstände unter denen ich zu diesem Verband gekommen war. Denn dass er mittlerweile die ganze Geschichte kannte, daran zweifelte ich nicht.
„Ich werde deine Aussage aufnehmen müssen, Schatz. Ich will dass du Anzeige erstattest.“ Brummte er und ich nickte ergeben. Ihm zu widersprechen war nutzlos, das wusste ich. Er würde wenn nötig sogar die Zeugenaussage selbst schreiben um etwas tun zu können.
„Kommst du nach der Schule dann zur Station?“ Fragte er mich und ich nickte wieder. Besser ich brachte es schnell hinter mich. „Gut, ich warte dann auf dich.“ Brummte er, drückte mich kurz an sich und verschwand dann den Schulflur entlang.
Keiner sprach ein Wort. Es war schon fast komisch wie wir hier zu vierzehnt rumstanden und schwiegen.
„Kommt Jungs. Wir wollen den Schulalltag hier nicht noch mehr durcheinanderbringen.“ Sams Stimme war weich als er Jake und seine Freunde ansprach. Wortlos nickten alle und verabschiedeten sich von uns. Dann waren sie weg.
„Wir gehen schonmal zum Unterricht, okay Bella?“ Sagte Angela und wartete bis ich zustimmend nickte. Nun war ich mit den Cullens alleine.
„Wir sollten auch schonmal gehen. Wir haben zwar jetzt frei, aber wir werden Carlisle und Esme davon berichten.“ Rosalie zog an Emmetts Arm und kurz darauf waren auch sie verschwunden. Hilflos und so klein wie ich mich fühlte suchte ich Jaspers Blick. Er lächelte leicht und legte den Arm um Alice. Diese strahlte über das ganze Gesicht und ich war mir dessen bewusst, dass sie nur die Klappe hielt weil Jasper es so von ihr erwartete.
Unter anderen Umständen läge sie bestimmt Edward und mir um den Hals und würde laut ‚Hurra‘ rufen.
„Wir sollten auch in den Unterricht.“ Murmelte Jasper und sah mich intensiv an. Na super, erwartete er etwa dass ich jetzt ‚die Gelegenheit‘ nutzte und Edward küsste?
Liebend gerne hätte ich ihn jetzt laut angeschrien, aber das war Jasper. Mein bester Freund, der mir nur einen guten Rat geben wollte, der mein Bestes wollte. Ich seufzte tonlos.
„Edward, bring doch Bella heim. Sie sieht so blass aus, sie hat bestimmt Schmerzen. Ich entschuldige euch in Musik.“ Flötete Alice und zog dann Jasper mit sich mit.
Ich starrte ihr Löcher in den Rücken und so wie ich Alice kannte wäre sie jetzt liebend gern fröhlich pfeifend herumgehüpft. Wie sie mich alle so vorführen konnten, konnte ich einfach nicht fassen. Alles elende Verräter!

Es endete wie es in letzter Zeit wirklich oft endete: Edward und ich waren alleine.
Wir saßen vor meinem Haus auf der Veranda und starrten in verschiedene Richtungen.
Edward hatte mich, ganz der Gentlemen, selbstverständlich sofort nach Hause gebracht und nun wollte er nicht gehen, weil ich gesagt hatte dass ich keinerlei Absicht hatte heute oder morgen zu Carlisle zu gehen. Aber ich hatte wirklich kaum Schmerzen, deswegen Carlisle auf die Nerven zu fallen hielt ich für blödsinnig. Unnütz.
Edward sah das anders und blieb jetzt hartnäckig hier neben mir sitzen, nur um ein Auge auf mich zu haben. Übervorsichtig. Aber es brachte mich zum Lächeln.
Es war süß dass er sich so um mich kümmerte und ich fing langsam an, all seine Handlungen aus der Vergangenheit in einem neuen Licht zu sehen.
„Komm.“ Sagte ich zu ihm, stand auf und hielt ihm meine Hand hin. Perplex sah er zu mir hoch. Die grünen Augen funkelten, aber er war unsicher.
„Ich beiße nicht.“ Lächelte ich ihn an und wartete noch immer mit der ausgestreckten Hand.
Zögerlich hob er die Hand und legte sie in meine, dann stand er auf und leiß sich von mir in den Wald führen.
Das Waldstück hinter unserem Haus ließ ich normalerweise links liegen, denn ich hatte immer ein wenig Angst mich zu verlaufen, aber solange jemand bei mir war, war alles in Ordnung. Und ich hatte Lust mit ihm woanders zu sein.
Ganz allein zu sein, ohne befürchten zu müssen, dass doch noch irgendjemand zufällig an unserem Haus vorbeikam.
Eine Weile liefen wir schweigend. Edward immer an meiner Seite, aber einen halben Schritt zurück. Das verdeutlichte ganz klar wie sehr wir uns von normalen Menschen unseres Alters unterschieden. Gesellschaftstypisch wäre es andersherum: Der Mann sollte die Frau führen.
Seine Hand in meiner beruhigte mich und ich merkte, dass es mir gefiel ihn bei mir zu haben. In jedem einzelnen Augenblick, in jedem Atemzug und in jedem Herzschlag war ich mir bewusst wie angenehm es war ihn bei mir zu haben. Ich fragte mich ob er das nur annähernd so genau fühlte wie ich.
Jaspers Worte vom Vortag kamen mir wieder in Erinnerung und in mir kribbelte alles wenn ich mir vorstellte Edward zu küssen. Wie würde es wohl sein? Sanft, flüchtig oder doch irgendwie, leidenschaftlich? Ich schielte zur Seite und ertappte ihn dabei wie er mich beobachtete. Hastig senkte er den Blick und murmelte:
„Entschuldigung.“ Abrupt blieb ich stehen und drehte mich zu ihm hin, wodurch er fast in mich reinlief.
„Lass das.“ Entgegnete ich heftig und ruckartig flog sein Kopf nach oben. Grüne Augen trafen Braune. Jetzt oder nie!
Eine Welle von Kraft durchströmte mich und ich hatte das Gefühl, dass ich genau jetzt und genau hier alles erreichen konnte was ich wollte. Ich musste nur ehrlich zu mir sein und zu ihm, dann würde alles gut werden.
„Was denn? Ich hab doch nichts gemacht ausser mich zu entschuldigen.“
„Genau das ist es ja!“ Gab ich zurück und nun war er wahrscheinlich vollkommen durcheinander. Okay, ich gebs zu: Ich hätte mich sicher auch klarer ausdrücken können.
„Edward, komm schon. Wofür entschuldigst du dich eigentlich dauernd? Wieso bist du so zurückhaltend? Vorgestern bist du doch auch aufgestanden und hast dich endlich Mike und Tyler gestellt. Wo ist dieser Edward hin?“ Mit weit aufgerissenen Augen sah er mich unentwegt an. Meine Worte überraschten ihn ganz offensichtlich, vor allem ihre Heftigkeit.
„Ich will genau diesen Edward wiederhaben. Ich weiß dass er da drin ist.“ Murmelte ich und wurde immer leiser, legte aber zum Verdeutlichen meine Hand auf seine Brust – genau dorthin wo sein Herz unter seiner Haut schlagen musste.
„Wieso?“ Brachte er angestrengt heraus und sah auf mich runter. Mein Kopf schwebte unter seinem Kinn und ich blickte ihm fest in die Augen als ich antwortete.
„Weil jede Frau sich einen Mann an ihrer Seite wünscht, der aufsteht und sie verteidigt. Und wenn ich mich nicht schon vorher in dich verliebt hätte, dann wäre es spätestens dann um mich geschehen.“ So. Nun war es raus. Mein Blick bohrte sich immer noch geradeaus in Edwards grüne Augen und verlor sich darin.
Die Welt stand still. Ich hörte weder das Singen der Vögel, noch das Rauschen des Windes, noch das Plätschern des nahen Baches. Mein Kopf blendete alles aus. Es zählte nur noch Edward.

Edwards POV:

Was hatten mir meine Geschwister angetan? Sie ließen mich mit Bella allein, nach allem was gerade passiert war.
Wir hatten uns gerade erst alle in der Mensa getroffen, da war unser Direktor in den Saal gestürmt, hatte sich Mike und Tyler und meine Familie gegriffen.
Wir waren alle etwas überrascht gewesen, aber als wir vor seinem Büro auf Sam Uley und ein paar andere Jungs aus dem Reservat trafen, war die Situation ziemlich eindeutig.
Und tatsächlich: Sam hatte dem Direktor Bericht erstattet über die „Quasi-Schlägerei“ auf der Party am Wochenende und er hatte gleich den Chief mitgebracht, Bellas Vater.
Meine Geschwister und ich, so wie wahrscheinlich die Jungs aus dem Reservat auch, waren sehr erstaunt als wir anhand von Chief Swans Reaktion erkennen konnten, dass er noch nichts von dem Vorfall wusste und scheinbar auch nichts von Bellas Verletzung.
Sam schilderte wie es zu dem Zwischenfall gekommen war. Danach hatte man mich und meine Brüder zu Wort kommen lassen und hinterher Mike und Tyler, die natürlich alles abstritten. Aber das nützte ihnen nichts: Es gab zu viele Zeugen, die gegen sie sprachen.
Was mir dann aber vollends den Rest gegeben hatte: Unser Direktor hatte den alten Fall wieder aufgerollt, den Vorfall bei dem ich nähere Bekanntschaft mit einem sehr engen Raum gemacht hatte.
Schweiß brach mir aus und ich wurde unruhig. Selbst Alice und Rosalies Hände auf meinen Schultern hatten mich nicht beruhigt.
„Sagen sie uns wer das damals war, Edward.“ Bat mein Direktor. Dasselbe hatte er mich damals auch schon gefragt, aber ich hatte einfach nicht reagiert.
Heute war die Situation ein klein wenig anders. Meine Familie wusste schon Bescheid, sie hatten es auch schon gewusst bevor ich angefangen hatte ihnen davon zu erzählen. Und Bella. Ja Bella hatte ich die Geschichte auch erzählt. Ich hatte mich zur Wehr gesetzt, endlich, alles nur wegen ihr. Wegen meiner Bella.
„Es ist okay, Edward.“ Flüsterte mir Jasper beruhigend zu und dann war es aus mir hervorgebrochen.
Ich hatte die ganze Geschichte erzählt, beginnend bei den kleinen Missgeschicken und den Drohungen. Der Direktor hatte stillschweigend, aber entsetzt zugehört. Keine Pause, einfach nur alles loswerden. Die Hauptverantwortlichen von damals konnte man natürlich kaum noch zur Rechenschaft ziehen, die Meisten wohnten nicht einmal mehr in der Nähe. Aber es tat gut. Es erleichterte mich.

Jetzt saß ich hier mit Bella vor ihrem Haus und wir schwiegen uns an. Ich hatte sie überreden wollen mich ins Krankenhaus fahren zu lassen, zu Carlisle, der sich sicher ein paar Minuten für sie genommen hätte. Aber sie hatte schlichtweg abgelehnt und darauf bestanden dass ich sie nach Hause brachte.
Aus Pflichtgefühl war ich dann geblieben. Ach zum Teufel…. wem wollte ich eigentlich etwas vormachen? Ich blieb nicht weil ich es musste, sondern weil ich es wollte. Ich wollte in Bellas Nähe bleiben.
„Komm.“ Riss sie mich aus meinen Gedanken und hielt mir ihre zarte Hand hin. Zweifelnd sah ich zu ihr hoch. Was hatte sie denn jetzt vor?
Es kostete sie ein wenig Überredungskunst mich hochzubekommen, mich so weit zu bringen ihr meine Hand zu geben. Scheinbar hatte sie vor einen kleinen Spaziergang zu machen und hatte wohl richtig angenommen, dass sie mich sowieso nicht loswurde.
Wie es dann zu diesem Moment gekommen war, in dem wir uns einfach nur gegenüberstanden – meine Hand noch immer mit ihrer verschränkt – und uns tief in die Augen sahen wusste ich nicht mehr.
Irgendwann hatte sie mir Dinge an den Kopf geschmissen. Dinge, wie sie sie sah. Ihre Sichtweise war so anders als meine, dass ich einen Moment brauchte um hinter die Bedeutung ihrer Worte zu steigen.
Aber als sie dann etwas von verlieben sagte, war ich platt. Mein Gehirn funktionierte nicht mehr und ich starrte sie unverwandt an, wahrscheinlich blinzelte ich nicht einmal.
Ihre tiefbraunen Augen schimmerten im seichten Tageslicht, welches durch das dichte Blätterdach fiel. Ich versuchte ihren Anblick für immer in mein Herz einzubrennen: Die dichten, sachte geschwungenen Wimpern, die sich ihren Augenbrauen entgegen hoben. Das leichte Rosa auf ihren Wangen, der etwas tiefere Ton ihrer Lippen und vor allem den vertrauensvollen, entschlossenen Blick.
Aber was erwartete sie von mir? Wieso wollte sie mich? Ich war ein Wrack meiner Selbst, niemand dem man so viel Zuneigung und ein so schwieriges Gebilde wie eine Beziehung abverlangen sollte.
War ich denn überhaupt bereit mich auf so etwas einzulassen? Ich wusste, mein Herz schlug für sie, das wusste ich seit ich aus dem Sommerlager der Juilliard zurückgekommen war, aber konnte mein Herz es verkraften wenn dieser Versuch einer Beziehung im Desaster endete?
Wenn ich alles kaputtmachte, weil es mir so unglaublich schwerfiel Vertrauen zu fassen. War es nicht vielleicht besser einfach weiter im Stillen vor mich hinzuschwärmen, es nie rauszulassen, es Bella nie zu sagen um nichts heraufzubeschwören?
Schwer schluckte ich und konzentrierte mich wieder auf ihre braunen Augen. All meine Gedanken kamen mir auf einmal absurd vor.
Bella hatte alles verdient. Sie hatte es verdient auf Händen getragen zu werden, sie hatte es verdient dass jemand alles für sie tat und ihr alles gab was sie sich wünschte.
Und wenn ich gerade das war was sie sich wünschte? War es nicht besser etwas zu versuchen und daran zu scheitern als es gar nicht erst versucht zu haben?
„Edward?“ Bellas Stimme klang hohl. Es war nur mehr ein Hauch gewesen, aber ich konnte sehen, wie sie daran verzweifelte dass ich still blieb.
Mir wollte nichts einfallen was ich hätte sagen können um die Situation besser zu machen. Also ließ ich mich treiben. Ein Rat, den mir Jasper vor einer Woche gegeben hatte. „Mach den Kopf aus. Denk nicht nach und tu einfach das was dir in dem Moment als Erstes im Gefühl liegt. Zuck nicht zurück, tu es einfach.“

Bellas POV:

Auf mein Geständnis hin hatte Edward geschwiegen, er hatte lange geschwiegen, bis ich es nicht mehr ausgehalten hatte.
„Edward?“ Flüsterte ich so leise, dass man es kaum hören konnte, aber da er blinzelte und mich mit einem Mal wieder wach ansah, wusste ich dass er es gehört hatte.
Mir war mulmig zumute. Vielleicht hatten sich ja auch alle getäuscht und in Edwards freundschaftliches Verhalten etwas reininterpretiert was gar nicht da war?
Ich wurde magisch von seinen grünen Augen angezogen, die mit einem Mal wirklich intensiv strahlten. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber es kam kein Wort über seine Lippen.
Ein tiefer Atemzug seinerseits, der mich schier zur Verzweiflung brachte, weil ich mittlerweile gedanklich angekommen war bei den Vorwürfen gegenüber Alice, Jasper und Angela. Und dann geschah es schneller als erwartet.
Edward beugte sich vor und bat stumm mit seinen Augen um Zustimmung. Als ich nichts weiter tat als ihm tief in die Augen zu blicken, näherte er sich mir weiter und schließlich lagen seine Lippen auf meinen. Sie waren weich und warm, schmiegten sich an meine an und in mir explodierte etwas.
Mein Magen fuhr Achterbahn mit einem Haufen Schmetterlinge und ließ mein Herz schneller klopfen. Mir wurde warm und ich wusste nicht wohin mit meinen Händen, spürte keinerlei Körperkontakt zwischen mir und Edward, abgesehen von unseren Lippen.
Meine Augen hatte ich automatisch geschlossen, doch nun hob ich kurz eines ein wenig an um Edward zu betrachten. Seine Augen waren ebenfalls geschlossen und er sah zufrieden aus. Er war vollkommen ruhig.
Und dann war der Moment vorbei. Edwards Lippen ließen von meinen ab und ich spürte wie er wieder Abstand von mir nahm. Ich ließ meine Augen zu, wollte nicht wissen wie er mich jetzt ansah. Ich hatte Angst davor zu sehen, dass es ihm nicht gefallen hatte.
Oh Gott, wieso hatte mich Jasper nicht gewarnt wie schwer das sein würde?!
„Bella?“ Edward klang heiser, atemlos. Wieso? Widerwillig schlug ich die Augen auf und blickte ihn an.
Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, oder bildete ich mir das nur ein?
„Es wird langsam spät, dein Vater erwartet dich glaube ich.“ Murmelte er und ich nickte zustimmend.
Schweigend gingen wir dicht nebeneinander zurück zum Haus. Unsere Händen blieben wo sie hingehörten: an unseren Seiten. Wir sahen uns nicht an und als Edward mir anbot mich zur Polizeistation zu fahren, lehnte ich ab.
Ich würde das schon schaffen. Und keine Minute später war er weg. Wir hatten uns weder angesehen, noch große Worte verloren. Er war mit einem gemurmelten ‚Bis Morgen‘ gegangen. 

 
 

-*- Kapitel 35: Gedanken und guter Rat -*-

Die Zeugenaussage war schnell gemacht. Charlies Kollege machte es mir einfach, denn er hakte bei jedem Satz nach und ließ mich noch mehr erzählen. Obwohl ich mit meinen Gedanken ganz woanders war.
Edward hatte mich geküsst! Und es war noch viel besser als ich mir meinen ersten Kuss immer erträumt hatte. Ich hatte mich federleicht gefühlt, als würde ich schweben und so glücklich als könnte ich nie wieder traurig sein. Innerlich strahle ich so hell, dass ich mir sicher war der Sonne Konkurrenz zu machen.
Bis zu dem Augenblick als sich das Schweigen zwischen uns augebreitet hatte. Die Unsicherheit kehrte zu mir zurück.
Vielleicht war es Edward zu schnell gegangen? Bei dem Tempo, das er vorgelegt hatte sich mit mir anzufreunden, hätte ich auch nicht gerade damit rechnen sollen, dass er nach meiner eher unglücklichen Liebeserklärung sofort Feuer und Flamme war.
Mit einem Seufzen ließ ich mich auf mein Bett sinken.
Ich hatte mit Charlie auf dem Revier Pizza gegessen und er hatte mir erzählt, dass er später kommen würde. Er wollte den Vorfall vom Wochenende prüfen. Ich hätte es mir ja denken können. Charlie lebte in ständiger Angst, dass mir etwas zustoßen könnte. Und dass mich ein paar Schulkameraden verletzt hatten, brachte ihn zum Kochen. Fast verspürte ich einen Stich von Mitleid für Mike und Tyler, bis mir wieder einfiel, wie sie sich Edward gegenüber verhielten.
Nein, sie hatten definitiv alle Strafen verdient, die man ihnen geben würde. Welche das wohl sein würden?
Von mir würden sie wegen Körperverletzung angezeigt werden, da hatten sie mit einigen Sozialstunden zu rechnen – falls es ihr erstes Vergehen war. Was es ja nicht war. Sie waren an der Sache mit Edward zumindest zugegen gewesen.
Langsam wurde ich müde und machte mich bettfertig. In meine Decke eingekuschelt fragte ich mich, ob ich wohl überhaupt würde schlafen können, aber es dauerte überraschenderweise nicht lang bis ich tief und fest schlief.

Edwards POV:

Zum Glück dauerte die Fahrt von Bella bis zu mir nicht lange, denn ich war vollkommen durcheinander und es würde mich kaum wundern, wenn ich meinen Volvo gegen einen Baum setzte.
Die Auffahrt erschien mir unerträglich lang und trotzdem wollte ich nie ankommen. In unserem Haus war eigentlich immer jemand, irgendjemand aus meiner Familie war immer da.
Würden sie mir ansehen was passiert war? Würden sie wissen, dass ich Bella einen Kuss geraubt hatte? Zugegeben, sie schien nichts dagegen gehabt zu haben, aber es war und blieb immer ein gestohlener Kuss, der mir nicht zustand. Oder doch?
Ich bog um die letzte Kurve und das Haus tauchte vor meinen Augen auf. Es wuchs ins Unermessliche und ich stoppte mein Auto.
Mit einem schnellen Blick in die Garage sah ich, dass alle da waren. Wirklich alle, ausser Carlisle, der mit Sicherheit gerade im Krankenhaus arbeitete. Stöhnend ließ ich den Kopf auf das Lenkrad sinken.
„Wieso?“ Ja das war eine gute Frage. Wieso hatte ich das gemacht? Ich konnte eigentlich froh sein, dass sie mir keine gescheuert hatte.
Ihre Worte hatten ehrlich geklungen, sicher, aber konnte ich mir sicher sein, dass sie sich sicher darüber war? Vielleicht bildete sie sich diese Gefühle nur ein, weil ich sie „gerettet“ hatte? Ich seufzte und schüttelte den Kopf, der noch immer auf meinem Lenkrad ruhte. Ich drehte mich im Kreis.
‚Okay, logisch vorgehen wäre eine Idee. Das konnte ich doch früher auch‘ dachte ich und hob den Kopf. Ich starrte aus der Frontscheibe und dachte nach.
Fakt eins: Ich war in Bella verliebt. Schon eine ganze Weile.
Fakt zwei: Bella und ich waren so etwas wie Freunde geworden.
Fakt drei: Bella wusste um meine Vergangenheit, um alle Einzelheiten.
Fakt vier: Bella mochte es wenn ich Klavier spielte.
Fakt fünf: Sie hatte gesagt sie sei in mich verliebt.
Noch immer total durcheinander und irgendwie hilflos starrte ich durch die Scheibe nach vorne. Ich nahm nicht wirklich etwas von der Umgebung war.
Vor meinem inneren Auge sah ich dauernd wieder Bella vor mir. Meine Bella. Nunja, Bella eben. Wie sie lachte, wie sie rot wurde und wie sie mich angesehen hatte nach unserem Kuss: durcheinander, aber lächelnd. Sie hatte glücklich ausgesehen.
Plötzlich kam mir ein Gedanke. Ich sah Noten in meinen Gedanken aufblitzen und nun kam Leben in mich.
So schnell es nur irgendwie ging rannte ich ins Haus und setzte mich an den Flügel. Meine Finger flogen nur so über die Tasten und spielten die durchaus bekannte Melodie einer Ballade, die mir gerade am aussagekärftigsten erschien. In diesem einen Moment zählten nur der Flügel, meine Finger und meine Gefühle für Bella. (AN: Genau dieses Lied meine ich, leider habe ich keine Piano-Version gefunden *schnief* http://www.youtube.com/watch?v=B6lw1suaZpo )
„Edward?“ Fragte eine zarte Stimme hinter mir, als ich die letzten Töne verklingen ließ.
Ich brauchte mich nicht umzudrehen um zu wissen, dass Alice mich nachdenklich musterte. Sie kannte mich viel zu gut – so wie ich sie – als dass ihr entgehen könnte, wie zerissen ich war. Wahrscheinlich hatte sie es gewusst bevor ich auch nur in die Nähe unseres Hauses gekommen war.
Das hatte sie schon früher manchmal geschafft, zu wissen wie es mir ging, obwohl ich nicht in ihrer Nähe war. Fast so als sähe sie die Zukunft voraus.
Ihr zierlicher Körper schob sich neben mich auf den Klavierstuhl und sie legte ihren Kopf auf meine Schulter.
Es war für sie einer der untypischen Momente, denn sie blieb still und wartete bis ich von selbst anfing zu sprechen. Mit einem Seufzen versuchte ich mich daran.
„Du weißt was ich für Bella empfinde. Du weißt wie oft ich an sie denke. Du weißt, dass ich fast ausschließlich für sie spiele.“ Begann ich leise und fixierte mein Instrument, Ausdruck meiner Selbst seit so vielen Jahren. „Vorhin da hat sie… sie sagte sie sei in mich verliebt.“ Brachte ich tonlos hervor und wusste nicht weiter.
Alice sagte nichts. Ihr Kopf lag unverändert an meiner Schulter. Ich lauschte ihren regelmäßigen Atemzügen und fragte mich wo Jasper wohl war. Endlich rührte sie sich etwas, doch sie blieb wo sie war und legte nur ihre Hand auf meine, die ich in meinem Schoß verschränkt hatte.
„Und das ist nicht gut?“ Fragte sie flüsternd. Wieder seufzte ich und ließ den Kopf hängen. Ich erwiderte den leichten Druck ihrer Hand.
„Ich weiß nicht was richtig ist.“ Gab ich zurück. Meine Finger spielten mit Alice zarten, langen Fingern und ich dachte darüber nach wann sie wohl endlich den zarten Goldring von Jasper bekam, der genau dort hingehörte, und redete weiter.
„Was wenn ich Bellas Herz breche? Was wenn ich zu viele Probleme habe? Ich weiß dass ich ein kümmerlicher Schatten eines Mannes bin, Alice. Ich will ihr nicht wehtun, nur weil ich nicht in der Lage bin eine Beziehung zu führen, weil ich nicht in der Lage bin der Mann zu sein, den sie braucht.“ Presste ich hervor und schämte mich gleichzeitig für so viel Schwäche.
Welcher andere Mann würde soetwas von sich geben? Jetzt fehlte nur noch dass ich anfing zu weinen wie ein kleines Kind! Mit einem ärgerlichen Kopfschütteln ließ ich von dem Gedanken ab.
„Lieber geliebt und verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben.“ Flüsterte Alice erneut. „Man sagt das nicht umsonst, Edward. Die intelligenten Menschen können das sehen, auch wenn es manchmal vielleicht dauert. Und ich bin mir mehr als sicher, dass du ihr Herz nicht brechen wirst. Du würdest alles für sie tun, du bist ein guter Mensch. Ich weiß das. Und Bella vertraut dir. Was nebenbei bemerkt, auch ausschlaggebend ist.“ Ihre Stimme war immer lauter geworden, immer fester und ich wusste, dass sie glaubte was sie sagte.
Esme hätte mir – zwar in anderen Worten – wohl genau das Gleiche gesagt.
„Bella weiß was gut für sie ist. Sie will dich. Und du willst sie. Sie wäre bestimmt auch gut für dich. Du willst dir doch in zwanzig Jahren nicht vorhalten müssen dass du es nie versucht hast, oder?!“ Setzte sie nach und schaute mich durchdringend an. Diesem Blick konnte ich nicht ausweichen.
„Nein, nein das will ich nicht.“ Seufzte ich ergeben, war aber noch immer verunsichert. Ich wollte Bella nicht wehtun.
Ich hatte sie schon einmal weinen gesehen und daran war ich Schuld gewesen, egal was sie gesagt hatte. Das wollte ich nicht noch einmal zu verantworten haben.
„Man, ich wünschte ich könnte das so gut wie Jasper.“ Murrte Alice und legte ihre Hand zurück in ihren eigenen Schoß. Lächelnd legte ich ihr den Arm um die Schultern.
„Du machst das ganz super, Alice. Ich schätze ich bin das Problem.“ Erklärte ich und tippte mir demonstrativ gegen den Kopf.
Und es war wahr: Meine Gedanken waren es, die alle Versuche blockierten. Ich war schon immer nachdenklich gewesen, aber seit mein Selbstvertrauen so extrem gelitten hatte, war ich regelrecht gelähmt durch meine Gedanken. Ich wusste das. Ich wusste das nur zu gut, aber es war schwer eine Angewohnheit abzulegen.
„Ganz ehrlich?“ Fragte Alice und lächelte vorsichtig. Ich nickte.
„Ich bin doch seit Jahren das Problem.“ Stellte ich wenig begeistert fest. Alice große Augen bohrten sich in meine. Sie machte einen Schmollmund und schlug mir leicht auf die Schulter.
„Sag sowas nicht.“ Rief sie. „Der alte Edward ist da noch drin, ganz sicher. Und Probleme sind da um gelöst zu werden, richtig?“ Sie wartete meine Antwort gar nicht ab, sondern sprang auf und zog mich hinter sich her die Treppen hoch.
„Alice!“ Beschwerte ich mich halbherzig und sie ignorierte den Einwand gekonnt. Sie machte erst vor ihrem Zimmer Halt und klopfte an. Wieso klopfte sie an ihrer eigenen Zimmertür?!
Jasper schloss die Tür auf und lunste aus dem Spalt heraus. Als er sah wer vor ihm stand, öffnete er die Tür. Hinter ihm kamen Jacob Black und seine zwei Freunde zum Vorschein.
Erstaunt öffnete ich den Mund, aber ich wusste nicht was ich hätte sagen sollen, also schloss ich ihn wieder.
„Ist alles okay, Schatz?“ Fragte Jasper besorgt als er in Alice Gesicht sah.
Dass meine Hand in ihrer lag hatte ich vollkommen vergessen, bis mir auffiel dass die Quileute alle darauf starrten. Ich legte einen wütenden Blick auf und sah sie genervt an.
Hatten die wirklich nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen als zu denken, dass ich etwas mit meiner Schwester hatte?! Kindsköpfe! Einer von ihnen zuckte unter meinem Blick zusammen.
„Ähm… also, ich dachte…“ Alice brach ab und sah zu den Quileute rüber. Sie schien kurz nachzudenken, dann flüsterte sie Jasper etwas ins Ohr, wofür sie meine Hand losließ.
Ich konnte genau sehen wann sie an dem Teil mit Bellas Geständnis angekommen war, denn Jaspers Augen flackerten zu mir rüber und er lächelte.
Oh Gott, Bella wird mich umbringen! Jetzt wussten schon zwei Leute mehr davon als es eigentlich sollten.
Alice zog sich von Jaspers Ohr zurück und sah ihn gespannt an. Ich verstand weniger als Bahnhof und versuchte herauszufinden, was eigentlich Jacob Black und seine Freunde hier wollten. Gab es die eigentlich nur im Dreierpack?
„Das ist… interessant. Das gleiche Thema hatten wir hier auch gerade.“ Sagte Jasper und grinste mich breit an. Natürlich grinste er, schließlich keuchte ich entsetzt auf und sah ihn entgeistert an. Wieso sprachen anscheinend alle nur von mir und Bella? Und seit wann?
„Los, Jake, du bist dran. Deine Chance.“ Jasper winkte den anderen beiden Jungs zu und verließ mit ihnen und Alice das Zimmer.
Jacob Black stand auf und ging auf mich zu. Er blieb stehen, etwa zwei Meter vor mir, und musterte mich einen Augenblick lang.
Sein Gesicht war ruhig, glatt und seine Augen erstaunlich mitfühlend. In diesem Moment konnte ich nicht böse sein, dass er auch Interesse an Bella hatte.
Er war ein guter Kerl, vielleicht war er besser geeignet als ich um Bella glücklich zu machen. Daran hatte ich vorher noch nie gedacht.
„Du magst Bella.“ Stellte er fest. Seine Stimme klang genauso ruhig wie sein Gesicht aussah.
Hätte ihn diese Feststellung nicht ärgern müssen? Müsste er nicht sauer sein, dass er somit einen Konkurrenten hatte?
„Sag es ihr. Sie hat ein Recht darauf.“ Die Stimme klang noch immer ruhig. „Du wärst der Richtige für sie.“ Sprach er weiter. „Du bist belesen, sensibel, musikalisch, du kannst gut zuhören. Ich hab ne Weile gebraucht um herauszufinden von wem sie damals in La Push gesprochen hat. Aber jetzt kann ich ganz deutlich sehen, dass sie von dir sprach. Ohne sich bewusst zu sein, dass sie in dich verliebt ist.“ Ich brachte kein Wort hervor und sah ihn nur ungläubig an.
Noch jemand der etwas wusste, was weder Bella oder ich gewusst hatten? Bis vor kurzem zumindest…
„Whoa, ich glaube du denkst immer noch ich wäre hinter Bella her.“ Lachte Jacob und schlug mir freundschaftlich auf die Schulter. „Das bin ich nicht. Wir kennen uns seit dem Sandkasten. Mann, wir sind nur Freunde. Sie ist eher wie eine Schwester als eine Freundin.“ Und mit diesen Worten verließ er das Zimmer und ließ mich nachdenklich zurück. 

 

-*- Kapitel 36: Nichts kommt so oft wie unverhofft -*-

Edwards POV:

Ich hatte fast zwei Stunden bewegungslos in Alice und Jaspers Zimmer verbracht und war wirklich dankbar, dass sie mich einfach hatten machen lassen. Sie waren kurz reingekommen, nachdem Jacob gegangen war, hatten mich angesehen und waren wieder gegangen.
Es gab viel worüber ich nachdenken musste und ich wusste nicht womit ich anfangen sollte, aber ich wusste endlich was ich wollte und verspürte auf einmal Zuversicht. Hoffnung.
Es hatte so viele Menschen gebraucht, aber endlich glaubte ich es ihnen: Bella mochte mich. Wollte mich. Sie wollte mit mir zusammensein und ich hätte der glücklichste Mann auf Erden sein sollen. Aber ich war es nicht.
Das Ganze trug noch immer eine Spitze und ich grübelte, wie ich diese loswerden konnte. Ich war noch immer ein gebrochener Mann. Bella verdiente mehr als das was ich ihr bisher hatte bieten können.
Meine Gedanken holten für mich hervor wovon Esme immer zu mir gesprochen hatte: die Bilder des jungen Mannes, der ich gewesen war als wir nach Forks gekommen waren.
So sollte ich sein, so musste ich wieder werden. Für Bella.
Es klopfte leise an der Tür und ich sah auf. Alice streckte den Kopf rein und lächelte zaghaft.
„Esme lässt fragen ob du was essen möchtest?“ Wortlos erhob ich mich und kam auf meine Schwester zu. Sie sah froh aus, erleichtert. Wahrscheinlich hatte sie den grübelnden Bruder genauso satt wie ich. Alice hielt mir die Tür auf und ich gab dem Gefühl in mir nach und zog sie schweigend in meine Arme.
Sie japste kurz und überrascht nach Luft, dann kuschelte sie sich an mich und drückte mich so fest, wie man es ihr sicher nicht zugetraut hätte.
„Ich brauche deine Hilfe, Alice.“ Sagte ich als ich sie ein Stück von mir wegschob und ansah. Ihre Augen blickten strahlend zu mir auf und sie nickte sofort.
„Was immer du willst, Bruderherz.“ Versicherte sie mir und ich lächelte. Es fühlte sich gut an endlich wieder auf etwas wirklich tief zu vertrauen. Doch noch war es ein fragiles Gebilde. Ich würde viel Hilfe brauchen um zu dem Mann zu werden, der ich für Bella sein wollte.
„Ich werde auch Jaspers Hilfe brauchen.“ Gab ich zu und sie grinste mich zwinkernd an.
„Eddie, du solltest echt langsam mal wissen, dass wir alle hinter dir stehen. Hör auf daran zu zweifeln, dass du Hilfe bekommst. Selbst wenn du sie nicht willst.“ Lachte sie und zog mich die Treppen runter.

Bellas POV:

In meinem Traum war alles so einfach. Edward und ich hatten uns geküsst, dann hatte er meine Hand genommen und wir hatten einander nie wieder losgelassen.
Jeden Tag wechselten wir uns ab und übernachteten bei dem jeweils anderen, was unsere Eltern zufrieden zu stellen schien. Immerhin bekamen sie uns alle noch zu sehen.
Die Stunden, die wir nicht zusammen hatten vergingen quälend langsam, aber wann immer ich aus einem Raum trat wartete Edward schon auf mich um mich in seine Arme zu schließen, mich zu küssen und mich danach zu meiner nächsten Stunde zu geleiten.
Jeden Nachmittag unternahmen wir etwas Anderes: Spazieren gehen, DVD gucken, Reden, Hausaufgaben machen, ins Kino, ins Restaurant, an den Strand und was uns sonst noch einfiel. Es war perfekt und obwohl ich wusste dass es ein Traum war – ein Traum sein musste, denn im Leben war nichts perfekt – wollte ich nicht mehr aufwachen.
Doch die Realität holte mich ein. Wie sie einen eben einholen musste.

Der Wecker klingelte erbarmungslos und ich fühlte mich total gerädert. Wie lange hatte ich geschlafen?
So wie ich mich fühlte musste es viel zu lang gewesen sein. Schlief man zu wenig, fühlte man sich mies, schlief man zu viel fühlte man sich sogar noch mieser. Man konnte es seinem Körper wohl auch nie Recht machen.
Missmutig schlug ich auf den Störenfried ein und drehte mich wieder rum. Lange konnte ich nicht liegenbleiben, aber ich genoß diese paar Minuten des Nicht-Nachdenkens bevor ich mich in die Dusche quälte.
Meine Gedanken kreisten pausenlos um Edward und es fing an mir gehörig auf die Nerven zu gehen. Ich konnte weder den Kuss, noch seinen Blick vergessen.
Wenn ich es doch nur einfach beiseite schieben könnte! Aber ich spürte noch immer diese Vertrautheit, die ich während dem Kuss gespürt hatte, fühlte seine Lippen auf meinen und ich hätte mir wohl kaum einen schöneren ersten Kuss wünschen können. Bis auf das Trennen kurz danach natürlich. Das war scheußlich gewesen. Aber was hatte ich erwartet?!
Dies war Edward Cullen und auch ich war nicht gerade dafür bekannt mit meinen Gefühlen rauszubrechen wie eine Welle inmitten eines Sturmes.
Ob Alice und der Rest der Cullens davon wusste?
Sie würden davon wissen, ganz klar. In dieser Familie blieb doch nichts ein Geheimnis! Vielleicht waren Carlisle und Esme noch nicht eingeweiht, vielleicht auch Emmett noch nicht oder Rosalie, aber mit Sicherheit wussten Jasper und Alice von unserem Kuss. Jasper war einfach der Spezialist für tiefgehende Gespräche und ich wusste, dass Edward das genauso sah. Und Alice? Tja, um Alice kam man einfach nicht herum. Sie war nicht nur ein Wirbelwind, sondern auch ein unheimlich neugieriger Quälgeist, der es immer schaffte einen dazu zu bringen sich zu verquatschen.
Na gut, fast immer und fast jeden. Jasper konnte seine Klappe halten, auch wenn sie bettelte. Damit stand er wohl aber ziemlich allein da.
Augenrollend stieg ich aus der Dusche und zog mich an. Die Schule wartete und ich hatte nicht ewig Zeit. In Windeseile war ich angezogen, hatte die Haare geföhnt und eine Schüssel Cornflakes runtergeschlungen, war zu meinem Transporter gehüpft und eingestiegen.
Der Regen fiel unablässig, aber leise auf Forks hernieder und ich seufzte nicht einmal mehr deswegen. Man gewöhnte sich tatsächlich dran, auch wenn ein bisschen mehr Sonnenschein auf jeden Fall schön wäre.
Angela, dieser Inbegriff von Loyalität wartete auf dem Parkplatz auf mich. Als ich meinen Truck parkte, schlich sie zu mir rüber und wartete dass ich ausgestiegen war, bevor sie mich in eine feste Umarmung zog. Irritiert legte ich die Stirn in Falten.
„Ang! Was ist los?“ Fragte ich und sie ließ mich los. Ihr Blick suchte mein fragendes Gesicht ab, dann schüttelte sie den Kopf.
„Du weißt gar nichts davon? Ich dachte dein Dad hätte das iniziiert.“ Bemerkte sie und verwirrte mich noch mehr.
„Ich hab meinen Dad seit gestern Nachmittag nicht mehr gesehen. Seit ich meine Anzeige aufgegeben habe. Kannst du bitte aufhören in Andeutungen zu sprechen und rückst einfach mit der Sprache raus?“ Entgegnete ich und strich mir eine bockige Strähne aus dem Gesicht. Sie sah irgendwie erleichtert aus.
Erleichtert und aufgeregt. Und das Lächeln war ziemlich breit. Wann hatte ich sie das letzte Mal so lächeln sehen? Als sie mit Ben zusammengekommen war? Hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht oder so? Was um Himmels Willen war denn passiert?
„Mike und Tyler.“ Sie nahm meine Hand und zog mich mit sich auf unser Gebäude zu. „Die Beiden sind suspendiert worden. Erstmal für zwei Wochen und in der Zeit wird ermittelt und überlegt welche Strafe sie endgültig bekommen.“ Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus und ich atmete tief ein. Das waren mal Neuigkeiten!
Ich sah mich aufmerksam um, als wir in unserem Raum waren und bemerkte den leeren Platz von Mike in der hintersten Reihe, sah die angeregten Unterhaltungen, die verklangen wenn ich vorbeiging und wieder aufgenommen wurden wenn ich ein paar Schritte weiter war.
‚Hätte ich mir ja denken können‘ dachte ich und setzte mich schweigend an meinen Tisch. Das Kleinstadt-Syndrom hatte wieder einmal zugeschlagen: Neuigkeiten verbreiteten sich viel zu schnell. Es waren genug meiner Klassenkameraden auf der Party in La Push gewesen, aber welche Auswirkungen dieser Zwischenfall hatte, das verbreitete sich jetzt wie ein Lauffeuer. Ich seufzte und versuchte den Matheaufgaben zu folgen, die Mr Varner uns zu erklären versuchte.
Suspendiert also. Das war zwar meines Erachtens noch eine viel zu milde Strafe für ihr Verhalten gegenüber Edward, aber immerhin bekamen sie eine Strafe!

Der Tag verging mir viel zu schnell bis es zur Mittagspause klingelte. In der Mensa würden die Anderen auf uns warten. Den gesamten Vormittag hatte ich keine Klasse zusammen mit Edward, Alice oder Jasper. Angela und Ben begleiteten mich zur cafeteria und ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Ob es Edward auch nur im Ansatz genauso ging? War er genauso verwirrt wie ich oder hatten seine Geschwister ihm schon längst gesagt wie er sich jetzt verhalten sollte?
Das war doch unfair. Ich hatte keine Geschwister die mir Tipps geben konnten! Beinahe hätte ich wie in einem schlechten Hollywood-Streifen mit dem Fuß auf dem Boden aufgestampft. Ich schielte zu Angela und fragte mich ob sie mir vielleicht helfen könnte. Sie bemerkte meinen Blick und hob fragend eine Augenbraue.
„Äh…“ Machte ich, kam aber nicht weiter, weil mir von hinten jemand in den Rücken sprang.
„Bella!“ Schallte es in mein Ohr und ich war mir sicher nachher einen Tinitus zu haben. Alice. Wer sonst?! Jasper befreite mich gnädigerweise von seiner Freundin und lächelte mich an.
„Hey Bella. Wie geht’s dir?“ Super, genau die Frage, die ich nicht beantworten konnte. Neugierig sah ich mich um, aber die anderen Cullens waren nicht zu sehen.
Alice plapperte schon wieder unaufhörlich von irgendetwas und zog mich und Angela mit sich. Manche Mitschüler hatten mittags die Qual der Wahl an welchen Tisch sie sich setzen wollten, wir hatten Alice.
Ich hörte meine Mitschüler weiter tuscheln wenn wir an ihnen vorbeigingen und fragte mich wann dieser Wahnsinn endlich aufhören würde.
Rampenlicht und Mittelpunkt waren definitiv nicht meine Welt, ich wollte dort nicht sein, wollte nicht dass alle über mich redeten. Gequält seufzte ich auf und ließ mich auf den Stuhl neben Jasper fallen.
„Ignorier sie einfach.“ Flüsterte er mir zu und legte eine Hand auf meine Schulter.
„Ich wünschte das könnte ich so einfach. Wirklich, ich wünschte ich könnte das.“ Er lächelte.
„Sie reden die meiste Zeit gar nicht mal über dich, sondern über Edward.“ Verriet er mir und ich sah mich erstaunt um. Tatsächlich?
„Wo ist Edward eigentlich?“ Flüsterte ich Jasper zu, beugte mich näher zu ihm und versuchte weiterhin so auszusehen als würde ich Alice zuhören. Mein bester Freund schürzte die Lippen, so als wäre er sich nicht sicher ob er mir erzählen durfte was er wusste. Ich sah ihn abwartend an.
„Jasper. Wo ist er?“ Ich wurde langsam ungeduldig, was man meinem Tonfall auch anhörte.
„Wo ist wer?“ Erklang es auf einmal hinter mir und ich drehte mich bei der bekannten Stimme erwartungsvoll um.
„Äh…“ Machte ich wieder einmal und mir stand der Mund offen. Ich blinzelte und rieb mir noch einmal die Augen, aber das Bild vor mir blieb gleich.
„Whoa.“ Ließ sich Angela vernehmen und ich war mir ziemlich sicher, dass sie genau das gleiche sah wie ich.
„Cool Mann!“ Gab jetzt auch Ben seinen Kommentar ab und am Rande meiner Welt nahm ich auf, dass das Getuschel in der Cafeteria für einen Moment verstummt war, bevor es noch lauter und geschäftiger wieder einsetzte.
Mein Blick klebte förmlich an dem Menschen vor mir, der schüchtern lächelte und dann an unserem Tisch Platz nahm. Alice kicherte und flüsterte dem Neuankömmling etwas ins Ohr, bevor sie sich mit einem zufriedenen Grinsen an seine Schulter kuschelte.
Alle banden ihn sofort in unsere Gesprächsthemen ein und was tat ich? Ich stierte ihn weiter mit fassungslosem Blick an.

-*- Kapitel 37: Veränderungen. -*-

Das konnte doch nicht Edward sein, der mir da gegenüber saß! Ich musterte die Sonnenbrille am Kragen seines hellblauen Hemdes – Hemden hatte er vorher schon getragen, aber irgendwie war es heute ganz anders – und die schmale dunkelbraune Lederjacke die er darüber trug. Was war mit ihm bitte passiert seit gestern Nachmittag?
Er sprach mit Ben und ließ Alice gewähren, die noch immer an seiner Schulter lehnte und ihm unaufhörlich sonst etwas zuflüsterte. Angela musterte ihn zwar auch genauer, aber als sie damit durch war, unterhielt sie sich ganz normal mit ihm wie sie sich vorher auch mit Jasper oder Alice unterhalten hatte.
Was aber der größte Unterschied zu gestern war, war die einfache Tatsache, dass Edward mit Ben und Angela diskutierte. Er unterhielt sich normal mit ihnen, sehr schüchtern und zurückhaltend zwar, aber normal. So wie es jeder andere Schüler in der Cafeteria auch machte. Aber…
Ich kam mir vor als hätte ich innegehalten, aus welchem Grund auch immer, und die Welt hätte sich unaufhörlich weitergedreht. Sie hatte mich zurückgelassen und ich war nicht mehr Bestandteil dieses Raumes, dieser Schüler, dieser Realität.

„Vielleicht solltest du den Mund wieder zumachen. Ich bin mir ziemlich sicher dass du ihn verunsicherst.“ Raunte mir Jasper zu und zwinkerte, den Kopf so zu mir gedreht dass Edward und Alice ihn nicht sehen konnten.
Ich schluckte und versuchte so auszusehen als wäre alles normal. So wie immer eben.
Doch ich konnte nicht damit aufhören Edward anzusehen und obwohl ich Angst hatte, dass er nicht mehr der sein könnte, der er bisher gewesen war, gefiel mir die Tatsache dass er die Schultern gestrafft hatte, den Rücken durchgedrückt, diese coole Sonnenbrille und die Lederjacke trug und dass er ein mehr oder minder dauerhaftes Lächeln im Gesicht hatte. Er sah… offener aus.
Das Klingeln der Schulglocke warf mich aus der Bahn, weil ich doch gerade erst vor ein paar Minuten hier angekommen war. Mein Essen stand unberührt auf dem Tisch vor mir. Es schien mich auszulachen.
Verwirrt folgte ich der tänzelnden Alice, die mich an der Hand hinter sich herzog und Edward ein Ohr abkaute.
Sie quasselte irgendetwas von einem Ausflug nach Seattle am Wochenende und strahlte mich gewinnend an. Oh mein Gott, nein, ich war seit dem Desaster mit Edward nicht mehr mit ihnen nach Seattle gefahren, was war denn in sie gefahren?
Vorsichtig spickte ich zur Seite um Edward anzusehen, der lächelnd auf den Boden sah. Meine Güte, den Blick gen Boden zu richten, das hatte er schon immer gekonnt, aber dieses Lächeln und die blitzenden weißen Zähne! Ich fühlte die Schmetterlinge in meinem Bauch Loopings fliegen.
Ich ließ mich von Alice durch die Tür in den Musiksaal ziehen, in meinen Stuhl drücken und mit Plänen überhäufen. Dummerweise saß ich zwischen ihr und Edward und da sie meine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, konnte ich ihn nicht mehr ansehen.
Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf als ich seine Stimme vernahm wie er sich mit einem Klassenkameraden unterhielt. Ruckartig drehte ich mich um und begegnete seinem Blick und dem verstummten Jason, der mich irritiert und ein bisschen fragend ansah.
Mit einem leichten Kopfschütteln wandte ich mich wieder Alice zu und versuchte mich ganz auf sie zu konzentrieren. Das hier war mir irgendwie mehr als suspekt.
Ms Plumfeather trippelte in die Klasse, etwas das ich in den letzten Wochen kaum bemerkt hatte, weil ich immer zu Edward geschaut hatte. Seufzend drehte ich mich nach vorne, aber Alice plapperte einfach weiter. Nicht einmal mit einem Fingerzeig konnte ich sie stoppen.

„Ja, Mr Cullen?“ Erklang die Stimme unserer alten Musiklehrerin und ich wandte erstaunt wieder den Kopf.
Er meldete sich nie im Unterricht. Nie. Zumindest nicht von sich aus. Unsere Lehrerin wusste, dass sie ihn immer drannehmen konnte wenn sonst niemand die Antwort kannte, aber er meldete sich nie. Verwirrt musterte ich sein Profil.
„Ich würde gerne ein Stück spielen. Es sitzt noch nicht so richtig und ich habe bald ein Vorspielen.“ Brachten diese herrlich geschwungenen Lippen heraus und seine Stimme war so schön wie eh und je.
Immerhin etwas das sich nicht verändert hatte, genausowenig wie seine Wirkung auf mich.
Aber seit wann konnte er denn bitte nicht zu Hause üben? Das war jetzt wirklich nicht normal. Ich zog die Augenbrauen zusammen, aber Ms Plumfeather war hin und weg. Sie klatschte in die Hände und eilte an den Flügel um ihn aufzuklappen.
„Bitte, bitte Mr Cullen.“ Edward erhob sich und ging mit langen Schritten auf das Instrument zu.
Hatte er tatsächlich schon öfter vor Publikum gespielt? Alles was ich über ihn wusste war, dass er es zwar duldete wenn seine Familie zuhörte, aber sonst schien es ihm eher unangenehm wenn sonst jemand zuhörte.
Ich erinnerte mich an den Tag, wo ich ihn hier am Flügel gestört hatte, an den Moment wo er auf den Wunsch seiner Familie gespielt hatte und ich erinnerte mich genau an den Augenblick wo er nur für mich gespielt hatte. Damit gehörte ich wohl auch zum kleinen erlauchten Kreis, den er beim Spielen um sich duldete.
Vorspielen. Tat er sowas tatsächlich öfter? Es schien so wenig zu ihm zu passen. ‚Bella, er geht Sommer für Sommer auf eine Musikakademie!‘ ermahnte ich mich selbst und seufzte tonlos.
Ich stützte den Kopf in die Hände und starrte gebannt auf sein Profil als er sich niederließ. Kurz schloss er die Augen, atmete tief ein und aus – mir kam der Verdacht dass er Mut sammelte, aber wieso? – und dann legte er seine Finger auf die Tasten. ( AN: http://www.youtube.com/watch?v=sdctCI-3nLY )

Ich erstarrte, da hatte er nicht einmal zehn Sekunden lang gespielt. Das Stück war mir nicht unbekannt, es war das Gleiche, das er am Tag seiner Rückkehr gespielt hatte. Das Stück, welches mir die Tränen in die Augen getrieben hatte, weil es so unendlich viel aussagte.
Edward hatte die Augen geschlossen, ließ seine Finger über die Tasten streifen und sah friedlich aus. Sehnsüchtig, aber friedlich. Mein Herz schlug schneller. Heute würde ich nicht weinen, nein, heute nicht.
Damals hatte es mich so sehr getroffen, hatte Bilder meiner Mutter heraufbeschworen, die ich unendlich vermisste. Dazu noch Edwards Gesicht, das irgendwie starr gewirkt hatte, er hatte die Schultern hochgezogen als fühle er sich nicht sicher. Das alles zusammen war damals zu viel für mich gewesen und hatte meine Tränen rollen lassen.
Heute vermisste ich meine Mutter noch immer – was sicherlich normal war wenn man sich so nahe stand wie wir – aber immerhin Edward ging es besser.
Ich wünschte ihm, dass er sein Glück endgültig finden konnte und wenn er dazu diese Lederjacke und die Sonnenbrille brauchte, bitteschön.
Kurz betrachtete ich seine Schultern, die heute nicht mehr verkrampft hochgezogen waren, sondern eher entspannt wirkten.
Es ging ihm gut, das war nicht zu übersehen. Unwillkürlich schloss ich die Augen, um mich ganz auf die Musik konzentrieren zu können.
Die letzten Töne verklangen. Ms Plumfeather klatschte begeistert, Alice hatte ihren Kopf an meine Schulter gelegt und sich bei mir eingehakt. Sie seufzte. Der Rest der Klasse schwieg.
„Sehr schön, Mr Cullen.“ Rief die begeisterte Lehrerin und wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. „Aber sie sind perfekt, da gibt es nichts zu verbessern.“ Edward stand auf und auf seinem Weg zurück sah er mich unablässig an. Ich erwiderte seinen Blick, konnte nicht wegschauen und als er mich dann anlächelte setzte mein Herz aus.
Dieses Lächeln war ein einziger Traum!

Nach der Musikstunde war Edward sofort verschwunden und ich schwebte den restlichen Schultag durch die Gänge. Es war nicht viel mehr als eine freundliche Geste gewesen, so hätte ich es zumindest bei jedem anderen interpretiert.
Bei Edward aber, bei ihm war dies ein großes Geschenk. Er vertraute den Leuten nicht schnell und doch konnte ich förmlich mitansehen wie er anfing aus sich herauszugehen.
Diese neuen Klamotten waren zwar sicher auf Alice Mist gewachsen, aber sie passten zu ihm. Sie passten so gut zu ihm dass mich sogar Fantasien überkamen.
Als kleines Mädchen – nunja, wohl so ungefähr vor 4 Jahren – da hatte ich die übliche Rebellenphase durchgemacht und solche James Dean-Typen unheimlich cool gefunden: Mann mit lässiger Haltung, Sonnebrille, vielleicht Zigarette im Mundwinkel und Lederjacke.
Durch diese Phase geht wohl jedes Mädchen irgendwann und meine Mutter Renee hatte sich bereitwillig alle Filme mit solchen Rebellentypen mit mir angesehen. Ich war darüber hinweg, hatte mir genauso andere „Typen“ angesehen, aber nachdem ich Edward so gesehen hatte, konnte ich es nicht verhindern ihn in einem kleinen Film in meinem Kopf zu sehen, als Remake von James Dean.
Als ich aus dem Tagtraum aufgewacht war, wäre ich beinahe vor Scham rot angelaufen. Wann hatte Edward für mich eine Portion Erotik mitbekommen? Oh, das war sicher nicht gut.
Irgendwann würde ich mich sonst noch auf ihn stürzen, ihn anspringen… Okay, hier hatte ich also endlich meine verloren geglaubte Pubertät gefunden. Liebe Hormone, ich wünsche euch einen guten Tag und viel Spaß im Abenteuerland Bella Swan.

Langsam schüttelte ich den Kopf und schlich aus der Turnhalle. Alice und Jasper hatten heute nicht auf mich gewartet, sondern waren gleich losgezogen, so ging ich allein zum Parkplatz.
Der kalte Nieselregen, der schon den ganzen Tag andauerte, raubte mir den letzten Nerv. Ich wusste er war unvermeidlich – vor allem in Forks, dem verregnetsten Ort in Amerika – aber ich hasste es wenn er so langsam meine Haare durchweichte und sie mir am Gesicht kleben ließ.
Ausgerechnet heute hatte ich meine Jacke vergessen. Vollkommen in Gedanken brauchte ich einige Sekunden um zu bemerken, dass es auf einmal nicht mehr vom Himmel tropfte. Überrascht sah ich nach oben und schaute den Schirm an, der sich über mir spannte.
Blinzelnd starrte ich das Ding an und glaubte einen Moment daran, dass ich träumte. Dann ließ ich meinen Blick runtergleiten und sah in Edwards Gesicht, das nur wenige Zentimeter von meinem entfernt war. Seine grünen Augen funkelten und er lächelte mich scheu an.
„Edward.“ Hauchte ich und hätte mich sofort danach am liebsten von einer Klippe gestürzt. Er wusste schließlich selbst wie er hieß! Beschämt schloss ich die Augen.
„Bel-“ Er brach ab und räusperte sich.
Verwirrt schlug ich die Augen auf. Ich war doch diejenige die sich blamierte, wieso hatte er ein Problem damit seine Stimme verlauten zu lassen. Seine linke Hand krampfte sich um den Griff des Regenschirmes, das konnte ich sehen und ich sah fragend zu ihm hoch.
Er wirkte gequält, irgendwie unsicher und doch, da glomm etwas in seinen Augen was ich nicht zu benennen wagte.
Minutenlang standen wir wie Statuen auf dem Parkplatz und sahen uns an, weiter nichts. Ich war froh, dass um diese Uhrzeit eigentlich schon nichts mehr los war hier, sonst hätte man uns vermutlich für total bescheuert erklärt.
„Äh, also…“ Ich verstummte und holte tief Luft. Was sollte ich ihm denn sagen? Danke? Nach minutenlangem Schweigen klang das als wäre ich zurückgeblieben.
Aber jetzt erst fiel mir auf, dass Edward und ich seit unserem Kuss kein Wort mehr gewechselt hatten. Unsicher verlagerte ich mein Gewicht und hob den Kopf um ihm in die Augen zu sehen, diese wunderbaren grünen Augen. Seine Augen erwiderten meinen Blick ruhig und aufmerksam, aber er schien nicht in der Lage etwas zu sagen.
‚Oh, langsam wird’s lächerlich Bella. Komm schon. Wenn er es nicht kann, dann musst du eben was sagen. Und benimm dich nicht wie ein kleines Schulmädchen, dass wegen eines Kusses nicht normal bleiben kann.‘
„Du hast dich verändert.“ Verkündete ich leise und streifte mit dem Blick die Sonnenbrille und die Lederjacke. Er zuckte zusammen als hätte ich ihn geschlagen. „Sieht gut aus.“ Schob ich schnell hinterher und er entspannte sich wieder.
„Danke.“ Die sonst so himmelsgleiche Stimme klang leicht heiser, irgendwie rau.
Plötzlich mutig geworden – woher das kam konnte ich mir nicht erklären, aber seine Stimme hatte etwas tief in mir berührt – streckte ich die Hand aus und legte sie an den Kragen der dunkelbraunen Lederjacke. Edward stieß laut den Atem aus.
Ich strich langsam über den Kragen und genoss das Gefühl des Leders unter meinen Fingerkuppen. Seine Brust flatterte unter meiner Berührung, ich sah wie sie sich schnell hob und senkte, schneller als sonst.
„Hat Alice dir die besorgt?“ Plapperte ich weiter, weil ich den Gedanken an Stille nicht ertragen konnte. Nicht jetzt, nicht wo wir so nah beieinander standen. Er schüttelte den Kopf.
„Die ist alt.“ Brachte er heraus und folgte mit den Augen meinem Finger, der entlang des Reißverschlusses herunterstrich. Ganz sachte, ganz langsam und ohne Druck.
Ich hob den Blick und nickte leicht. Seine grünen Augen erschienen mir dunkler zu sein als noch vor ein paar Minuten und ich beobachtete fasziniert die verschiedenen Emotionen, die sich in ihnen widerspiegelten.
Das Leder unter meiner Haut war weich und roch so gut. Es roch nach Leder und nach Edward, ich roch den Regen und die blühende Natur um uns herum. Ich bemerkte kaum, dass es durch den anhaltenden Regen kalt und klamm war, das war nicht wichtig. Wichtig war einzig und allein die Nähe zu Edward.
„Du zitterst.“ Bemerkte er tonlos und streckte die rechte Hand nach mir aus. Er hielt inne, brach abrupt ab und suchte meinen Blick. Ich lächelte leicht und er legte seine Hand endlich auf meine.
Die Wärme, die mich durchdrang war unbeschreiblich schön und mein Blick wollte Edwards Blick nicht mehr loslassen. ‚Oh bitte bitte, lass ihn mich küssen.‘ Flehte ich gedanklich und sah meinem Schwarm glücklich in die Augen.
„Bella, ich…“ Er räusperte sich. Erschrocken von dem ernsten Tonfall zuckte ich zurück, trat nach hinten, weg von ihm. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, bitte. Geh nicht weg, Bella.“ Er presste die Worte heraus und ich konnte ihm ansehen wie schwer es ihm fiel geradeheraus zu sagen was er dachte. „Bitte, hör mir einen Moment zu.“ Bat er leise und grüne Augen flehten mich regelrecht an ihnen eine Chance zu  geben. Wortlos nickte ich.
Er rang sichtlich mit sich, biss sich auf die Lippen und atmete ein paarmal tief durch. Seine wunderschönen Lippen teilten sich, doch es kam kein Ton heraus, darum schloss er den Mund wieder.
„Komm, einfach raus damit.“ Ermunterte ich ihn und lächelte tapfer, auch wenn ich Angst hatte vor dem was er wohl zu sagen hatte. „Ich werde dir den Kopf schon dranlassen.“ ‚Er ist viel zu süß um ihn abzureißen‘ fügte ich in Gedanken hinzu.
Mit einem Seufzer nickte er und schob sich eine Strähne aus dem Gesicht. Das hätte ich eigentlich liebend gerne für ihn übernommen, aber ich blieb still stehen und wartete. Mehr oder minder geduldig.
„Ich weiß… ich bin nicht… ich weiß du verdienst mehr als das hier.“ Er zeigte auf sich selbst und ich wollte gerade widersprechen, da hob er die Hände damit ich ihn ausreden ließ. „Ich kann dir nicht versprechen dass du es jemals einfach mit mir hast, aber ich will dir gerne versprechen alles zu tun was in meiner Macht steht um dich glücklich zu machen. Denn du bist die einzige Frau, die ich glücklich machen will.“ Es sah aus als wollte er noch mehr sagen, aber ich brauchte nicht mehr.
Schwungvoll warf ich mich gegen seine Brust und schlang die Arme um seinen Nacken, drückte mich an ihn und sog tief den Duft ein, den ich so sehr liebte.
Der Schirm fiel ihm aus der Hand und der Nieselregen ging auf uns hernieder aber zumindest mir war das in diesem Moment vollkommen egal. Ich war glücklich.
„Bella, ich…“ Er strich mir über den Rücken, zog leicht an meinem Pullover und ich rückte ein Stück von ihm ab. Mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht sah ich ihn an.
Und dann sagte er den Satz, der meine Welt aus den Fugen geraten ließ:
„Ich liebe dich.“

 

-*- Kapitel 38: Der Moment der alles verändern wird. -*-

„Ich geh so nicht raus.“ Stotterte ich und schüttelte vehement den Kopf. Alice hatte die Hände in die Hüften gestemmt und sah mich trotzig an. Sie würde keine Widerrede dulden.
„Und ob du wirst.“ Sagte sie streng und ich schluckte. Alice konnte wirklich beeindruckend sein wenn sie einen so anfunkelte wie mich jetzt, aber ich hatte nicht vor mich von ihr wie eine Puppe herumkommandieren zu lassen. Ich war eine eigenständige Persönlichkeit und das würde sie mir nicht nehmen, auch nicht wenn sie definitiv mehr von Mode verstand als ich. Ich runzelte die Stirn und begegnete ihrem Blick.
„Alice, ich will das nicht tragen.“ Meine Hände legten sich wie von selbst vor meine Brust und verschränkten sich. Rosalie fing an zu kichern, was sie augenblicklich zum gemeinsamen Opfer von Alice und mir machte.
„Das ist nicht komisch.“ Zeterte Alice und ich nickte zustimmend. Meine absonderliche beste Freundin und der Quälgeist par excellence hatte mich schon so weit in den Wahnsinn getrieben, dass ich wirklich der Überzeugung war wie wichtig mein Outfit für diesen Montag war. Rosalie kicherte unbekümmert weiter und winkte ab.
„Schaut euch doch mal an!“ Sinnierte Rose und wir wechselten einen schnellen Blick. „Ihr steht seit zwei Stunden vor dem Kleiderschrank und es ist Sonntag, Mädels. Edward wartet bestimmt schon seit einer Stunde darauf dass er endlich seine Freundin wiederbekommt, die ihm von seiner Schwester so dreist geklaut wurde.“ Mir wurde schlecht und ich sah wie Alice ein schlechtes Gewissen bekam als wir anfingen über Rosalies Worte nachzudenken.
Es war wahr, ich war mit Edward verabredet gewesen als ich früh heute Morgen zum Haus der Cullens gefahren war. Es hatte ein freudestrahlendes Frühstück in der großen Runde der Familie gegeben und dann hatte mich Alice aus den Armen ihres Bruders entführt. Naja nur fast aus den Armen, wir fühlten uns wohl Beide noch nicht so wohl damit Zärtlichkeiten vor seinen Eltern auszutauschen. Wir waren ja auch gerade erst zusammengekommen.
Man möge es uns nachsehen, dass wir nicht hemmungslos vor Carlisle und Esme rumknutschten wie Rose und Emmett. Oder die ganze Zeit Händchen hielten wie Alice und Jasper.
„Sie muss aber morgen zu Edward passen. Damit jeder es sofort sieht und man die Beiden in Ruhe lässt.“ Alice stemmte die kleinen Fäuste immernoch in ihre Hüfte und langsam verstand ich wieso Rose hatte lachen müssen.
Es sah zu drollig aus. Alice war gerade mal zarte 1,57m groß und spielte sich trotzdem auf als wäre sie zwei Köpfe größer als alle anderen.
„Das wird ja doch niemanden interessieren wie wir aussehen, also doch schon, aber das wird sie doch nicht davon abhalten zu tuscheln.“ Murmelte ich und ließ mich auf das große Himmelbett von Alice fallen. Rosalie seufzte und kam auf mich zu. Alice räumte schweigend ein paar Klamotten auf.
Die Beiden waren eindeutig ein Geschenk des Himmels und ich wusste solange ich die Cullens bei mir hatte, würde mir nichts passieren, aber mir war es trotz allem mehr als unangenehm so im Fokus zu stehen.
„Natürlich werden die reden, aber ganz ehrlich? Wen interessiert das? Du hast uns. Du hast Ben und Angela, die an deiner Seite stehen und immer gut zu dir waren und du hast Edward. Er mag zwar immernoch ein kleiner Angsthase sein, aber jetzt wo er dich gefunden hat wird er dich nicht mehr loslassen.“ Gerade hatte ich Rose in eine innige Umarmung gezogen und Alice war zu uns gekrochen, da klopfte es an der Tür und Jasper steckte den Kopf herein. Wir sahen neugierig aus unserem Knäuel zu ihm rüber.
„Äh ich will eure traute Umarmung ja nicht stören, aber ich hoffe ihr seid fertig mit was immer ihr gemacht habt, denn Edward deprimiert zusehends ohne seine Freundin.“ Er lächelte mich an und ich wurde zuverlässig rot. „Laut seiner eigenen Aussage gibt es noch so viel was er nicht von dir weiß und das findet er gar nicht gut.“ Rosalie und Alice kicherten und ich spürte wie die Hitze sich noch weiter ausbreitete und nach meinen Wangen auch meine Ohren und meinen Hals eroberte.
„Na los, lass ihn nicht warten. Das was du jetzt anhast ist sowieso das perfekte Outfit.“ Bestimmte Alice und schob mich vom Bett und in Richtung Tür. Als sie mich bis zu Jasper geschoben hatte gab sie ihre Bemühungen auf und kümmerte sich lieber um ihren eigenen Freund.
Lächelnd verließ ich die Drei und machte mich auf zu Edwards Zimmer.

Ungeduldig trommelte ich gegen die Fensterscheibe und schaute raus in den strahlenden Sonnenschein, der so ganz und gar untypisch war für Forks. So richtig und gänzlich untypisch. Ich schauderte. ‚Ausgerechnet heute muss das Wetter gut sein’ grummelte ich in meinem Kopf vor mich hin und wusste wirklich nicht womit ich dieses Scheinwerferlicht verdient hatte.
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann hätte ich gedacht Alice hätte das Wetter manipuliert, damit es besser zu ihren Zwecken passte.
Ich seufzte und funkelte die Sonne wütend an. Neben mir begann es zu kichern.
„Was machst du denn da?“ Fragte mich eine engelsgleiche Stimme belustigt. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und schnaubte.
„Ich will nicht. Kannst du nicht umdrehen und wir schwänzen heute?“ Mit wenig Hoffnung wartete ich auf eine Antwort. Nicht dass es wirklich einer Antwort bedurft hätte.
„Und riskieren dass Alice uns heute Nachmittag eigenhändig umbringt? Wohl kaum.“ Er lachte kurz auf. Seufzend wandte ich ihm den Kopf zu und er lächelte mich kurz an bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte. „Außerdem glaube ich nicht dass es morgen einfacher wäre.“ Schob er hinterher und sah auf die Straße.
Dass er Recht hatte stand natürlich ausser Frage, aber ich hatte trotzdem keine Lust mich heute so im Vordergrund stehen zu sehen. Selbst wenn ich den ganzen Tag Edward an meiner Seite hätte, was rein wegen unseres Stundenplanes nicht möglich war.
Mit einem Mal hatte ich eine wahnwitzige Idee und mein gerade entdeckter Mut ließ es mich sofort aussprechen:
„Entführ mich, Baby.“ Flüsterte ich und bereute es Sekunden später.
Edward bremste abrupt und riss das Steuer nach rechts. Sein Wagen holperte auf den Seitenstreifen und hielt in Schräglage am Straßenrand an. Meine Hände hatten sich am Armaturenbrett festgekrallt und ich hatte kurz aufgeschrien.
Jetzt saß ich mit schreckgeweiteten Augen da und starrte aus der Windschutzscheibe. Mein Atem ging keuchend und ich hörte dass es ihm nicht besser ging.
„Mach sowas nie wieder.“ Presste ich hervor und wandte Edward den Kopf zu, der mit rotem Kopf neben mir saß und mich nun ungläubig ansah.
„Dann nenn mich bitte nie wieder ohne Vorwarnung ‚Baby’.“ Gab er zurück. Nun war ich es die ihn ungläubig ansah und fragend zog ich die Augenbrauen hoch.
War das sein Ernst? Hatte er nur deswegen solch ein Manöver gemacht? Unter meinem Blick wurde er nur noch röter und raufte sich die Haare. Ich bekam Mitleid.
„Ich bin noch nicht soweit dass ich das alles so locker sehen kann, Bella.“ Murmelte er und legte den Kopf auf das Lenkrad. Er seufzte leise und ich strich sanft mit der linken Hand durch seine Haare. Beruhigend.
„Sshhh… es ist okay Edward. Ich… ich bin doch auch nicht so locker wenn es darum geht. Das war gerade einfach nur…“ Ich brach ab, wusste nicht was ich weiter dazu sagen sollte. Edward hob den Kopf wieder und sah mich an, die grünen Augen fest auf mich gerichtet.
„Warn mich bitte einfach demnächst vor wenn du mir Kosenamen gibst.“ Ich kicherte leise als er seinen Mund zu einem schiefen Lächeln verzog. Er hatte noch nie so schön ausgesehen.
Langsam richtete er seinen Blick wieder auf die Straße vor ihm, ließ den Motor an und fuhr wieder los. Wie ein Cullen eben fuhr…. schnell.
„Und wir können sicher nicht schwänzen?“ Hakte ich nach und er lachte. Ich liebte es ihn lachen zu hören. Es war ein warmer Ton, ein überaus angenehmer und einer den wohl seine gesamte Familie längere Zeit vermisst hatte. Mehr Antwort bekam ich allerdings nicht.
„Kannst du wenigstens langsamer fahren? Wir haben noch viel zu viel Zeit.“ Versuchte ich es wieder und schielte zu ihm rüber.
Edward lächelte amüsiert, darauf bedacht es mich nicht sehen zu lassen. Mein Blick glitt wieder aus dem Fenster und ich fühlte mich unweigerlich so als würde ich zur Schlachtbank geführt werden. ‚Wie auf dem Präsentierteller’ schoss es mir durch den Kopf und ich verkniff mir ein gequältes Aufstöhnen.
Hoffentlich passierte nach heute ganz schnell etwas Aussergewöhnliches in diesem Kaff, sonst wären unsere Mitschüler noch wochen- oder gar monatelang hinter uns her.
„Ist es so schlimm für dich?“ Fragte er und sah kurz zu mir rüber als er tatsächlich langsamer fuhr. Ich hörte die Verletzlichkeit in seiner Stimme und ich wusste was er dachte: Ist es so schlimm meine Freundin zu sein?
„Nein, Edward, versteh mich bitte nicht falsch.“ Begann ich und schüttelte vehement den Kopf. „Ich bin so glücklich, dass du das gleiche empfindest wie ich und … es ist einfach schön. Aber ich hasse diese Aufmerksamkeit, dieses im Mittelpunkt stehen. Mir passieren dauernd irgendwelche dummen Dinge und wenn ich nervös werde noch viel mehr und ich will nicht dass dann jeder hinschaut.“ Meine Stimme überschlug sich, weil ich es so eilig hatte diese peinliche Erklärung hinter mich zu bringen.
Das Auto unter mir stoppte schon wieder als ich meine Finger knetete und peinlich berührt auf meine Hände sah.
„Bella.“ Edwards Stimme klang näher als vorher und seine Hände schoben sich über meine. Schluckend hob ich den Kopf ein wenig und begegnete dem stechenden Blick dieser durchdringend grünen Augen und dem Lächeln des wohl schönsten Mannes, der mir je begegnet war.
Ich war hoffnungslos verloren. Und verliebt.
„Ich werde dafür sorgen, dass du nicht über deine eigenen Füße oder irgendjemand anderen stolperst. Ich werde nicht von deiner Seite weichen und dich diesen Tag und jeden weiteren nicht alleine ertragen lassen. Ich werde immer da sein wenn du mich brauchst und wahrscheinlich auch dann wenn du mich nicht brauchst.“  Der feierliche Ton seiner Stimme war süß und auch all seine Worten waren unglaublich süß und ich wusste, hätte ich nicht gesessen wären meine Beine wohl so weich geworden, dass ich gleich beim nächsten Schritt auf die Nase gefallen wäre.
Gerade wollte ich mich bei ihm für all diese wunderbaren Worte bedanken, da riss jemand die Autotür neben mir auf und quietschte los.
„Da seid ihr ja endlich und ich dachte wenn du mit Edward fährst bist du sicher noch vor uns da und ich wollte doch deinen Auftritt heute nicht verpassen und dir beistehen und überhaupt was habt ihr so lange gebraucht und wieso sitzt ihr noch hier im Auto rum statt auszusteigen und euch dem endlich zu stellen!“ Alice redete mal wieder ohne Punkt und Komma, zog sachte an meinem Arm und ich folgte ihr widerstrebend und stand keine Sekunde später neben ihr auf dem Parkplatz unserer Schule.
Auch Edward stieg aus, schloss das Auto ab und kam um den Wagen herum auf uns zu. Alice Gesicht strahlte hell und ich wollte nicht wissen, was das Kleid gekostet haben musste, dass sie heute trug. Es war blassblau und atemberaubend schön.
Nicht zu hochgeschlossen und nicht zu freizügig, es war einfach nur süß und betonte ihre elfenhaften Züge ohne aufzutragen. Ich sah an mir herunter und verkniff mir einen Seufzer, sonst hätte mich Alice eigenhändig umgebracht.
Sie schwor Stein und Bein, dass ich wundervoll in dem Traum von Tunika aussah die sie mir angezogen hatte. Die Tunika war dunkelgrau, hatte dunkelblaue und fuchsiafarbene Stickereien von Blumen auf der Vorderseite und umschmeichelte sanft meine Oberschenkel. Die Jeans, die ich trug war zum Glück meine eigene und eigentlich fühlte ich mich sogar sehr wohl in dem Outfit.
Edward trug eine dunkelblaue, etwas enger anliegende Jeans, die ihm extrem gut stand und dazu ein dunkelgraues Hemd, das zu meiner Tunika passte. Wie sollte es auch anders sein, da Alice uns eingekleidet hatte?!
Sogar die Lederjacke, die ich dazu bekommen hatte passte sich perfekt der Jacke von Edward an. Ich wusste zwar nicht wieso ein Partnerlook so wichtig war wenn man sich als Pärchen outete, aber ich hatte einen Teufel getan und Alice widersprochen. Da zog man ja sowieso den Kürzeren.
„Wollen wir?“ Fragte Edward leise und hielt mir seine Hand hin. Ich schluckte, sah auf die Uhr über dem Eingang und wusste wir mussten los, sonst würden wir noch zu spät kommen. Ich sog tief die Luft in meine Lungen und nickte, dann legte ich meine Hand in Edwards und ließ mich von ihm zu meinem Klassenraum führen.
Unsere Hände lagen so ruhig ineinander als wären sie die Teile eines Puzzles, welches lange auf seine Vollendung gewartet hatte. Edwards Daumen strich immer wieder beruhigend über meinen Handrücken und als wir vor meinem Raum ankamen, stockte mir fast der Atem.
Alle meine Mitschüler standen noch vor den Türen und warteten offensichtlich auf unseren Lehrer, der den Raum verschlossen gelassen hatte. Kurz geriet ich ins Stocken und wollte schon stehenbleiben, aber Edward zog mich sanft weiter. Alice und Jasper, der mir aus der Menge entgegenlächelte, waren auch da.
Edward hielt mich ein wenig abseits der Schülermenge an und drehte sich mir zu. Er hatte augenblicklich alle anderen vergessen und sah nur noch mich.
Seine Augen funkelten und er lächelte nur für mich. Meine Knie wurden zuverlässig weich und bevor ich mir eine Blöße geben konnte, hatte mein Freund seine Arme um meinen Rücken geschlungen und mich an seine Brust gezogen. Wie das klang: mein Freund. Ich lächelte und blickte vertrauensvoll zu ihm auf.

Mit ihm würde es mir immer gut gehen.
Mit ihm würde ich stark sein und nichts mehr fürchten müssen.
Mit ihm konnte ich ich selbst sein.

Er erwiderte mein Lächeln und drückte mich ein kleines bisschen fester. Und dann küsste er mich voller Leidenschaft.

– The End –

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Abschluss: Charakter gegen Autor
Hallo ihr Lieben.Ich hatte es angekündigt, ich habe es durchgezogen und bin mehr als dankbar dass sich ein paar von euch bereiterklärt haben mich fertigzumachen. *gg*
Die letzte Gelegenheit euch zu danken: Vielen Dank an alle Reviewers, an alle Fav-Einträge und einfach an alle von euch die diese Story geliebt und mich damit angetrieben haben sie wieterzuschreiben und die Schreibblockaden durchzustehen. Ich liebe diese Geschichte und ich bin stolz auf sie.
Dass Braveward (Ja Nadien freust du dich du hast mich echt dazu gebracht ihn dauerhaft zu nennen! Der arme Kerl. Ich will ja nicht wissen was eine Stephenie dazu sagen würde… *roll eyes*) mir fehlt ist nicht zu leugnen, aber irgendwann hat alles ein Ende.

Und jetzt bin ich still damit ihr die Arbeit meiner Co-Autoren hierfür würdigen könnt. =))

Vielen vielen vielen Dank an die bereitwilligen Helfer 😉 Hug and kiss.

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Esme POV

Ich finde ich hätte Edward und Bella etwas mehr zu ihrer Beziehung verhelfen können und nicht alles den anderen überlassen sollen. Und manchmal finde ich hätte ich ruhig auch mal böse werden können und/oder auch mal den Kindern Hausarrest erteilen können. Ich meine ich bin zwar von Natur aus lieb und nett, aber jede Frau hat einmal ihre fünf Minuten, oder?
Ansonsten finde ich, dass ich in den meisten Angelegenheiten gut gehandelt habe und ruhig geblieben bin. Bloß ich sollte manchmal mehr reden und Carlisle auch zeigen, wie sehr ich ihn liebe.

Von Ottixd

Notiz von Snowhoney:  Tja, Esme scheint wohl perfekt zu sein. Hausarrest? Bitte? Bei den Kindern? Naja gut, wenn du auch mal die Böse sein möchtest… dann merk ich mir das mal *gg*

Alice Sicht

Manchmal könnte ich mich wirklich ärgen. Warum finde ich nicht die Zeit zum Shoppen? Immer kommt irgendwie was dazwischen. In den letzten Wochen ist so viel passiert. Erst ist Edward noch immer sehr verschlossen, aber es wird besser. Ich habe auch so meine Vermutung, dass es an Bella liegt. Er scheint Gefühle für sie zu haben, das merke ich immer wieder auch wenn er es oft abstreitet. Letztens hätte ich mir in den Hintern treten können, dass ich Edward und Bella gestört habe. Als sie sich versuchten näher zu kommen! Ich bin mir sicher wäre ich nicht mit Jasper zur Tür förmlich reingerannt, dann hätten sie sich bestimmt geküsst.
Das war echt zum Verzweifeln, ich fühlte mich richtig schuldig. Als ich in den Gesichtern der Beiden die Entäuschung gesehen habe, als wir sie gestört hatten.
Wenn Edward nicht so in sich geschlossen wäre, wäre er bestimmt schon mit Bella zusammen. Aber seine Angst wegen dem Geschehenen hindert ihn daran aus sich raus zu kommen.
Wenn er nicht ständig daran denken würde, wäre es leichter für ihn darüber hinweg zu kommen. Was er braucht ist wieder Spaß im Leben.
Wenn er sich weniger in sein Zimmer verziehen würde, dann könnte man ihn bestimmt irgendwie aus sich heraus holen. Darüber könnte ich mich immer noch aufregen, aber was soll ich schon machen? Mehr als auf ihn einreden kann man nun mal auch nicht.
Was ich am Schlimmsten fand war, dass wir uns gezwungen von Bella fern hielten. Damit ihr nicht auch passiert was Edward geschehen ist. Warum hatten wir uns von Tyler und Mike erpressen lassen? Das war auf jeden Fall nicht leicht für mich oder eher für uns. Dass wir sie ignoriert und ihre Gefühle verletzt hatten. Ich möchte nicht wissen wie sie sich gefühlt hat. Wie dem auch sei ich war auf jeden Fall froh darüber, dass Bella uns verziehen hat, ab da war ich wieder glücklicher und konnte wieder lachen. Zum Feiern blieb natürlich auch nicht viel Zeit, was mich sehr ärgerte, ich bin nun mal ein Partymensch und gehe gerne auf Partys. Um mal wieder ausgelassen zu feiern.
Wenn Bella ein wenig aus sich heraus kommen könnte, hätte sie bestimmt genau so viel Spaß wie ich am feiern. Auch Shoppen würde ihr bestimmt dann auch Spaß machen. Ich weiß einfach nicht warum sie sich meistens so anstellt, es gibt für mich nichts Schöneres.
Aber sie ist auch ein wenig in sich gekehrt – fast genau so wie Edward – daran sieht man, dass die Zwei ein tolles Paar abgeben würden.
Wenn ich an Jasper und mich denke… wir sind immer noch so ineinander verliebt wie am ersten Tag. Was mich am meisten an Jasper nervt ist, dass er shoppen hasst und dass man ihn schon zwingen muss mit zu gehen. Auch ein Partytyp ist er nicht unbedingt, darauf muss er schon mal richtig Lust haben. Um ihn zu motivieren mitzugehen.
Vielleicht ist das an Männern normal, was ich aber nicht huntertprozentig sagen kann. Ich bin mir schon fast sicher, dass es auch Männer gibt die Shoppen lieben. Mit Partys bin ich mir mehr als sicher es gibt viele Männer die gern feiern gehen.
Aber was rege ich mich eigentich auf? Man kann nun mal die Menschen nicht so verdrehen wie man sie braucht. Ich habe mir auf jedenfall vorgenommen wieder viel mehr Zeit ein zu räumen, um viel shoppen und feiern zu gehen. Bevor ich es noch bereue und mich wieder ärgere und wütend auf mich selbst werde.

Von Alice-10

Notiz von Snowhoney:  Alice mehr Partys und mehr Shoppingtouren geben, sonst bringt sie mich noch eines Tages um. Aber ob sie dann glücklicher wäre? Schließlich kann ich sie dann gar nicht mehr zum Shoppen und Party machen schreiben…. gut, Memo an mich selbst: Vielleicht reicht ihr auch ein Jasper, der einfach mal gerne mit ihr shoppen geht.

Interview mit Emmett:

Erklärung der Kürzel= K-Katarkus;~ E-Emmett

K~     „Hallo liebe Leser,
wir befinden uns hier in der fiktiven Welt von Snowhoney,
vor mir sitzt kein geringerer als die von uns allen geliebte Fiktion-Figur Emmett Cullen.
Hallo Mister Cullen, es freut mich sie mal von Angesicht zu Angesicht zu treffen.
          Ich kannte sie bis jetzt immer nur aus Geschichten. „

E~     Ja, hallo katarkus. Wo wir gleich bei dem Punkt sind, der mich hier etwas irritiert. Fiktion?“

K~          „Ähem, jaaaa. Mister Cullen, sie sind eine Figur, die es nur in Geschichten gibt!“

E~          „Was? ………..Wirklich?……. Ich komme mir aber so real vor!…………
          Diese ganzen Emotionen, Erlebnisse …………. ich bin nur  fiktiv?“

K~          „Es tut mir leid, wenn ich sie nun enttäuscht habe.“

E~          „Wenn ich wirklich nur erfunden bin, dann kann das diese Person ………“

K~          „Es ist ne Lady.“

E~          „Na dann, eben diese Lady, unheimlich gut, ich hab durch sie das Gefühl, ……….durch sie fühle ich mich, ……. so lebendig!?“

K~          „Das ist aber ein großes Kompliment an die Autorin.
          Na, o k., sie sind ja mit einem Anliegen an mich herangetreten?“

E~          „Ja genau, meine Schöpferin oder Autorin hat mir die Chance gegeben, meine Meinung zu meinem dargestellten Charakter zu äußern.“

K~          „In dieser besagten Fiktion
               „Beginning a new life“
sind sie wieder der große Bruder von Alice und Edward Cullen. Möchten sie uns dazu etwas erzählen?“

E~          „Ja sicher. Kommen wir gleich zur Sache. Zu meiner Rolle wollte ich mal was loswerden.“

K~          „Ja, deswegen bin ich hier.“

E~          „Diese ganze „großer Bruder-Rolle“. Immer bin ich der Nette –der liebe, der knuffige, der große gütige Bär, also…………..ich möchte auch mal einen fiesen Charakter spielen, ich weiß, man traut mir das nicht zu.
          Aber ich kann mir das durchaus vorstellen, mal der Fiesling zu sein. „

K~          „Ich möchte ihnen ja nicht zu nahe treten, Mr.Cullen, aber meinen sie wirklich?“

E~          „Ja, sicher. Ich würde mich über eine mutige Autorin freuen, die MICH als den bösen Emmett präsentiert. So richtig schön gemein und gehässig, ja das wäre meine Traumrolle!“

K~          „Okayyy!?  Wir werden einmal einen Aufruf starten, vielleicht auf der
          Fanfiktion-Seite?“

E~          „Das wäre perfekt, das würde mich freuen!“

K~          „Hätten sie noch Vorschläge vorzubringen, oder …….?“

E~          „Hmmm na ja, da wäre schon noch etwas. Das ………ich weiß nicht, ich will
nicht, dass das meine Fiktion-Partnerin falsch versteht. ……..Wissen sie, es wäre ……auch mal……ganz nett……..vielleicht……wenn man mir mal eine andere…….Lady an die Seite stellen würde …………
          Rose, wenn du das liest, bitte versteh das nicht falsch.
          Du bist eine Spitzenfrau! Wirklich! …………Nur……………
          es muss ja nicht sein, sollte ja nur ein Vorschlag sein.“

K~          „Na ja, ihr „Vorschlag“ soll ja eine Anregung sein,
           für alle Autoren, die unser Interview lesen.
     Mr.Cullen, nun haben wir über ihre Verbesserungsvorschläge gesprochen.
          Wollen sie uns nun noch etwas positives über ihre Rolle in
               „Beginning a new life“ erzählen?“

E~          „Ja klar. In dieser Geschichte bin ich der große Bruder von, ja dem
          traumatisierten Edward, dem irgendwelche Idioten ziemlich übel
          mitgespielt haben. Unterstütze und schütze ihn vor, für ihn
          panikauslösenden Situationen. Bin mit meiner Familie natürlich
          loyal verbunden und würde sofort ohne Umschweife alles einsetzen,
          um jeden bedingungslos zu helfen. Das ist natürlich immer wieder
          eine sehr wichtige, grundehrliche Rolle, die ich übernehme.
Ich mache das auch sehr gerne und je mehr Text ich habe, umso besser…….:D
          Eines hat meine Rolle , ich bin immer beliebt, bei allen.
          Man muss mich einfach gern haben! ;D“

K~          „Da muss ich ihnen zustimmen. Feinde machen sie sich auf jeden Fall
          mit ihrer Rolle keine.
Und da wir alle ihre „knuffige Bruderrolle“ so lieben, bedanke ich mich bei ihnen für dieses ehrliche und aufschlussreiche Interview, Mr.Cullen.
          Wir lesen von ihnen!!!!“

E~          „Ja bestimmt (lacht laut und herzig)
          Bye und danke Snowhoney und allen Lesern,
          ohne euch würde es mich nicht geben!“

Von katarkus

Notiz von Snowhoney:  Einen bösen Emmett? Mal was Neues… das wäre so total OOC (Out of Character) aber wieso eigentlich nicht? Ist absolut ne Überlegung wert. Zwar in naher Zukunft wohl nichts in meinen FF’s, aber durchaus ne gute Idee.
Hallo, schreibt jemand bitte mal einen bösen Emmett um ihn glücklich zu machen?! Bitte? Hallo? Ist noch jemand da? *sich auf einmal alleine wiederfindet*

Edwards (Bravewards) Sicht

Jetzt habe ich also endlich die Gelegenheit, mich zu äußern. D.A.N.K.E
Das wurde auch langsam Zeit, nachdem ich in den letzten 38 Kapiteln zu einem ängstlichen Weichei mutiert war. Wer kommt denn bitte auf so eine Idee?
Ich bin Edward Cullen, der Traum aller Mädchen zwischen 12 und 88. Hast du nie gehört, dass man mich gerne mal mit einem griechischen Adonis vergleicht oder mir nachsagt, der schönste Mann im Staate Washington zu sein? Wie passt denn dazu bitte das Image eines verweichlichten Muttersöhnchens?
Autoren sind seltsame Wesen. Da spinnen sie sich in ihrem Kopf etwas zusammen, was so gar nichts mit der Realität zu tun hat und versuchen dann, dies dem Leser zu verkaufen.
Die Leser haben dir anscheinend auch noch abgenommen, dass ich quasi Angst vor meinem eigenen Schatten habe. Unglaublich.

Womit wir dann auch direkt bei meiner kleinen „Mängelliste“ wären:

·     Wieso bin ich völlig traumatisiert von dieser Besenkammer-Aktion? Ich hätte mir genauso Emmett schnappen und die Bande mal richtig aufmischen können. Ich bin doch kein kleines Mädchen, ich habe keine Angst im Dunkeln.
Und dass ich jeden Abend vor dem Schlafengehen unter meinen Bett nachschaue, ob sich da auch kein Monster versteckt, ist ein böswilliges Gerücht, was garantiert Alice in die Welt gesetzt hat.
Mal ehrlich, wirke ich wie jemand, der sich von Mike Newton einschüchtern lässt? Dieser halbgare Saftsack hätte mich doch niemals überrumpeln können. Es gefällt mir, dass er der Böse ist, denn endlich hat mal jemand gesehen, was hinter dieser dauergrinsenden Fassade steckt, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, ihn mich fertig machen zu lassen.
Herrgott, es war nur ein Wandschrank und nicht Guantanamo.

·     Dann die Sache mit Bella. Hallo? Es war wohl nicht zu übersehen, dass sie auf mich abfährt. Das hätte sogar mein blinder und tauber Großvater (Gott hab ihn selig ) bemerkt. Wieso muss ich über 20 Kapitel so tun, als würde ich es nicht bemerken?
Ich hätte die Kleine schon viel früher klarmachen können. Ihre Zeichen waren so eindeutig. Die Blicke, das zuverlässige Erröten. Ich wirke in der ganzen Geschichte ein wenig dümmlich, wenn ich das immer wieder ignorieren muss. Wir hätten so viel Spaß haben können, Bella und ich.

·     Wieso durfte ich mich nicht einmal wehren und musste immer mit hängendem Kopf durch die Gegend rennen? Das ist nicht gut für die Nackenmuskulatur, soviel dazu. Immer den verschämten Loser zu geben, passt mir gar nicht.
Du solltest wissen, dass ein Edward Cullen alles ist, aber kein Loser.

·     Und dann auch noch Yiruma. Nicht, dass dieser Komponist nicht vollkommen überbewertet wäre, nein, ich muss den auch noch spielen. Es ist ja auch vollkommen normal, dass ein Siebzehnjähriger nur auf Yiruma und Debussy steht. Wie uncool ist das bitte? Aber damit bist du nicht alleine, das wird mir in jeder zweiten Geschichte angetan.
Ein wenig Linkin Park oder Muse hätte es doch auch sein dürfen. Welches Mädchen steht denn noch auf klassische Musik? Deine Bella anscheinend, was aber, wenn wir ehrlich sind, schon sehr konstruiert ist, meine Liebe.

·     Jasper, der Retter in der Not. Warum zur Hölle redet der mit meinem Mädchen? Wieso muss er Bella über meine Gefühle aufklären? Wirke ich so debil, als würde ich das nicht selbst können?
Schön und gut, dass mein ewig verständnisvoller Bruder mir helfen will, aber ich hätte auch selbst mit Bella sprechen können. Zu dem Zeitpunkt war doch längst alles klar zwischen uns.

·     Alice. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Es war ein Muss, dass sie mich am Ende einkleidet, oder? Kann sie nicht einmal die Finger von mir oder meiner Freundin lassen?
Meine Mutter zieht mich seit zehn Jahren nicht mehr an, aber Alice darf das natürlich. Besitze ich so wenig Sinn für Stil und Ästhetik, dass ich mir meine Klamotten nicht selbst aussuchen kann?
Die halbe Schule, jedenfalls der komplette weibliche Teil und einige der männlichen Schüler (*grusel), wollen mich und du lässt Alice meine Outfits aussuchen.

·     Und dann diese Musikakademie, wo ich jedes Jahr den Sommer verbringe. Ich bin ein Teenager! Ich will mit Freunden abhängen, heimlich trinken und rauchen und nicht wie ein Volltrottel die kompletten Ferien mit klassischer Musik verbringen.
Kein Wunder, dass die mich in einen Schrank gesperrt haben. Ich hätte das auch getan, wenn ich so einem Trottel wie mir selbst begegnet wäre.

·     Die Krönung waren aber die Jungs aus La Push. Was wollten die denn bitte bei uns? Als ob ich die Hilfe von Jake brauchen würde. Und dann machen die auch noch heimlich gemeinsame Sache mit meinen Geschwistern und der dumme Edward hat keine Ahnung was Sache ist.
Ich kann diesen Jacob nicht mal leiden, der wirft Bella immer so komische Blicke zu.

·     Soll ich auch noch was zu dem Kuss sagen? Bella wollte es, seit Ewigkeiten, aber ich muss ja den kleinen Verstörten spielen, der uns beiden nicht einfach das geben konnte, was wir wollten.
Hätten wir damit deinen Plot versaut? Seit gefühlten 200 Kapiteln schwebte dieser Kuss zwischen uns, wir haben beide darauf gewartet, und deine Leser vermutlich auch, aber wir durften ja nicht.
Ich bin auch nur ein Mann, aber auf meine Hormone wurde in dieser Geschichte ja sowieso keine Rücksicht genommen.

Von angel-on-the-moon

Notiz von Snowhoney:  Also, erstens: Wie nur im Staate Washington? Seit wann so bescheiden? Und zweitens, das mit deinem eigenen Schatten habe ich nie gesagt, das kann nur Alice gewesen sein. Oder Emmett, der würde sowas auch sagen, denkst du nicht?!
Auch das mit dem „Unter-dem-Bett-nachschauen“ … also ich verleugne dass ich das geschrieben habe. Und selbst wenn es zufällig irgendwo steht, dann war das nicht von mir. So. Noch so eine Aktion die ganz sicher von Alice und/oder Emmett kommt.
Nur ein Wandschrank und nicht Guantanamo, hm? Dazu auch nur so viel: In Guantanamo wärest DU gegen Zigaretten eingetauscht worden. Punkt.
Zur Musik und allem was damit zusammenhängt: Schatz, Yiruma ist durchaus talentiert was Musik angeht und du hast GANZ andere Klaviermusik spielen dürfen, aber das wird natürlich ausser Acht gelassen. Männer. Gedächtnislücken sind für euch normal oder?
Da waren noch ganz andere und wirklich wundervolle Klavierstücke dabei. Und die Juilliard ist absolut krass. Wer da aufgenommen wird hats geschafft, du Horst. Sei nicht so undankbar dass die dich wollten.
Ach und mich und meine Bella zu verteidigen: Klassische Musik ist doch schön. Natürlich nicht alles, aber es gibt wirklich schöne klassische Musik.
Seit wann ehrst DU eigentlich die Klassiker nicht mehr, hm?
Jacob wirft Bella gar keine komischen Blicke zu! Hast du die FF eigentlich gelesen du Trottel? Jacob kennt Bella einfach nur seit er Windeln getragen hat, da wird man doch mal Leute länger anschauen dürfen um herauszufinden ob sie einem immer noch Sandkuchen in den Mund stopfen wollen.
Auf deine Hormone Rücksicht zu nehmen wäre hier auch zu viel gewesen. Über 100 Jahre angestaute Hormone berücksichtigen? Dann hättest du wohl dummerweise nicht eine halbe Minute mit Bella durchgehalten, also beschwer dich lieber nicht.
Ich kann dieses Versagen aber gerne nachholen *sich die Hände reib und Finger auf die Tastatur leg* Ach auf einmal wollen wir brav sein, ja? Interessant. *gehässig lach*
Mann musst du jetzt rauslassen dass du eigentlich ein Macho der besten Sorte bist? Da brauchste dich ja mal gar nicht wundern, dass es fast nur solche Macho-Edward-FanFictions gibt.
Und ich dachte du hast die mal satt und würdest gerne mal ein bisschen anders sein. Und wie kriegt man das gedankt? Mit Vorwürfen. Pff. Immer diese arroganten, eingebildeten Möchtegernstars. Ich sag dir mal was: Du bist bloß Fiktion. Ha! Was sagst du dazu?!

 
 
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Ich bin echt begeistert davon und danke meinem lieben Fan dafür *ihre Süße knuddel und total aufgeregt ist wegen dem mittlerweile 2. Video zu einer ihrer Stories*. Hier bekommt ihr den Link: http://www.youtube.com/watch?v=0AgTB0r6bJU

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