Just one night? (Bobby Long Oneshot)

Dieser Tag war wie dazu geschaffen sich in eine Bar zu setzen und einfach nur noch Alkohol zu trinken. Am besten in rauhen Mengen.
Ich stöckelte auf den viel zu hohen Prada-Schuhen durch die Empfangshalle meines Hotels und schlug den Weg zur Bar ein. Ich hasste diese Schuhe, war lieber auf flachen Exemplaren unterwegs, aber ein bisschen Sexappeal konnte bei solcherlei Verhandlungen nie schaden. Wenn man dazu einen Hosenanzug trug, der noch dazu laut schrie „erfolgreiche Geschäftsfrau“, dann gingen auch solche Schuhe durch. Tage wie dieser, waren der einzige Grund meinen Job zu verfluchen. Ich war auf Geschäftsreise, hatte in den letzten drei Tagen ununterbrochen zähe Verhandlungen mit Investoren geführt. Die meiste Zeit ging ich meinem Job sehr gern nach, ich liebte es große Events zu veranstalten und arbeitete unwahrscheinlich gern im Team. Zu diesen Verhandlungen hatte ich aber alleine fahren müssen, da mein Kollege Dan leider erkrankt war.

Der Barhocker erschien mir am einladensten, was sollte ich auch alleine an einem der kleinen Tische? Zumal es einen nicht leugbaren Vorteil hatte wenn man direkt an der Bar saß: Der Alkohol hatte keinen langen Weg um zu einem zu kommen.
Mit einem flüchtigen Lächeln ließ ich mich in der Mitte der Theke nieder und sah den schmucken Barkeeper an. Er hatte blonde, kurze Haare und lächelte erfreut. Mit seinen Augen wanderte er einmal über meinen Körper und fragte dann professionell:
„Was darf ich ihnen bringen?“ Ich ignorierte den anzüglichen Unterton in seiner Stimme und bestellte einen Vodka Tonic. Es wunderte mich nicht unbedingt dass ihm gefiel was er sah, ich wusste dass ich nicht hässlich war. Das Shirt, welches unter meinem Blazer hervorlugte war aus zarter roter Spitze und umspannte meinen Busen, der auch nicht gerade unansehnlich war. Die Schuhe, die ein halbes Vermögen gekostet hatten, streckten meine Beine und hoben meinen Po optisch an, sodass ich beim Gehen sehr verführerisch mit der Hüfte wiegte. Männer konnten so einfach zufrieden gestellt werden. Aber wer war ich denn sie zu verurteilen? Ein hübscher Mann brachte meine Gedanken schließlich auch in Wallung.

Der blonde Barkeeper stellte mein Glas vor mir ab und ich verschwendete keine Sekunde damit es stehen zu lassen. Ich nahm es in die Hand und nippte daran. Ah, tat das gut. Nach so einem langen und anstrengenden Tag genoß ich meine wohlverdiente Dosis Alkohol. Ich trank ja doch eher wenig, aber manchmal war es einfach nicht mehr ohne Alkohol auszuhalten.
Ich war der Inbegriff der amerikanischen Businessfrau – zumindest laut meiner Kollegen. Vergleiche mit Samantha Jones aus Sex and the City waren mein ständiger Begleiter. Nunja, es stimmte ja auch: Ich war erfolgreich, ich lebte meine Karriere und war Single. Dass ich weder sexsüchtig noch für ständig wechselnde Partner oder Abenteuer bekannt war und auch nur 27 Jahre alt, störte dabei niemanden.
Mir gefiel der Vergleich nur bedingt. Erfolgreich zu sein war gut – in meinen Augen. Eine Karriere zu haben und sich selbst versorgen zu können war gut – in meinen Augen. Single zu sein war… tja, auf die Dauer einfach nervig. Meine letzte ernsthafte Beziehung lag drei Jahre zurück und ich wünschte mir oft endlich wieder einen Partner zu haben. Doch wie soll man einen passenden Partner finden, wenn man sich nicht verliebt? Ich glaubte an die große Liebe, hatte es immer und würde es wohl auch immer. Für mich musste der Funke einfach überspringen, sonst war der Mann schnell uninteressant. Dates hatte ich zwar immer mal wieder, aber seit drei Jahren hatte es kein Mann mehr geschafft mich für sich zu interessieren.

Schnell stellte ich mein Glas vor mir ab, hatte ich doch bei diesen Gedanken innerhalb von ein paar Minuten dreiviertel davon geleert. Wenn ich in dem Tempo weitermachte – und es war erst kurz nach halb zwölf – würde ich auf mein Hotelzimmer kriechen müssen. Da ich selten vor zwei Uhr schlafen ging, hatte ich noch eine Menge Zeit totzuschlagen.
Neugierig sah ich mich um, aber die große geschmackvoll eingerichtete Bar war recht leer. Es war ja auch erst Donnerstagabend. Vermutlich war am Wochenende mehr los, denn ich hatte gehört, dass diese Bar Anlaufstelle war in dieser Stadt – fast so wie eine In-Bar, auch wenn sie zu einem Hotel gehörte.
Noch während ich den Blick schweifen ließ, klingelte mein Handy leise und ich fischte es aus meiner Handtasche. Dan, sagte mir mein Display und ich nahm ab.
„Hey Dan.“
„Hallo Liebes, dann erzähl mal, was denkst du wie es gelaufen ist?“ Seine Stimme klang angeschlagen. Die schwere Bronchitis war wohl noch immer nicht wirklich auf dem Rückzug. Der Arme. Seine Frau würde sich sicher noch ein paar Tage um ihn kümmern müssen. Ich grinste bei der Vorstellung wie er ihr das Leben schwermachte. Man kannte das ja: Wenn Männer krank waren…
„Ich glaube wir haben unsere Sponsoren. Es war gut dass vorhin beim Abschluss noch Timothy dabei war. Du weißt schon, der von letztes Jahr. Hat die anderen davon überzeugt, dass unsere Events in der Regel gut besucht sind.“ Erst hörte ich Dan jubeln, dann husten und ich lächelte. Er tat mir wirklich Leid.
„Feierst du jetzt?“ Hakte er noch nach und nachdem ich das bejaht hatte, legte er auf. Ich legte mein Handy zurück in meine Tasche, trank mein Glas leer und bestellte das Nächste.

Neben mir wurden zwei Stühle zur Seite geschoben und ich bekam Gesellschaft. Zwei Männer. Einer schien noch jung zu sein, jünger als ich, vielleicht Mitte zwanzig und er hatte etwas längere haselnussbraune Haare, die ihm ins Gesicht fielen. Sein Begleiter war Mitte/Ende dreißig und hatte eine Kappe tief ins Gesicht gezogen. Sie unterhielten sich leise und bestellten zwei Bier. Beide sahen etwas müde aus, fiel mir auf, doch der junge Mann schien noch genug Energie für einen langen Abend zu haben.
Unaufällig musterte ich die Männer und ich musste sagen: Der junge Mann hatte es in sich. Er war groß, schlank und man erahnte unter dem Shirt und der Jacke einige Muskelstränge. Er hatte ein hübsches Gesicht und als er jetzt lachte, musste ich lächeln. Sein Lachen klang herzlich und einnehmend. Ich spürte ein angenehmes Prickeln meine Wirbelsäule hinunterwandern und verkniff mir das Seufzen. Wie würde das denn wirken, wenn ich aufseufzte nur weil ein junger Mann eine angenehme Stimme zu haben schien? Ich versenkte mein Gesicht fast in meinem Glas und trank es in einem Zug aus.

„Noch ein Vodka Tonic, Schönheit?“ Fragte der blonde Barkeeper und ich schob ihm mit einem Nicken mein leeres Glas entgegen, erwiderte aber trocken:
„Ich würde es schätzen wenn sie sich auf ihren Job konzentrieren und nicht mit billigen Komplimenten um sich werfen.“ Er schaute mich kurz verdattert an, dann nickte er ohne ein Wort zu verlieren und mixte mir einen neuen Cocktail. Die zwei Männer neben mir hatten ihre Gesichter mir zugewandt und musterten mich. Klar, so etwas hörte man anscheinend auch nicht oft. Doch wer gab dem jungen Hüpfer das Recht mich so plump anzubaggern? Nur weil ich eine Frau war, die offensichtlich einen über den Durst trinken wollte, war ich noch lange nicht leicht zu haben. Ausserdem war er blond, also absolut nicht mein Typ. Und keinerlei Ausstrahlung! Bitte, wie sollte mich so einer denn fesseln? Er wäre mir nicht einmal als One-Night-Stand gut genug. Auch an einen Mann für eine Nacht hatte ich Erwartungen, was wohl mit ein Grund war, wieso ich so selten One-Night-Stands hatte.

„Ich werde jetzt gehen. Ich bin müde. Mach nicht zu lang mein Freund.“ Verabschiedete sich der ältere der beiden Männer und trank sein Bier leer. Kurz darauf war er weg und sein Kollege allein. Schweigend tranken wir nebeneinander weiter und mieden den Blick zur Seite. Schon wieder war mein Glas leer und ich kramte mein Handy hervor um auf die Uhr zu sehen. Gerade mal kurz vor zwölf. Mit einem leisen Seufzen winkte ich den Barkeeper wieder heran.
Doch bevor ich irgendetwas bestellen konnte, erklang eine andere Stimme:
„Trinken sie auch noch etwas Anderes als Vodka Tonic?“ Ich drehte den Kopf.
„Wieso? Haben sie etwa Angst dass sie keinen Vodka mehr bekommen wenn ich weitertrinke?“ Entgegnete ich und begegnete zum ersten Mal den Augen des jungen Mannes. Sie waren groß, zeigten eine Tiefe, die mich beeindruckte und strahlten.
„Nein, ich trinke ungern Vodka. Ich dachte mehr daran, sie vielleicht auf ein Glas einladen zu dürfen?“ Diese Stimme! Mir stellten sich die Haare auf den Armen auf und in meinem Nacken prickelte es. Diese leicht rauhe, tiefe Stimme mit dem unüberhörbaren englischen Akzent. Was ihn wohl hierher gebracht hatte?
„Und was würden sie gerne trinken?“ Schoss ich zurück und er lächelte.
„Normalerweise trinke ich an Abenden wie heute einen Jägermeister. Aber ich bin offen für jedweden Vorschlag von ihnen.“ Ha! Rief ich in Gedanken aus und legte den Kopf kokett schief. Jetzt kannst du den Mann ja mal verwirren. Oder beeindrucken, was meistens die gleiche Wirkung am Ende hatte: Interesse.
„Wieso andere Vorschläge aufnehmen, wenn doch der Jägermeister so ziemlich die beste Idee von allen ist?“ Er hielt mitten in der Aufwärtsbewegung seiner Hand inne und starrte mich an. Das Bierglas in seiner Hand war vergessen.
„Sie trinken ernsthaft Jägermeister?“ Er klang fassungslos, was mich zum Lachen brachte. Irgendetwas an seiner unbeschwerten, direkten  Art gefiel mir ausgenommen gut.
„Ja.“ Mehr sagte ich nicht, deutete dem Barkeeper an zu servieren. Mit einem Schulterzucken machte sich der Blondschopf daran uns einzuschenken. Erst stellte er zwei Schnapsgläser vor uns, dann goss er ein und verstaute die Flasche wieder hinter sich. Mein Gegenüber stellte sein Bier ab, nahm sein Glas und hob es hoch.
Ich tat es ihm nach und lächelte. Seine gesamte Art, seine Augen, seine Stimme. Vielleicht wurde dieser Abend doch noch interessant.

„Auf uns…?“ Er machte eine kurze Pause und sah mich fragend an.
„Mary-Jane, aber Mary reicht.“ Half ich ihm und stellte mich somit vor. Kurz huschte ein Ausdruck der Überraschung über sein Gesicht, aber es war schnell wieder verschwunden.
„Bobby.“ Sagte er und stieß mit mir an. Wir leerten beide unser Glas in einem Zug. Ich leckte mir ohne nachzudenken einmal schnell über die Lippen um den letzten Tropfen nicht zu verschwenden. Bobbys Blick hing an meinen Lippen und er starrte unverhohlen von dort angefangen an mir runter. Ich spürte seinen Blick kurz an meinen Brüsten und dem roten Spitzenstoff verweilen, bevor er schnell weitereilte und den Rest von mir noch einmal begutachtete. An Selbstvertrauen schien es ihm wohl auch nicht zu mangeln.
Verwegen grinste ich. Mir war durchaus bewusst, wie ich auf Männer wirken konnte und gerade hier in dem halbdunklen Raum, der leisen Musik im Hintergrund und der entspannten alkoholgeschwängerten Atmosphäre.
Sein Blick hing immer wieder länger als es für einen Fremden höflich war an meinem Ausschnitt. Würde er mir nicht selbst so gut gefallen, hätte ich wohl schon längst eine Szene gemacht. An Mut dafür fehlte es mir nicht, aber die Anziehung die von diesem jungen Mann ausging war faszinierend. Und die Wärme die mir seine Blicke einbrachten.
„Noch einen oder schaffst du keinen mehr?“ Fragte ich mit einem schlemischen Grinsen und seine Augen hüpften von meinem Dekollettee zurück zu meinem Gesicht. Immerhin besaß er so viel Anstand mir in die Augen zu sehen wenn er mit mir sprach! Ein breites Grinsen erwuchs in seinem Gesicht.
„So schnell schafft mich nichts.“ Und schon hatte er eine zweite Runde Jägermeister für uns bestellt.

Diesmal leerten wir die Gläser nicht sofort, sondern sahen uns lange an. Ich wollte einschätzen wie weit er wohl gehen würde wenn ich ihn ein wenig ermunterte, vielleicht tat er dasselbe?
„Darf ich fragen wieso eine hübsche junge Frau wie sie hier alleine sitzen muss?“ Seine Augen blieben ehrlich und er sah nicht blinzelnd zur Seite, was mir endgültig zeigte, dass er hier nicht mit Adjektiven um sich warf nur um mich rumzukriegen.
„Geschäftsreise.“ Gab ich zu. „Mein Kollege ist erkrankt und musste leider zu Hause bei seiner Frau bleiben.“ Er musterte mich mit den großen Augen und lächelte dann.
„Mein Glück.“ Wie bitte? Ich hatte mich wirklich nicht getäuscht. Er war ehrlich, direkt und dabei auch noch höchst anziehend.
„Oder meines.“ Schoss ich zurück und brachte ihn zum Grinsen. Er zuckte mit den Schultern und nahm sein Glas auf.
„Oder das.“ Ich griff ebenfalls nach meinem Glas, wir stießen an – nicht ohne uns ein weiteres Mal lange in die Augen zu sehen – und tranken aus. Nun schlug der Alkohol an, zumindest bei mir. Die Mischung aus Vodka Tonic und Jägermeister war schon ein echter Hammer. Bedachte man dazu wie schnell ich das Zeug runterstürzte…
„Und wieso sind sie hier alleine gelandet? Wieso ist ihr Freund nicht geblieben?“ Eröffnete ich nun meinerseits die Fragerunde. Er runzelte kurz die Stirn.
„Er ist… müde. Im Gegensatz zu mir rennt er auch schon den ganzen Tag durch die Gegend.“ Kam dann die Antwort und ich zog fragend die rechte Augenbraue hoch. Sein Blick folgte meiner Gestik und er lächelte.
„Ich habe einen relativ angenehmen Tagesablauf momentan. Ich fange erst gegen 6 wirklich an zu arbeiten.“ In meinem Kopf begann es zu rattern. Wieviele Berufe gab es wohl, bei denen das ging? Schichtarbeit, Barkeeper, Kellner, Koch… aber bei all diesen Berufen erklärte sich nicht wieso er dann jetzt nicht immernoch arbeitete.
„Was machen sie denn beruflich?“ Fragte ich dann neugierig geworden. Er schüttelte kurz lachend den Kopf.
„Wollen wir nicht ein Du daraus machen? Ich komme mir so alt vor.“ Grinsend nickte ich. Also waren Männer doch manchmal genauso eigen was ihr Alter anging wie Frauen.
„Also?“ Hakte ich nach und er strich sich die Haare aus dem Gesicht. Mit einem leisen Seufzer bestellte er ein neues Bier und sah mich dann wieder an.
„Was würdest du denn denken was ich mache, Mary-Jane?“ Sein wunderbarer Akzent verwandelte meinen Namen in etwas Besonderes. Ich konnte schwer leugnen, dass mich diese Stimme und der ganze dazugehörige Typ mich anmachten.
Mit ihm zu reden war eigentlich schon seit einigen Minuten ganz und gar nicht mehr das was mir durch den Kopf ging, aber ich wollte auch nicht so erscheinen als hätte ich Sex so dringend nötig. Ich ließ mich auf sein Spiel ein, wollte aber deutlich machen was eventuell noch möglich war.
„Stripper?“ Riet ich drauflos und kurz sah er mich entsetzt an, dann fing er an zu lachen. Ich grinste in mich hinein, denn mancher Mann hätte mich für so eine Antwort wohl sitzengelassen, nicht so mein erstaunlicher Gegenüber.
„Seh ich dafür denn gut genug aus?“ Stellte er mir dann eine Gegenfrage und ich tat so als müsste ich lange darüber nachdenken, bis ich dann endlich mit den Schultern zuckte. Amüsiert betrachtete er mich.
„Also nicht?“ Fragte ich gespielt enttäuscht nach und er verneinte.
„Callboy?“ Schlug ich weiter vor und diesmal war er auf eine solche Antwort vorbereitet. Leise lachend schüttelte er den Kopf und hielt mir dann auffordernd seine Hände hin. Stirnrunzelnd betrachtete ich sie und fragte mich was er von mir wollte.
„Ich geb dir einen kleinen Tipp damit.“ Erklang seine Stimme und er bedeutete mir mit seinem Blick mir seine Hände genauer anzusehen. Ich tat es. Seine Finger waren lang und feingliedrig, aber trotz allem Hände die scheinbar Arbeit gewöhnt waren, denn ich konnte die Hornhaut an den Fingerkuppen sehen. Was verursachte Hornhaut an den Händen, aber nur an den Fingerkuppen…? Ich dachte angestrengt nach und mit einem Mal fiel mir der Sohn meiner Schwester ein. Er spielte fast den ganzen Tag lang Gitarre und seine Hände sahen ähnlich aus.
„Du bist Musiker?“ Brach es überrascht aus mir hervor und er grinste wieder nickend.
„Du bist schnell darauf gekommen.“ Zwinkerte er mir zu und ich wehrte ab.
„Mein Neffe spielt fast den ganzen Tag lang. Seine Finger sehen genauso aus.“ Erklärte ich und er schien jedes Wort von mir in sich aufzusaugen. Er hörte wirklich zu. Und scheinbar nicht nur weil er vorhatte mich flachzulegen und da nun einmal ein wenig höfliche Konversation dazugehörte. Ich war mehr als angenehm überrascht.

Wir nippten schweigend an unseren Getränken. Musiker also. Interessant.
„Und was spielst du?“ Sein Blick glitt von meinen langen Beinen zurück zu meinem Gesicht und begegnete meinem.
„Gitarre. Die meiste Zeit. Zwischendurch auch ab und an mal Mundharmonika.“ Die Mundwinkel verzogen sich wieder zu dem breiten Grinsen und ich musste zugeben: Es sah einfach verboten selbstsicher aus.
„Und du hast heute Abend…?“ Ich ließ die Frage absichtlich unbeendet. Er nickte.
„Ein Konzert gegeben. Nichts Großes. Nur in einem kleinen Club hier in der Nähe.“ Ich wiegte nachdenklich den Kopf. Dann fiel mir etwas auf um unser geplänkel wiederaufzunehmen.
„Und da hast du keine Frau zum Abschleppen gefunden?“ Ich blinzelte von unten durch meine Wimpern, spielte kokett mit einer Strähne meines Haares. Kurz musterte er mich abwägend, dann antwortete er mir ernsthaft:
„Ich finde nicht dass man Frauen einfach so ‚abschleppen‘ sollte. Eine Frau ist wie eine Gitarre.“ Setzte er hinzu und als ich fragend blickte, fuhr er fort: „Mit einer Gitarre, oder einer Frau, muss man zärtlich sein. Man muss sie liebevoll behandeln und mit Respekt, sonst wirst du nie das bestmöglichste Ergebnis erzielen.“ Huh. Vollblutmusiker also. Ich war erstaunt dass es das heutzutage doch noch gab. Aber ich konnte auch hier nicht leugnen, dass mich die Art und Weise wie er darüber sprach und mich dabei offen ansah anmachte. Ich war vollkommen in seiner Ausstrahlung gefangen.

Wir redeten noch weiter über dies oder jenes, nichts Bedeutsames, aber irgendwann lag meine Hand auf seinem Oberschenkel. Er hatte in der linken Hand, mit der er sich auf dem Thresen abstützte, seine Bierflasche und die rechte lag direkt neben meiner auf seinem Oberschenkel. Wir waren einander zugewandt und hatten schon die ganze Zeit über unauffällig die Nähe des anderen gesucht.
Wer immer auf unsere Körpersprache achtete würde genau wissen woran wir Beide ein reges Interesse hatten und was hier möglicherweise heute Nacht noch laufen würde.
Mich verwirrte es, dass ich trotz meines Verlangens mehr von ihm zu spüren als nur den angespannten Oberschenkel unter meiner Hand, nicht gewillt war das Gespräch brüsk zu unterbrechen. Genausowenig wie ich gewillt war – wie ich es sonst vielleicht in einer solchen Situation gemacht hätte – ihn direkt auf Sex anzusprechen. Wir schienen es Beide zu wollen, wieso also stand ich nicht einfach auf und zog ihn mit mir oder deutete an dass es spät war und man vielleicht auf sein Zimmer müsste. Doch der Barkeeper übernahm das für mich:
„Wir werden die Bar nun schließen, darf ich sie bitten zu gehen?“ Ich sah auf meine Uhr und es war tatsächlich schon zwei Uhr nachts. Die Zeit war wie im Flug vergangen, nachdem ich Bobby kennengelernt hatte. Wir beglichen unsere Rechnung, standen gemeinsam auf und liefen quer durch die Hotellobby zum Aufzug, schweigend.

Sobald sich die Türen geschlossen hatten und sich unsere Blicke kreuzten, knisterte es um uns herum. Die Luft war zum Zerreißen gespannt und einen Augenblick später hingen wir aneinander und küssten uns leidenschaftlich. Es gab keine Zurückhaltung, kein Zaudern. Seine Zunge drang sofort in meinen Mund ein und forderte meine zu einem schnellen Duell auf. Seine Hände strichen mir über die Seiten, eine landete auf meinem Hintern und presste mich an ihn, während die andere hoch in meine Haare fuhr. Meine eigenen Händen waren auch nicht untätig, die eine zerwühlte seine Haare, und die andere lag auf seiner Brust und krallte sich in sein Hemd. Als das ‚Pling‘ ertönte und die Türen aufgehen, lösten wir uns kurz voneinander und atmeten schwer. Dies war meine Etage und er sah mich einfach nur unverwandt an und bat stumm. Er gab mir damit zu verstehen, dass der weiter Verlauf allein meine Entscheidung war. Ich überlegte nicht, ergriff seine Hand und zog ihn hinter mir her. Mein Zimmer lag nicht weit den Flur entlang und als ich die Karte durch den Öffner zog, presste sich Bobby schon von hinten verlangend gegen mich. Meine Gedanken wirbelten durcheinander, aber ich konnte sie nicht fassen, denn alles was ich jetzt wollte war fühlen. In der Tür drehte ich mich zu ihm um und küsste ihn erneut mit aller Leidenschaft. Während ich mich jetzt auf den Kuss konzentrierte und nach Atem rang, glitten seine Hände an meinem Blazer entlang, öffneten die zwei Knöpfe und streiften mir das lästige Kleidungsstück vom Körper.
Ich fand den Weg zu seinen Haaren wieder und griff beherzt hinein um ihn noch näher an mich zu ziehen und spürte dann die Wand in meinem Rücken. Bobby lehnte sich gegen mich und stöhnte leise in meinen Mund.
Mir gefiel dass er so stürmisch war, sich nicht darum scherte welchen Eindruck das hinterlassen würde. Ich mochte es wenn es so leidenschaftlich war. Keine Zurückhaltung.
Mit festem Druck legte er seine Hände an meinen Oberkörper und fuhr mir über die Brüste, die ich ihm auch sehr bereitwillig entgegenwölbte. Er grinste auf mich herab und zog die Träger meines Spitzenshirts herunter, entblößte mich vor ihm.
Ich war wie Wachs in seinen Händen und arbeitete aber mindestens genauso geschäftig daran ihn von seinem Hemd zu befreien, wie er daran arbeitete meinen Körper freizulegen.
Ein Stöhnen entwich mir, als er seinen Mund gegen meine Brust presste und sanft an der Brustwarze zog. Es fühlte sich so gut an!
Meine Hände fuhren an seinem Rücken herab, eine blieb an seinem Hintern liegen und krallte sich dort fest, während ich die andere über seine Seite tiefer wandern ließ. Ich streifte seinen Bauchnabel und folgte dem dünnen Streifen Haare nach unten. Ich ignorierte seinen Hosenbund und platzierte meine Hand mitten in seinem Schritt und drückte leicht dagegen, was mir ein Aufkeuchen und dann ein Stöhnen einbrachte.
Es war nicht zu leugnen, dass wir einander begehrten und jetzt spüren wollten. Er war eifrig dabei mich zu verwöhnen, ob es daran lag dass er ein noch recht junger Mann war oder ob es einfach grundsätzlich so bei ihm war, vermochte ich nicht zu sagen. Ich genoß nur. Jede Streicheleinheit und jede Bewegung von ihm.
Seine Hände fühlten sich gut an auf meiner erhitzten Haut. Als meine Finger sich daranmachten seine Hose zu öffnen, drängte er mich zu dem großen Bett rüber und ließ mich darauffallen und folgte sofort nachdem er die Hose abgestreift hatte.
Dass meine schon längst herunter war hatte ich nicht einmal mitbekommen, aber ich lag nur noch im Spitzenunterhöschen vor ihm. Er schob sich über mich und ließ sich einen Moment Zeit um meinen Körper zu begutachten. Ihm schien sehr zu gefallen was er unter sich liegen sah und er beugte sich zu mir herunter und eroberte meine Lippen ein weiteres Mal um mich atemlos zurückzulassen, als seine Hand über meinen Oberkörper nach unten wanderte.
Ich verschwendete keinen Gedanken daran mich zu fragen, ob das hier richtig oder falsch war, er schaffte es mir genau das zu geben was ich jetzt brauchte und ich brannte. Ich brannte lichterloh für diesen fremden Mann und es fühlte sich so gut an.
Er war perfekt für mich.

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