Save you (Robert Pattinson Ficlet)

 „You can never be known for what you want to be known for,” he notes. “People will know you for whatever they want to know you for.“

Laute Musik. Viel zu laute Musik.Verdammt wo kam die her? Leise grummelnd drehte ich mich um und blinzelte gegen das helle Licht auf meinem Nachttisch, die Musik war nicht weit entfernt… ich riss die Augen auf, sah meinen Wecker an und schüttelte den Kopf. Viertel vor fünf! Das war doch Mord.
Wütend ließ ich meine Hand auf den lauten Wecker schnellen und kuschelte mich wieder in mein Kopfkissen, doch es half nichts. Ich war wach. Naja, eigentlich war das gut so, denn ich musste auch schon bald los. Also stand ich auf , zog mir hastig meine Klamotten an und fuhr mir durch die Haare. Das würde reichen. Ausserdem musste es reichen, ich hatte keine Lust und auch keine Zeit jetzt auch noch zu duschen. Schnell noch einen Kaffee und dann los.
Die Treppen schlurfte ich mehr runter als ich ging und die Kaffemaschine hätte ich fast umgebracht anstatt sie anzumachen. Verdammt, ich war einfach noch nicht wach! Und in dem Zustand würde ich mich selbst auf die Menschheit loslassen… Schritte, auf der Treppe. Wer außer mir stand denn heute – an einem Samstag – so früh auf? Zumal in diesem Haus voller Faulpelze… Zu meiner Überraschung kam nun Victoria ins Zimmer getapst. Ihr Lächeln war noch etwas verschlafen, aber sie war eindeutig absichtlich aufgestanden, denn sie war fertig angezogen und sah mich abwartend an. Ich räusperte mich.
„Ähm, Vicky… was willst du so früh und so wach?“ Ihre sanften Augen sahen mich an.
„Na was wohl… mitkommen. Du solltest um die Uhrzeit nicht alleine fahren, außerdem bist du manchmal etwas verschlossen, gerade bei Menschen, die du kaum bis gar nicht kennst.“ Kopfschüttelnd goss ich den Kaffee in einen Thermosbecher um und nahm die Autoschlüssel vom Brett. Victoria folgte mir, ich erahnte ihre Silhouette in meinem Rücken. Ich hörte ihre kleinen Schritte, obwohl sie so sanft und leise waren. Vielleicht war es gut dass sie mitkam. Mit ihrer Anmerkung hatte sie gar nicht so unrecht gehabt.
Der Mercedes stand auf seinem Platz und ich wuchtete mich hinters Lenkrad. Wenigstens Auto fahren! Ich liebte die Geschwindigkeit. Okay es war nicht der silberne Volvo vom Dreh, aber er war auch sehr nett. Victoria sank auf den Beifahrersitz und ich startete den Motor, kurz darauf waren wir schon auf der Straße unterwegs Richtung London Heathrow.
„Wieso mussten sie unseren Onkel auch mit dem allerersten Flug früh morgens losschicken?“ Fragte sich Vicky murmelnd und starrte auf die Zeitanzeige. Ich wollte gar nichts sagen, was hätte ich auch sagen sollen? Sie hatte diese Frage nicht einmal ernst gemeint, denn sie wusste die Antwort genauso gut wie ich: Es gab keinen besonderen Grund. Wahrscheinlich war jedoch, dass unser Onkel genauso wenig Lust gehabt hatte so früh am Morgen hierherzufliegen. Nunja, genau genommen, nur so früh anzukommen. Losgeflogen war er bei diesem ewig langen Flug schon vor einer halben Ewigkeit.
Meine Gedanken glitten ab und Bilder von Palmen, schneeweißen Stränden und azurblauem Wasser erschienen vor meinem inneren Auge. Ja, ich sollte wikrlich einmal einen richtigen Urlaub ganz weit weg machen. So wie mein Onkel vielleicht, in Thailand. Oder irgendwo dort in der Nähe: Singapur, Vietnam. Es gab so viele Möglichkeiten und nun wo ich das nötige Kleingeld dazu hatte…
Nach einer Weile kam endlich die Ausfahrt nach Heathrow in Sicht und mit Freuden wechselte ich die Spur und fuhr ab. Bis wir zum Flughafengelände kamen hatte ich auch meinen Kaffee leergetrunken und seufzte einmal.
„Ja ich weiß, es ist viel zu früh.“ Sagte Victoria und half mir nach einem Parkplatz Ausschau zu halten. Trotz der frühen Stunde war der Parkplatz erstaunlich voll. Doch nach einigen Minuten fanden wir eine Lücke und ich ließ das Auto sanft hineingleiten. Also wenn ich in meinem Leben auf eines immer stolz gewesen war, dann auf meine Fahrkünste. Stolz schwoll meine Brust an und ich grinste als hätte ich gerade einen Preis gewonnen. Victoria auf dem Beifahrersitz lächelte unbestimmt. Als sie meinem Blick begegnete lachte sie nur einmal laut auf und stieg aus. Womit hatte ich sie denn zum Lachen gebracht? Meine Schwester war mir manchmal unverständlich, ihre Worte, ihre Taten und auch jede ihrer Gestiken. Aber vielleicht verlor ich auch nur langsam den Bezug zu meiner Heimat und meiner Familie? Das Reisen durch die ganze Welt hatte mich von so vielem entfernt was einmal mein ich ausgemacht hatte. Konnte ich mir sicher sein überhaupt noch ich zu sein? Kurzzeitig verwirrt und in Panik schlossen sich meine Hände fester um das Lenkrad. ‚Atmen‘ erinnerte ich mich selbst und lockerte den Griff bevor auch ich ausstieg. Jeder Winkel kam mir bekannt vor, sei es im Parkhaus oder in den Aufzügen, dem Treppenhaus oder der Halle. Seit etwas mehr als einem Jahr hatte ich viel zu viel Zeit auf Flughäfen verbracht, noch mehr Zeit natürlich in den Flugzeugen und ein wenig unangenehm erinnerte ich mich an manche Menschenaufläufe dort, wo ich gerade angekommen war. Mein Leben hatte sich grundlegend geändert und nicht alle der Begleiterscheinungen waren wirklich beneidenswert.
Victoria lief vor mir her und mir blieb nicht viel mehr als ihr zu folgen. Es ging kreuz und quer, Treppen rauf und Gänge entlang. Ich war froh, dass mich jemand führte, denn ich hatte meinen Orientierungssinn in den letzten Monaten nicht mehr benutzt und war immer irgendwem gefolgt – ich war sicher kaum noch in der Lage wirklich allein irgendwohin zu kommen. Aufgrund dieses Gedankens blieb ich abrupt stehen und runzelte die Stirn. War dem so? Hatte ich angefangen hirnlos durch die Gegend zu rennen und womöglich aufgehört selbst nachzudenken? Erschreckend. Vicky drehte sich um und legte den Kopf schief.
„Was hast du, Bruderherz?“ Fragte sie und Besorgnis kroch in ihre Augen. Sie war ein Engel von einer Schwester. Ich schüttelte nur schnell den Kopf und ging mit ihr an meiner Seite weiter.
„Da, das ist Franks Flug!“ Hörte ich die Stimme meiner Schwester und sie zeigte mit dem Finger auf die Anzeigetafel. „Oje, er hat Verspätung. Na toll. Fast eine Stunde!“ jammerte Vicky und ich seufzte nur ergeben. Immerhin hatte mich bisher niemand erkannt! Ich sah an mir runter: ausgetretene Sneakers, abgetragene Jeans und ein normales T-Shirt, dazu meine alte Lederjacke. Aufällig angezogen war ich ja nun auch wirklich nicht.
„Ich hole uns Frühstück okay? Bin gleich wieder da. Warte einfach hier auf mich.“ Kaum waren diese Worte ausgesprochen, war Victoria auch schon auf dem Weg etwas zu holen. Achselzuckend blieb ich wo ich war, drehte den Kopf und sah eine junge Musikerin sich einrichten. Interessiert musterte ich ihren Gitarrenkoffer, ihre Bewegungen und sie selbst natürlich. Ihre halblangen, hellbraunen Haare fielen ihr glatt über den schmalen Rücken, der mein Blickfeld ausfüllte. Mein Blick glitt an ihren Rücken entlang etwas tiefer und ich grinste anerkennend. Ihr Hintern kam in der engen, aber lässig wirkenden Jeans gut zur Geltung. Anders als es sonst meine Art war, kehrten meine Augen aber schnell wieder zu ihren Haaren zurück. Sie hätten eigentlich nichts Besonderes sein dürfen, doch sie glänzten als würden sie von einem extra Scheinwerfer angestrahlt. Ich ertappte mich dabei, wie ich mich kurz umsah, um herauszufinden ob hier nicht doch irgendwo ein Strahler angebracht war. Es gab keinen. Ich kniff die Augen zu, fuhr mir mit der Hand darüber und zog dann meine Finger einmal quer durch meine Haare, die daraufhin in alle Richtungen abstanden. Meine unordentliche, weltberühmte Frisur. Ich seufzte. Langsam ging mir nicht nur das Gerede, sondern auch das Gefühl meiner etwas längeren Haare auf die Nerven. Vielleicht sollte ich sie doch einfach abschneiden?
Die junge Musikerin wandte mir nun mehr als ihre Kehrseite zu und ich musterte ihr glattes, herzförmiges Gesicht. Es war kein aussergewöhnliches, aber ein durchaus hübsches Gesicht. Ihre Gitarre fiel mir positiv auf. Die schöne, helle Akkustikgitarre war von meinem persönlichen Lieblingshersteller und ich freute mich schon darauf den Klang der Saiten zu vernehmen. Und kaum hatte ich das Gefühl der Vorfreude verspürt, da erklang der erste Ton. Diese Akkustik, dieser Klang, wieso registrierte ausser mir scheinbar niemand die junge Frau? Die vereinzelt vorbeieilenden Menschen drehten nicht einmal den Kopf. Und dann hörte ich ihre Stimme.

Take a breath,
I’ll pull myself together.
Just another step until I reach the door
you’ll never know the way,
it tears me up inside to see you
I wish that I could tell you something to take it all away.

Sometimes I wish I could save you
and there’s so many things that I want you to know
I won’t give up till it’s over
if it takes you forever, I want you to know

Nichts anderes erschien mir wichtig in diesem Moment. Ich wartete auf jedes Wort, jede Zeile, die aus ihrem Mund kam. In ihrer Stimme klang so viel Leidenschaft und Ehrlichkeit mit, es erfreute mein Musikerherz. Man nahm ihr jede Zeile ab.
Ich bemerkte kaum wie mich meine Füße von alleine vorwärts trugen, immer mehr ihr entgegen. Der Musik, der Stimme und den Worten entgegen. Als mich nur noch etwa drei Meter von ihr trennten blieb ich stehen. Mir fiel auf wie sie den Mund bewegte beim Singen, dass ihre schmalen Lippen sanft geschwungen waren und die Zähne dahinter hell aufblitzten. Das Lächeln auf meinen Lippen, dessen ich mich nicht erwehren konnte, erwiderte sie wann immer sie aufsah.

When I hear your voice,
it’s drowning into whispers
you’re just skin and bones
there’s nothing left to take
and no matter what I do
I can’t make you feel better
if only I could find the answer
to help me understand                       

Sometimes I wish I could save you
and there’s so many things that I want you to know
I won’t give up till it’s over
if it takes you forever, I want you to know

if you fall, stumble down,
I’ll pick you up off the ground.
If you lose faith in you,
I’ll give you strength to pull through.
Tell me you won’t give up,
cause I’ll be waiting here if you fall
you know I’ll be there for you

if only I could find the answer,
to take it all away    

Sometimes I wish I could save you
and there’s so many things that I want you to know
I won’t give up till it’s over
if it takes you forever, I want you to know
Ohh, ohh
I wish I could save you…                     ~  Save you by Simple Plan  ~

Es war als hätte sie nur für mich gesungen. Ihre Augen hatten meine kaum verlassen beim Singen und ich konnte das Gefühl nicht erklären. Etwas in diesen großen Augen hatte mir Sicherheit gegeben, Vertrauen und ein Gefühl von Wärme. Jetzt saß sie ruhig da, ihre Augen auf mir ruhend und schwieg. Nervös strich ich mit der Hand durch meine Haare. Erneut kam mir die Idee eines Friseurbesuchs in den Sinn.Einem plötzlichen Impuls folgend, fragte ich:
„Was denkst du, würden mir kürzere Haare stehen?“ Über ihr Gesicht kroch ein Grinsen. Erst erwuchs es auf ihren Lippen, dann erreichte es ihre Augen und sie leuchteten mit nie gesehener Intensität. Atenlos wartete ich auf ihre Antwort.
„Sie würden mehr von deinem Gesicht preisgeben, mehr von diesen schönen blaugrauen Augen zeigen, die dich ausmachen, Robert.“ Bevor ich auf ihre Antwort etwas sagen konnte, riss mich Victorias Stimme von der Musikerin los.
„Robbie, was machst du da?“ Unwillkürlich hatte ich den Kopf zu ihr gedreht. Stirnrunzelnd und besorgt stand sie kurz hinter mir und sah zweifelnd an mir vorbei und wieder zurück. Da lag etwas in ihrem Blick, lauernd, so als würde sie an meinem Geisteszustand zweifeln. Total verwirrt sah ich wieder nach vorne und zuckte zusammen. Vor mir war nichts. Nur eine nackte Flughafenwand. Keine Musikerin, keine Gitarre, nicht ein einziges Zeichen, dass dort gerade eben noch jemand gewesen war. Zitternd sog ich Luft in meine Lungen. Hatte ich das geträumt? Oder mir nur eingebildet? Diese wunderschöne Stimme und die Frau? Unmöglich!
„Was ist los mit dir, Robert?“ Fragte Victoria erneut und ihre Stimme rutschte einige Töne höher. ‚Atmen, Robert‘ sagte ich mir selbst, drehte mich zu Vicky um und nahm ihr einen der Kaffeebecher ab. Dann schlang ich meinen freien Arm um ihre schultern und stellte ihr im Weggehen eine Frage:
„Glaubst du mir würde ein neuer Haarschnitt stehen?“

 

– Ende –

 

 

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Ich warte gespannt auf eure Reviews… =) und ausserdem habe ich noch ein Geschenk an euch… ein Cover zu diesem Ficlet:
http://666kb.com/i/b9t3qf2cxwt9o8ovd.jpg

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